"Schneeberger Krankheit" - durch Radon verursacht

vom 10.06.2014, 10:35 Uhr

Ich glaube nicht dass er wusste worauf er sich da einlässt, er wollte nur von zu Hause weg. Kurze Stichpunkte: 4 Kinder, 4 Väter, der aktuelle Freund der Mutter etwas älter als er und bis zum Hals tätowiert und mit etlicher Knasterfahrung und gerade dabei gewesen der Schwester ein Kind zu machen. Ich denke auch dass das Geld lockte. Persönlich habe ich ihn nie wiedergesehen, er ging ja dann auch als Längerdienender zur Armee.

Ich selber wusste in diesem Alter gar nicht dass dort Uran abgebaut wurde, es war ja immer nur von dem Kunstbegriff "Wismut" die Rede. Im Unterricht hatten wir das auch nicht und im Fokus der Berichterstattung standen auch nur die Erntekapitäne oder die Kohlekumpel, je nach Saison.

Ich stimme aber auch Punktedieb zu dass man in bestimmten Landstrichen den Leuten angesehen hatte dass sie in einer ungesunden Gegend lebten. Im Erzgebirge war ich nie, aber öfters in Bitterfeld, Leuna und Wolfen. Dort war alles grau, auch die Blätter und die Menschen.

Die Kumpel starben ja auch schon sehr oft relativ früh ohne dass Krebs durch die Folgeprodukte des Urans eine Chance hatte sich zu manifestieren. Todesursache war dann eben der Lungenkrebs durch Nikotinmissbrauch, die Staublunge oder eben Leberzirrhose durch den hochprozentigen Schnaps.

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» hooker » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 50,84 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Wir waren zwangsweise von Mitte 1991 ein knappes Jahr regelmäßig in Johanngeorgenstadt während unserer praktischen Ausbildung. Und das Zeug gar nicht von unten in die Häuser wandern. Allein die Halden von Abbau haben noch genug davon drin gehabt. Übrigens wurde bei uns hier ein Waldweg mit einem solchen Material aufgefüllt. Das ist der einzige Weg wo im Winter kein Schnee liegen bleibt.

Wir waren dort ja in einem Internat untergebracht und besonders dem Mann von der so genannten Heimleitung konnte man es ansehen. Der Kopf war halt doch anders entwickelt und das fiel eben ins Auge. Auch wenn man nicht sagen konnte, dass er extreme Fehlentwicklungen hatte.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


@Hooker, bei den häuslichen Verhältnissen deines Schulkollegen hätte ich sicherlich auch den Weg in das Bergwerk gewählt. Noch mehr Zerrüttung geht ja wohl nicht. Von Leuna hatte ich früher mal etwas gehört, aber Genaues weiß ich nicht mehr.

@Punktedieb, dass sagt ja schon genug, dass selbst der Schnee nicht liegen bleibt und sofort schmilzt. Einen Waldweg mit einem so verseuchten Material aufzufüllen, ist ja wohl sträflich. Haben sich die Stadtväter noch nicht überlegt, das zu ändern? Es ist nicht für Menschen gesund und ebenso wenig für die Tiere und Pflanzen des Waldes. Ferner benutzen auch Kinder solche Waldwege und spielen eventuell mit dem Dreck.

Ja, du hast recht, die Abraumhalden enthalten ja das verseuchte Material. Da strahlt es nun unter und über der Erde. Die ganze Bevölkerung müsste umgesiedelt werden, aber das dürfte nicht machbar sein.

Wie ich mich erinnere, schreibst du doch auch. Falls du das für Zeitungen, Magazine oder Illustrierte machst, könntest du doch mal auf die Gefahr aufmerksam machen, die durch Verfüllung des Abraums aus solchen Bergwerken in anderen Regionen ständig da ist, wie zum Beispiel den erwähnten Waldweg. Vielleicht wird dann veranlasst, dass das Material ausgetauscht wird. Dafür könnte bestimmt ein Zuschuss vom Bund beantragt werden. Eventuell kann auch nachgeprüft werden, wo überall dieser Giftmüll hingekarrt wurde. Da wäre auch ein Buch drin, vielleicht mit Hooker und anderen Interessierten zusammen.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ob die Stadt dafür zuständig ist, weiß ich nicht. Denn der Weg führt zur früheren Messtation für Erdbeben. Das Gebäude ist mittlerweile auch in privaten Besitz und wenn der Weg dazu gehört, dann wird es schwer. Übrigens wohnen wir hier, soweit ich informiert bin, auch auf recht ausgiebigen Uranvorkommen. Allerdings hat man sich nie wirklich gewagt hier mit dem Bergbau zu beginnen. Denn ein großer Teil von Plauen steht auf Vulkangestein und das kann man schlecht kalkulieren, wie es reagiert, wenn alles unterhöhlt wird.

