Beim Meer leben und arbeiten - mehr Stress als schön?

vom 05.09.2021, 20:41 Uhr

Es gibt Menschen, die sehr gerne am Meer sind und sich dann dementsprechend auch sehr romantisiert vorstellen, da auch arbeiten zu wollen. Ist das dann aber wirklich so schön? Ich kann mir schon vorstellen, dass man dann durchaus auch mehr leisten muss, wenn man Ausländer ist und dann gar nicht so sehr dazu kommt im Meer zu baden oder den Strand zu genießen. Was denkt ihr darüber? Ist ein Leben am Meer schön oder ist es das nur in der Vorstellung? Was macht man dann, wenn man merkt, dass es doch nicht so leicht ist?

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 45872 » Talkpoints: 4,32 » Auszeichnung für 45000 Beiträge



Das kommt doch ganz auf den jeweiligen Fall an, oder? Ich arbeite immer mal wieder ein paar Monate am Meer und habe, als wir im Ausland gelebt haben, den Job mehrere Jahre gemacht. Der Arbeitgeber stellt ein Haus direkt am Meer mit Stall und Weiden für meine Pferde. Aus dem Wohn-und dem Schlafzimmer guckt man direkt aufs Wasser, da kommen gern mal Wale vorbei. Der Job hat allerdings so gar nichts mit Meer oder Tourismus zu tun und ist ebenso stressig oder nicht wie im Inland. Dem Gatten ging es nicht anders, der war für seinen Arbeitgeber dort und hat einfach seinen normalen Job gemacht.

» cooper75 » Beiträge: 12356 » Talkpoints: 518,80 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich rede auch oft so vor mich hin, dass ich total gerne am Meer leben würde, weil es da ja so schön/entspannend ist. Aber abgesehen davon, ob und wieviel Stress der Alltag bzw. Job dann mit sich bringt, denke ich, dass alles Schöne/Besondere auch irgendwann seinen gewissen "Zauber" ein wenig verliert.

Wenn man das Meer oder auch die Berge jeden Tag um sich hat, dann gehören die vermutlich einfach irgendwann auch zum Alltag dazu -zumindest denke ich so. Natürlich bleibt der Ort an sich vielleicht trotzdem schöner als eine Mietwohnung in der Großstadt, aber der Besuch am Strand ist dann an sich ja irgendwann nichts "Besonderes" mehr.

Inwiefern leicht, finanziell, vom Genussfaktor/Lebensgefühl her, oder was meinst du damit genau? Naja, was macht man, wenn man merkt dass es nicht so leicht ist bzw. dass die Lebenssituation nicht passt, dann sollte man handeln und sich umorientieren und überlegen wo und wie man besser klar kommt.

» EngelmitHerz » Beiträge: 2719 » Talkpoints: 54,34 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Wieso müssen "Ausländer" am Meer mehr leisten? Reichen dir Nord- und Ostsee nicht? Aber nein, es muss schon warmes Wasser sein, und nur weil die Deutschen an "Ausländer" oft höhere Ansprüche stellen bzw. sie die Drecksarbeit machen lassen, muss es ja nicht auf der ganzen Welt so sein.

Ich bin der Meinung, wenn es in dir drin nicht "schön" ist, kannst du in Bali am Strand sitzen und dort unglücklicher sein als in einer Zweizimmerwohnung in Wanne-Eickel. Glück kommt von innen heraus, und viele Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, an den äußeren Umständen herumzudoktern und sich dann zu fragen, wo das verdammte schöne Leben nun eigentlich bleibt, wo man doch jeden Tag "im Meer baden" kann.

Und was man "dann macht"? Was weiß ich? Wieder zurück in die Heimat, wo man wenigstens kein "Ausländer" ist und das nächste Schwachsinnsprojekt in Angriff nehmen. Vielleicht ist es in Norwegen ja schöner?

» Gerbera » Beiträge: 9984 » Talkpoints: 1,81 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Das mit dem "Ausländer und mehr leisten" verstehe ich auch nicht. Für mich wäre am Meer leben und arbeiten extremer Stress, zumindest, wenn es in einem heißen Land wäre, weil ich Hitze nicht vertrage und selbst Urlaub am Meer immer mit einer unangenehmen Schicht aus Sonnencreme, Sand, Salz und Mückenstichen verbinde. Je nach Land kommt dann noch die Luftfeuchtigkeit hinzu, die Kleidung und Haut gar nicht mehr richtig trocknen lassen. In den Tropen kann man sich noch diverse Krankheiten einfangen und eventuell ist die medizinische Versorgung nicht annähernd auf unserem Niveau.

Neben der individuellen Neigung und Klimaverträglichkeit spielt natürlich der Beruf eine Rolle. Als Tauchlehrer, Meeresbiologe, Surflehrer oder Fischer in Norwegen ist das Leben und Arbeiten am Meer natürlich erstrebenswert. Es gibt auch Firmen, wie etwa das große amerikanische IT-Unternehmen, bei dem mein Sohn arbeitet, die es erlauben, von überall aus zu arbeiten. Er könnte zum Beispiel irgendwohin in der Welt ziehen, bleibt aber lieber hier.

"Am Meer" ist es auch sehr unterschiedlich. Arbeiten in Sylt, etwa als Dozent an der dortigen Volkshochschule, ist etwas völlig anderes als ein Restaurant an einem Strand auf den Philippinen zu eröffnen oder als Animateur in einem Resort in der Dominikanischen Republik die Touristen zu unterhalten.

