Wunsch nach Geschlechtsangleichung als Spinnerei abtun?

vom 10.11.2013, 14:33 Uhr

Die Geschlechtsangleichung, im Volksmund auch Geschlechtsumwandlung genannt ist ja heutzutage kein Tabu Thema mehr. Zumindest sollte es nicht so sein, dass man die Leute, die sich eine Geschlechtsangleichung wünschen nicht ernst nimmt.

In meinem Bekanntenkreis ist eine junge Frau, die vom den Geschlechtsorganen noch ein Mann ist. Sie hat aber schon Hormone bekommen, dass ihre Brust wächst und sie auch den starken Haarwuchs verliert. Es ist eine sehr nette junge Frau die aber in vielen Bereichen noch aneckt, weil sie als Mann gesehen wird, wenn die Leute sie noch als Mann kennen. Sie tun diesen Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung als Spinnerei ab, was die Frau sehr verletzt.

Könntet ihr einen Menschen in eurer Umgebung wirklich ernst nehmen, der diesen Wunsch hat? Wäre es ein Unterschied, wenn ihr diesen Menschen vielleicht von klein auf als Junge / Mann kennen würdet und er nun eine Frau sein will oder ist es für euch egal, ob ihr diesen Menschen schon lange kennt oder ihn erst kennenlernt, wenn der Wunsch schon fast umgesetzt ist?

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» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Sherlock-Holmes hat geschrieben:Könntet ihr einen Menschen in eurer Umgebung wirklich ernst nehmen, der diesen Wunsch hat?

Ich wurde schon mit zwei Personen mit so einem Wunsch oder auch einem ähnlichen Wunsch und die dazugehörigen Gedanken konfrontiert, wobei ich beide Frauen auch als Frauen kenne, sie sich jedoch eher männlich fühlen. Selbstverständlich nehme ich diese Personen und ihre Gedanken ernst, warum auch nicht? Es gibt wirklich Menschen, die in dem falschen Körper geboren wurden oder sich eben mit ihrem Geschlecht nicht wohl fühlen. Man muss diese Menschen respektieren und tolerieren.

Vor einigen Tagen hat ein Kollege einen anderen jungen Mann getroffen und beide haben sich unterhalten. Ich habe mich ebenso unterhalten und dann hat man sich auch wieder verabschiedet. Anschließend habe ich zu meinem Kollege gesagt, dass der junge Mann sehr freundlich war und er hat mir erzählt, dass das eine Frau war, was ich auch überhaupt gar nicht schlimm fand. Ich war erst überrascht gewesen, aber dann ist mir auch aufgefallen, dass mein Kollege zu dem jungen Mann auch gesagt hatte, dass die Stimme tiefer wurde. Natürlich war ich im ersten Moment überrascht, aber für mich ist das auch etwas ganz normales.

Sherlock-Holmes hat geschrieben:Wäre es ein Unterschied, wenn ihr diesen Menschen vielleicht von klein auf als Junge / Mann kennen würdet und er nun eine Frau sein will oder ist es für euch egal, ob ihr diesen Menschen schon lange kennt oder ihn erst kennenlernt, wenn der Wunsch schon fast umgesetzt ist?

Natürlich ist es eine Umstellung, wenn man eine Person zum Beispiel immer mit ihrem männlichen Vornamen angesprochen hat und man sich anschließend an einen anderen weiblichen Namen gewöhnen muss. Es kommt dann bestimmt auch vor, dass man aus Versehen den alten Namen wieder sagt, das kann eben passieren.

Ich würde trotzdem keinen Unterschied zwischen einer Person machen, die ich als Transexuelle kennenlerne oder einer Person, die ich mit ihrem "falschen" Geschlecht kennenlerne. Bei einem Freund sind mir andere Werte wichtig, das Geschlecht spielt bei einem Freund oder bei einer Freundin keine große Rolle für mich. Wichtig ist, dass ich mich mit der Person verstehe. Für mich ist der Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung keine Spinnerei.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9239 » Talkpoints: 26,10 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich habe niemanden im Bekanntenkreis, der diesen Wunsch je geäußert hat und daher weiß ich natürlich nicht, wie ich tatsächlich reagieren würde. Ich kann mir schon vorstellen, dass man längere Zeit Probleme hat, den Freund plötzlich als Mitglied des anderen Geschlechts zu behandeln, den neuen Namen zu verwenden und solche Dinge.

