Macht permanenter Bewegungsmangel zwangsläufig krank?
Mein Bruder ist ein Bewegungslegastheniker wie er im buche steht. Er bewegt sich wirklich nur, was nötig ist und ist dabei noch rank und schlank. Er meint, dass er sich nicht bewegen braucht, weil er auch so fit ist und auch nicht übergewichtig ist. Aber ich denke, dass man sich auch dann bewegen sollte.
Macht permanenter Bewegungsmangel auch dann krank, wenn man nicht mit Übergewicht zu kämpfen hat und sich top fit fühlt oder denkt ihr, dass man sich auch dann bewegen muss. Welche Krankheiten können entstehen, wenn man sich nicht bewegt?
Hier ein ähnliches Thema, in dem ich das Wichtigste beschrieben habe. Um kurz noch auf deine explizite Frage einzugehen: Ja, Bewegungsmangel macht auf Dauer krank, genauso wie Schlafmangel. Akut wird man vielleicht leichte Verspannungen, diffuse Schmerzen verspüren, aber auf Dauer, insbesondere im Alter, ist Bewegungsmangel mit einer der größten Risikofaktoren für sämtliche kardiovaskuläre Erkrankungen.
Hier ein ähnliches Thema, in dem ich das Wichtigste beschrieben habe. Um kurz noch auf deine explizite Frage einzugehen: Ja, Bewegungsmangel macht auf Dauer krank, genauso wie Schlafmangel. Akut wird man vielleicht leichte Verspannungen, diffuse Schmerzen verspüren, aber auf Dauer, insbesondere im Alter, ist Bewegungsmangel mit einer der größten Risikofaktoren für sämtliche kardiovaskuläre Erkrankungen.
Das hinkt aber ein wenig. Viele wiederholen gerne reflexartig, dass Bewegungsmangel ganz böse und schlimm sei und der Gesundheit schadet, aber wenn man mal fragt, warum das so ist, dann kommt man schnell darauf, dass es nicht die Bewegung ist, sondern eher das mit zu wenig Bewegung häufig verbundene Übergewicht.
Wer zu viel wiegt, dessen Zellen sind manchmal unempfindlicher gegenüber Insulin und das kann eine Störung des Zuckerstoffwechsels bewirken. Wer zu viel wiegt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit für Herzkrankheiten, weil das Herz eben mehr versorgen muss. Auch hormonelle Vorgänge spielen da eine Rolle. Aber dennoch hat nicht automatisch jeder Übergewichtige auch zu hohe Blutdruckwerte. Es ist eher eine Frage der Wahrscheinlichkeiten. Wer Übergewicht hat, hat mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Tendenz zu hohen Blutzucker- und Blutdruckwerten – aber das muss nicht immer der Fall sein.
Wenn jemand dann noch schlank ist, also kein Übergewicht besitzt, dann sieht die Sache ja nochmal anders aus. Natürlich kann man mit Sport den Herzmuskel etwas kräftigen und vielleicht seine Kondition verbessern, aber wenn jemand ein Leben führt, indem er halt einfach keine gute Kondition braucht und das Herz aufgrund des schlanken Körperbaus eh nicht belastet ist – was soll sich dadurch großartig verbessern?
Der Aufbau von Muskeln kann auch dort wichtig sein, wo etwa Gelenke oder gerade der Rücken etwas gestärkt werden, etwa zur Vorbeugung von Bandscheibenvorfällen. Auch hier muss man aber sagen, dass Rückenbeschwerden vor allem von Fehlbelastungen kommen. Nicht jeder, der im Büro arbeitet, belastet den Rücken automatisch falsch – vielleicht sitzt er ja immer total rückengerecht und selbst wenn nicht, es kann niemand mit Bestimmtheit sagen, dass er deswegen Rückenprobleme bekommen muss.
