Behandlungsarten und Heilungschancen bei Leukämie

vom 22.01.2013, 19:16 Uhr

Ich bin gerade ein wenig geschockt, weil ich erfahren habe, dass eine Nachbarin hier an Leukämie erkrankt ist. Sie liegt wohl zur Zeit im Krankenhaus. Ich habe mich noch nicht mit dieser Krankheit befasst, weil ich zum Glück keine Erfahrung damit habe. Mich würde aber nun dennoch mal interessieren, wie die Heilungschancen bei Leukämie sind und wie man Leukämie behandeln kann.

Wie sehr kann man hoffen, dass sie wieder gesund wird? Wie lange kann der Heilungsprozess dauern? So wie ich das mitbekommen habe ist die Krankheit wohl auch früh erkannt worden. Gibt es verschiedene Arten von Leukämie und wie werden sie behandelt?

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Es gibt in der Tat verschiedene Formen der Leukämie: Unterteilt werden sie - je nach Verlauf - in chronische und akute Leukämie. Diese wiederum werden in so genannte myeloische bzw. lymphatische Leukämie unterteilt. In der Summe gibt es also 4 Leukämien: Die akute-myeloische Leukämie (AML), die akute-lymphatische Leukämie (ALL), die chronisch-myeloische Leukämie (CML) und die chronisch-lymphatische Leukämie (CLL).

Alle zeichnen sich mehr oder weniger dadurch aus, dass der Patient - je nach Form in akutem oder in langsam progredientem Verlauf - an Anämie mit ihren Symptomen (Atemnot; Abgeschlagenheit; blasse Haut; etc.), an der so genannten Leukopenie (=erniedrigte, weiße Blutkörperchen) mit erhöhter Infektanfälligkeit und an der so genannten Thrombopenie (=erniedrigte Blutplättchen) mit erhöhter Blutungsgefahr leidet. Bei den lymphatischen Leukämien kommt noch hinzu, dass Lymphknoten-Schwellungen relativ typisch sind, undzwar meist schmerzlose, im Laufe der Zeit an Größe zunehmende und meist nicht verschiebliche Lymphknoten.

Es gibt X Wege, wie man die Leukämie diagnostizieren kann, die einfachste Methode ist wohl eine Knochenmarksbiopsie - bei der CLL reicht allerdings auch die Blutprobe. Darüber hinaus gibt es noch die weiterführende (vielleicht gehört sie aber zur Basisdiagnostik) Diagnostik der zyto- und molekulargenetischen Untersuchung, denn gewisse Subtypen der Leukämien haben prognostisch bedeutsame so genannte Translokationen (=Chromosomenveränderungen). Diese hier zu erläutern, würde wohl den Rahmen sprengen :)

Wie die Behandlung aussieht, hängt von der Art der Leukämie ab: Die CLL gehört formell zu den so genannten indolenten (=niedrig-bösartigen) Non-Hodgkin-Lymphomen, die einen leukämischen Verlauf hat. Hier geht man so vor, dass die Diagnose nicht gleich Therapie bedeutet: Man verfolgt das Prinzip des "wait and watch". Kommt es allerdings zu einer ausgeprägten Symptomatik ist eine Kombinationschemotherapie indiziert. Bei der ALL müsste heutzutage die Stammzelltransplantation per Blut (PBSCT) das Mittel der Wahl sein, denke ich mal, allerdings erst nach einer Hochdosischemotherapie. Was die AML angeht gibt es ein bestimmtes Schema, was sich 3+7-Schema nennt. Insgesamt werden in 5 Zyklen zwei Zytostatika gegeben, wobei nach dem 2.Zyklus in der Regel eine komplette Remission (=komplettes Verschwinden) der "bösen" Zellen zu beobachten ist.

Die CML weist in 95% aller Fälle das so genannte Philadelphia-Chromosom auf, was im Endeffekt zu einer verstärkten Vermehrung der Zellen und gleichzeitig aber niedrigem, regulären Zelltod führt. Das Produkt dieses Chromosoms kann man aber heute mit dem Medikament Imatinib sehr gut in den Griff kriegen. Vor 30-40 Jahren wäre es noch undenkbar gewesen eine Leukämie mittels solch eines Wirkstoffes im Schach zu halten, es ist in der modernen Medizin also ein Quantensprung! In einigen Fällen wurden sogar komplette Rückgänge unter Imatinib beschrieben, im Regelfall gilt aber die lebenslange Einnahme dieses Medikamentes. Sollte es aber nicht reichen oder zu Komplikationen o.ä. kommen, käme auch die Stammzelltransplantation in Frage, die eine recht gute Alternative darstellt.

Ich hoffe, dass deine Fragen einigermaßen beantwortet wurden. Die Leukämie ist ein ziemlich großes Kapitel mit X Subtypen, die je nach Ursache bzw. Vorliegen der einer genetischen Veränderungen unterschiedliche Prognosen haben.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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