Aber die Medien kann man für den Weg hier nicht ins Boot holen. Denn welches Material dort verwendet wurde, ist bekannt und es stört niemanden. Und für andere Veröffentlichungen fehlen mir einfach die Kenntnisse und an alle Informationen wird man bei dem Thema auch nicht ran kommen.

Leuna ist übrigens ein Chemiestandort. Das hat mit Uran wieder gar nichts zu tun. Aber man hat es früher immer gerochen, wenn man mit dem Zug dort oder eben auch bei Bitterfeld-Wolfen durchgefahren ist. Allerdings ist, soweit ich weiß, Leuna heute eher ein Vorzeigebetrieb, der sich auch für die Region einsetzt.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Cid hat geschrieben:@Punktedieb, dass sagt ja schon genug, dass selbst der Schnee nicht liegen bleibt und sofort schmilzt. Einen Waldweg mit einem so verseuchten Material aufzufüllen, ist ja wohl sträflich. Haben sich die Stadtväter noch nicht überlegt, das zu ändern? Es ist nicht für Menschen gesund und ebenso wenig für die Tiere und Pflanzen des Waldes. Ferner benutzen auch Kinder solche Waldwege und spielen eventuell mit dem Dreck.

Ich finde es schon etwas erschreckend, wir ihr irgendwelche Vermutungen anstellt, fern ab von physikalischem Wissen und dann gleich nach einem Einschreiten der Stadt geschrien wird, weil ihr radioaktive Wege vermutet. Also manchmal greift man sich wirklich an den Kopf. Dass Schnee auf manchen Gebieten, Bodenarten, Steinen, Wegen usw. schneller schmilzt oder kaum liegen bleibt, hängt mit der Wärmeleitfähigkeit des Bodens oder der Steine zusammen.

Das kann man auch bei Pflastersteinen beobachten. Auf manchen der Steine scheint der Schnee schneller zu schmelzen, auch wenn keiner darüber läuft. Manche der Steinen können die Erdwärme nämlich besser aus dem Untergrund und den Boden nach außen weiterleiten. Entscheidend ist, wie gut ein Material Wärme leitet und Materialien oder Gesteine, die viele Poren enthalten (etwa Holz) leiten kaum Wärme, sondern wirken eher isolierend.

Basalt ist ein schlechter Wärmeleiter (der ist grau), Grauwacke und Gneis sind gute Wärmeleiter (die sind braun). Basalt hat viele Luftporen, Gneis nicht so. Gneis entsteht durch hohen Druck, da werden Mineralien zusammengrepresst, der hat also wenig Poren und leitet die Wärme gut. Granit sieht ähnlich aus, entsteht durch Magma, aber im Erdinneren, hat also auch kaum Lufteinschlüsse.

Wenn man nun also Mineralien aus dem Erzgebirge - was mit hohe Wahrscheinlichkeit Granite und Gneise sind - nutzt, um einen Weg zu bauen, dann hat man da lauter Steine, die die Restwärme in der Erde gut weitergeben und sich bei Sonnenstrahlung aufheizen, die Wärme besser als andere Steine speichern und diese somit auch länger abgeben und dann den Schnee schmelzen lassen.

Ja, du hast recht, die Abraumhalden enthalten ja das verseuchte Material. Da strahlt es nun unter und über der Erde. Die ganze Bevölkerung müsste umgesiedelt werden, aber das dürfte nicht machbar sein.

