Depressionen in den 20ern eine Modeerscheinung?

vom 30.10.2016, 17:53 Uhr

Mein Freund, selbst Ende 20, hat sich beschwert, dass einige seiner Freunde sich einbilden, Depressionen zu haben. Es gibt in seinem Freundeskreis niemanden, bei dem eine Depression nachgewiesen wurde und der damit zur Therapie gehen würde, aber viele sagten, sie fühlten sich oft depressiv. Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke, hatten wir alleine in meiner Klasse zwei Menschen, die erst nach dem Abi, also Anfang 20, zur Therapie gingen wegen einer "depressiven Episode".

Ich dachte immer, das seien Gefühle, die man in der Pubertät durchlebt, aber scheinbar sind viele Leute in ihren Zwanzigern nicht besonders glücklich. Mein Freund ist davon überzeugt, bei den meisten sei die Depression Einbildung sei und sie in Wirklichkeit aus anderen Gründen "nur" unglücklich seien. Sind Depressionen eine Art Modeerscheinung in der heutigen Zeit oder speziell unter jungen Leuten?

» Cappuccino » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Mod am 30.10.2016, 18:02, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Ich kenne eigentlich niemanden, der im Alter von 20 bis 30 an Depressionen litt oder eben meinte, dass er depressiv sei. Ich denke aber schon, dass man das generell ernst nehmen sollte. Vielleicht ist es bei einigen auch einfach wirklich durch viel Druck durch Schule oder Studium.

Ich denke, dass jeder mal depressive Phasen in seinem Leben und das durchaus normal ist. Auch würde ich deswegen nicht gleich sagen, dass jemand an Depressionen leidet. Bei manchen mag es vielleicht auch Einbildung sein, aber als Art Modeerscheinung kann ich das nicht bestätigen.

Benutzeravatar

» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Ich denke keinesfalls, dass Depressionen eine Modeerscheinung sind. Ganz im Gegenteil. Durch die Anforderungen unserer heutigen Zeit, ist eine Depression bei vielen quasi vorprogrammiert. Wobei ich denke, dass auch vor 30, 50 oder 100 Jahren schon viele Menschen, auch in jüngeren Jahren unglücklich bzw. depressiv waren.

Es war aber vielleicht noch nicht so weit verbreitet, dass dies eine Krankheit ist, die man behandeln kann. Heutzutage ist es auch gesellschaftlich akzeptiert zu sagen, dass man depressiv ist und niemand schaut einen komisch an. Im Gegenteil, die meisten Menschen zeigen sich eigentlich Mitfühlend. Denn ich denke, fast jeder kennt jemanden näher, dem es schlecht geht, oder man selbst hatte schon so eine Phase.

Letztendlich ist es aber so, dass die meisten jungen Menschen in der Gesellschaft dazu getrieben werden, etwas zu tun, etwas zu lernen, womit sie sich eigentlich gar nicht mehr identifizieren können. Ein Beispiel ist der Beruf, den man heut zu Tage "Job" nennt, weil es schon lange nicht mehr von der "Berufung" abhängt, was jemand tut, sondern von der Bezahlung. Die meisten Menschen werden dahingehend erzogen, gut in der Schule zu sein, um einen gut bezahlten Job zu bekommen und deswegen suchen sich sehr, sehr viele Menschen oft einen Job aus, bei dem man quasi auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner kommt.

Viele junge Menschen würden zum Beispiel gerne Kinder bekommen, was biologisch auch so vorgesehen ist. Nicht umsonst ist die Fruchtbarkeit der Frau in ihren Zwanzigern am höchsten und die Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu gebären am stärksten. Menschen spüren diesen Drang, gehen ihm aber nicht nach, weil sie erst noch eine Karriere haben wollen, also Geld verdienen. Ständig gegen seine natürlichen Interessen zu gehen, macht auch depressiv.

