Bekennung zum Therapeuten - Stärke oder Schwäche?
Ich bin seit circa 8 Monaten in therapeutischer Behandlung. Mir fiel es nie schwer darüber zu sprechen oder es zuzugeben. Wahrscheinlich weil ich einfach wusste, dass mir nur ein Therapeut weiterhelfen kann. Ich persönlich befinde mich in einer tiefenpsychologischen Behandlung. Jedoch der Weg bis ich einen Therapeuten fand war lang und auch beschwerlich. Falsche Informationen, bei vielen gab es auch keinen Platz mehr in geraumer Zeit. Zudem wohne ich in einem Ort an dem die psychologischen Behandlungen sehr hoch sind. Woran das liegt ist ziemlich umstritten.
Seitdem ich in Behandlung bin merke ich wie ich Fortschritte mache, gleichzeitig aber auch wieder nicht. Dadurch das ich so offen mit dem Thema umgegangen bin, weiß jeder in meinem Freundes- und Familienkreis wie er mit mir umzugehen hat und ist auch nicht böse oder sauer oder verwirrt wenn ich mal nicht gut drauf bin.
Wie seht ihr das. Würdet ihr mit dem Thema offen umgehen oder euch lieber verstecken? Ist es für euch eine Stärke wenn ihr euch dazu bekennt oder seht ihr es eher als Schwäche an? Wie geht es euch dabei?
In bin jetzt nicht in einer Situation in der ich einen Therapeuten benötige. Aber das ist schon eine recht schwierige Frage. Wahrscheinlich würde ich persönlich mit dem Thema nicht so offen umgehen Aber das kann ich ja jetzt noch nicht wissen. Ansonsten bin ich recht aufgeschlossen und mache auch keine dummen Sprüche.
Ich kenne eine Bekannte die selbst in Therapeutischer Behandlung ist und ihre erwachsene Tochter ebenfalls. Die Beiden sprechen ganz locker über ihre Therapien und ich bekomme häufig mit, wenn es mal gut gelaufen ist oder weniger gut. An miesen Tagen bin ich dann einfach nur eine gute Zuhörerin was Beide sehr zu schätzen wissen.
Ganz anders da eine Freundin von mir, sie konnte erst gar nicht darüber sprechen, dass sie wegen schweren Depressionen in Therapie war. Erst nachdem die Behandlung Fortschritte zeigte hat sie sich offenbart. Mittlerweile geht sie nicht mehr zur Therapie nimmt aber noch Medikamente, nun kann sie ganz offen über ihre Depressionen sprechen. Sie war der Meinung das wir sie damals verachtet hätten, weil sie ihre ehe nicht in den Griff bekam. Außerdem hat sie sich geschämt. Mittlerweile hat sie sich von ihrem Mann getrennt und hat wieder einen Job und kann nun für sich selbst sorgen. Das allein hat ihr den Mut gegeben über ihre Therapien zu sprechen. So gesehen war ihre Therapie ein Glücksgriff.
Ich bin der Meinung das Jeder für sich selbst entscheiden muss ob er über seine Therapie spricht und wem man sich da offenbart.
Ich glaube, dass man schon ganz schon mutig sein muss, wenn man zu seiner Therapie stehen kann. Nicht, dass so eine Therapie eine schlimme Sache wäre, das ist sie nicht, aber wenn man das zugibt, dann hat man leider oft mit den Vorurteilen über das Berufsbild zu leben und muss sich dann anhören, dass man einen Sprung in der Schüssel hat. Ich denke, dass es aber auch nur dann Erfolg haben kann, wenn man dazu stehen kann, dass man Probleme hat. Wenn man dann offen sagen kann, dass man sich professionelle Hilfe gesucht hat, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, weil man sein Problem erkannt hat und es sich eingestehen kann.
Ich bin nicht in so einer Situation denke aber, dass man schon Mut aufbringen muss und ich würde sicherlich anfangs auch nicht dazu stehen können, weil ich mir das Problem wahrscheinlich auch nicht richtig eingestehen würde. Da ich aber später selber in den Bereich gehen möchte, weiß ich auch dass es viele Vorurteile gibt und das nicht immer so gut von anderen aufgenommen wird. Es wird ja aber nicht besser und so ist es gut, wenn man sich Hilfe sucht und auch dazu stehen kann.
Es ist eigentlich traurig, wenn man bei solchen Sachen von "Stärke" sprechen muss, aber ja, ich finde schon, dass da Stärke zu gehört zuzugeben, dass man sich in psychologischer Behandlung befindet. Es gibt einfach zu viele igonrante Menschen, die einen sofort als "Psycho" abstempeln, sobald sie davon hören und einen auch anfangen entsprechend zu behandeln. Dabei sind das oftmals die wahren "Psychos".
Es ist ja irgendwie was ähnliches wie ein Outing der Homosexualität. Sobald das "Schlüsselwort" gefallen ist, prasseln auf einen alle Vorurteile nieder, die mit dem Begriff "homosexuell" oder "in Behandlung" assoziiert werden. Andererseits sollte man mit derlei ignoranten Menschen nichts zu tun haben wollen, sodass eine Bekentnis schon irgendwo sinnvoll erscheint. Auf Facebook oder so würde ich das dennoch nicht angeben
.
