Meinungen zur Privatisierung öffentlicher Leistungen

vom 22.12.2019, 02:15 Uhr

Knapp 80% der Deutschen sind laut Umfragen der Meinung, dass die Privatisierung von öffentlichen Leistungen zu weit gegangen wäre und eine Umkehr geboten sei, um diesen Trend zu stoppen. Befürchtungen und Forderungen werden laut, dass Privatisierung immer mehr mit Arbeitsplatzabbau und sozialem Abstieg einhergehen und man hier ein stärkeres Eingreifen des Staates erwartet.

Welche Meinung habt ihr denn zur Privatisierung öffentlicher Leistungen? Findet ihr den eingeschlagenen Weg gut und richtig und sind da auch fatale Fehler gemacht worden? Welche Beispiele fallen euch denn ein, wo eine Privatisierung gelungen ist und wo diese vollends in die Hose ging?

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» mikado* » Beiträge: 3010 » Talkpoints: 982,72 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich muss sagen, dass ich allgemein eher skeptisch bin, was die Privatisierung öffentlicher Leistungen angeht. Sicher bietet es auch Vorteile, wenn gewisse Leistungen privatisiert werden, aber ich sehe da die Gefahr, dass es nur noch um Gewinnoptimierung geht und das finde ich bei Leistungen, von denen alle Menschen profitieren sollen, eher nicht so positiv. Vielleicht wird dann mehr gemacht, wenn die Leistungen privatisiert sind, aber ich bin eher dafür, gewisse Dinge nicht privatisiert werden sollten.

» Barbara Ann » Beiträge: 28382 » Talkpoints: 54,62 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Ich stehe dem Ganzen immer zwiegespalten gegenüber. Zum einen denke ich natürlich schon, dass es Leistungen gibt, die der Staat anbieten sollte und die nicht dazu da sind damit Gewinne zu erzielen. Das betrifft dann zum Beispiel Bereiche wie Bildung, Gesundheit oder auch Infrastrukturmaßnahmen. So finde ich es grundsätzlich töricht, dass man versucht mit der Versorgung von kranken Menschen Geld zu verdienen und denke da, dass es wesentlich sinnvoller wäre, die Dividende der Aktienkonzerne wie Fresenius oder Rhön und wie sie alle heißen lieber wieder in das System zu stecken.

Aber auf der anderen Seite zeigt die öffentliche Hand ja auch eben viel zu oft, wie schlecht der Staat mit Geld umgehen kann und wie wenig Antrieb zur Weiterentwicklung von Bürokraten kommt. So ist es ja nicht so, dass diese Privatkonzerne jetzt das Geld klauen, was sonst früher sinnvoll investiert worden wäre. Sondern vielerorts sind ja vorher die gleichen Geld nur ungerichtet verplempert worden. Genauso sieht man ja an vielen öffentlichen Großprojekten, wo sich die Bauherren dann noch zwanzig mal ohne jegliches Fachwissen in den Bau einmischen, dass die Bauzeiten dann abartig lang werden und die Kosten explodieren. Hier fehlt dann einfach der Anreiz mit schneller Fertigstellung eher Geld zu verdienen oder eben doch mal auf den Euro zu achten den man ausgibt.

Einen Königswegs kenne ich da aber auch nicht. Sinnvoller wäre da sicherlich ein Controlling einzuführen, was auch Beamte und Staatsbedienstete haftbar macht, wenn sie da irgendeinen Blödsinn verzapfen. Aber da muss man dann natürlich genauso schauen, dass man dann nicht irgendwann so restriktiv ist, dass keiner mehr für irgendwelche Leistungen und Vorhaben Verantwortung übernehmen will. Aber in einer kapitalistischen Marktwirtschaft Leistungen am marktwirtschaftlichen Prinzip vorbei zu vergeben, wird wohl auf Dauer nicht funktionieren. Denn da ist dann eben Geld doch der stärkste Antrieb für Verbesserungen und Innovationen. Und öffentliche Auftraggeber fehlt dafür eben doch irgendwie der innere Antrieb auf das Geld zu achten, weil es eben nicht das eigene Geld ist und sich auch im eigenen Verdienst wenig ändert, wenn da irgendwas besser oder schlechter läuft.

» Klehmchen » Beiträge: 5032 » Talkpoints: 831,70 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



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