Man kann andersherum argumentieren, dass es sicherlich auch keine gute Wahl ist, Menschen gegen ihren Willen zum Sport zu zwingen. Manche glauben ja, dass es für jeden eine passende Sportart gebe und dass man nur dir richtige finden müsse und dann total begeistert wäre. Aber es gibt eben auch Menschen, die machen eben generell nicht gerne Sport, die sind eben faul und fühlen sich wohl damit. Wenn man so jemanden dann nötigen würde, regelmäßig etwas zu machen, was er nicht mag, kann das denn gesund sein? Oder würde das nicht zur Ausschüttung von Stresshormonen führen, die letztlich ebenfalls das Herz-Kreislauf-System mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schädigen können?
Um noch ein anderes Beispiel zu nennen: Ich habe mal gelesen, dass Leute, die jeden Tag eine halbe Stunde joggen, einige Jahre länger leben. Aber wenn man es dann nachrechnet, dann verbringen sie genau diese zusätzlichen Jahre eben mit Joggen, d.h. sie gewinnen vielleicht vier Jahre, die zusammengerechneten Sporteinheiten ergeben aber auch vier Jahre über das Leben. Man hat also nicht unbedingt einen Netto-Nutzen davon.
Ich würde jetzt auch nicht behaupten, dass Bewegungsmangel zwangsläufig krank macht. Bewegung ist natürlich in den allermeisten Fällen gesund, aber das heißt ja noch lange nicht, dass jemand auf jeden Fall krank wird, wenn er sich nicht bewegt. Es gibt schließlich auch Leute, die ihr ganzes Leben rauchen und trinken und trotzdem bis ins hohe Alter gesund bleiben. Und fehlende Bewegung ist sicherlich nicht ganz so schlimm wie Alkohol und Tabak.
Gerade wenn jemand nicht übergewichtig ist, heißt das wahrscheinlich schon einmal, dass er sich einigermaßen vernünftig ernährt oder genug Bewegung hat. Schließlich ist Bewegung ja nicht gleichbedeutend mit "Sport treiben". Wenn jemand zum Beispiel einen Beruf hat, bei dem er viel laufen muss, handwerklich tätig ist, hat er schon mehr Bewegung als ein Büroangestellter, der drei Mal die Woche ins Fitnessstudio geht. Auch jemand, der zur Arbeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und dabei vielleicht noch einen Fußweg von zwanzig Minuten hat, hat schon sehr viel Bewegung, ohne dass es ihm vielleicht bewusst ist.
@Zitronengras: Was genau ist also an der Aussage, dass Bewegungsmangel ein Risikofaktor für all die von dir nochmal ausführlich ausgearbeiteten Aspekte darstellt, ungenau? Mal abgesehen davon, dass Adipositas durch Bewegungsmangel bedingt sein kann, aber nicht muss - ergo Bewegungsmangel ein entscheidender Faktor in der Entstehung des Übergewichtes sein kann -, wird die Insulinresistenz dadurch bestimmt, dass ich dem Körper viel mehr Energie (insbesondere Kohlenhydrate) zuführe als er in Wirklichkeit braucht. Stichwort positive Energiebilanz. Es muss nicht unbedingt Bewegungsmangel zur Insulinresistenz führen, ich kann mich auch ganz normal, ausgewogen und meinem Alter und meiner Konstitution entsprechend ernähren, ohne mich dabei großartig zu bewegen, würde aber dennoch weder übergewichtig werden noch an Diabetes Typ 2 erkranken.
Es ist darüber hinaus bewiesen, dass Bewegungsmangel zur Sarkopenie führt, insbesondere im Alter, wo der Körper ohnehin physiologischerweise Muskelabbau betreibt. Wenn hier also noch Immobilität bzw. bewusster Mangel an Bewegung hinzukommt, sind Stand- und Gangprobleme verbunden mit Frakturen infolge von Stürzen unvermeidbar. Auch Knochen brauchen Bewegung und Belastung, um ihren Stoffwechsel aufrechterhalten zu können - mangelnde Belastung/Bewegung/Immobilität aktiviert die Osteoklasten bzw. hemmt die Osteoblasten, weshalb der Knochenabbau im Vordergrund steht. Sicherlich habe junge Menschen in dieser Hinsicht wesentlich weniger Probleme, aber eine gesunde Grundlage für das spätere Leben wird damit sicherlich nicht geschaffen.