» blümchen » Beiträge: 3381 » Talkpoints: 14,28 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Was meinst du mit "beim Meer"? Klar, wenn du in irgendeiner Touristenhochburg im Tourismus in der Hochsaison arbeitest hast du wenig Zeit um dich gemütlich an den Strand zu legen. Das hat mit der Geographie aber nichts zu tun, oder glaubst du, dass man in einem Skigebiet im Winter viel Zeit auf der Piste verbringen kann wenn man in einem Hotel arbeitet?

Aber auch "beim Meer" gibt es viele Jobs, die wenig bis gar nichts mit Tourismus zu tun haben und die ganz normale Arbeitszeiten haben. Ich habe die Möglichkeit ein Ferienhaus auf Mallorca günstig zu nutzen und unsere spanischen Nachbarn dort sind zum Beispiel beide Lehrer.

Und wo genau muss ein Ausländer jetzt mehr leisten? In den Tourismusjobs ist es doch wohl eher umgekehrt. Einheimische, die das ganze Jahr über vor Ort sind müssen schauen, dass sie in der Saison genug für den Rest des Jahres verdienen, während Ausländer oft nur für die Saison kommen und im Winter dann woanders arbeiten. Zum Beispiel in einem Skigebiet oder auf einem Schiff.

Vielleicht musst du als Ausländer "mehr leisten" wenn du dauerhaft irgendwo leben willst und aus der Tourismusbranche raus willst. Weil du dann halt nach der Arbeit nicht am Strand liegen kannst sondern statt dessen in der Schule sitzt und Thai lernst oder einen Berufsabschluss, der im dem Land anerkannt wird, nachholst. Hat aber mit "beim Meer" eigentlich auch nichts zu tun. Das wird dem Griechen in Berlin genauso gehen.

Aber ganz abgesehen von deinen Aussagen, die ich teilweise nicht verstehe - wenn du irgendwohin auswandern willst, egal wo hin, solltest du dich halt vorher einfach mal richtig informieren. Und zwar nicht mit romantisierten Vorstellungen, die auf Urlauben basieren, sondern bei Leuten, die diesen Schritt schon gegangen sind und aus eigener Erfahrung berichten können. Es gibt fast in jedem Land Netzwerke von Auswanderern.

Benutzeravatar

» Cloudy24 » Beiträge: 26542 » Talkpoints: 80,83 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


Ich denke, es hängt davon ab, um welches Land bzw. Region und welche Art von Beruf es sich handelt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, in der Nähe des Meeres zu leben, wobei ich dabei in erster Linie an Nord- oder Ostsee denke. Und wenn ich nach Rostock, Lübeck oder Emden umziehen würde, würde sich mein Leben ansonsten wahrscheinlich gar nicht so groß ändern, außer dass ich eben dann am Meer leben würde (was mir gut gefallen würde).

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 3375 » Talkpoints: 628,66 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich muss sagen, dass ich das Wort “Ausländer” in dem Kontext nicht ganz verstehe. Ich wäre erst davon ausgegangen, dass du, ausgehend von Deutschland, die Nordsee oder die Ostsee meinst. Aber wenn du von Ausländer sprichst, dann gehe ich davon aus, dass du diejenige bist, die gerne im Ausland arbeiten würde und aktuell in Deutschland lebt.

Man muss die Dinge hier differenziert betrachten, da alleine die Zeitspanne, in der du die Arbeit ausführst, eine Rolle spielt. Wenn du aus einem anderen Land kommst und immer nur für ein paar Wochen dort bist, dann fällt es dir sicher schwerer dich dort einzufügen. Die Kultur ist eine andere und auch die Sprache kann eine andere als deine eigene Sprache sein. Das macht die Kommunikation schwieriger und eventuell fasst du Dinge falsch auf, sodass es hier Konfliktpotenzial gibt.

Wenn du aber öfter dort bist und da schon länger arbeitest, über mehrere Monate oder sogar das ganze Jahr, dann bist du auch irgendwann kein “Ausländer” mehr. Du hast dann vielleicht andere Wurzeln und eine andere Heimat, aber du bist dann trotzdem Einwohner in dem jeweiligen Land. Mit der Zeit fällt es dir dann natürlich auch leichter dich an die Gepflogenheiten der Einheimischen anzupassen und auch die Sprache und die Arbeitsweise werden sich bei dir mehr anpassen und dir leichter fallen. Deswegen wäre es von Vorteil, wenn du länger bleibst und nicht nur immer wieder für kurze Zeit da bist.

Ansonsten kann man noch im Allgemeinen sagen, dass du sicher immer wieder mit bestimmten Vorurteilen zu kämpfen hast, je nachdem, wo du herkommst und wo du hinwillst. Wenn du in ein Land gehst, wo Frauen nicht gleichberechtigt sind, aber du selbst vielleicht eine Frau bist, dann kannst du es am Anfang schwer haben. Ebenso wirst du mit den Vorurteilen gegen deine Heimat ankommen müssen. Wenn du aber zuverlässig bist und deine Arbeit gut machst und dich auch gut ins Team einbringst, dann wirst du sehr schnell akzeptiert werden und die Vorurteile sind schnell vergessen.

Allgemein lässt sich aber auch sagen, dass die Arbeit je nach Bereich immer stressig ist. Ich denke nicht, dass man sagen kann, dass es Berufe gibt, die stressiger sind, nur weil sie am Meer sind. Vielleicht trifft es für bestimmte Verkäufer oder die Gastronomie zu, weil viele Menschen ihren Urlaub am Meer verbringen, aber auch in Großstädten ist in der Saison viel los. Meine Arbeit im Krankenhaus wäre jedenfalls überall in etwa gleich stressig, denn kranke Menschen gibt es überall und als Krankenschwester hat man immer viel zu tun.

» Hufeisen » Beiträge: 5959 » Talkpoints: 9,14 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^