Die Halden befinden sich in nur wenigen Orten. Ganz alte Halden stammen vom Erzbergbau vor dem 2. WK. die enthalten kein Uran. Die Halden der DDR-Zeit konzentrieren sich auf ganz wenige Regionen im Erzgebirge und wurden inzwischen alle saniert. D.h. da wurden mehrere Schichten an speziellen Erden drüber gebracht usw., sodass da nur wenige Meter neben der Halde keine im Vergleich zur natürlichen Strahlung erhöhten Werte vorhanden sind.

Zudem war die Wimsut ja daran interessiert, das Uran eben nicht auf die Halde zu kippen, sondern abzubauen. D.h. nachdem die beim Abbau irgendwann festgestellt haben, dass sie (damals, vor 50 Jahren) nicht mehr so viel fanden, wurden die Halden nochmal umgegraben und das herausgefischt, was noch zu gebrauchen war. Es landeten also keine Unmengen Uran auf den Halden.

Was stimmt, ist, dass Bergleute einer erhöhten Belastung ausgesetzt waren und gerade direkt nach dem 2. WK auf Arbeitsschutz nicht so geachtet wurde.
Daher wurden auch viele krank, aber je mehr der Arbeitsschutz Beachtung fand, desto mehr reduzierten sich die Erkrankungsraten. Und wer 1960 in einem Bergwerk gearbeitet hat, ist heute vermutlich um die 70 oder 80 Jahre alt. Das ist ein Alter, in dem ohnehin onkologische Erkrankungen gehäuft auftreten.

Radon wird eingeatmet, ist schwerer als Sauerstoff und bleibt daher länger in der Lunge. Es ist aber keine ionisierende Strahlung, d.h. es verstrahlt nichts. Es wirkt nur da, wo es gerade ist und wenn es weg ist (weil gelüftet etc.), wirkt da auch nichts mehr.

Zudem gibt es im Erzgebirge Heilbäder, die Radonkuren anbieten. Denn das Radon regt die Neubildung von bestimmten Zellen an, was man etwa bei Rheuma nutzt. Darum heißen da viele Orte auch "Bad", etwa Bad Schlema, Thermalbad Wiesenbad usw. Es ist eben eine Frage, wie viel man davon abbekommt, es kann heilen oder schaden. Aber man muss weder die Bevölkerung umsiedeln noch Panik schieben.

Und nur weil ihr mal jemandem mit schiefen Kopf oder was auch immer gesehen habt, sollte man nicht schlussfolgern, dass er verstrahlt wurde. Komisch aussehende Menschen, da bin ich mir ganz sicher, gibt es überall und in allen Regionen der Welt. Es ist immer mal einer dabei, der nicht so hübsch geraten ist.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 12.06.2014, 15:01, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

@Zitronengras, du musst dich nicht gleich an den Kopf greifen, wenn du anderer Meinung bist als verschiedene User. Es wäre schade um deine vielleicht tolle Frisur.

Das dauernde Einatmen von emanationshaltiger Luft ist für die Schneeberger Krankheit verantwortlich. Die Zerfallsreihen von Uran und Thorium, die es dort im Erdreich gibt, bilden das Radon. Das Radon wiederum aus den oberen Bodenschichten geht ins Grundwasser, in die Atmosphäre, in Höhlen und Bergwerke und in Keller und Rohrleitungen. Alle Isotope des Radons sind radioaktiv. Radon kommt vermehrt in den Gebieten vor, wo im Boden der Gehalt von Uran und Thorium hoch ist. Das sind hauptsächlich die Mittelgebirge, wie zum Beispiel das Erzgebirge. Natürlich enthält das auch Granit und Gneis. Aber das schließt ja Uran und Thorium nicht aus, oder meinst du doch?

