Etwas nicht entsorgen wollen, weil Erinnerungen dranhängen?

vom 11.06.2018, 07:29 Uhr

Mir ging es gerade zum ersten Mal so, dass ich etwas eigentlich schon entsorgen wollte und es mir dann im letzten Moment doch anders überlegt habe. Es geht um einen elektrischen Einkocher, den ich von meiner Oma bekommen habe. Sie hat ihn lange Zeit immer benutzt und ich erinnere mich sogar noch aus Kindertagen daran.

Nun ist der Deckel defekt und ich wollte den Einkocher entsorgen, weil ich ihn dadurch auch nicht oft genutzt habe. Allerdings habe ich mich im letzten Moment umentschieden und möchte mal schauen, ob es einen Ersatzdeckel dafür zu kaufen gibt. Irgendwie hängen doch viele Erinnerungen an diesem Gerät und alleine deswegen würde es mir schon leid darum tun.

Habt ihr auch schon etwas nur nicht entsorgt, weil für euch viele Erinnerungen daranhängen? Oder seid ihr da nicht so emotional oder sentimental eingestellt? Würdet ihr etwas nur behalten, wenn es noch funktionstüchtig wäre oder man Ersatzteile bekommt oder auch, wenn es defekt ist?

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» Nelchen » Beiträge: 28851 » Talkpoints: 6,31 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Ich finde so eine Einstellung ziemlich dämlich, bescheuert und unreif. Denn die Erinnerungen sind im Kopf gespeichert und nicht von der Existenz irgendwelcher Gegenstände abhängig. Nach der Logik müsste man ja Amnesie bekommen, wenn man nach dem Schulabschluss alle Schulsachen entsorgt. :wall:

Ich kann so eine Einstellung nicht nachvollziehen und mir fehlt da jede Form von Verständnis. Für mich ist so eine Einstellung eher ein Zeichen von Langeweile und zu viel Platz und ich kann das daher auch nicht wirklich ernst nehmen. Die Sorgen einer gelangweilten Hausfrau hätte ich auch gerne, dann wäre das Leben einfacher.

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» Täubchen » Beiträge: 25960 » Talkpoints: 2,52 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Ich weiß schon, dass man spätestens seit Marie Kondo von allen Seiten gepredigt bekommt, dass nur emotionale Krüppel und Weicheier überhaupt ihr Herz an Gegenstände hängen und dass man nur(!!) dann ein glückliches Leben führen kann, wenn man seine Sockenschublade nach einem bestimmten System bestückt und ansonsten alles eiskalt wegschmeißt, was man besitzt. :D

Das halte ich offen gesagt für Bullshit. Für manche mag es ja richtig sein, ihr Leben und ihren Besitz nach den Vorstellungen irgendwelcher Minimalismus-Anhänger mit Stock im Hintern auszurichten, andere mögen ihren Krempel eben. Es muss ja nicht gerade in Messi-Tum ausarten, aber ich bin hier eindeutig der Ansicht, dass Erinnerungsstücke im Leben der meisten Menschen durchaus ihren Platz haben. Für viele ist es der Teddy aus der Kindheit, und für andere eben ein Haushaltsgerät oder ähnliches.

Ich kenne auch den Tipp, man solle doch ein Foto von dem Gegenstand machen, bevor man ihn wegschmeißt, aber mir konnte noch niemand wirklich sinnvoll vermitteln, wieso ich offensichtlich einen an der Klatsche haben soll, wenn ich die "gute" Pfanne meiner Mutter selig noch verwende und meinen Kindheitsteddy nicht der Müllverbrennung überantwortet habe. Es ist ja nicht so, als hätte ich jeden Haushalt, in dem ich je gelebt habe, komplett aufgehoben, und das macht ja auch kaum jemand.

» Gerbera » Beiträge: 6813 » Talkpoints: 13,24 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Täubchen hat geschrieben: Die Sorgen einer gelangweilten Hausfrau hätte ich auch gerne, dann wäre das Leben einfacher.

Anscheinend kannst du solche Sorgen durchaus haben, denn dir muss schon ziemlich langweilig sein, wenn du hier so viel schreiben kannst. Ich frage mich, was du ansonsten immer mit deiner gelangweilten Hausfrau hast. Aber wahrscheinlich sprichst du da von dir und traust dich nur nicht, dass offen zu sagen.

Für mich hat es nichts mit Hausfraudasein oder viel Platz zu tun, wenn man etwas nicht sorgen möchte, weil man Erinnerungen damit verbindet. Ich kenne auch jemanden, der einen alten Wecker als Erinnerung behalten hat und diese als Deko nutzt. Natürlich kann man die Erinnerungen auch so für sich bewahren. Aber für mich spricht nichts dagegen, wenn man das ein oder andere Einnerungsstück aufbewahrt.