Der eine kommt besser damit klar, eigentlich nur zu funktionieren, der andere kommt nicht damit klar. Es gibt natürlich auch einige glückliche, die tatsächlich den Beruf ausüben, der ihnen am meisten Spaß macht, bzw. sogar glücklich macht und ausfüllt. Aber das ist nicht die Mehrheit. Meistens werden die Berufe, die wirklich Leidenschaft und Herzblut verlangen auch sehr schlecht bezahlt, was viele auch abschreckt.

Benutzeravatar

» PinkPirate » Beiträge: 646 » Talkpoints: 2,35 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Letztendlich ist es aber so, dass die meisten jungen Menschen in der Gesellschaft dazu getrieben werden, etwas zu tun, etwas zu lernen, womit sie sich eigentlich gar nicht mehr identifizieren können. Ein Beispiel ist der Beruf, den man heut zu Tage "Job" nennt, weil es schon lange nicht mehr von der "Berufung" abhängt, was jemand tut, sondern von der Bezahlung.

War es denn jemals Berufung? Denkst du, dass das früher anders war? Meinst du, dass sich beispielsweise der Schlosser oder der Tischler im Mittelalter früh ein zweites Loch ins Popöchen gefreut haben, dass sie aufstehen und ihrer Tätigkeit nachgehen können? Das glaube ich nicht. Es gibt immer einige wenige, die so begeisterungsfähig sind und etwas gefunden haben, was sie sie erfüllt, dass sie eine Berufung haben. Aber für die große Mehrheit ist Beruf einfach Geld verdienen und das finde ich nicht schlimm, das ist einfach normal so.

Die meisten Menschen werden dahingehend erzogen, gut in der Schule zu sein, um einen gut bezahlten Job zu bekommen und deswegen suchen sich sehr, sehr viele Menschen oft einen Job aus, bei dem man quasi auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner kommt.

Man konkurriert bei jedem Job mit anderen Bewerbern. Man muss sich überall durchsetzen, nicht nur bei irgendwelchen Spitzenpositionen, sondern auch bei ganz normalen Alltagsjobs. Und daher sind gute Noten nie verkehrt.

Viele junge Menschen würden zum Beispiel gerne Kinder bekommen, was biologisch auch so vorgesehen ist. Nicht umsonst ist die Fruchtbarkeit der Frau in ihren Zwanzigern am höchsten und die Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu gebären am stärksten. Menschen spüren diesen Drang, gehen ihm aber nicht nach, weil sie erst noch eine Karriere haben wollen, also Geld verdienen. Ständig gegen seine natürlichen Interessen zu gehen, macht auch depressiv. 

Es gibt aber auch viele, die einfach keine Kinder wollen, weil sie Kinder halt nicht mögen. Dann hat das nichts mit der Gesellschaft zu tun, sondern damit, dass man keine Lust darauf hat, sich um so einen kleinen Quälgeist zu kümmern. Menschen sind schließlich keine primitiven Tiere, die nichts anderes als Fortpflanzung im Sinn haben. Und auch der Begriff Karriere ist eigentlich übertrieben. Die meisten Menschen erwartet im Berufsleben keine besondere Karriere. Es können schließlich nicht alle Professor oder Großbetriebsleiter werden.

Ich finde nicht, dass unsere Gesellschaft so wahnsinnig furchtbar wäre. Mag sein, dass man sich ein wenig anstrengen muss, wenn man was erreichen will. Aber das ist nun keine neue Erscheinung. Und selbst diejenigen, die sich keine großartige Mühe geben und nicht viel können, werden irgendwie durchgeschliffen. Auch Jugendliche, die keine Leuchte sind, finden Ausbildungsplätze, weil die Unternehmen inzwischen gar nicht mehr so selektieren können. Wenn man das manchmal so sieht, welche Nieten doch irgendwie als Azubis eingestellt werden, weil es an besseren Kandidaten mangelt, da kann sich echt keiner beschweren, dass die armen Menschen nichts finden würden.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Zitronengras, ich habe ja geschrieben, dass auch die Menschen vor vielen Jahren schon depressiv waren, aber heut zu Tage eher ein Ohr dafür gefunden wird und Menschen sich behandeln lassen können, was vielleicht damals nicht so gang und gäbe war. Ich denke auf jeden Fall, dass die Menschen als Schlosser, Maurer etc. sich damals eher dazu berufen gefühlt haben, wenn sie von ihrer Arbeit eine Familie ernähren konnten, was heut zu Tage mit einem einfachen Handwerksberuf kaum noch möglich ist.