Erzbergbau wurde in Böhmen betrieben. Wir reden hier über die Schneeberger Krankheit und die entsprechenden Gruben. Es sollte sehr viel kontaminiertes Material aufbereitet werden, falls der Urangehalt dieser Abfälle wie Schutt und Bodenaushub ausreichend hoch war. Die Bevölkerung wusste von der radioaktiven Belastung teilweise, konnte sich aber nicht über die genaue Gefährdung informieren.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten die Radiummineralbäder – die eigentlich Radonbäder heißen mussten - einen Boom. In einer Ärztezeitung las ich, dass die Radontherapie grundsätzlich mit Lungenkrebsrisiko verbunden ist (Ärztezeitung 7.1.13)

Machst du dich eigentlich lustig über die Menschen, die nicht das Glück haben dort zu wohnen, wo es keine radioaktive Strahlung gibt?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Die Zerfallsreihen von Uran und Thorium, die es dort im Erdreich gibt, bilden das Radon. Das Radon wiederum aus den oberen Bodenschichten geht ins Grundwasser, in die Atmosphäre, in Höhlen und Bergwerke und in Keller und Rohrleitungen. Alle Isotope des Radons sind radioaktiv. Radon kommt vermehrt in den Gebieten vor, wo im Boden der Gehalt von Uran und Thorium hoch ist. Das sind hauptsächlich die Mittelgebirge, wie zum Beispiel das Erzgebirge. Natürlich enthält das auch Granit und Gneis. Aber das schließt ja Uran und Thorium nicht aus, oder meinst du doch?

Mal ehrlich, hast du das bei Wikipedia abgeschrieben? ;) Weißt du, was ein Isotrop ist? Weißt du, was Thorium ist? Das ist auch Gestein, Uran ebenso, da sind Steine. Und wenn die sich zersetzen, dann entsteht das Radon, das ist aber ein Gas und das Gas ist leichter als feste Stoffe oder Wasser und steigt daher auf, so wie auch Luft. Darum gelangt das in Keller, denn die sind ja nicht luftdicht abgeschlossen.

Granit und Gneis sind auch Steine, die enthalten also kein Radium, denn das würde sich verflüchtigen. Es kann maximal sein, dass eine kleine Ecke Uran etwa an einem Stein aus einem anderen Mineral dranhängt. So lange man diesen Stein dann aber nicht aufhebt und tagelang spazieren trägt, würde das gesundheitlich gar nichts ausmachen. Wenn aber ein Weg oder bestimmte Steine gleichmäßig den Schnee darauf schmelzen lassen, dann liegt das eher nicht an irgendwelchen radioaktiven Substanzen, sondern an der Wärmeleitung durch die Steine.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten die Radiummineralbäder – die eigentlich Radonbäder heißen mussten - einen Boom. In einer Ärztezeitung las ich, dass die Radontherapie grundsätzlich mit Lungenkrebsrisiko verbunden ist (Ärztezeitung 7.1.13)

Das habe ich auch gelesen, aber waren es nicht um die 0,1% der ein ähnlich vernachlässigbar geringer Wert, den die Bäder das Lungenkrebsrisiko erhöhen? Das erscheint mir nicht so viel.

Machst du dich eigentlich lustig über die Menschen, die nicht das Glück haben dort zu wohnen, wo es keine radioaktive Strahlung gibt?

Nein, ich mache mich lustig über Menschen, die irgendwelche Verschwörungstheorien aufstellen oder Thesen, wie "Das Erzgebirge muss umgesiedelt werden" in die Welt setzen und eigentlich gar kein entsprechendes Wissen dazu haben, sondern ein paar Informationen irgendwo abschreiben und dann ihrer leicht übertriebenen Fantasie freien Lauf lassen. Da kommen dann nämlich solche Dinge, wie „Der Schnee schmilzt, weil der Weg verstrahlt ist“ dabei heraus.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



@Zitronengras: Bei dem Weg bei uns wird das nicht nur vermutet, sondern es ist bekannt, dass hier belastetes Material verwendet wurde. Das weiß ich zum Beispiel von einem Menschen, der damals mit dort gearbeitet hat, als dieser Weg mit Bergbauabraum befüllt wurde. Es ist also keine Spekulation, sondern Tatsache.

Was die Menschen dort angeht, die uns während der Ausbildung begegnet sind und Auffälligkeiten hatten. Da ist mir eben der Internatsleiter in besonderer Erinnerung geblieben. Aber er war nicht die einzige Person, die uns da in dieser Richtung aufgefallen ist. Und wenn es in einer Gegend vermehrt solche Auffälligkeiten gibt, dann ist das auch kein Zufall mehr. Nur hier sind sie eben sichtbar im Vergleich zu anderen Erkrankungen.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


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