Medizinische Sensation oder Frankensteinlabor?
In den letzten Tagen wurde ja schon vermehrt über die
Transplantation der Arme eines Toten an einen US-Soldaten berichtet. Nun sind ja derartige operativen Transplantationen kein unbedingtes Neuland für einschlägige Kliniken, aber mich persönlich überkommt immer ein gewisser Schauer wenn ich solche Nachrichten lese oder sehe. Schon allein der Gedanke an die Verpflanzung von Armen und Beinen toter Menschen löst bei mir schon Gänsehaut und Frankensteinfeeling aus. Wie bewertet ihr denn derartige Transplantationen? Betrachtet ihr solche Verpflanzungen von Gliedmaßen als ganz normal und wie könntet ihr euch mit dem Gedanken als Spender oder Empfänger anfreunden?
Ich denke, dass es für die Medizin eben wichtig ist, solche Experimente zu machen und sicherlich hat man als Betroffener auch weniger Probleme damit, wenn er danach besser klar kommt. Immerhin hilft es ja auch jemanden und man darf mal nicht vergessen, dass der Tote es dann auch so gewollt hat und keine Probleme damit hatte.
Hat der Betroffene keine Probleme damit, warum sollte dann ein Mensch ohne Arm oder Bein damit ein Problem haben. Sicherlich, das kommt alles von einem Toten, aber Leben ist nun mal mit einem Ende versehen und damit muss man auch auskommen. Es werden ja auch Organe gespendet und ganz streng betrachtet ist das ja auch nichts anderes, auch wenn es sicherlich nicht so sichtbar ist.
Spender bin ich ohnehin schon, nach meinem Tod kann alles verwertet werden, sollte es dann noch von Nutzen sein, ich brauche es nicht mehr und fände es praktisch, wenn zumindest ein anderer von meinem Tod profitiert. Als Empfänger ist die Vorstellung schon befremdlich und gruselig für mich ... allerdings ist es auch eine schreckliche Alternative, weder Arme noch Beine zu haben. Wahrscheinlich ist man, wenn man alle Gliedmaßen verliert, dankbar für die Möglichkeit.
Ich studiere ja Medizin und habe auch schon Berichte über derartige Versuche gelesen. Es ist tatsächlich sehr beeindruckend, in welche Richtung die Forschung dort geht. Ich kann nachvollziehen, dass der Gedanke an eine solche Operation im ersten Moment absonderlich wirken kann, denn immerhin kommt man im Alltag nicht oft mit dem Tod in Berührung. Da kann es befremdlich wirken, wenn einem Lebenden die Gliedmaßen eines toten Menschen verpasst werden.
Ich finde aber solche Versuche nicht negativ, denn sie geschehen ja im beidseitigen Einvernehmen. Der Tote ist ein "gewöhnlicher" Körperspender und war sich vor seinem Tod bewusst darüber, was man mit seinem Leichnam unternimmt. Und der Lebende ist dankbar, denn im Idealfall führt eine solche Versuchsreihe zum Erfolg, der ihm womöglich ein normales Leben ermöglichen könnte. Könnte, wohlgemerkt.
Besonders beeindruckt hat mich in diesem Sinne ein Bericht über jemanden, der sich versehentlich das Gesicht zerschossen hat und danach für mehrere Jahre komplett entstellt leben musste. Ein Ärzteteam hat damals den Versuch gewagt, das Gesicht (und zwar wirklich den größten Teil davon) eines Toten zu verwenden, um seines wiederherzustellen. Er trägt nun das Gesicht des Toten und man kann kaum einen Unterschied zu einem gewöhnlichen Gesicht wie wir es tragen erkennen. Für so einen Menschen ist das ein wunderbarer Erfolg. Aber ich finde diesen Fall sogar noch ein wenig abstruser als "nur" Arm und Bein zu verwenden, denn sein Gesicht zeigt man immerhin im Regelfall vielen Menschen und es ist ein Erkennungsmerkmal. Es ist ein rabiater Schritt, aber ich halte es für eine gute Entwicklung.
Das ist wirklich hart, eine solche Transplantation als Frankensteinlabor zu bezeichnen. Stell dir vor, du wärst derjenige gewesen, der weder Arme noch Beine hätte. Würdest du dich nicht freuen, wenigstens wieder Arme zu erhalten, egal von wem?
Als Spender brauchst du dich mit dem Gedanken nicht befassen, dass ein anderer deine Gliedmaßen erhält. Wenn das passiert, merkst du es nicht mehr und vorher hast du deine Einwilligung gegeben. Als Empfänger wird man sich mehr Gedanken darüber machen und Näheres über den Spender wissen wollen. Es wird auch ein komischer Gedanke sein, die Arme eines Toten zu haben. Aber die Freude, wieder Arme zu haben, wird die Gedanken beiseite schieben.
Ich kann verstehen, dass es dich gruselt bei solchen Gedanken. Ist denn der Gedanke besser, wenn es sich um Organe wie Nieren oder Herz handeln würde, die man dir einpflanzt, damit du weiterleben kannst? Der Gedanke, dass es die Nieren eines anderen sind, die vorher Umweltgifte, Medikamente oder Stoffwechselendprodukte eines anderen Menschen ausgeschieden haben, ist der besser zu ertragen?
