Härtere Strafen für Sexualstraftäter sinnvoll?

vom 11.07.2018, 11:12 Uhr

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland wird ja immer wieder von einigen politischen Parteien eine härtere strafrechtliche Gangart, im Sinne von höheren Freiheitsstrafen, gegenüber Sexualstraftätern gefordert. Interessant bei dieser Debatte ist aber, dass sich weder die politischen Parteien noch die Strafrechtswissenschafter über dieses Vorhaben einig sind.

Da mich nun interessiert, ob sich dieses Forum hier einig ist, möchte ich die Frage in den Raum werfen - "Soll es höhere und härtere Strafen für Sexualverbrecher geben? Wenn ja, warum?"

» jupla » Beiträge: 192 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Mit mir über dieses Thema zu sprechen ist schwierig. Ich habe selber sexuelle Straftaten an mir erfahren müssen, die bis heute mit PTBS als Problematik an mir haften. Ich gehe damit zwar deutlich anders um, als andere Menschen, die womöglich zu Pillen, Selbstmord & Co greifen. Das bedeutet aber nicht, dass ich die Dinge aus meiner Kindheit vergessen habe. Sie verfolgen mich eher in meinen Träumen und sind ein Teil dessen, dass ich sehr gefühlskalt in vielen Punkten rüber komme. Ich bin, was Straftaten angeht, an mir selber, komplett abgestumpft.

Ich bin für härtere Strafen, eindeutig. Es zeigen immer wieder neue Beispiel von Kurs-Teilnehmern, wo man präventiv eingreift, dass die Leute doch rückfällig werden. Pädophilie ist in meinen Augen beispielsweise nicht heilbar. Sich zu kontrollieren, das hat was mit eigener Disziplin und Willensstärke zu tun, aber dazu muss ein Pädophiler beispielsweise Verstehen, dass es nicht in Ordnung ist, was er fühlt, denkt und möchte. Das Verstehen aber nun einmal nur die wenigsten, denn diese reden sich ein jemanden zu lieben sei in Ordnung, egal wie alt derjenige ist.

Ich kenne aus beruflichen Gründen zudem so viele Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Diese nimmt wiederum niemand für voll, weil sie teilweise Prostituierte sind. Ich sehe also auch in meinem Umfeld, dass meine Problematik immer häufiger zum Vorschein kommt und die Täter? Die werden teilweise noch beschützt, was ich unglaublich finde.

Mein Täter weiß bis heute, wo ich wohne. Er hat mir aus dem Gefängnis regelmäßig Briefe geschrieben. Er hat mich erst vor wenigen Wochen auf meiner Arbeitsstelle besucht und das finde ich mehr als befremdlich. Rufe ich die Polizei heißt es, er tut ja nichts. Super Sache. Dafür hat er genug getan und das was er jetzt tut hat nun einmal einen Grund!

Sexuelle Straftaten lösen in einem Opfer viel aus. Die einen bringen sich um, die anderen sind nicht mehr in der Lage eine Beziehung zu führen, andere leiden regelmäßig unter Flashbacks und mehr. Während der Täter mal 2 Jahre Bewährung kriegt (alles schon erlebt !), ein anderer 5 Jahre abgeht und danach gut und glücklich neu anfängt, fertig.

Ich finde schon, dass bei sexuellen Straftaten von Missbrauch von Kindern und Vergewaltigungen, sowie Zwang zu Oralverkehr auf alle Fälle keine Bewährung mehr geben sollte. Das wäre mir persönlich einfach schon einmal wichtig. Auch nicht für Jugendliche. Damit könnte ich schon im ersten Schritt leben und alles weitere, da muss man dann schauen.

Doch nimm es mir nicht übel, wenn ich eigentlich sogar ein etwas krasser Mensch diesbezüglich bin. Ich habe diesen Menschen immer die Todesstrafe gewünscht, schon seit es mir in frühen Kindheitstagen sowie im jugendlichen Alter passiert ist. Immer!

Heute bin ich sogar der Mensch, der bei einer derartigen Straftat lieber selbst aktiv angreift, ehe ich die Polizei rufen würde. Bitte nicht nachmachen oder sowas! Ich rede von mir! Wieso? Ich fühlte mich schon als Kind nicht vom Gericht gut beschützt und im Nachhinein weder noch in der Jugend. Und bis heute ist das so, wenn es um sexuelle Gewalt geht, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass wir Opfer wenig wert sind.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4954 » Talkpoints: 9,72 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Wenn Kinderschänder Bewährungsstrafen bekommen oder Vergewaltigungsprozesse mit Freisprüchen enden, frage ich mich schon was los ist. 3 Urteile bei 1.200 Anzeigen in der Silvesternacht machen Opfern auch nicht gerade Mut. Die Opfer leiden meist ein Leben lang. Warum nicht auch die Täter?

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» Juri1877 » Beiträge: 6574 » Talkpoints: 9,45 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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