Würdet ihr als Lehrer Kettenverträge hinnehmen?

vom 09.07.2018, 11:52 Uhr

Trotz akuten Lehrermangels leisten sich immer mehr Kommunen den Luxus, ihre LehrerInnen in den Sommerferien mal eben zu entlassen, um sie dann zum Schuljahresbeginn, wieder neu einzustellen. Das nennt man ja wohl Kettenverträge, die eigentlich absolut verpönt sind und schon seit Jahrzehnten auch seitens der Politik und Gewerkschaften in der Kritik stehen. Was haltet ihr denn von dieser gängigen Praxis und was würdet ihr denn tun, wenn ihr LehrerIn wärt? Würdet derartige Kettenverträge hinnehmen oder welche Gegenmaßnahmen würden euch denn dazu einfallen?

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» mikado* » Beiträge: 2557 » Talkpoints: 634,98 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Mich würde mal interessieren, welche Lehrer von diesen Kettenverträgen betroffen sind. Also ob das auffällig viele Lehrer mit einer bestimmten Fächerkombination sind. Ich meine, wenn die Fächerkombination sehr beliebt ist und der Bedarf in dieser Hinsicht gedeckt ist, wird ein Lehrer sich kaum dagegen wehren können, ständig Kettenverträge aufgebrummt zu bekommen.

Wenn man aber etwas seltenes unterrichtet wie Mathematik oder die Naturwissenschaften hätte man möglicherweise ein Druckmittel, um so einen Kettenvertrag zu verhindern. Denn man könnte ja auch zur Konkurrenz gehen, wenn der bisherige Arbeitgeber sich unkooperativ zeigen möchte. Ohne geeignetes Druckmittel einen besseren Vertrag durchsetzen zu wollen für sich halte ich für ziemlich unrealistisch und unwahrscheinlich, was die Erfolgsquote angeht.

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» Täubchen » Beiträge: 27530 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Täubchen, zu welcher Konkurrenz könnte man denn gehen? Dir scheint nicht klar zu sein, wie das System Schule funktioniert. Der Jackpot ist eine Planstelle. Deren Kosten sind im Landeshaushalt ausgewiesen, nach der Probezeit wird verbeamtet. Die sind aber seltener geworden, weil man sich die Leute lebenslang ans Bein bindet.

Wer eine Stelle im unbefristeten Angestelltenverhältnis bekommt, der kann ebenfalls froh sein. Aber selbst solche Stellen werden auch ungern ausgeschrieben. Lieber setzt man immer wieder befristet Lehrer als Springer oder als Vertretung ein. Zum Teil ist das begründet, weil in einem jüngeren Kollegium einige eben familienbedingt beurlaubt sind und das dauert Jahre. Oft werden aber keine unbefristeten Stellen ausgeschrieben, weil man die Kosten scheut. Natürlich kannst du der Schule sagen, dass du ohne unbefristeten Vertrag nicht annimmst, aber die kann es nicht ändern.

Außerdem zählt deine Berufserfahrung und deine tatsächliche Eignung nichts. Es geht nach Note. Und logischerweise rücken jedes Jahr neue Lehrer nach. Du kannst dich zwar munter auf andere Stellen bewerben, aber die Chancen sind nicht groß. Wer vier oder fünf Jahre in der Bewerberdatenbank steckt, bekommt keine Planstelle mehr.

Nehmen wir an, dein Abschluss ist gut, aber nicht sehr gut. Du unterrichtest seit drei Jahren an einer guten Schule. Es läuft gut mit Schülern und Kollegium und jetzt wird eine Planstelle ausgeschrieben. Dann musst du dich normal bewerben. Und oft genug hast du dann 50 oder 80 Bewerber mit besseren Noten vor dir. Möchte die Schule dich, muss sie alle Bewerber vor dir einladen. Wie realistisch ist das bitte?

Und die Fächer haben wenig Einfluss. Denn wenn es jetzt heißt, X ist Mangelfach, ist das am Ende der Ausbildung oft nicht mehr so. Ich habe Bekannte, die suchen mit Mathe und Physik verzweifelt, und oft wissen die bei der Einstellung für ein Jahr noch nicht einmal, ob die Stunden reichen. Während eine Bekannte mit Technik und Hauswirtschaft nach einem Jahr eine Planstelle hatte.

