Hartz4-Empfänger als Helfer einsetzen sinnvoll?

vom 04.02.2019, 11:03 Uhr

Laut Medienberichten hat man in Berlin den Plan, Hartz-IV-Empfänger als Helfer in Kitas, Schulen und in Pflegeheimen einzusetzen. Dieses Konzept ist ziemlich umstritten und stößt auf viel Kritik. Man befürchtet, reguläre Jobs zu gefährden. Wie seht ihr das? Meint ihr, dass die Kritik berechtigt ist? Sollte man H4-Empfänger als Helfer in Kitas und Schulen einsetzen sowie in der Pflege? Würde man damit den Personalmangel abmildern können? Oder löst das eurer Ansicht nach das Problem nicht? Welche Vorteile und welche Nachteile seht ihr in diesem Konzept? Welche Folgen?

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» Täubchen » Beiträge: 29294 » Talkpoints: 3,59 » Auszeichnung für 29000 Beiträge



Dies ist meiner Meinung nach nur eine weitere Masche um irgendwie Mitarbeiter / Lohn einzusparen. Klar wäre dies einerseits sinnvoll denn helfende Hände / Mitarbeiter kann man wahrscheinlichen in vielen Einrichtungen gut gebrauchen aber wahrscheinlich würden die Betriebe solche Mitarbeiter nur ausnutzen.

Deshalb halte ich solche Vorschläge eher nicht sinnvoll. Zusätzlich dazu gibt es auch Hartz4-Empfänger die auf Grund von verschiedenen Erkrankungen nicht arbeitsfähig sind. Zur Zeit werden Hartz4-Empfänger einigermaßen beschäftigt (Maßnahmen, Bewerbungstraining etc.)

» escopablo » Beiträge: 69 » Talkpoints: 15,23 »


Ich weiß nicht wie es in KITAS und Schulen aussieht, aber im Pflegebereich herrscht definitiv Personalmangel und für viele anfallende Aufgaben bräuchte man eigentlich keine Ausbildung. Was spricht dann dagegen ein paar Helfer zu haben, die das Essen austeilen oder zusätzliche Kissen für die Patienten zu holen, damit sich das Pflegepersonal auf die Aufgaben konzentrieren kann, für die es tatsächlich ausgebildet wurde?

Ich sehe auch nicht, wie solche Mitarbeiter ausgenutzt werden könnten, es ist ja klar definiert was man in dem Bereich machen darf und was nicht. Und da in vielen Einrichtungen die regulären Stellen schon nicht alle besetzt werden können wird auch kein Job gefährdet.

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» Cloudy24 » Beiträge: 21732 » Talkpoints: 108,32 » Auszeichnung für 21000 Beiträge



Ich sehe hier etliche Probleme, unter anderem das in besagtem Bericht schon erwähnte Dilemma, dass die Betroffenen auf diese Art aus der Statistik wegbeschönigt werden, aber eben keine nachhaltige Entwicklung zustande kommt, weil es sich um Dead-End-Scheißjobs handelt. Sonst würden sich auch auf regulärem Weg Leute finden, die sie machen würden.

Zweitens bin ich skeptisch, weil gerade für Sozialberufe wohl immer noch der Eindruck vorherrscht, dass jeder Trottel dort zumindest Zuarbeiten leisten könnte. Wenn man als Parkwächter Tickets ausgibt oder auf dem Bau aushilft, sind die Anforderungen in meinen Augen immer noch ganz andere, wie wenn man sich mit den verletzlicheren und schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft abgibt. Dafür ist nicht jeder geschaffen, und selbst wenn es sich "nur" um Zuarbeiten handelt, so finde ich doch, dass man für diese Art Arbeit auch charakterlich und psychisch geschaffen sein muss.