Aber es als Spinnerei abzutun ist ja nun wirklich bescheuert und intolerant. Wenn dieser Mensch dazu bereit ist, diesen wahnsinnig großen Schritt zu machen,der sein ganzes Leben beeinflusst, ist es sicherlich keine Phase. Man steht ja auch unter psychologischer Betreuung, wenn man wirklich eine Operation anstrebt.

Aber ich kann es schon irgendwie nachvollziehen, dass man damit nicht locker umgehen kann. Ich denke, gerade wenn man kein enges Verhältnis zu der Person hat, ist es noch schwieriger. Wenn es ein wirklich enger Freund ist, kann man stundenlang mit ihm darüber reden und durch den engen Kontakt kann man sich schneller daran gewöhnen. Wenn es allerdings nur ein Kollege oder Bekannter ist, dann fehlt die Vertrautheit, die einem dabei hilft. Also Beklemmungen und steifes Verhalten kann ich verstehen. Aber diese Verurteilung als Spinnerei geht darüber hinaus.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Also der Schwager meiner Schwester hat sich mit über 50 Jahren dazu entschieden, endlich eine Frau zu werden. Ich Sage endlich, weil es für die Menschen, die im falschen Körper leben, ja auch wie eine Befreiung sein muss. Das ist jetzt seit circa drei oder vier Jahren so, und für mich als Außenstehende Person, ist das auch wirklich nicht problematisch, ich bin da sehr tolerant, ich weiß aber das einige Familienmitglieder das nicht so locker sehen.

Was mir sehr aufgefallen ist, er war als Mann eher ein ziemlicher Kotzbrocken, jetzt ist er, beziehungsweise sie, viel umgänglicher. Ob die große Operation bereits gelaufen ist, nämlich Entfernung des Geschlechtsteiles, das weiß ich gar nicht, aber Hormone nimmt er schon länger, und Brüste hat er sich auch machen lassen, glaube nicht, das sie so gewachsen sind. Sieht wirklich sehr gut aus, und ich glaube nicht, das jemand, der von der Umwandlung nichts weiß, bemerken würde, das er/sie mal ein Mann war.

Kurios finde ich allerdings, das er immer noch mit seiner Frau zusammen ist. Das könnte ich nicht, wenn mein Mann plötzlich eine Frau wäre. Ob da was läuft, kann ich auch nicht sagen. Außerdem hat er zwei große Kinder, die Tochter geht sehr gut damit um, der Sohn hatte große Probleme, die beiden waren circa 16/17 Jahre als das raus kam.

Man muss ja ganz klar zu den Thema sagen, das es sich nicht um Launen handelt. Es steckt in einem Körper drin. Und wenn es den Menschen nach der Umwandlung besser geht, dann sollte man das akzeptieren, und sie unterstützen, und nicht anfeinden. Die Menschen müssen ja auch einen langen weg durch Psychologen, ect. Gehen, bevor die Therapie mit Hormonen und ähnliches überhaupt beginnt. Denke, sie wissen danach schon, das es wirklich das ist, was sie möchten.

» laraluca » Beiträge: 1068 » Talkpoints: 9,76 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Viele Menschen werden ein Problem damit haben, wenn das Thema Geschlechtsumwandlung oder Geschlechtsangleichung auf den Tisch kommt. Immer hin ist es leider nicht so, dass jede Person mit dem Thema umgehen kann und es bei vielen Personen gibt, die das Thema noch als Tabu sehen. Ich kann nun nicht wirklich sagen, wie ich persönlich reagieren würde, ­wenn ein jahrelang Bekannter, sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen würde wollen, da ich diese Situation noch nicht durchleben musste.