Mir ist klar, dass nicht jeder seinen Traumberuf ausüben kann, das ist ja auch okay. Aber viele gehen komplett gegen ihre Interessen, nur weil es dann mehr Geld gibt. Doch nur weil man mehr Geld verdient, ist man nicht automatisch glücklicher. Ich habe nie behauptet, dass früher alle glücklich waren und heute nicht. Und mit dem Mittelalter habe ich schon mal gar nichts verglichen, denn diese Gesellschaft kann man mit der aus dem Mittelalter gar nicht vergleichen, schon allein deswegen, weil wir wesentlich mehr Menschen sind, ganz andere Technologien und Berufe haben. Ich schrieb von einer Spanne von ca. 100 Jahren.

Man konkurriert überall, das ist mir klar und habe ich auch nicht bestritten. Das ist aber eine Tatsache, die ich nicht gut finden muss. Es kommt nicht jeder damit klar, sich bewerten zu lassen und ständig die Ellenbogen aus zu fahren. Nicht Umsonst wird unsere derzeitige Gesellschaft "Ellenbogengesellschaft" genannt. Sicherlich war es damals nicht komplett anders, aber heute ist es noch wesentlich stärker. Das kann man als gegeben hinnehmen und einfach mitmachen, man kann es aber auch nicht gut finden. Und ich finde es nicht gut. Das fängt beim Schulsystem an und geht dann weiter. Dies ist aber eine Grundsatzdiskussion, bei der man auch einbeziehen muss, wo wir generell in so einem reichen Land hin wollen. Das führt zu weit. Wenn du das alles gut so findest, dann ist das deine Sache. Es kann ja jeder selbst entscheiden, inwieweit er sein Leben von außen bestimmen lässt.

Dass es Menschen gibt, die keine Kinder wollen, ist mir auch bewusst. Ich habe auch nicht behauptet, dass ALLE Menschen in den Zwanzigern eigentlich Kinder wollen. Doch der Mensch hat gewisse Triebe und der Fortpflanzungstrieb gehört dazu und ist eher die Regel, als die Ausnahme. Dass Menschen sich gegen Kinder entscheiden, weil sie keinen Bock auf "Quälgeister" haben, ist also eine Entscheidung des Intellekts. Diese kann natürlich gut sein und den Menschen glücklich machen, ist aber sehr selten. Die meisten Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, tun dies nicht, weil sie keine Kinder mögen oder generell keine wollen, sondern weil sie erst was anderes zu erledigen haben.

Letztendlich führst du nur noch mal das aus, was ich schon geschrieben habe, nur dass du es für gut befindest. Das ist dein gutes Recht. Ich habe von dem ganzen aber eine andere Auffassung und möchte jeden Menschen als individuelles Wesen sehen, das die Möglichkeit haben sollte sich selbst zu finden und zu verwirklichen. Und dazu passt eben nicht unser derzeitiges System von Schule und Leistung um jeden preis, sonst wirst du ausgeschlossen. Und das ist nun mal auch ein Fakt.

Benutzeravatar

» PinkPirate » Beiträge: 646 » Talkpoints: 2,35 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Cappuccino hat geschrieben:Mein Freund ist davon überzeugt, bei den meisten sei die Depression Einbildung sei und sie in Wirklichkeit aus anderen Gründen "nur" unglücklich seien. Sind Depressionen eine Art Modeerscheinung in der heutigen Zeit oder speziell unter jungen Leuten?

