Haben euch Selbsthilfegruppen weiter geholfen?

vom 10.01.2013, 21:34 Uhr

Der eine oder andere war doch bestimmt schon mal bei einer Selbsthilfegruppe. Oder vielleicht leiten manche sogar eine entsprechende Gruppe. Ich habe mir vor Jahren mal einige Gruppen angeschaut und war ehrlich gesagt eher enttäuscht. Auch wenn Bekannte von ihren Gruppen erzählen habe ich selten das Gefühl, dass diese Gruppen die Leute wirklich weiterbringen. Aber vielleicht habe ich ein falsches Bild?

Bei manchen Gruppen scheint es aber so zu sein, dass sich über die Jahre immer wieder dieselben Personen versammeln und über ihr Leid klagen. Wer den Absprung schafft, nimmt häufig auch Abstand von der Gruppe. Ebenso scheinen manche Rückfallpatienten der Gruppe irgendwann den Rücken zuzukehren.

Mir ist durchaus klar, dass eine funktionierende Gruppe einem auch Halt geben kann. Aber ist es nicht so, dass man sich oft dennoch geniert in seiner Not einen der Teilnehmer anzurufen? Und wer seine Sucht oder sein Problem irgendwann überwunden hat, hat doch meistens auch ein stabiles Umfeld und dort entsprechende Bezugspersonen.

Welche positiven Erfahrungen habt ihr gemacht? Hat euch eine Selbsthilfegruppe weitergeholfen? Wenn ja, wie?

Benutzeravatar

» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ja die Gruppe konnte mir damals schon einige hilfreiche Aspekte anbieten und ich konnte diese auch konkret umsetzen. Allerdings muss man stets im Vorfeld genau wissen was eine Gruppe den Betroffenen wirklich bieten kann, d.h. man muss für sich die passende Gruppe erst finden. Und ich denke einmal, dass hier schon das eigentliche Problem liegt. Viele Betroffene geben dann auch schnell wieder auf. Später stellen sie dann an gefundenen Gruppen zu hohe Ansprüche. So wird sich dann aber leider kein Erfolg einstellen.

Benutzeravatar

» karlchen66 » Beiträge: 3563 » Talkpoints: 51,03 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich war vor einigen Jahren mal eine Zeit lang in einer Selbsthilfegruppe wegen meiner Depressionen. Vorher war ich zwei Monate in einer psychosomatischen Klinik und ich dachte, dass mir das im Anschluss daran ganz gut tun würde.

So wirklich geholfen hat es mir nicht, aber ich denke, das lag hauptsächlich an mir. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt schon wieder relativ gut, so dass mich die Probleme der anderen sehr runter gezogen haben. Und ich habe - total motiviert von meinem Klinikerfolg - mit hilfreichen Tipps nur so um mich geworfen. Dass die natürlich nicht jeder, der gerade mitten in einer Krise steckt, auch anwenden kann ist eigentlich klar.

» Lacrima » Beiträge: 62 » Talkpoints: 36,79 »



Ich denke, du beziehst dich eher auf Selbsthilfegruppen bei Suchtproblemen, wie zum Beispiel die Anonymen Alkoholiker. Es gibt allerdings auch Selbsthilfegruppen für Erkrankungen, die keine Suchtproblematik beinhalten oder zu Erkrankungen, bei denen es quasi keine Rückfälle gibt, sondern die Erkrankung einfach vorhanden ist.

Ich habe eine Borderline- Persönlichkeitsstörung. Nach der Diagnosestellung oder wie auch immer man das in meinem Fall nennen mag, suchte ich auch den Austausch. Die Beweggründe weiß ich nicht mehr wirklich. Hier vor Ort gab es damals auch eine Borderline- Selbsthilfegruppe. Somit nahm ich Kontakt auf. Was sich als schwierig gestaltete, da man dort erst eine Mail hin schrieb, dann eine Mail zurück bekam, dann eine Telefonnummer bekam, dort auf den Anrufbeantworter sprach und dann erst an Informationen kam.

Die Gruppe war auch mal von einer Betroffenen gegründet worden. Am Anfang war wohl auch regelmäßig eine Therapeutin mit dabei, die hier an sich auch bekannt ist. Also wenn man sich länger mit dem Thema auseinander setzt, stößt man hier automatisch auf den Namen. Grundgedanke der Gruppe war wohl auch zu informieren oder so.

Die Treffen fanden in einer Art Kneipe statt. Wobei das Gesundheitsamt hier Räume zur Verfügung stellt, aber die Gruppe meinte, dort sei es so ungemütlich. Somit hatte man auch Kosten, was mich damals nicht wirklich interessierte. Was aber für andere schon ein Problem war. Denn ein Getränk musste man ja schon trinken.

Im Endeffekt waren die Treffen eher ein Zusammenkommen von Menschen, die sich irgendwie kennen. Die meisten der Gruppe kannten sich auch außerhalb der Gruppe. Die Gruppenleiterin wohnte mit einer der Gruppenmitgliedern in einer Wohngemeinschaft. So wurde dann eher darüber gesprochen, was man am Wochenende gemacht hat und so weiter. Gemeinsame Interessen ausgetauscht, über gemeinsame Bekannte gesprochen und so weiter. Über die Erkrankung selbst und wie man Hilfe bekommt, das wurde eher unter den Teppich gekehrt. Da ich die Leute eben kaum kannte, fühlte ich mich bald fehl am Platz.

Ich bin irgendwann nicht mehr hin. Habe aber der Gruppenleiterin eben gesagt, dass ich es schwierig fand, weil eben eher über Leute gesprochen wurde, die alle kannten, außer mir. Beziehungsweise die halt der engste Kreis kannte und so weiter. Auch die Location fand ich unpassend.

Heute wäre mir ein Austausch mit Gleichgesinnten wichtig. Ich habe irgendwann eine Zeitlang eine Skillsgruppe besucht. Das ist eine Gruppe, die halt speziell für Borderline angeboten wird. Dort merkte ich, dass es Menschen gibt, die wie ich sind. Etwas, was ich mir in einer Selbsthilfegruppe gewünscht hätte. Wobei ich persönliche dem Austausch mit anderen Borderlinern teilweise skeptisch gegenüber stehen. In Gruppen, die eben nicht über eine Klinik angeboten wird, auch Menschen auftauchen, die sich selbst diagnostizieren. Und ich habe aus dem Kontakt mit Borderlinern in der Regel nur die negativen Dinge mitgenommen.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^