Feiertage gegen mehr Urlaub eintauschen?

vom 08.07.2019, 18:32 Uhr

In den Niederlanden ist eine Firma hergegangen und hat in Abstimmung mit den Mitarbeitern alle 7 Feiertage „gestrichen“ und diese dafür bei den Urlaubstagen draufgeschlagen. Hört sich ja erst einmal gut an, bedeutet aber im Umkehrschluss, dass wer an einem Feiertag dann nicht zur Arbeit kommen möchte, dafür dann eben einen Tag Urlaub nehmen muss.

Ich finde das schon einen etwas merkwürdigen Kuhhandel und ich weiß nicht, ob ich mich darauf eingelassen hätte. Was haltet ihr denn von solch einer Idee? Würdet ihr auch so bereitwillig alle Feiertage für mehr Urlaubstage hergeben und welche Vorteile und Nachteile seht ihr in derartigen Regelungen?

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» mikado* » Beiträge: 2922 » Talkpoints: 905,63 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das würde ich auf gar keinen Fall machen, das wäre ja dann im Endeffekt eine Nulllösung und gewinnen würde dann nur der Arbeitgeber. So kann er wahrscheinlich den Feiertag arbeitstechnisch zu einem ganz normalen Arbeitstag deklarieren und ist dann im Endeffekt wahrscheinlich noch nicht mal mehr verpflichtet die höheren Zuschüsse zu zahlen. Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass einige Arbeitgeber das zumindest dafür ausnützen würden.

Viel interessanter dagegen, finde ich den Ansatz der Linken, den sie mal vor ein paar Jahren gemacht haben. Da geht es darum, dass wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt, dass dieser dann am darauffolgenden Montag nachgeholt wird. Dass das geht zeigen die Beispiele aus Spanien und Großbritannien. In Belgien und Luxemburg, legen in diesem Fall die Firmen einen Kompensationstag fest, an dem dann dieser Feiertag, der auf ein Wochenende gefallen ist, nachgeholt wird. Insgesamt soll es wohl 85 Länder geben, in dem die Regelung schon durchgeführt. Das finde ich mal ein guter Ansatz. Denn Fakt ist, fällt ein Feiertag in eine Woche oder sogar kurz davor oder dahinter, reiben sich die Arbeitnehmer die Hände und fällt so ein Tag aufs Wochenende, sind es dann eher die Arbeitgeber die sich daran erfreuen, zumindest dann wenn am Wochenende eh nicht gearbeitet wird.

Also auf einen Tausche, Feiertage gegen Urlaub, würde ich mich nicht einlassen, aber für eine Kompensationsregelung würde ich zumindest ein paar Tage abgeben wollen, aber eben nicht im gleichen Maße, wie Feiertage. Schließlich ist der Urlaub immer noch eine Erholung, in der man sich von der Arbeit erholen soll und das auch möglichst 2 bis 3 Wochen am stück. Wenn ich aber dann noch frei nehmen muss, um am Feiertag nicht arbeiten gehen zu müssen, muss ich diese Möglichkeit ja wieder etwas beschneiden.

» Kodi » Beiträge: 421 » Talkpoints: 14,45 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich denke auch, dass es dem Arbeitgeber darum ging, dass er an Feiertagen keine Zuschüsse mehr bezahlen muss, weil das für die Arbeitnehmer dann ganz normale Arbeitstage sind. Aus diesem Grund würde ich als Arbeitnehmer schon nicht damit einverstanden sein, wenn das so geregelt wird. Wenn es allerdings gar keine Zuschüsse gab und der Verdienst so oder so gleich wäre, dann fände ich die Lösung gar nicht so schlecht.

Ich sitze an Feiertagen schon mal auch zu Hause und langweile mich etwas, weil ich auch nichts machen kann, was irgendwelchen Lärm machen würde und dann würde ich auch manchmal gerne arbeiten. Darum fände ich diese Lösung gar nicht so schlecht, dass man an solchen Tagen auch arbeiten gehen kann und dafür eben einen Urlaubstag gut hat. So ist man dann flexibler. Wenn es für den Arbeitnehmer gerecht ist, finde ich so einen Tausch also nicht so schlecht.