Ich will nicht sagen das Depressionen eine Modeerscheinung sind, aber der inflationäre Umgang mit dem Begriff der Depression ist definitiv eine Modeerscheinung.

Nur weil mal jemand über einige Tage oder wenige Wochen schlechte Laune hat, traurig ist oder nicht gut drauf ist, dann leidet er noch lange nicht an Depressionen, aber das wird dann gleich schon mal so betitelt. Auch eine depressive Verstimmung ist immer noch meilenweit weg von einer Depression, zwar schon tiefer gehend als schlechte Laune oder Traurigkeit, aber immer noch weit weg von einer wirklichen Depression, aber auch hier wird dann gerne schon der Begriff Depression verwendet und ich finde das hat auch für die Menschen, die wirklich unter Depressionen leiden keine guten Auswirkungen.

So werden wirkliche Depressionen nämlich schnell mal belächelt mit den Worten, man hätte ja selber schon Depressionen gehabt und das wäre ja alles nicht so schlimm und das ginge ja schon wieder vorbei und das würde schon wieder. Aber wer an richtigen Depressionen leidet, der kommt in der Regel auch nicht mehr alleine daraus.

Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit wo der Erkrankte unter anderem auch Probleme hat seinen ganz normalen Alltag zu bewältigen, von Uni, Schule oder Beruf mal ganz zu schweigen.

» StarChild » Beiträge: 1405 » Talkpoints: 36,05 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich denke auf jeden Fall, dass die Menschen als Schlosser, Maurer etc. sich damals eher dazu berufen gefühlt haben, wenn sie von ihrer Arbeit eine Familie ernähren konnten, was heut zu Tage mit einem einfachen Handwerksberuf kaum noch möglich ist.

Vielleicht will man das aber auch heute nicht mehr? Es ist ja auch viel Druck, eine Familie ernähren zu müssen und für diese verantwortlich zu sein. Und vielleicht will die Frau auch selbst arbeiten gehen und möchte sich nicht von einem Mann aushalten lassen. Das, was du da ansprichst, ist ein überholtes Familienmode, das viele heute gar nicht mehr haben wollen.

Doch der Mensch hat gewisse Triebe und der Fortpflanzungstrieb gehört dazu und ist eher die Regel, als die Ausnahme.

Warum? Ich habe das nicht intellektuell entschieden, ich mag Kinder nicht, ich habe absolut keinen Drang nach Fortpflanzung und ich kenne einige andere, bei denen das auch so ist. Ich finde daher nicht, dass die Mehrheit der Menschen einen Fortpflanzungstrieb hat. Manche haben das, aber nicht alle und auch nicht die Mehrheit und wir sollten dankbar dafür sein, dass man sich heute auch gegen Kinder entscheiden kann. Kinder machen auch nicht glücklich. Es gibt ganz viele Studien, die zeigen, dass mit jedem Kind die Paarbeziehung immer unglücklicher wird, weil alle mehr gestresst sind.

Und dazu passt eben nicht unser derzeitiges System von Schule und Leistung um jeden preis, sonst wirst du ausgeschlossen. Und das ist nun mal auch ein Fakt.

Nein, das ist kein Fakt. Wenn es nur um Leistung gänge, dann gäbe es keine alternativen Schulkonzepte, dann gäbe es keine Fächer wie Sport oder Kunst und dann gäbe es in der Schule auch keine AGs. Denn die braucht man ja für gute Leistung nicht unbedingt. Und es wird auch eigentlich keiner ausgeschlossen, der weniger leisten kann als andere.