Grundsätzlich ist es allerdings in der Medizin so, dass nie 100%ige Aussagen darüber getroffen werden können, ob Person X aufgrund des Faktors Y an irgendwas erkranken wird, sofern es sich nicht um genetische Erkrankungen bzw. Faktoren handelt - wobei es auch in der Genetik die sogenannte Penetranz gibt und erstaunlicherweise auch hier recht verwunderliche Ergebnisse zu sehen sind. Bewegungsmangel ist nunmal ein Risikofaktor für sämtliche Erkrankung, mal fließt er stärker in die Pathogenese ein mal weniger. Um meine Ansicht mal zu relativieren: Ich rede nicht von 2-3 Wochen, in denen ein Mensch mal keine Lust hat, auszugehen, Sport zu machen, sich anderweitig zu betätigen oder ähnliches. Die Rede ist eher von einem jahrelangen Bewegungsmangel, dem man bewusst aufgrund der inneren Überzeugung oder warum auch immer nicht nachgeht.
Natürlich ist mir klar, dass Sport nicht bei jedem Menschen protektiv für Erkrankung X wirkt, weil viele Erkrankungen multikfaktoriell sind. Das Beispiel von Weasel_ ist doch eindrucksvoll: Jeder wird einen Raucher kennen, der 50 Jahre lang geraucht hat, aber mit 80 Jahren immer noch ein "gesundes" und sorgenfreies Leben lebt. Das schafft aber die Problematik, dass Rauchen DER Risikofaktor für Bronchialkarzinom ist, nicht aus der Welt. Genauso kann man es auch bei jahrelangen Alkoholikern beobachten, dass einige mit 70-80 Jahren kein Leberkarzinom entwickelt haben. Das heißt aber nicht, dass Alkohol kein Risikofaktor für Leberkrebs ist. Umgekehrt kann man es ebenso wenig vorhersagen, dass Nicht-Alkoholiker kein Leberkarzinom haben werden. Ist hoffentlich nun etwas klarer geworden, da es ein recht komplexes Thema ist und in der Medizin generell viele Themen sehr kontrovers diskutiert werden.
Was genau ist also an der Aussage, dass Bewegungsmangel ein Risikofaktor für all die von dir nochmal ausführlich ausgearbeiteten Aspekte darstellt, ungenau? Mal abgesehen davon, dass Adipositas durch Bewegungsmangel bedingt sein kann, aber nicht muss - ergo Bewegungsmangel ein entscheidender Faktor in der Entstehung des Übergewichtes sein kann -, wird die Insulinresistenz dadurch bestimmt, dass ich dem Körper viel mehr Energie (insbesondere Kohlenhydrate) zuführe als er in Wirklichkeit braucht. Stichwort positive Energiebilanz. Es muss nicht unbedingt Bewegungsmangel zur Insulinresistenz führen, ich kann mich auch ganz normal, ausgewogen und meinem Alter und meiner Konstitution entsprechend ernähren, ohne mich dabei großartig zu bewegen, würde aber dennoch weder übergewichtig werden noch an Diabetes Typ 2 erkranken.
Es kommt nicht nur darauf an, was man dem Körper zuführt; viel entscheidender ist, was der Körper damit macht. Wer sich wenig bewegt und vielleicht auch gerne schlemmt, der hat einen anderen Stoffwechsel. Nicht alles, was man isst, wird auch bis auf die letzte Kalorie verwertet, manche haben einen schnellen Stoffwechsel, der die Kalorien nur „schlampig“ verarbeitet und eben selbst für wenige Bewegungen und geringe Anstrengungen viele Kalorien „verbrät“. Das wiederum bedeutet, dass es nicht zwangsläufig schlecht sein muss, den Körper mehr Kalorien zuzuführen, als er braucht, weil die eigentlich nicht gebrauchten Kalorien vielleicht ohnehin nicht verwertet werden.
