Welche Gesprächsthemen sind bei Depressiven angemessen?

vom 01.06.2014, 09:30 Uhr

Ich schreibe gerne Mails mit anderen. Das ist mir fast lieber als zu telefonieren. Über verschiedene Plattformen haben ich auch einige Leute kennengelernt, mit denen ich teilweise auch maile. Einer davon ist depressiv und ich finde es schwierig, hier adäquate Gesprächsthemen zu finden.

Wie tauschen und schon eine Weile aus, aber ich habe immer mehr den Eindruck, dass es diese Person überfordert, wenn ich von irgendwelchen Dingen aus meinen Leben berichte, die ich nicht mochte. Neulich schrieb er mir, dass es ihn herunterziehe, wenn ich über Dinge aus meinem Leben meckere.

Aber was soll ich denn sonst schreiben? Wenn ich berichte, was ich so gemacht haben, da sind eben Dinge dabei, die negativ sind. Das sind ja keine sehr schlimmen Dinge, sondern eher so etwas, wie dass ich den Bus verpasst habe oder dass ich mich mit jemandem unterhalten habe, der mir unsympathisch war oder eine Zimmerpflanze eingegangen ist, also total Alltägliches und Kleinigkeiten. Ich berichte ja auch Positives.

Aber wenn ihn das so stört, über was darf man da überhaupt schreiben? Welche Kommunikationsinhalte sind denn angemessen? Hier haben ja auch manche geschrieben, dass sie depressiv sind. Vielleicht könnt ihr mir sagen, welche Themen Euch angenehm wären und worüber darf man mit Depressiven nicht reden?

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Gio am 01.06.2014, 10:43, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Mir hat damals immer geholfen, wenn ich zum Nachdenken über bestimmte Sachen angeregt wurde. Das können unterschiedliche Themen sein, je nachdem. Beispielsweise ein kleines Problem, wo man erst noch eine Lösung finden muss. Es müssen nicht unbedingt zwischenmenschliche Probleme sein, es können auch technische Probleme sein oder irgendetwas anderes worüber man nachtüfteln muss.

Ich habe zu dem Zeitpunkt auch gerne einer Freundin geholfen, wenn sie bestimmte Bücher für die Uni gesucht hat, die schwer aufzutreiben waren. Oder wenn sie verliebt war, habe ich ihr geholfen, ihrem Herzblatt näher zu kommen, sowas in der Art halt. Jeder Mensch ist da aber anders und der Schuss könnte auch ganz schnell nach hinten losgehen (im Sinne von: "die hat ein Herzblatt, aber mich mag keiner"). Ich war damals über alles dankbar, was mich dazu veranlasste, über längere Zeit über andere Sachen nachzudenken und von meinen eigenen Grübeleien wegzukommen.

Bei jedem äußert sich das anders, bei mir hätte das beispielsweise auch geholfen, wenn man mich um einen Gefallen gebeten hätte (z.B. einen Schal stricken, wenn ich stricken könnte). Manche sind aber für Gefallen zu antriebslos, sodass das dann auch eher kontraproduktiv wäre.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das schlimme ist ja, dass negative Dinge einige Menschen wirklich herunterziehen. Was da helfen könnte, wären nicht nur die negativ belasteten Dinge alleine anzusprechen, sondern aufzuzeigen, wie du diese dann gelöst hast und wie gut es dir dabei geht und du dich freust, dass du es geschafft hast. Das zeigt dann ja, dass du negative Situationen bewältigen konntest und er das dann vielleicht auch auf sich spiegelt und sich dann sagt, dass er dies auch mit seinem Leben schaffen kann.

Ansonsten immer nur über schöne Themen reden, wie toll das Leben doch ist und so weiter. Ich habe da einen Freund, dem seine Oma ist vor über einem Jahr gestorben und sein Profilname lautete dann traurigXYZ. Ich habe mit ihm dann gesprochen und ihm gesagt, dass es besser wäre, was fröhlicheres zu nehmen. Da er leider eine leichte geistige Behinderung hat, kam an Ende frohXYZ bei raus (wobei XYZ noch für einen weiteren Teil des Nicks steht, damit ich hier keine genauen Nicks aus irgendwelchen Foren, etc. nennen). Aber da aufzumuntern, egal wie, ist auch immer schwer. Aber da vermeide ich immer etwas negatives zu schreiben oder am Telefon zu nennen, da ich weiß, dass es nur schlecht ausgeht, wenn ich solche Themen anspreche.

Da ist nur Fingerspitzengefühl angebracht. Aber bei so negativ eingestellten Menschen hilft manchmal nur gute Laune, oder den Kontakt abbrechen, damit du dich nicht selber runterziehst.

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» DocMichi » Beiträge: 667 » Talkpoints: 3,51 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Es ist sicherlich nicht leicht, mit jemanden der depressiv ist, umzugehen. Man sollte sich immer selbst treu bleiben und nicht permanent, aus Rücksichtnahme, gewisse Themen meiden. Dies zieht dich nur selbst runter, mit der Zeit.

Das Leben ist wie es ist, da gibt es nicht zu beschönigen, oder auszulassen. Im Grunde genommen, kann man auch mit depressiven Menschen ganz normal reden. Zumal diese auch meist Schübe haben, heißt, sie sind nicht den ganzen Tag schlecht drauf.

Ansonsten, wenn du dir unsicher bist, kann ich nur empfehlen, mit der Person, offen über diese Depression zu schreiben, zuzugeben, dass du nicht so recht weißt wie du damit umgehen sollst und welche Themen angemessen, oder in Ordnung sind. Somit lernst du über die Person etwas dazu und bist dann sicherlich auch selbstbewusster und sicherer im Umgang mit ihr. Denn nur die betreffende Person kann, dir, die besten Antworten liefern. Schlussendlich verläuft nämlich jede Depression individuell. Es gibt kein allgemein gültiges Rezept.

» scorpion24 » Beiträge: 207 » Talkpoints: 4,32 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Es gibt nicht den einen Weg um etwas sinnvolles für einen Depressiven zu schreiben. Jeder Mensch ist anders und was den einen herunterzieht, kann den anderen Menschen schon zum Nachdenken anregen und dienlich sein. An deiner Stelle würde ich ihn fragen, was ihn daran belastet, wenn du solche Sachen schreibst und welche Themen besser wären, dann würdest du ihn und sein Leben besser verstehen und müsstest dir keine Sorgen mehr machen.

Man kann doch auch über positive Sachen schreiben und die schlechten Dinge aussparen. Sollte man dann doch etwas geschrieben haben, kann man vielleicht mit einer Lösung aus dem Schlechten etwas Gutes machen. Ansonsten ist er aber vielleicht auch über Musik zu erreichen, also wenn du ihm erzählst, was du gerade so hörst und das dich dann glücklich machst bestimmte Sachen zu hören und warum.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


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