Die bekommen dennoch eine Ausbildung und in Zeiten des Fachkräftemangels finden die meistens dennoch ein Job, auch wenn sie nicht die Leuchten sind. Da wird keiner routinemäßig ausgeschlossen. Die bekommen dann vielleicht keine hoch dotierten Stellen, aber für diese müsste man eben auch gewisse Fähigkeiten haben und wenn Menschen diese Fähigkeiten nicht haben, sind sie halt nicht geeignet.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Mod am 30.10.2016, 23:45, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Zitronengras, dann geh einfach mal durch deinen Bekanntenkreis und frage nach, wer glücklich damit ist, dass er zu wenig zum Leben verdient. Frag am besten mal jemanden, der Vollzeit arbeitet und trotzdem gerade mal knapp über dem Hartz4 Satz lebt. Zu behaupten, das wäre ja so von ihnen selbst gewollt, ist realitätsfern. Ich bin mir sicher, der Großteil findet es total toll, dass beide Eltern arbeiten MÜSSEN, um überhaupt genug Geld zu verdienen (Achtung Ironie).

Viele Frauen gehen nämlich keinesfalls wieder arbeiten, weil es so viel Spaß bringt bei Aldi an der Kasse zu sitzen, anstatt sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Denn die Mehrheit studiert nicht irgendwas ganz tolles und muss unbedingt die Kariere weiter führen. Die meisten Menschen arbeiten in den einfachen Berufen und diese sind faktisch unterbezahlt. Nicht umsonst diskutieren wir seit Jahren über den "Niedriglohnsektor" und erheben Mindestlöhne, die selbst auch noch viel zu gering ausfallen.

Und das Modell, dass ein Mann die Familie ernährt, während sich die Frau um die Kinder kümmert (zumindest in den ersten Jahren) ist kein überholtes Familienmodell. Mir ist ziemlich egal, ob nun der Mann, die Frau, die Oma oder alle zusammen arbeiten gehen. Das muss ja jeder für sich selbst klären. Es ist aber die Frage, ob sie es wollen oder ob sie es müssen. Es gibt keine überholten Modelle, jeder Mensch bzw. jede Familie sollte die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden, wie das geregelt wird. Wenn aber ein Mann unterbezahlt arbeiten muss, steht ihnen keine Auswahl mehr zur Verfügung. Darum geht es mir, nicht darum, dass es viele Modelle gibt.

Eine Frau, die nach 3 Monaten schon wieder arbeiten gehen will, kann das ja gerne tun. Ich habe überhaupt nichts dagegen. Nur, sie muss es wollen und nicht gezwungen werden, weil sonst kein Geld zum Leben da ist. Und hier sind wir wieder beim Thema Kinderkriegen. Denn sehr viele Paare wissen, dass der Mann allein nicht die Familie ernähren kann und entscheiden sich deswegen erst mal auf das Kinderkriegen zu verzichten.

Dass du selbst den Drang nicht verspürst Kinder zu bekommen, ist absolut okay, ich habe auch nicht behauptet, dass jeder unbedingt Kinder haben möchte oder haben muss. Trotzdem ist es so, dass es einen "Fortpflanzungstrieb" gibt und diesen kannst du leugnen, er ist aber wissenschaftlicher Stand der Dinge. Es gibt auch einen Sexualtrieb und trotzdem Menschen, die Asexuell sind. Und dass es besonders viele Menschen gibt, die keinen natürlichen Trieb haben, sich fort zu pflanzen, halte ich allein deswegen für falsch. Ich denke, die allermeisten Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, tun dies aus finanziellen Gründen, wegen der "Selbstverwirklichung", weil die Welt "so schlecht ist" etc. Und dies sind Gründe, die im Kopf entstehen. Dass es bei dir nicht so ist, heißt nicht, dass es der Normalfall ist.

Dass du sagst, das Schulsystem ist nicht auf Leistung aufgebaut zeigt, dass du einfach nur irgendwas gegenhalten willst. Du führst Schulfächer wie Kunst und Sport an. Wieso werden in diesen Fächern Noten vergeben? Nicht nur an meiner Schule war es so, dass es sportliche Prüfungen, wie Bundesjugendspiele gab. Aber nicht nur das. Auch im regulären Sportunterricht wurde nach Sportlichkeit benotet und nicht etwa nach Anwesenheit. Dass dies bei dir anders gewesen sein soll, scheint mir nicht glaubwürdig. Aber vielleicht warst du auch einfach sehr sportlich und hattest deshalb nie Probleme?

