Wer zahlt Arztkosten bei Nichtversicherung und ohne Geld?

vom 18.01.2013, 14:34 Uhr

Ein Arzt muss in einem Notfall einen Patienten behandeln, auch wenn dieser keine Chipkarte mit in die Praxis bringt. Theoretisch könnte er sie ja nachreichen. Das wäre nicht das Problem. Wenn aber dieser Mensch nicht krankenversichert ist, das auch sagt und trotzdem als Notfall Behandlung benötigt, von wem bekommt der Arzt später die Behandlung bezahlt, wenn es sich um einen mittellosen Menschen handelt? Denn ich nehme an, dass ein Notfall nicht weggeschickt werden darf, obwohl er gesagt hat, dass er kein Geld hat.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Wer noch in die Praxis spazieren kann, gilt in der Regel nicht als Notfall. Deshalb würden die meisten Ärzte wohl auf Selbstzahlung bezahlen, bzw. wenn es sich um einen Notfall handelt, an die Notaufnahmen der Krankenhäuser verweisen. Alternativ sollte man zumindest grundversichert sein. Dabei werden von der gesetzlichen Krankenversicherung die allernotwendigsten Leistungen gezahlt. So etwas ist zum Beispiel auch während einer Obdachlosigkeit möglich. Die Menschen sind ja in der Regel auch irgendwo über eine Obdachlosenorganisation gemeldet und bekommen dort auch entsprechende Hilfsangebote und Beratungen.

Wer nun ein Dach über dem Kopf hat, lebt ja auch von irgendwas. Sofern Vermögen da ist, muss dies dazu verwendet werden, für seine Gesundheitsvorsorge aufzukommen. Und mit jedem Hartz4 Antrag muss man seine Versicherungsbescheinigung vorlegen. Ebenso wird dies von Arbeitgebern in der Regel verlangt.

Wer keinen Wohnsitz hat und kein Geld, wird erstmal nicht behandelt, es sei denn es handelt sich um etwas lebensbedrohliches. Ebenso ist es zum Beispiel als Selbstständiger, wenn man keine Versicherung hat und im Ernstfall behandelt wird, so, dass der behandelnde Arzt oder das Krankenhaus dann Forderungen stellen wird. Je nach dessen Höhe, bleibt dann unter Umständen nur noch die Insolvenz als Ausweg.

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Trisa hat geschrieben:Wer keinen Wohnsitz hat und kein Geld, wird erstmal nicht behandelt, es sei denn es handelt sich um etwas lebensbedrohliches.

Ich habe es aber so verstanden, dass es genau um diesen Fall geht und nicht um andere nicht lebensbedrohliche Umstände. Und wer als Notfall zum Arzt geht oder gebracht wird, wird auch behandelt. Ein wirklicher Notfall wird nie nach Hause geschickt und da ist es im Grunde auch erst mal völlig egal, ob und wo man versichert ist oder auch nicht.

Zunächst wird dann, wenn der Patient wieder gesund ist, versucht die Behandlungskosten vom Patienten zu bekommen. Allerdings haben die meisten Leute, die keine Krankenversicherung haben, ja nicht ohne Grund keine. Überwiegend heißt das, dass sie eh kein Geld haben und dann bleibt man in der Regel auf den Kosten sitzen und hat Pech gehabt. Es gibt zwar in manchen Gegenden Landkreise oder Sozialämter, die für solche Fälle ein gewisses Budget bereitstellen, aus denen dann die Krankenhäuser oder Ärzte ihre Behandlung bezahlt kriegen, aber in den meisten Fällen reicht das nicht.

Handelt es sich nicht um einen lebensbedrohlichen Notfall, dann muss man damit rechnen, dass man zunächst einmal nachweisen muss, dass man die Behandlung auch bezahlen muss und da wird dann im Gegensatz zum normalen privat versicherten Patienten auch wirklich direkt angerechnet. Es gibt da zum Beispiel in den Notaufnahmen eine gewisse Staffelung, was wie viel kostet und wenn man das Geld für die Untersuchungen und Behandlungen nicht hat, kann man gleich wieder gehen.

Ist hart, aber im Endeffekt eben auch nicht zu ändern und wäre ja auch allen anderen krankenversicherten Personen gegenüber ungerecht, die monatlich ihre Beiträge zahlen müssen, damit sie ein Anrecht auf Behandlung haben.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Klehmchen hat geschrieben:Und wer als Notfall zum Arzt geht oder gebracht wird, wird auch behandelt.

Das kenne ich durchaus anders, auch von Personen, die eine gültige Krankenversicherungskarte haben. Ein Allgemeinmediziner ist nämlich meistens gar nicht auf Notfälle eingestellt und so habe ich es selbst einmal erlebt, dass die Behandlung lediglich darin bestand, einen Krankenwagen zu rufen! Natürlich müsste ein niedergelassener Arzt auch Erste Hilfe leisten, aber das ist wohl bei den wenigsten Notfällen erforderlich, die in eine Praxis spazieren. Also sind die Anlaufstellen die Krankenhäuser.

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Trisa hat geschrieben:
Klehmchen hat geschrieben:Und wer als Notfall zum Arzt geht oder gebracht wird, wird auch behandelt.

Das kenne ich durchaus anders, auch von Personen, die eine gültige Krankenversicherungskarte haben. Ein Allgemeinmediziner ist nämlich meistens gar nicht auf Notfälle eingestellt und so habe ich es selbst einmal erlebt, dass die Behandlung lediglich darin bestand, einen Krankenwagen zu rufen! Natürlich müsste ein niedergelassener Arzt auch Erste Hilfe leisten, aber das ist wohl bei den wenigsten Notfällen erforderlich, die in eine Praxis spazieren. Also sind die Anlaufstellen die Krankenhäuser.

Und was ist dadurch jetzt an meiner Erstaussage falsch? Du sagst es doch selber, wer selber in die Praxis geht, ist meist kein so schlimmer Notfall, dass da erste Hilfe geleistet werden muss. Nichtsdestotrotz kann es dennoch so weit sein, dass dringend behandelt werden muss.

Die überwiegende Zahl der Notfälle passiert doch aber fernab von Arztpraxen und sehen dann eben so aus, dass von irgendwem ein Krankenwagen und gegebenenfalls ein Notarzt gerufen wird, die die Notfälle dann ins Krankenhaus bringen. Abgesehen davon, dass diese im Grunde als einzige wirklich effektiv und nachhaltig Notfälle behandeln können, sind sie auch die einzigen die es ökonomisch verkraften können teure Behandlungen ohne entsprechendes Entgelt durchzuführen.

Abgewiesen wird aber niemand, der wirklich dringend einer Behandlung bedarf. Selbst wenn da der niedergelassene Arzt "nur" einen Krankenwagen ruft und eine Einweisung ins Krankenhaus veranlasst, liegt das ja in aller Regel nicht daran, dass keine Krankenversicherung vorliegt, sondern dass er den Notfall selber eh nicht behandeln kann und auch einen gesetzlich oder privatversicherten Patienten ins Krankenhaus geschickt hätte.

Aber glaube mir, wenn du nach einem schweren Unfall im Schockraum eines Krankenhauses liegt, wird sich an deiner Behandlung nichts ändern, nur weil du nicht krankenversichert bist. Deswegen wird mit Sicherheit nicht der Student zur Behandlung an den Patienten geschickt, statt eines Facharztes, weil dieser mehr oder weniger nichts kostet.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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