Ist Co-Parenting eine gute Basis für eine stabile Kindheit?

vom 24.01.2020, 01:32 Uhr

In Deutschland ließen sich 2018 etwa 33 Prozent – jede dritte Ehe - scheiden. geschieden. Sogenannte „Scheidungskinder“ leiden nicht selten während und nach dem Trennungsprozess unter den Problemen und Streitereien der Eltern.

Speziell in der USA und Großbritannien hat sich nun seit einiger Zeit eine neues "Familienmodell" entwickelt welches als Co-Parenting bezeichnet wird. Dieses Modell ist vor allem für überzeugte Singles und gleichgeschlechtliche Paare interessant deren Kinderwunsch trotzdem vorhanden ist. Die Eltern - also die leibliche Mutter und der leibliche Vater - gehen keine Beziehung oder Ehe miteinander ein. Bei Co-Parenting basiert die Familie auf pragmatischen Überlegungen und Freundschaft.

Beide leibliche Elternteile wollen und sollen sich um das zukünftige Kind kümmern nur eben in getrennten Wohnungen und auf Basis dieser Freundschaftsbeziehung. Es gibt inzwischen auch schon Plattformen auf denen man den passenden Elternteil finden kann. Geschlechtsverkehr spielt bei der Familiengründung normalerweise keine Rolle. Bei Co-Parenting werden Kinder in der Regel durch künstliche Befruchtung gezeugt.

Ist dieses Modell eurer Meinung nach eine gute Basis für das Kind? Worin seht ihr die Vor- und Nachteile gegen über einer klassischen Familie mit Liebesbeziehung als Basis? Ist das die zukünftige Lösung für Singles mit Kinderwunsch deren biologische Uhr tickt?

» EngelmitHerz » Beiträge: 2995 » Talkpoints: 64,69 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Zum ersten Absatz möchte ich ausführen, dass viele Kinder eher unter den Streitigkeiten der Eltern während einer Beziehung leiden. Die Trennung nehmen sie dann doch eher mit Erleichterung wahr und erleben dann oft mindestens ein entspanntes Elternteil. Die Erziehung eines Kindes durch zwei Elternteile, die getrennte Wohnungen haben und auch sonst nicht viel miteinander zu tun haben, stelle ich mir recht schwierig vor. Wie verhält sich das, wenn die Eltern in zwei verschiedenen Gemeinden leben?

Besuchen die Kinder dann zwei Kindergärten und zwei Schulen? Das ist doch für viele Kinder eine Zumutung und für zarte sensible Seelchen sowieso. Auch gibt es finanzielle Aspekte, die zu beachten sind. So kann nur einer Kindergeld beziehen und nur einer daraufhin den Kinderfreibetrag bekommen. Unterhalt fällt flach, da das Kind abwechselnd beim jeweils anderen Elternteil lebt. Und wer weiß, ob ein Elternteil überhaupt kindergeldberechtigt ist. Denn bei keinem der Eltern lebt das Kind überwiegend und somit fällt auch die Steuererleichterung flach.

Was ist, wenn ein Elternteil nicht mehr Single bleiben will und in einer Partnerschaft lebt oder sogar eine Eheschließung und damit Gründung einer neuen Familie anstrebt? Was, wenn der Stiefelternteil dann nicht mehr dulden will, dass das Kind ständig woanders lebt? Dann platzt das Modell in tausend Scherben. Auch gibt es schon ähnliche Modelle, wo das Kind oder die Kinder abwechselnd bei Mutter und Vater leben. Und da gibt es Konstellationen mit denen mindestens ein Elternteil gar nicht zufrieden ist.

Ich habe schon von Müttern gelesen, die unglücklich über ihre finanzielle Situation sind. Sie würden ihr Kind lieber mit allen finanziellen Hilfen, die sich ihr bieten könnten, aufziehen. Wenn Kindergeld, eine andere Steuerklasse und Unterhalt wegfallen, wird es schwer noch eine bezahlbare Wohnung zu unterhalten. Was, wenn plötzlich ein Elternteil um einiges ärmer ist, als der andere aber die gleichen Aufwendungen für das Kind leisten muss aber eben nicht kann?