Auch in Kunst wird man bewertet. Immerhin bekommt man dort eine Note und wie soll sich diese zusammensetzen, deiner Meinung nach? Anwesend waren immer alle. Doch die einen sind kreativer, als die anderen und können besser malen. Ich gehörte immer zu denen, die gut malen konnten und bekam in Kunst eine Note 1. Meine Freundinnen waren auch immer da, haben alles gemacht wie aufgetragen, konnten aber vielleicht nicht so gut malen und bekamen nur eine 2 oder 3. Schul AGs sind keine regulären Schulfächer und werden häufig auch nicht benotet. Sie spielen auch gar keine Rolle.

Es geht um die "normalen" Schulfächer, die den Großteil der Schulzeit ausmachen und nicht um die 2 Stunden Sport oder Kunst. Wenn es nicht um Leistung gehen würde, würde nicht benotet werden. Oder was bewerten die Lehrer deiner Ansicht nach? Es wird auch "eigentlich" keiner ausgeschlossen, der weniger leistet? Zunächst mal, wird man nach Leistung einer bestimmten Schulform zugewiesen. Du kannst also von dem Gymnasium runter fliegen und in der Realschule landen, wenn du nicht gewisse Leistung erbringst. Dass es alternative Schulkonzepte gibt zeigt nicht, dass es nicht um Leistung geht, sondern dass auch andere das aktuelle Schulkonzept nicht als optimal betrachten. Ich weiß gar nicht, wieso du sowas als Argument benutzt.

Wenn du auf der Hauptschule landest oder sogar auf einer Sonderschule, nimmst du sehr wohl eine Außenseiterposition in der Gesellschaft ein. Sonderschüler ist heut zu Tage ein Schimpfwort. Es gibt Betriebe, die Bewerbungen von Hauptschülern gar nicht mehr ansehen, weil sie nur noch ab Realschule aufwärts nehmen, obwohl der Beruf ab Hauptschulabschluss erlernt werden könnte. Da kann ich dir nicht nur ein Beispiel nennen, sondern viele.

Mit den Bewertungen, die du in der Schule gesammelt hast, wirst du dich dann in einem Betrieb bewerben, wo es darum geht, den BESTEN Auszubildenden zu finden und nicht einfach irgendeinen. Also spielt natürlich deine Benotung aus der Schule eine entscheidende Rolle, deine Leistung. Wenn du das Glück hast und vielleicht vorher durch deinen tollen Charakter überzeigen konntest, sodass Noten egal sind, ist das auch wieder eher die Ausnahme, als die Regel.

Doch, wie wir gelernt haben, kann nicht jeder die selbe Leistung erbringen, obwohl er sich genau so anstrengt, wie sein Mitschüler. Menschen haben unterschiedliche Interessen und Begabungen, die in der Schule komplett ignoriert werden. Jeder muss das selbe lernen und wird dann nach seiner Leistung bewertet. Das ist das Problem. So entstehen schlechte Noten, die eigentlich gar nichts über deine Intelligenz aussagen und über deine Fähigkeiten.

Und das alle eine Ausbildungsstelle bekommen, ist ein Irrtum. Ebenso ist es ein Irrtum, dass jeder Arbeit finden kann, der nur will. Denn es gibt faktisch viel mehr arbeitsuchende, als freie Stellen und wenn du dich überhaupt mal mit der Thematik beschäftigt hättest, dann wüsstest du, dass es keinen Fachkräftemangel gibt. Und selbst wenn, was nützt es dem Hauptschüler, wenn im Krankenhaus ein Gehirnchirurg fehlt? Nochmal, die meisten Menschen haben niedrigere Abschlüsse und möchten ja einfache Berufe ausüben. Doch selbst diese findet man heut zu Tage kaum noch, oder sie sind extrem unterbezahlt. Stichwort: Leiharbeit.