Ich denke aber, dass mir es nicht so schwer fallen würde, wenn eine bekannte Person verkündet, dass er zum Beispiel eine Frau werden will. Ich denke ich würde die Person dann auch ernst nehmen, wenn ich sehen würde, dass die Person auch schon einige Schritte gegangen ist, in die Richtung eine Frau werden zu wollen, wie zum Beispiel, wenn die Person schon Hormone nimmt, um zu einer Frau zu werden. Sicherlich würde es mir am Anfang schwerfallen, daran zu denken und mit der Situation klarzukommen, wenn ich die Person schon richtig lange und gut kenne, aber man wird sich mit der Situation arrangieren und letztendlich auch akzeptieren. Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist.

Mir wäre es sicherlich egal, ob ich den Menschen nun schon von klein auf an kenne oder erst kennengelernt habe oder noch nicht so lange kenne oder desgleichen. Wenn der Wunsch schon teilweise umgesetzt wurde, dann sollte man die Person auf jeden Fall ernst nehmen und die Person auf jeden Fall so akzeptieren, wie sie ist. So tolerant sollte unsere Gesellschaft heutzutage sein.

» kai0409 » Beiträge: 3345 » Talkpoints: 72,64 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Mittlerweile wird das Thema Gott sei Dank ernst genommen und akzeptiert. Ich kenne zwar solche Leute nur aus dem Fernsehen, hätte aber ziemlich sicher keine Probleme damit. Ich finde das Thema höchst interessant, denn es offenbart, dass es weibliche Lebensgefühle, Emotionen und Gedanken gibt, die sich von männlichen wohl signifikant unterscheiden, was sehr lange geleugnet wurde.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Gio am 10.11.2013, 15:21, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht wüsste, wie ich damit umgehen soll, wenn das eine nahe stehende Person ist. Klar würde ich spontan sagen, dass ich die letzte bin, die das verwerflich findet und ich würde die Person auch ernst nehmen. Nur wenn man jemanden zum Beispiel 30 Jahre anders kennt und auch nie etwas vermutet hat und das dann vielleicht auch noch Bruder, Schwester oder ein Elternteil ist, dann ist das sicherlich ein bisschen verzwickter, könnte ich mir vorstellen.

Ich hätte mit der Geschlechtsangleichung an sich kein Problem, aber vielleicht mit der optischen Veränderung und der Tatsache, dass man die Person dann eben schon anders nennt. Ein Thomas ist dann eben kein Thomas mehr und wenn man seinen Bruder 30 Jahre Thomas genannt hat, dann muss man sich schon erst einmal dran gewöhnen, dass es eben jetzt eine Sabrina oder so ist.

Aber meistens gibt es dafür schon Anzeichen. Vielleicht hat man sie vorher nicht bewusst wahr genommen, aber man hat vielleicht eine Vermutung und dann fällt man vielleicht auch nicht aus allen Wolken. Und wenn das eine weniger nahe stehende Person ist, dann ist mir das wirklich egal. Auch wenn ich ihn als Mann kennen gelernt habe und der nun eine Frau ist. Lernt man die Leute schon in der Phase kennen, wo sie sich umorientiert haben, dann ist es doch erst Recht nicht verwerflich.

Ich habe auch größten Respekt vor den Leuten die sich das trauen und eine Geschlechtsangleichung ist etwas sehr endgültiges und da muss man sich auch einfach sicher sein, dass man das will. Und demnach MUSS man das auch einfach Ernst nehmen und kann das nicht abtun als unwichtig. Ich denke auch, dass das eine absolute Befreiung ist für die Personen und ich wünsche ihnen, dass sie dann glücklich sind.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Ich habe bisher sowohl Menschen kennengelernt, die sich bereits im Prozess der Geschlechtsumwandlung befunden haben, als auch in einem Fall eine enge Freundin gehabt, die festgestellt hat, dass sie eigentlich lieber als Mann leben möchte. Für mich persönlich hat das keinerlei Unterschied gemacht. Ich versuche ganz grundsätzlich, jeder Person so zu akzeptieren und ernst zu nehmen, wie sie nunmal ist und möglichst wenig verurteilende Gedanken gegenüber anderen Menschen zu hegen (klappt leider nicht immer). Als eher maskulin wirkende Frau habe ich vielleicht einen entfernten Eindruck davon, was in einer transsexuellen Person vorgehen muss - wirklich nachvollziehen kann ich es natürlich nicht. Das ist einer meiner Grundsätze: Urteile nie über etwas, was Du nicht schon selbst erlebt hast! Wie kann jemand, der das Gefühl, im "falschen" Körper zu stecken, nicht kennt, ernsthaft behaupten diese Person sei nicht ernst zu nehmen oder würde irgendwie "spinnen"?