Bewegungsmangel ist daher nicht der entscheidende Faktor, sondern Übergewicht. Wenn Bewegungsmangel aber bei jemandem nicht zu Übergewicht führt, sondern jemand, der sich wenig bewegt, dennoch schlank ist, dann ist die mangelnde Bewegung kein Risikofaktor.
Zitronengras hat geschrieben:Es kommt nicht nur darauf an, was man dem Körper zuführt; viel entscheidender ist, was der Körper damit macht. Wer sich wenig bewegt und vielleicht auch gerne schlemmt, der hat einen anderen Stoffwechsel. Nicht alles, was man isst, wird auch bis auf die letzte Kalorie verwertet, manche haben einen schnellen Stoffwechsel, der die Kalorien nur „schlampig“ verarbeitet und eben selbst für wenige Bewegungen und geringe Anstrengungen viele Kalorien „verbrät“. Das wiederum bedeutet, dass es nicht zwangsläufig schlecht sein muss, den Körper mehr Kalorien zuzuführen, als er braucht, weil die eigentlich nicht gebrauchten Kalorien vielleicht ohnehin nicht verwertet werden.
Eine positive Energiebilanz geht meist langfristig mit Übergewicht einher, da ist es dann auch völlig egal, was man dem Körper zuführt, solange man kein exotisches Ernährungsverhalten hat und ausschließlich sich von proteinhaltigen Lebensmitteln ernährt. Es ist also durchaus relevant, was dem Körper zugeführt wird. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der Kohlenhydratreiches mit Fetthaltigem gerne kombiniert aufgenommen wird, wird die überflüssige Energie in Form von Fett gespeichert. Selbst ausschließlich zuckerhaltige, überschüssige Energie wird in Form von Fett eingespeichert (Endprodukt der Glykolyse ist Acetyl-CoA, gleichzeitig aber auch das Substrat der Lipogenese).
Natürlich können Menschen nun unterschiedliche Expressionmuster der entsprechenden Enzyme haben, werden viele Menschen auch haben, allerdings adaptiert sich das zelluläre System irgendwann an den Bewegungsmangel nach dem Motto "wieso soll ich weiterhin reichlich ein Produkt abbauen, was nicht benötigt wird? Also gehe ich den anderen Weg und speichere dieses Substrat in Form von Fett, worauf ich später zurückgreifen kann, ein".
Wenn aber an diesem Punkt dem Körper signalisiert wird, dass er auf die Energie weiterhin angewiesen ist, wird er sicherlich weiterhin den katabolen Weg bestreiten. Ich kenne ebenfalls viele Menschen, die sich wenig bewegen, aber in der Regel essen sie auch zu wenig, als dass sie letzten Endes zunehmen würden. Umgekehrt habe ich viele Menschen kennenlernen dürfen, die ohne eine Änderung ihres Essverhaltens (sprich gleich hohe Energiezufuhr) allein durch regelmäßige sportliche Aktivität langsam an Gewicht abgenommen haben.
Zitronengras hat geschrieben:Bewegungsmangel ist daher nicht der entscheidende Faktor, sondern Übergewicht. Wenn Bewegungsmangel aber bei jemandem nicht zu Übergewicht führt, sondern jemand, der sich wenig bewegt, dennoch schlank ist, dann ist die mangelnde Bewegung kein Risikofaktor.
Die Frage ist dann: Was ist der Risikofaktor für Übergewicht? Positive Energiebilanz plus Bewegungsmangel (unter anderem natürlich, auf die anderen Faktoren möchte ich nicht eingehen) - entweder ich nehme mehr auf als mein Körper braucht (positive Energiebilanz) oder ich halte meine Energiezufuhr bei, aber der Körper senkt langfristig seinen Grundbedarf, was letztlich auch in einer positiven Energiebilanz endet, allerdings hier bedingt durch Bewegungsmangel.
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