Benutzeravatar

» PinkPirate » Beiträge: 646 » Talkpoints: 2,35 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Zitronengras, dann geh einfach mal durch deinen Bekanntenkreis und frage nach, wer glücklich damit ist, dass er zu wenig zum Leben verdient. Frag am besten mal jemanden, der Vollzeit arbeitet und trotzdem gerade mal knapp über dem Hartz4 Satz lebt. Zu behaupten, das wäre ja so von ihnen selbst gewollt, ist realitätsfern. Ich bin mir sicher, der Großteil findet es total toll, dass beide Eltern arbeiten MÜSSEN, um überhaupt genug Geld zu verdienen (Achtung Ironie).

Ich habe auch nicht geschrieben, dass jemand wenig verdienen will. Wo habe ich das denn behauptet? Aber warum landet denn eine Frau bei Aldi an der Kasse? Weil es für andere Berufe nicht gereicht hat. Sonst wäre sie vielleicht Ärztin, Bankkauffrau oder Maschinenbauerin geworden. Aber jeder Beruf erfordert nun einmal gewisse Fähigkeiten und wenn jemand die Intelligenz nicht hat, um zu studieren oder eine hohe Ausbildung zu absolvieren, dann kann er eben nicht Arzt oder Ingenieur werden. Du wölltest dich doch auch nicht von einem Arzt behandeln lassen, der mir Ach und Krach den Schulabschluss geschafft hat und durch die medizinischen Prüfungen im Studium mehrfach durchgefallen ist oder?

Viele Frauen gehen nämlich keinesfalls wieder arbeiten, weil es so viel Spaß bringt bei Aldi an der Kasse zu sitzen, anstatt sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Denn die Mehrheit studiert nicht irgendwas ganz tolles und muss unbedingt die Kariere weiter führen. Die meisten Menschen arbeiten in den einfachen Berufen und diese sind faktisch unterbezahlt. Nicht umsonst diskutieren wir seit Jahren über den "Niedriglohnsektor" und erheben Mindestlöhne, die selbst auch noch viel zu gering ausfallen.

Der Begriff Niedriglohnsektor sagt ja aus, dass das ein Sektor - also ein Teilbereich ist und eben nicht alle betrifft. Sicher gibt es Menschen, die wenig verdienen. Aber das ist dann halt so. Das liegt dann daran, dass es zu einer besseren Ausbildung nicht gereicht hat.

Und das Modell, dass ein Mann die Familie ernährt, während sich die Frau um die Kinder kümmert (zumindest in den ersten Jahren) ist kein überholtes Familienmodell.

Doch ich finde schon. Das sollte es seit der Emanzipation und Gleichberechtigung nicht mehr geben, dass eine Frau zu Hause sitzt und sich vom Mann finanzieren lässt. Das würde ich als Frau auch als extrem demütigend ansehen, wenn ich mich von einem Mann durchfüttern lassen müsste.

Eine Frau, die nach 3 Monaten schon wieder arbeiten gehen will, kann das ja gerne tun. Ich habe überhaupt nichts dagegen. Nur, sie muss es wollen und nicht gezwungen werden, weil sonst kein Geld zum Leben da ist. Und hier sind wir wieder beim Thema Kinderkriegen. Denn sehr viele Paare wissen, dass der Mann allein nicht die Familie ernähren kann und entscheiden sich deswegen erst mal auf das Kinderkriegen zu verzichten.

Es gibt zig Förderungen für Kinder, Kindergeld, Elterngeld, manche Betriebe stecken jungen Eltern auch noch was extra zu, Eltern sind in zahlreichen Versicherungen besser gestellt. Das muss auch mal reichen. Es muss in diesem Land kein Kind verhungern.

Dass du sagst, das Schulsystem ist nicht auf Leistung aufgebaut zeigt, dass du einfach nur irgendwas gegenhalten willst. Du führst Schulfächer wie Kunst und Sport an. Wieso werden in diesen Fächern Noten vergeben?