Dann ist es aus mit der stabilen Kindheit, dann wackelt das Gerüst gewaltig und ist kurz vor dem Einstürzen. Dann schon lieber eine gut behütete Kindheit, in dem ein Elternteil das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat und der andere sich, zeitlich geregelt, trotzdem liebevoll um seinen Spross kümmert.

Benutzeravatar

» Quasselfee » Beiträge: 2110 » Talkpoints: 20,07 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Als ich neulich in einen Strudel aus Mami-Blogs gefallen bin, ist mir auch dieses Familienmodell untergekommen. Die Ultrakurzversion war etwa wie folgt: Die "biologische Uhr" tickte, eine traditionelle Zweierbeziehung war nicht in Sicht, aber da war ein netter Mann, der ebenso wie die Protagonistin mindestens ein Kind wollte. Und so hat man sich einvernehmlich entschlossen, den Teil mit dem Anbahnen einer Beziehung und den damit verbundenen Unsicherheiten einfach zu überspringen und gleich mit der Zeugung eines Kindes einzusteigen.

Bei der Schilderung des Erwerbs eines Heimbefruchtungs-Kits (steriler Plastikbecher, Einwegspritze und noch irgendwas) bin ich dann abgesprungen. :uebel: Aber das Blog hieß Zaubermausemami oder so ähnlich, also hat das Sperma die ungewöhnliche Art der Implementation wohl überstanden. Sex stand nicht auf der Karte, da eine klassische Beziehung weder geplant noch gewollt war. Nur eben Co-Parenting. Sie will Mama werden, er Papa und man ist sich untereinander nicht völlig zuwider.

Persönlich denke ich, dass ein derartiges Arrangement zumindest nicht schlechter funktionieren muss als die etwas konventionellere Art der Beziehungs- und Familienplanung. Wie schon erwähnt gibt es ja viele Alleinerziehende und "Wochenend-Papas", und die Kinder sind deswegen ja nicht gleich verkorkst. Und der Streit, die Tränen und das Drama, die einer Trennung oder Scheidung vorausgehen, bleiben so allen Beteiligten wenigstens erspart.

Maximal kann ich mir vorstellen, dass es für die Kinder anstrengender ist, da diese ja quasi im Rahmen eines Projekts entstanden sind. Wenn die Eltern derart verkrampft an die Sache herangehen und nicht gerade nehmen, was kommt und sich dann damit arrangieren, ist wenig Platz für ein "unperfektes" Ergebnis. Schließlich muss der Spross auch zugleich als Beweis herhalten, das unkonventionelle Familienmodelle auch ganz toll funktionieren.

» Gerbera » Beiträge: 10360 » Talkpoints: 1,72 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich stelle mir das eher schwierig vor, aber ich habe auch einen Vater für meine beiden Kinder. Wenn der Wunsch danach groß ist, aber man keine Beziehung eingehen kann, will oder es aufgrund der Einstellung nicht möglich ist, weil man homosexuell ist, dann muss man da eben auch einen Weg finden.

Ich stelle es mir rechtlich schon recht kompliziert vor, auch mit den Partnern an der Seite. Man muss sich ja über alles einig sein, das Kind auch finanzieren und so weiter. Das ist sicherlich kein einfacher Weg, aber möglich. Für viele Erwachsene ist dies sicherlich einen Versuch wert, weil sie auf anderem Wege nicht zu dem Kind kommen würden und das Kind wird ja dann durchaus auch geliebt und darauf kommt es an.

Ein Kind kann sich dem sicherlich gut anpassen und es ist besser als jeden Tag streitende Eltern mitzuerleben oder sonst irgendwie körperliche oder seelische Gewalt zu erfahren. Ein Kind, was so geplant entsteht, wird sicherlich geliebt und damit wird man sich viel Mühe geben, weswegen es sicherlich gut aufwachsen kann und ebenfalls mit einer offenen Einstellung.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^