Wie sehr hat euch Corona verändert?

vom 28.11.2021, 21:38 Uhr

In den letzten Monaten merke ich immer mehr, wie sehr mich die ganze Situation rund um Corona verändert hat. Mir ist mittlerweile ganz deutlich bewusst, welche Krankheiten in der Welt auf einen warten und mir fällt es super schwer, mich in Situationen mit vielen Menschen zu begeben. Ob es nun beim Einkaufen ist oder einfach auf einem belebten Weg, ich empfinde Nähe mittlerweile als unglaublich unangenehm und kann mir auch nicht vorstellen, dass das so schnell wieder aufhören wird. Von einem lebensfrohen, aktiven Menschen, bin ich nun zu einem Einsiedler geworden, der viel Zeit Zuhause verbringt und viel Menschenkontakt vermeidet. Das finde ich total schade.

Wie sehr hat euch Corona verändert? Wo merkt ihr diese Veränderungen am deutlichsten? Denkt ihr, dass ihr euch schnell wieder "normalisiert", wenn der ganze Spuk vorbei ist?

» Wunschkonzert » Beiträge: 7064 » Talkpoints: 353,75 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich merke immer wieder, wie sehr mich andere Menschen aufregen. Es geht einfach um so viele Dinge, die mich einfach nur noch nerven. Gerade wenn man sich rücksichtslos verhält, kann ich das gar nicht leiden und gefühlt ist die Anzahl der Egoisten und dämlichen Menschen nicht gerade gesunken. Mir fällt das nun wirklich sehr auf und solche Leute nerven mich nur noch.

Ansonsten komme ich schon immer auch gut alleine und zu Hause klar, daher kann ich gut damit umgehen nicht jeden Tag zig Leute zu treffen. Natürlich gibt es auch Dinge, die ich gerne machen wollen würde, gerade auch mit den Kindern und die nicht gehen, aber das ist nun mal so.

Letztendlich habe ich viel über mich selbst gelernt, wie ich bei Stress handle, wie ich mich selber weiterentwickeln kann und wie ich auch mein Umfeld sehe, wie wichtig gewisse Menschen in meinem Leben sind und welche Menschen auf andere Menschen pfeifen und worauf ich dann auch weniger geben kann. Ich habe einige Dinge gemacht, die ich schon ewig nicht mehr gemacht habe und auch wenn es mich manchmal echt belastet hat, bin ich bisher doch ganz gut durchgekommen.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Mich hat Corona gar nicht verändert. Es ist schließlich nicht die erste schwere Krankheit, die mir gefährlich werden könnte und es ist auch nicht der erste äußerliche Einfluss, der mein Leben beeinflusst und beschränkt. Ich meine, im Kalten Krieg hatte man irgendwie ständig das Gefühl, dass morgen alles vorbei sein kann. Tschernobyl war nicht lustig, das Waldsterben sah grässlich aus, das Ozonloch war beängstigend und der Smogalarm mit hartnäckigen Hustenanfällen und Luftnot waren auch nicht nett.

Ich habe die Russische Grippe überstanden, habe meine Sexualität entdeckt, als AIDS eine neue, tödliche Seuche war und Franz-Josef Strauß in Bayern HIV-Positive polizeilich verfolgen ließ. Ich weiß, dass es in Marburg knapp war. Bei Sars und Mers habe ich gespannt gewartet, was passiert. Mir sind schon seit meiner Kindheit die ganzen fiesen Sachen bewusst, die man sich hier einfangen kann.

Das Leben ist nunmal tödlich und oft kann man nicht immer das tun, was man gerne möchte. Das ist eben die Realität. Das heißt nicht, dass mir alles egal ist. Aber es regt mich halt nicht weiter auf. Auch das geht vorbei und bis es so weit ist, passt man sein Verhalten eben entsprechend an. Es ist eine Phase wie viele andere auch.

» cooper75 » Beiträge: 12515 » Talkpoints: 331,76 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Ich habe all dies sehr lange Zeit gut weggesteckt, merke jedoch zusehends, wie ich psychisch an meine Grenzen gerate. Es ist nicht das Virus, davor habe und hatte ich nie Angst. Es ist dieses Leben unter nicht enden wollenden Einschränkungen, Dauerdrangsalierungen und immer absurder werden Regulierungen, was mir immer mehr ein Gefühl von Eingeschnürtheit gibt. Und den Daueranblick all dieser gesichtslosen Maskierten empfinde ich auch zusehends als einfach nur pervers.