Ich finde es absolut nicht schlimm, wenn jemand in Therapie ist und würde selber wohl auch offen damit umgehen, wenn ich denn in Behandlung wäre. Es gibt ja unzählige Gründe, weshalb man zum Therapeuten geht und wenn es nicht gerade darum geht, mir so was wie Pädophilie auszutreiben (in dem Fall würde man mich wohl wie eine Aussätzige behandeln), könnte ich offen dazu stehen. Wenn man krank ist, geht man zum Arzt, das ist etwas völlig normales. Und manchmal kann es auch passieren, dass die "Seele" krank wird.
Ich habe gleich zwei Freundinnen, die lange Zeit in Therapie waren. Die Mutter einer Freundin ist beispielsweise vor Jahren an Krebs verstorben, als meine Freundin gerade mal sechs Jahre jung war, daraufhin war sie jahrelang in Therapie. Eine andere Freundin litt unter Bulimie und musste sich deswegen auch über ein Jahr behandeln lassen. Beide haben offen mir mir darüber geredet und daraus kein Geheimnis gemacht. Mit Letzterer habe ich sogar ausführlich darüber gesprochen, worüber sie mit ihrem Therapeuten spricht und wie genau so eine Behandlung aussieht.
Alles in allem würde ich so eine Therapie auf jeden Fall nicht als Schwäche ansehen. Ich würde es aber auch nicht unbedingt als mutig ansehen, ich betrachte so was eigentlich ohne Wertung. Gerade heutzutage, wo wirklich viele Menschen zum Psychologen gehen verglichen mit der Vergangenheit, ist das kein Tabuthema mehr. Vor dreißig Jahren hätte das vielleicht noch anders ausgesehen, da wäre man vielleicht als "Psycho" abgestempelt worden. Aber diese Zeiten sind vorbei und man lebt doch heute wirklich etwas aufgeklärter.
Ich arbeite derzeit (noch) in der Psychiatrie auf einer teilgeschlossenen Station. Therapien und psychische Erkrankungen sind mein Alltag, im Moment jedenfalls. Ob es dort weitergeht, entscheidet sich demnächst oder ob ich das Fachgebiet wieder wechsle. Obwohl es für mich ganz normal ist, dass jemand in Therapie ist und ich das auch nicht schlimm finde, im Gegenteil, ich setze mich im Alltag dafür ein, dass psychische Erkrankungen genauso anerkannt werden wie Herzinfarkt und Krebs, würde ich auch nicht so offen damit umgehen wie du, wenn ich selbst betroffen wäre.
Ich weiß eben darum, dass man mit seiner Erkrankung sicher ist, solange man auf Station ist. Dort gehen viele mit denselben Krankheiten ein und aus, dort ist man quasi unter sich und für das Personal ist das logischerweise auch alles normal. Man lebt dort geschützt - vor der Gesellschaft, die überwiegend leider noch lange nicht so weit ist, dass man sich keine Gedanken machen braucht, wenn alle wissen, dass man Depressionen hat oder Borderline oder was weiß ich. Man kann ja nicht einmal sagen, dass man schwul oder lesbisch ist oder Christ oder Moslem.
Ich hätte für mich persönlich Angst, dass man mir misstrauisch gegenüber wird, dass man mich offensichtlich oder insgeheim nicht mehr ernst nimmt, dass man zu viel Mitleid hat oder sich gar lustig macht. Ich denke, wenn die anderen wissen, dass man eine psychische Erkrankung hat, dann beobachten sie einen. Man steht immer unter Beobachtung, die Leute die tratschen gerne, sie mutmaßen und schlussfolgern gerne, sie stellen eigene Diagnosen über die anderen und erfinden Ursachen. Ich würde das nicht wollen.
Ich denke, es ist total schwer bis unmöglich dann eines Tages mal wieder aus der Schiene "psychisch krank" rauszukommen. Zum einen schon deshalb, weil psychische Erkrankungen meist so was wie "chronisch" sind und zum anderen, weil einen die Gesellschaft abstempelt und dann kommt man nicht mehr so leicht weg von diesem Image. Darum würde ich es überwiegend für mich behalten bzw. im Rahmen der engsten Vertrauten.
Ich selber finde, dass es eine Stärke sein muss, sich zu einer Therapie zu bekennen. Ganz einfach, weil sich derjenige dann über sein Problem bewusst ist und das ist immer eine Stärke. Schwach sind nur diejenigen, die ihr Problem nicht kennen und ewig im leeren herumstochern, ohne glücklich zu werden. Das man sich daher für eine Therapie entscheidet ist meiner Meinung nach das einzig Richtige und damit eine echt starke Sache.
Natürlich ist es eine Stärke, wenn man über seine Probleme offen sprechen kann. Und es zeigt vor allem auch viel Mut. Wer so weit ist, seine Probleme zu erkennen, was dagegen zu tun und dann noch darüber sprechen kann, der zeigt definitiv sehr viel Stärke. Hut ab, dass du schon so weit bist!
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