Beim Begriff Großfamilie negative Assoziationen?

vom 20.06.2020, 09:22 Uhr

Den Leserbriefen zu manchen Artikeln in online Zeitungen nach gibt es einige Menschen, die bei dem Begriff Großfamilie negative Assoziationen und Vorurteile haben. Wenn sich eine Großfamile mit Corona infiziert hat, wird gleich vermutet, dass es kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund sind, die Hartz-4 empfangen.

Dabei ist eine Großfamilie auch eine Familie mit zwei Kindern, die Omas und Opas und Tanten und Onkel haben, die in unterschiedlichen Haushalten wohnen. Eine Kleinfamilie ist eben nur ein Haushalt mit Eltern und egal wie vielen Kindern. Jeder gehört zu einer Großfamilie, wenn er noch irgendwelche Verwandten über drei Generationen hinweg hat. Die Gesamtheit der Verwandten ist die Großfamilie.

Wird der Begriff in den Medien vielleicht im Kontext so benutzt, dass er bei manchen negative Assoziationen weckt? Ich bin oft entsetzt über die Leserbriefe, insbesondere die in der Welt online. Sollte man nicht mehr Großfamilie sagen, sondern etwas anderes?

» blümchen » Beiträge: 1862 » Talkpoints: 47,36 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Interessanter Beitrag. Diese klare Definition gemäß Wikipedia hat wahrscheinlich kaum einer auf dem Schirm und mir war gar nicht bewusst, dass ich so betrachtet auch Teil einer Großfamilie bin. Noch Geschwister, Onkel und Tanten zu haben ist auch gewiss keine Seltenheit, migrantische Großfamilien nimmt man jedoch eher als solche wahr, da sie oft geschlossen auftreten. Während bei mir Ereignisse, in denen das der Fall war, wie z. B. Feiern, in meinem ganzen Leben vielleicht 2x stattgefunden haben. Man trifft mal hier einen Teil, dann dort einen Teil, aber alle zusammen, das kommt nicht oft vor.

Ich denke mal die Wahrnehmung des Begriffs hängt damit zusammen, dass solche einheimischen Großfamilien im Prinzip nicht in den Medien auftauchen. Die Leute sind hingegen mittlerweile mindestens wöchentliche Negativschlagzeilen von migrantischen Großfamilien gewohnt, was sicherlich die Wahrnehmung des Begriffes prägt.

Vielleicht haben sich die Begrifflichkeiten auch durch migrierte Großfamilien verschoben und müssen möglicherweise tatsächlich neu definiert werden. Sprache ist ja auch etwas, das sich stetig wandelt. Eine Familie wie oben beschrieben empfinde ich einfach als ganz normale Familie. Großfamilien mit Migrationshintergrund hingegen umfassen meist erheblich mehr Personen, da können bei z. B. Hochzeiten mit 2 Familien schon mal Personen in nicht geringer dreistelliger Zahl zusammenkommen. So wirklich passt ein und derselbe Begriff für beides nicht mehr richtig, auch wenn er formal korrekt ist.

» Paulie » Beiträge: 424 » Talkpoints: 47,52 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Großfamilie definiert sich bei mir auch durch kinderreiche Familien. Wobei die richtige Definition wohl eine andere zu sein scheint. Das finde ich schon komisch, weil doch die meisten Leute auch noch weitere Familienmitglieder haben und so wäre wohl fast jede Familie eine Großfamilie. Ich denke auch, dass man viele schlechte Verbindungen mit dem Begriff hat, weil man das durch die Medien gezeigt bekommt.

Dort tauchen entweder die letzten Asozialen im Programm auf oder sie begehen Straftaten, sind brutal und so weiter. Wann redet man aber auch mal über all die Familien, in denen es gut läuft? Ich denke viele Großfamilien bekommen das auch super hin und man braucht weder Vorurteile gegen Ausländer, noch gegen deutsche kinderreiche Familien haben.

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» Ramones » Beiträge: 43577 » Talkpoints: 70,45 » Auszeichnung für 43000 Beiträge



Ich habe bisher Großfamilien auch nur als Familie mit einer großen Kinderanzahl assoziiert, wobei das eine das andere ja zumindest nur bedingt ausschließt. Hätte meine Oma nicht 5 Kinder bekommen, dann hätte ich jetzt auch keine so vielen Tanten und Onkel. Jedenfalls sind dann so gut wie alle Familien in meinem Freundes- und Bekanntenkreis Großfamilien, wenn man nach oben genannter Definition geht.

Ich empfinde allerdings den Begriff 'Großfamilie' jetzt auch nicht als unbedingt negativ. Wenn ich an Großfamilie denke, dann denke ich zwar an eine kinderreiche Familie, aber das verbinde ich nicht automatisch mit asozialen Familienverhältnissen bzw. einer anderweitigen negativen Behaftung. Ich finde es sogar eigentlich ganz schön wenn Paare Freude an einer großen Kinderschar haben. Ich kenne mehrere 'Großfamilien' mit vier bis sechs Kindern die sich durchaus sehr sozial in die Gesellschaft integrieren und ein scheinbar vorbildliches Familienleben führen.

Negativ behaftet ist bei mir eigentlich nur der Begriff 'Familien-Clan'. Wir haben hier an unserem Wohnort mehrere solcher 'Clans' mit Migrationshintergrund die tatsächlich immer wieder für die negativen Schlagzeilen in der Lokalzeitung sorgen.

» EngelmitHerz » Beiträge: 2597 » Talkpoints: 31,26 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Also zunächst einmal ist eine Großfamilie eben das, was der Begriff auch aussagt, eine größere Familie. Das in den Medien diese Begrifflichkeit immer negativ assoziiert wird, liegt an einer gewissen Klientel, die natürlich auch in gewisser Weise selbst daran schuld ist. Auch wenn man anmerken muss, dass nicht jeder von denen mit demselben Nachnamen auch gleich kriminell ist. Das ist natürlich auch immer solch eine Angelegenheit, die man echt mal anmerken muss.

Doch wenn Familie El-Zein, Saado, Rammo, Remmo, Al-Zein usw. aktiv werden, ist das immer medial ein Artikel wert. Da ein sehr großer Teil eben immer wieder kriminell sehr massiv auffällt und es ist nur allzu klar, dass man dann auch ein gewisses „Großfamilienbild“ damit suggeriert. Doch der Unterschied ist der Hintergrund. Denn wenn jetzt Großfamilie „Müller“ da stehen würde, würde doch niemand von irgendwas ausgehen!

Ich muss daher sagen, dass gewisse Personenkreise einfach selbst schuld sind. Sie sollen sich also auch nicht medial und vor Ort als Opfer darstellen. Das tun sie sehr gerne und das kann ich live behaupten, da ich viele von ihnen persönlich kenne. Da kommt dann auch immer „Kätzchen“ aber wenn die Familie „Schmidt“ was tun würde, sagt das auch keiner. Das stimmt, aber die Familie Schmidt ist auch nicht wöchentlich in den Medien, weil sie hoch kriminelle Familienmitglieder hat.

Fair mag das dennoch nicht sein und sobald da Großfamilie steht, sehe ich auch die Kommentare im Web. Die sind sehr vielversprechend und eindeutig. Doch das wird man aus vielen Köpfen auch nicht mehr rauskriegen. Das ist genau so unter Artikeln, wo steht, dass Mann seine Frau umgebracht hat nach Trennung. Zu 90 % sind die Kommentare da sehr eindeutig und nicht selten werden sie innerhalb des Artikels auch untermauert, wenn der Hintergrund bekannt ist.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5594 » Talkpoints: 0,12 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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