» Barbara Ann » Beiträge: 28137 » Talkpoints: 116,20 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Ich finde die Idee sehr gut. Wir hatten im April, Mai und Juni jeweils zwei Feiertage, dafür hätte ich mir lieber eine Woche Urlaub am Stück genommen. Damit kann man viel mehr anfangen als mit einem Feiertag, der mitten in der Woche liegt und für den man dann Urlaubstage opfern muss um die Zeit bis zum Wochenende zu überbrücken.

Klar würde ich mir Weihnachten und Silvester frei nehmen weil ich diese Feste mit Familie und Freunde feiere, aber zu den meisten anderen Feiertagen habe ich überhaupt keinen Bezug. Ich wüsste spontan nicht mal, was die Christen eigentlich genau an solchen Feiertagen wie "Fronleichnam" feiern. In meinem Umfeld wäre es für niemanden schlimm wenn ich an dem Tag arbeiten würde, weil niemand eine spezielle Leichnamfeier veranstaltet.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23693 » Talkpoints: 31,98 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Von welchen Zuschlägen redet ihr hier? Es ist eine niederländische Firma ohne Tarifvertrag. Da bekommt kein Mensch Geld dafür, dass er an Feiertagen arbeitet. Das ist hierzulande ohne Tarifvertrag, Regelung im Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung auch nicht vorgeschrieben. Der besagte Betrieb bietet nur mehr Urlaubstage als gesetzlich vorgeschrieben. Die Mitarbeiter denken einfach wie Cloudy.

» cooper75 » Beiträge: 11604 » Talkpoints: 515,35 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Ja das stimmt, es gibt keine gesetzliche Regelung dafür, dass für Sonntags und Feiertags, Zuschläge gezahlt werden müssen seitens des Arbeitgebers. Allerdings habe ich noch keinen Arbeitsvertrag gesehen, auch ohne Tarifvertrag. Andererseits, glaube ich auch nicht, dass man das hier in Deutschland einfach so durchsetzen kann, oder mit dem Arbeitnehmer vereinbaren kann. Es mag zwar sein, dass man solche Dinge in einem Arbeitsvertrag festhalten kann, aber ob das dann mit dem Gesetz vereinbar ist, steht auf einem anderen Blatt.

Arbeitgeber die Rechtswidrige Vereinbarungen mit dem Arbeitnehmer in einem Arbeitsvertrag schließen, gibt es ja leider mehr als genug. Was aber definitiv ist, dass es für Sonn- und Feiertage ein generelles Arbeitsverbot gibt. Ausgenommen sind davon gewisse Berufsgruppen, wie Feuerwehr, Polizei, Pflegedienste und Kräft in Krankenhäusern und natürlich alles was mit Gastronomie und Schausteller-Gewerbe zu tun hat. Alle anderen Brauchen dafür eine Sondergenehmigung die bei der zuständigen Bezirksregierung beantragt werden muss. Und diese prüft dann auch erst mal die Notwendigkeit.

Und selbst wenn man in einem Betrieb arbeitet in dem Full Conti gearbeitet wird, hat man als Arbeitnehmer immer noch das Recht auf 15 freie Sonntage im Jahr. Auch für Feiertage an denen man Arbeiten musste, muss es zumindest einen zeitlichen Ausgleich für geben. Auch das ist gesetzlich geregelt. Und das Gesetz steht nun mal von der Wertigkeit her über dem Tarif oder Arbeitsvertrag.

» Kodi » Beiträge: 421 » Talkpoints: 14,45 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Für Arbeitnehmer, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, spüren es deutlich, wenn der Fahrplan an Feiertagen ausgedünnt wird. Teilweise ist es sogar unmöglich, pünktlich die Arbeitsstelle zu erreichen, weil am Feiertag der Zug einfach dann nicht fährt. Da aber der Arbeitnehmer für das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz selbst verantwortlich ist, bedeutete dies, dass eine Flexibilisierung der Feiertags- bzw. Urlaubsregelung zu Lasten des Arbeitnehmers ginge.