» cooper75 » Beiträge: 10584 » Talkpoints: 180,35 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich bin mir gar nicht sicher, ob man das als „hinnehmen“ bezeichnen kann. Bleiben vielen Lehrern denn irgendeine Wahl? Ich habe mir früher mal sagen lassen, dass es nur wenige Lehrer gibt, die fest angestellt sind und wenn dann Ferien etc. sind, mussten sie gucken, wie sie klar kommen. Das hat mir jedenfalls meine Lehrerin damals so erklärt. Woran es aber liegt, weiß ich bis heute nicht, weil ich mich auch nicht direkt für die vertraglichen Konstellationen interessiert habe.

Doch das ist ja offenbar auch bis heute so, dass dann ab den Sommerferien für einige Lehrer erst einmal Ruhe ist, danach gibt es wieder einen Vertrag und weiter geht’s. Andere wiederum sind offenbar auch angestellt bei den Städten selber oder sowas. Ich habe da wirklich keinen Plan, wieso bei Lehrern einen derartigen Unterschied zu den Anstellungen gibt, aber ich kann auch dadurch weniger behaupten, dass Kettenverträge Okay oder schlecht sind. Ich glaube, dass es eben vielen Lehrern nicht möglich ist, eine Alternative zu finden.

Klar haben wir Lehrermangel und man müsste jetzt meinen, bei Schule X ist nur ein Kettenvertrag möglich, gehe ich halt zu einer anderen. Doch was ist, wenn das die übliche Prozedur ist? Soll man dann all seine studierenden Jahre auf Lehramt nun vergessen, weil die Anstellungsbedingungen nicht gut genug sind, dass man zufrieden ist.

Ich weiß es einfach nicht, aber ich glaube, dass die Lehrer oftmals keine Wahl haben, als das zu akzeptieren, was man ihnen da im wahrsten Sinne des Wortes als Vertrag vor die Füße wirft und wenn sie es nicht tun, folgt der nächste Lehrer oder Referendar.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4024 » Talkpoints: 5,91 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Kätzchen14 hat geschrieben:Ich weiß es einfach nicht, aber ich glaube, dass die Lehrer oftmals keine Wahl haben, als das zu akzeptieren, was man ihnen da im wahrsten Sinne des Wortes als Vertrag vor die Füße wirft und wenn sie es nicht tun, folgt der nächste Lehrer oder Referendar.

Da es ja auch Bundesländer gibt, die nahezu jeden Lehrer verbeamten und andere ihre Lehrer festanstellen, bleibt da schon eine andere Wahl über. Aber natürlich ist damit dann eben durchaus auch mal ein größerer Ortswechsel verbunden. Man hat also schon die Wahl zwischen einfach woanders zu besseren Konditionen arbeiten oder halt bleiben wo man ist und sich dann an solche Verträge knebeln zu lassen.

Rein betriebswirtschaftlich kann man solche Verträge ja schon verstehen. Da kann man ja schon auf die Idee kommen, sich zu fragen warum man jemanden 6 Wochen lang bezahlen soll, wenn er da eh nicht arbeitet. Und solange man trotzdem noch genug Lehrer findet, die am Schuljahresanfang dann mit neuem Vertrag wieder anfangen, scheint das ja auch gut zu funktionieren.

Fragwürdig und unkollegial gegenüber den Lehrer finde ich das aber trotzdem. Aber wie gesagt, die Konsequenz muss man dann eben selber für sich ziehen. Und solange man nicht verbeamtet ist, was diese Kollegen ja alle nicht sind, kann man ja ohne Probleme auch eine Bewerbung in einem anderen Bundesland abgeben und sich dann zu vernünftigen Konditionen anstellen lassen. Da muss man dann eben einfach mal mit den Füßen abstimmen und dann gibt es auch vernünftige Arbeitsbedingungen.

» Klehmchen » Beiträge: 4015 » Talkpoints: 417,14 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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