Und selbst wenn die Jobs von qualifizierten Mitarbeitern im Sozialbereich dadurch nicht gefährdet sind, finde ich auch, dass so falsche Signale gesetzt werden. Wie sollen manche Berufsgruppen jemals angemessene Bezahlung und die dafür nötige gesellschaftliche Anerkennung durchsetzen, wenn offensichtlich auch völlig unqualifizierte, mehr oder weniger zwangsrekrutierte Hilfskräfte einen Großteil ihres Jobs übernehmen? Dadurch werden bestimmte, dringend benötigte und auch nicht besonders hoch angesehene Berufe gewiss nicht attraktiver, auch wenn die Gesellschaft diese Arbeit dringend braucht.

» Gerbera » Beiträge: 7334 » Talkpoints: 0,24 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Halte ich 0,0 von! Wir reden beim Pflegeberuf eben von einem Beruf, den nicht jeder ausüben kann und auch nicht jeder ausüben sollte. Der Mangel führt aber offenbar dazu, dass man auf die abstrusen Ideen kommt und neben mein Freund kenne ich viele, die in der Pflege arbeiten. Die haben hart geübt und gelernt dafür, um diesen Job ausüben zu können. Doch was nicht zu üben war, ist die ständige Belastung, der psychische und physische Druck. Den kann man je nach Einrichtung nicht erlernen. Man ist dort alles in einem. Waschhilfe, Verteiler von Speis und Trank, Psychologe, Sterbehilfe und vieles mehr. Das ist kein Pappenstiel.

Ich finde auch nicht, dass man H4-Empfänger jetzt aufgrund des Mangels in Jobs am besten drängen sollte, wo sie sowieso nicht rein wollten. Das bringt Probleme mit sich und wenn der psychische Druck derart hoch ist, wie bei meinem Freund, werden sie bald erst recht zu Langzeitarbeitslosen und können dann umso schwerer vermittelt werden.

In Kitas? Ja gut mit Kindern könnte man da schon umgehen, aber auch das ist nicht für jeden etwas. Diese Jobs mit der Pflege sind unterbesetzt und wenn ein H4-Empfänger es gewollt hätte, hätte man dort einen Job bekommen. Auch hier sollte man also nicht bewusst dort reindrängen, sondern endlich mal Maßnahmen schaffen, die auch Langzeitarbeitslosen helfen und nicht nur, um sie subventionierend aus der Statistik zu entfernen, mehr ist das nicht.

Man darf eines nicht vergessen, wer von Arbeitslosengeld I ins H4-System rutscht, ist fast verloren. Nur aus fast eigener Kraft kommt man da heraus und wenn die Jahre ins Land ziehen, kommt ein etwas schwieriger Trott. Denn Arbeitslosengeld I Empfänger dürfen auf Umschulungen hoffen, Förderung hier und dort. Diese werden bei H4-Empfängern aber nicht angewandt und nur ausgesprochen selten genehmigt. Wieso? Gute Frage, aber ALG I ist eben besser gefördert, um die Leute schneller wieder in den Job zu bringen und erst gar nicht in ALG II zu rutschen.

Sehr schade, aber genau da hapert es. Umschulungen muss es bessere geben, mehr Förderung und dann kriegt man auch genug von den H4-Empfängern zurück, weil man dann helfen kann. Sie jetzt in Jobs stecken, die sowieso schon Ottonormalbürger selten bis gar nicht wollen, ergibt wenig Sinn. Wann kommen dann neue Köche und Bäcker zum Vorschein?

Es gibt so viele gebildete H4-Empfänger, die aber nichts damit anfangen können, weil man sie einfach nicht richtig oder gut genug fördert. Es ist eine reine Statistikbeschönigung, nicht mehr oder weniger. Hinzu kommt, dass man jetzt billige Arbeiter da reinpackt, um einen Mangel ausgleichen zu wollen. Wie wäre es mal, die Lohnspanne endlich dem Berufsfeld anzupassen? Dann würden auch entsprechend qualifizierte Menschen den Job ausüben wollen.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4169 » Talkpoints: 17,95 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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