Da Niederlande wesentlich weniger Feiertage als Deutschland hat, wäre dort eine derartige Regelung natürlich eher möglich. Wie die Bemerkungen bereits andeuten, wird hier das Prinzip "Feiertag gleich arbeitsfreier Tag" durchgesetzt.

Barbara Ann hat geschrieben:Ich wüsste spontan nicht mal, was die Christen eigentlich genau an solchen Feiertagen wie "Fronleichnam" feiern. In meinem Umfeld wäre es für niemanden schlimm wenn ich an dem Tag arbeiten würde, weil niemand eine spezielle Leichnamfeier veranstaltet.

Die Bedeutung der Feiertage in Deutschland, die sich sogar noch in gesetzliche und solche des kirchlichen Jahreskreises regional nach Bevölkerung mit überwiegend katholischem oder evangelischem Anteil auftrennen, erleidet einen immer stärker werdenden Schwund, dem es entschieden entgegenzutreten gilt. Hier wird eine Tendenz deutlich, an deren Ende die Selbstausbeutung des Arbeitnehmers steht.

Man schaudert schon bei der jüngst eingesetzten Diskussion über "Home Office". Wer garantiert mir denn, dass man sich am "Feiertag" dann noch vor Heimarbeit schützen kann, wenn alles den Interessen der Arbeitgeber untergeordnet wird und wichtige kulturelle Dinge völlig unter den Tisch fallen. Ein orthodoxer Jude könnte in Deutschland jetzt schon keinen Schabbes durchführen.

» Gorgen_ » Beiträge: 386 » Talkpoints: 170,09 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Gorgen_ hat geschrieben:Die Bedeutung der Feiertage in Deutschland, die sich sogar noch in gesetzliche und solche des kirchlichen Jahreskreises regional nach Bevölkerung mit überwiegend katholischem oder evangelischem Anteil auftrennen, erleidet einen immer stärker werdenden Schwund, dem es entschieden entgegenzutreten gilt.

Was hat es mit "Selbstausbeutung" zu tun wenn ich als Nicht-Christin keinen Bezug zu christlichen Feiertagen habe? Wie willst du dem entgegen treten ohne meine Glaubensfreiheit, die auch die Freiheit an keinen Gott zu glauben beinhaltet, massiv einzuschränken?
Wer garantiert mir denn, dass man sich am "Feiertag" dann noch vor Heimarbeit schützen kann

Ich arbeite recht viel zu Hause und wir haben extrem strenge Regelungen was die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit angeht. Selbst solche Sachen, die ich gar nicht so tragisch finde - zum Beispiel schnell eine E-Mail am Wochenende beantworten - werden nicht gerne gesehen. Und wenn ich mal an einem Feiertag arbeite - zu dem ich keinen Bezug habe weil ich nicht religiös bin - weil ein Projekt fertig werden muss, dann wird das ganz normal als Überstunden angerechnet und muss später als Freizeitausgleich genommen werden.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23693 » Talkpoints: 31,98 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Gorgen_ hat geschrieben:Wie willst du dem entgegen treten ohne meine Glaubensfreiheit, die auch die Freiheit an keinen Gott zu glauben beinhaltet, massiv einzuschränken?

Das ist genau die durchaus diskussionswürdige Argumentation. Warum wurde beispielsweise der Buß- und Bettag abgeschafft. Weil der Bedeutungsschwund da schon am fortgeschrittensten zu sein schien, und weil einem die Politiker weismachen wollten, dass es nicht anders ginge, um die Pflegeversicherung zu finanzieren. Heute weiß mann, dass die Pflegeversicherung für sich schon zum Pflegefall geworden ist, so dass es einer Abschaffung des Feiertages eigentlich nicht bedurft hätte, der Effekt verpufft ist. Aber es führt offensichtlich kein Weg zurück zur Wiederbelebung einmal zu Grabe getragener Feiertage.