Im Falle der früheren transsexuellen Freundin (also Frau zu Mann) habe ich natürlich versucht, sie zu unterstützen, so gut ich konnte. Es war für sie selbst natürlich nicht leicht, sich das Ganze einzugestehen und die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Zudem hat ihre Mutter nicht besonders gut darauf reagiert, sondern sehr viel geweint und sich selbst Vorwürfe gemacht, sie hätte bei der Erziehung etwas falsch gemacht. Für mich war es aber im Endeffekt egal, ob meine Freundin (beziehungsweise dann mein Kumpel) Probleme aufgrund der Transsexualität oder aufgrund anderer Dinge in seinem Leben hatte - ich wollte einfach so gut wie möglich für ihn da sein.

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» Kate110 » Beiträge: 485 » Talkpoints: 0,35 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Also leider ist das ein Thema bei dem ich mitreden kann. Mein Vater hat sich nämlich selbst umoperieren lassen.

Ich fange mal an:
Wir hatten nie eine besonders gutes Verhältnis. Dementsprechend haben wir nie geredet, er hat mir nie was gezeigt oder so. Es war eben kein typisches Vater-Kind-Verhältnis.

Irgendwann trug er ein Frauenkleid als ich von der Schule kam. Das war schon verstörend. Da wusste ich von dem ganzen Affentheater aber noch nichts. Irgendwann haben sich meine Eltern dann scheiden lassen & mein Vater ist ausgezogen. Das war der letzte Tag an dem ich ihn gesehen habe. Ich wünsche auch keinen Kontakt zu ihm.

Er hat mir zwar unzählige Briefe geschrieben, aber sie sind alle im Papierkorb (ungelesen!) gelandet. Ich weiß heute noch nicht, ob ich ihn als Vater oder als Mutter ansprechen sollte. Es ist mir auch egal. Ich ekel mich vor dem Gedanken.

Vielleicht wäre es bei jemand anderen auch etwas anderes. Aber da ich nie Kontakt oder ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihm hatte, war es mir auch egal.

» indahnet » Beiträge: 23 » Talkpoints: 8,06 »


Ich kenne eine Frau, die seit einigen Jahren als Frau lebt, der die endgültige Angleichungs-OP allerdings noch fehlt. Spricht, sie nimmt schon seit einigen Jahren Hormone, kleidet sich weiblich, hat sich aber noch nicht getraut, den letzten Schritt zu gehen und wird dies vielleicht auch nie machen - fühlt sich aber eben ansonsten als Frau.

Ich nehme das ernst. Es gibt ja so viele Dinge, die nicht meinem Denken entsprechen und die ich ebenfalls ernst nehme. Ich kann die Faszination an vielen Hobbys nicht recht nachvollziehen, an bestimmten Musik- oder Kleidungsstilen, an bestimmten Kulturen ... und kann es trotzdem tolerieren und für mich akzeptieren, dass andere Menschen da einen ganz anderen Zugang und eine andere Sichtweise und Einstellung haben.

Und wenn sich jemand in falschen Körper fühlt, nehme ich das so hin und glaube demjenigen das und bin nur froh, dass ich im richtigen Körper geboren wurde. Es wäre sicherlich schwer, wenn sich jetzt eine nahestehende Person ins andere Geschlecht „verwandeln“ würde - bestimmt wäre mir derjenige erst einmal etwas fremd und ich wäre verwirrt. Aber letztlich hat das ja auch den Charakter keinen Einfluss, sprich, was ich vorher an diesem Menschen mochte, geht ja nicht verloren. Nur wenn es mein Partner wäre, käme ich damit nicht klar, das muss ich zugeben, da ich Frauen einfach nicht auf erotische Weise anziehend finde und dann nicht mehr mit ihm zusammen sein könnte. Das steht aber Gott sei Dank nun wirklich nicht zu Debatte ...

» Gingerhead » Beiträge: 500 » Talkpoints: 65,23 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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