Ich finde es mittlerweile normal, dass durch solche Transplantationen lebenden Menschen geholfen werden kann. Dieser Soldat hat seine Gliedmaßen opfern müssen, weil sein Vaterland von ihm verlangte, seinen Beruf in der fremde auszuüben. Warum sollte er nicht die Arme bekommen, die er verlor?
Ich muss sagen, dass ich das erst jetzt gelesen habe und nicht leugnen kann, dass ich davon emotional ergriffen bin. Auch wenn es in meinem direkten Umfeld keinen Menschen mit amputierten Gliedmaßen gibt. Natürlich wirkt es auf der einen Seite befremdlich und ich glaube auch, dass ich einige Zeit damit hadern würde, wenn mir jemand Gliedmaßen eines Toten transplantieren wollte.
Aber hier ist ja offensichtlich, dass sich der Transplantierte freut, dass er wieder die Möglichkeit in Aussicht hat, ein normaleres Leben zu führen. Ein solches Schicksal, wie er es erlebt hat, würde mich vermutlich verzweifeln lassen. Ich wüsste nicht, ob ich damit umgehen könnte. Daher finde ich es umso bemerkenswerter, dass dieser Soldat eine solche Lebenseinstellung hat und den Kampf in den nächsten Jahren gern aufnehmen wird.
Die Fortschritte in der Medizin empfinde ich definitiv nicht als Frankensteinlabor. Ganz im Gegenteil, ich finde sie bemerkenswert und bin froh, dass die Forschung nicht stagniert.
Ich finde die Vorstellung schon irgendwie gruselig, aber letzten Endes werden wir uns wohl daran gewöhnen. Allzu weit verbreitet werden diese Eingriffe wohl schon mangels Körperspendern nicht werden, aber bevor jemand komplett ohne Gliedmaßen zurecht kommen muss, spricht in meinen Augen nichts gegen eine Verpflanzung.
Wenn man so darüber nachdenkt, ist es eigentlich sogar noch viel gruseliger, dass beispielsweise Herzen stillgelegt, ausgebaut und neu angeschlossen werden können und tatsächlich wieder anfangen zu pumpen. Auch Netzhäute von Augen können - wenn ich mich nicht irre - schon lange transplantiert werden, sodass die Patienten eigentlich durch die Augen eines toten Menschen sehen. Aber diese Fälle stellen eben kein Neuland mehr dar, da wir schon etliche Jahrzehnte Zeit hatten, uns daran zu gewöhnen. Die ersten Herz- oder Lungen-Transplantationen haben bestimmt auch gewaltige Debatten ausgelöst!
Das sind für mich alles medizinische Grenzfälle, von denen ich hoffe, dass sie möglichst selten gebraucht werden, da immer viel Leid und Schmerzen damit verbunden sind. Aber wenn alles mit rechten Dingen zugeht und die Patienten, aber auch die Angehörigen des "Spenders" gut betreut werden, finde ich diese Fortschritte in der Medizin irgendwo auch ganz faszinierend.
Also, mich überkommt bei der ganzen Thematik auch nur ein kalter Schauer. Da derartige Praktiken, so sie denn Alltag würden, so gut wie nicht mehr kontrollierbar sind, halte ich diese auch für sehr bedenklich. Gerade in Anbetracht der letzteren Organhandelskandale öffnen ja solche Transplantationen noch mehr Tore und Türen.
Demnächst sind dann noch Augen, Ohren, Nasen und anderweitige Organe im Angebot. Das ganze schreit doch förmlich nach einem unkontrollierbarem Milliardenmarkt und die Organmafia wird sich schon die Hände reiben. Wer will denn kontrollieren ob ein Organ oder Gliedmaß nicht vielleicht von einem lebendem Menschen entnommen wurde. Und der lebenden Organspender gibt es ja bekanntlich auch genug ...
Ich kann nicht ganz verstehen, warum einige hier so geschockt sind, dass der Arm eines Toten weiter verwendet wird. Organspende gibt es doch schon lange und eigentlich ist es doch egal ob eine Niere, Haut, die Augen oder eben ein Arm an jemanden gehen, der dies dringend brauchen könnte.
Der Spender wird damit wohl kein Problem haben, immerhin hat er vorher seine Einwilligung gegeben und auch festgelegt, was gespendet werden soll. Denn wie auch bei anderen Organen werden diese einem Toten entnommen. Dass das für den Empfänger vielleicht ein komisches Gefühl ist, den Arm eines anderen Menschen zu haben kann ich mir gut vorstellen, aber ich denke dass es wichtiger ist überhaupt wieder einen Arm zu haben. Ich wäre jedenfalls froh wenn ich diese Möglichkeit hätte, wenn ich sie mal benötigen könnte.
Rosenhecke; ich wüsste nicht warum ausgerechnet durch so etwas die Organmafia auf die Idee kommen sollte, dass es noch mehr Organe zu klauen gibt. Ich habe mich mit dem Thema nicht beschäftigt, aber die werden sich so oder so nehmen was sie wollen. Und wie oben bereits gesagt, mittlerweile kann so gut wie alles von einem Toten verwertet werden, da sind auch Augen kein Neuland.
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