Weil in allen Schulfächern Noten vergeben werden und es kann ja sein, dass das Kind später Kunst studieren möchte, da wäre es dann schon relevant, welche Zensuren es da hatte. Aber in den allermeisten beruflichen Ausbildungen spielen die Zensuren aus dem Kunst- und Sportunterricht keine Rolle. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Schüler die Fächer nicht ernst nehmen, wenn es da keine Noten gäbe.

Dass dies bei dir anders gewesen sein soll, scheint mir nicht glaubwürdig. Aber vielleicht warst du auch einfach sehr sportlich und hattest deshalb nie Probleme?

Ich habe doch nicht behauptet, dass es im Kunst- oder Sportunterricht keine Noten gibt. An welcher Stelle habe ich das denn geschrieben? Aber das sind Fächer, die man auch weglassen könnte und die Tatsache, dass man Kindern aber auch was Schöngeistiges beibringen möchte, zeigt ja, dass es eben nicht nur um berufliche Verwertbarkeit geht.

Es wird auch "eigentlich" keiner ausgeschlossen, der weniger leistet? Zunächst mal, wird man nach Leistung einer bestimmten Schulform zugewiesen. Du kannst also von dem Gymnasium runter fliegen und in der Realschule landen, wenn du nicht gewisse Leistung erbringst.

Ja man muss halt ein wenig intelligent sein, um das Abitur zu schaffen. Warum soll man denn Schüler aufs Gymnasium schicken, wenn sie dafür nicht intelligent genug sind? Soll man jeden Deppen Abitur machen lassen? Welchen Wert hätte das Abitur dann noch?

Wenn du auf der Hauptschule landest oder sogar auf einer Sonderschule, nimmst du sehr wohl eine Außenseiterposition in der Gesellschaft ein. Sonderschüler ist heut zu Tage ein Schimpfwort. Es gibt Betriebe, die Bewerbungen von Hauptschülern gar nicht mehr ansehen, weil sie nur noch ab Realschule aufwärts nehmen, obwohl der Beruf ab Hauptschulabschluss erlernt werden könnte. Da kann ich dir nicht nur ein Beispiel nennen, sondern viele.

Sonderschüler sind halt auch nicht die Schlauesten, was erwartest du denn? Viele Betriebe haben inzwischen eher das Problem, dass es zu wenig Bewerber gibt. Vielleicht ist das bei dir ja anders, aber dann wird es dort vermutlich auch irgendwann so sein, es werden ja weniger Kinder als früher geboren. Das bedeutet, dass Unternehmen weniger Auswahl haben und dann auch Schüler nehmen müssen, die sie lieber aussortiert hätten.

Ich habe früher auch in der Personalauswahl gearbeitet und wir mussten auch teilweise Haupt- und Sonderschüler einstellen, obwohl wir die lieber aussortiert hätten, aber es mangelte eben an anderen Bewerbern. Und so geht es ganz vielen Firmen, die haben die Auswahl gar nicht mehr. Man würde gerne die Besten nehmen, aber es gibt so wenig Bewerber, dass man nehmen muss, was da ist. Also erzähle mir nichts von „es gibt keinen Fachkräftemangel“ - ich habe den Fachkräftemangel in der Personalauswahl selbst erlebt.

So entstehen schlechte Noten, die eigentlich gar nichts über deine Intelligenz aussagen und über deine Fähigkeiten.

Die Korrelationen zwischen Zensuren in der Schule und der Intelligenz sind sehr hoch. Man kann daher - und das ist Konsens in der Forschung - von Noten sehr wohl auf die Intelligenz schließen.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Mod am 31.10.2016, 13:21, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

Leider bringt diese Diskussion nichts, da du dir selbst widersprichst. Außerdem ignorierst du Fakten und redest dir Dinge so hin, wie du sie gerne hättest. Wir belassen es einfach dabei.

Benutzeravatar

» PinkPirate » Beiträge: 646 » Talkpoints: 2,35 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^