Das hat für mich auch nichts mit einem Messidasein zu tun. Es ist ja nicht gerade so, dass man die Wohnung vollmüllt, wenn man ein oder zwei Erinnerungsstücke aufbewahrt. Es ist natürlich etwas anderes, wenn man keinen Kontakt zur Familie oder guten Freunden hat und so keine Stücke bekommt, bei denen es sich lohnt, diese aufzubewahren.

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» Nelchen » Beiträge: 28851 » Talkpoints: 6,31 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Es gibt so ein ähnliches Thema bezogen auf Geschirr. Und nein, ich finde es nicht merkwürdig, wenn jemand aus sentimentalen Gründen irgendwelche Erbstücke nicht entsorgen möchte. Ich bin da irgendwie ein wenig anders gestrickt, aber viele Leute haben eben Geschirr, Schmuckstücke oder auch Karten oder Briefe von ihren Großeltern.

Mit sehr alten Einkochern habe ich keine Erfahrung und ich weiß nicht, inwiefern man so etwas reparieren oder Teile austauschen kann. Ich halte es für schlecht, wenn man etwas aufhebt, was man nicht mehr reparieren kann und was einfach nur Platz wegnimmt. Wenn man aber eine alte Maschine wieder zum Laufen bringen kann, dann finde ich es aber grundsätzlich nicht schlecht.

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» soulofsorrow » Beiträge: 8567 » Talkpoints: 10,85 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Die alte Einkochmaschine wieder gangbar zu machen, um sie für sich im Alltag nutzen zu können und weil gleichzeitig eine Erinnerung damit verbunden ist, ist doch eine schöne Idee. Vom Upcycling-Gedanken mal abgesehen finde ich Erinnerungsstücke, die man aktiv in sein Leben, seinen Alltag oder seinen Haushalt einbinden kann, besonders gut. Ich bin nämlich auch der Meinung, dass man sehr wohl einerseits zuviel unnützen Plunder loswerden kann, bewusst mit Konsum umgeht und trotzdem manchen Sachen einen Erinnerungswert zuschreibt und sie einzig und allein aus diesem Grund behält.

Kann ja sein, dass es einige harte Hunde gibt, die Opis Sachen direkt nach der Beerdigung zu einhundert Prozent bis auf das letzte Foto herzlos in die Tonne geben, aber diese dürften in der Minderheit sein. Ich habe auch schon extrem viel in meinem Leben aussortiert, aber im Umkehrschluss habe ich auch relativ viele Erinnerungsstücke zumindest temporär behalten. Es geht ja auch hier nur um einen Gegenstand und nicht darum aus dem eigenen Haus einen Schrein der Vergangenheit zu basteln.

Wie immer im Leben bemühe ich hier gerne das überstrapazierte, aber trotzdem so passende Wort des Mittelweges. Manches behält man eben auch nur für einige Zeit, so habe ich im Lauf der Jahre auch manches an Erinnerungsstücken aussortiert, wo ich das Gefühl hatte, diese Verankerung an die Erinnerungen in der Form nicht mehr zu brauchen.

» Verbena » Beiträge: 2977 » Talkpoints: 10,91 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Verbena hat geschrieben:Vom Upcycling-Gedanken mal abgesehen finde ich Erinnerungsstücke, die man aktiv in sein Leben, seinen Alltag oder seinen Haushalt einbinden kann, besonders gut.

Der Ansicht bin ich auch. Gerade ein Elektrogerät muss für mich einen Nutzen haben, aber das ist hier eindeutig nicht der Fall. Das Gerät wird schätzungsweise 30 Jahre alt sein und in einem anderen Beitrag hat Nelchen schon geschrieben, dass sie keine Ersatzteile dafür auftreiben konnte, um das Gerät entsprechend reparieren zu lassen. Es wurde auch in Erwägung gezogen, den Hersteller zu kontaktieren um da eben mal nachzufragen. Aber mal ehrlich: warum sollte ein Hersteller bei einem Gerät, das mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat und wahrscheinlich gar nicht mehr produziert und verkauft wird, noch Ersatzteile lagern?

Also das Gerät noch einmal reparieren zu können, auch wenn man das möchte, stelle ich mir extrem unrealistisch und unwahrscheinlich vor. Da kann der Wille noch so groß sein. Daher finde ich es in dem Fall ziemlich schwachsinnig, etwas zu behalten das offensichtlich schrottreif ist, da es ja eh keinen Nutzen mehr hat und nur blöd rumstehen und Staub ansetzen würde. Da wäre es doch sinnvoller, ein Bild von dem Gerät zu machen für die Erinnerung und es dann entsorgen zu lassen.

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» Täubchen » Beiträge: 25960 » Talkpoints: 2,52 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



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