Ein Feiertag nach dem anderen wird also abgeschafft. Es wird diskutiert, ob man nicht auch den Pfingstmontag abschaffen soll. Nur um des Ausgleichs der Produktivität willen. Dagegen müssten eigentlich auch die atheistischst, materialistischst eingestellten Gewerkschaften Sturm laufen. Weil eben die ursprüngliche Bedeutung der Feiertage für viele abhanden gekommen ist, also Feiertag, wie oben von mir bereits erwähnt, gleichgesetzt wird mit arbeitsfreiem Tag, wird der Flexibilisierung mehr und mehr Tür und Tor geöffnet, bis schließlich eine 24/7-Verfügbarkeit de facto erreicht wurde.

Dabei ist arbeitsfreier Tag nicht gleichwertig mit arbeitsfreiem Tag. Als Beispiel sei genannt, die gemeinschaftlichen Aktionen, auf Neudeutsch "Events", werden von den Veranstaltern bevorzugt auf das Wochenende gelegt, weil sie wissen, dass es unverbrüchlich (bis jetzt jedenfalls noch) von der Mehrzahl der Leute für Freizeitaktivitäten genutzt werden kann, weil es arbeitsfrei ist. Würden jetzt die arbeitsfreien Tage in der Summe im Jahr zwar gleich bleiben, aber auf verschiedene Tage gelegt, hätte der Arbeitnehmer zwar arbeitsfreie Zeit, könnte aber an Events nicht teilnehmen, weil sie eben sich an die Tage halten, an denen ein höchstmögliches Publikumsaufkommen ermöglicht wird. Insofern tragen auch und nicht zuletzt die Feiertage zu einer Verbesserung der Freizeitgestaltungsmöglichkeit nicht unerheblich bei, auch, wenn sie ihres ursprünglichen Sinnes entleert worden sein sollten. Es heißt dann eben nur noch dem Namen nach Kirchweih-Kirmes oder Erntedankfest-Fete.

Und nicht nur Friseure, die klassischerweise den Montag als Ruhetag haben, wissen, dass allein schon durch den Straßenverkehrslärm her der Sonntag wesentlich ruhiger ist. Was nützt einem ein arbeitsfreier Tag, wenn man vom werktäglichen Getriebe um einen herum gestört würde? Es fehlt dann nur noch ein kleiner der Schritt zur Abschaffung des LKW-Wochenendfahrverbots, wenn denn nun alles der Produktivität geopfert werden sollte. Deswegen sollen Feiertage Feiertage bleiben: "Man soll die Feste feiern, wie sie fallen", egal, ob das dem Arbeitgeber passt oder nicht. (frei nach Bert Brecht)

» Gorgen_ » Beiträge: 386 » Talkpoints: 170,09 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich verstehe schon was du meinst. Natürlich ist es schön wenn es Tage oder Tageszeiten gibt, an denen alle frei haben und man dann zusammen etwas unternehmen kann. Aber in der Realität ist das doch nie für alle möglich.

Wenn ich in meiner Freizeit etwas unternehmen will bedeutet das in der Regel, dass jemand anders keine Freizeit hat damit ich etwas unternehmen kann. Fängt bei der Frau an der Tankstelle an, die dafür sorgt, dass ich überhaupt erst zu dem "Event" fahren kann indem sie Sonntags offen hat und hört bei dem Kellner auf, der mich in dem Restaurant bedient, in dem ich dem Tag voller Unternehmungen ausklingen lasse.

Da stellt sich dann schon die Frage warum Feiertage für mich wichtig und unverzichtbar sein sollen, für die Krankenschwester aber nicht. Ich arbeite sicher nicht härter als jemand in der Pflege. Und nein "Augen auf bei der Berufswahl" ist kein gutes Argument.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23693 » Talkpoints: 31,98 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


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