Andere Länder haben längst begriffen, dass man das auf Dauer nicht mit den Menschen machen kann und haben ihre Maßnahmen trotz steigender Zahlen längst über Bord geworfen, nur Deutschland bleibt da gnadenlos. Aktuell versuche ich Arbeit in einem maßnahmenfreien Land wie zum Beispiel England zu finden, um dem Irrsinn wenigstens ein paar Monate zu entkommen. Einzig meine Freunde, die regelmäßig Partys schmeißen und nicht dauernd von Corona und Impfung quatschen (ich kann´s nicht mehr hören), geben mir Halt und ein Gefühl von Normalität; da kann man dann etwas "auftanken".

» Paulie » Beiträge: 544 » Talkpoints: 73,78 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Natürlich werden Menschen durch das immer wieder Verarbeiten immer der gleichen, immer ähnlich geschürten unterschwelligen Ängste verändert. Widersprüche schaden da kaum. Vor allem die Empfindung für Autorität und die Wahrnehmung von Gewalt in Wort und Tat verändert sich. Darüber gibt es viele schlaue Bücher von Psychologen.

Allerdings war ich schon immer ein Einsiedler und hatte stets vor Dingen Angst, die andere Leute nicht interessieren, bis es vielleicht den einen oder anderen auch erwischt. Es würde mich trotzdem in Zukunft stören, wenn man mich aufgrund neuer Gesetze zwingen würde, nur noch Plastikgeld zu verwenden oder aufgrund irgendwelcher Zahlen irgendeines Institutes verbieten würde, Lebensmittel einzukaufen und diese dann nur noch per Abholung an der videoüberwachten Automatenkasse, in nach Desinfektion riechenden Räumen zur Verfügung stellen würde.

Allerdings verstehe ich auch, warum "Corona" für die innere Sicherheit ein Traum ist. Behördentätigkeit in der Richtung wird sich weiter verbilligen, weil die Datenlage immer besser wird. Gleich zu Anfang der Kampagne soll es ja Einbrecher gegeben haben, die so dumm gewesen, ihren Namen und Anschrift im Café hinterlassen zu haben um dann wohl ohne Smartphone in der Tasche gegenüber einzubrechen. War der Polizei egal, ob da eine Rechtsgrundlage vorhanden, die zogen sich die Daten und nahmen die Kriminellen fest.

Das ist allerdings nur die Spitze des Eisberges. Da Leute ja ihre Geräte nie ausschalten, kann alles mögliche erfasst und berechnet werden. Klar, um "Status vorauszusagen" aber wer wird das denn bitteschön beweisen wollen, ob da immer alle Daten anonymisiert sind.

Bin da ganz sicher, dass sich seit dem Beginn der Pandemie das Verhalten des Mainstream- Bürgers ganz deutlich verändert hat. Das wird der einen oder anderen "schlanken Behörde" sicher positiv auffallen.

Ich habe beispielsweise früher mal gerne Radio gehört. Jetzt achte ich immer darauf, welchen Sender ich höre und das ich nicht zur vollen Stunden einschalte: Thema Nr.1 geht eben sofort los, wie die Werbung im Privatfernsehen, wenn unterbrochen wird. "Die Anzahl von Toten im Zusammenhang mit..." Ich will das nicht mehr hören, ich kann das nicht mehr hören. Ich bin auch kein Reichsbürger und ich denke weder quer noch sonst wie irgendwo anders, aber auch ich habe mein Verhalten verändert, vielleicht sogar in vielem so, dass ich es selbst noch gar nicht richtig bemerkt.

Wurde jemals ein Mittel gegen AIDS erfunden? Oder gab es nur irgendwann Mittel, die das Leben für Betroffene erheblich verlängert haben? Mich hat das alles dahingehend verändert, das ich inzwischen mit gesundem Menschenverstand davon ausgehen kann, das dieser "veränderte Umgang" von offizieller Seite her (Politik und Medien) noch intensiver werden wird. Das wird noch Jahre so weitergehen, Welle auf Welle- und der Virus wird jedes Mal aggressiver und gefährlicher (da bin ich ganz sicher) und wenn es dann auf einmal vorbei, wird offiziell niemand so recht wissen, warum. Das wird dann auch nicht mehr quantitativ in den Medien so thematisiert werden, wieso die Bedrohung auf einmal nicht mehr da. Die Zahlen ja und das wird dann noch dreimal wiederholt. Andere Dauer- und Wiederholungsmeldungen werden dann relativ rasch folgen, die Unbehagen und Angst hervorrufen.

Aber bestimmte Dinge, wie Bewegungsmuster von Individuen, Datenerfassung durch Behörden zur Auswertung dieser und Geldflüsse in Krankenhäusern beispielsweise werden dann sicher nicht mehr so sein, wie vorher, wie die Wahrnehmung der Menschen untereinander.

Ein Gesicht mit einer Maske hat immer andere Eigenschaften, als eines ohne. Da ist es mir im Grunde egal, ob das eine Voll-Latex-Maske von Nixon, Fantomas oder eine für Mund und Nase mit der Aufschrift "Shopping Queen" ist.

Kann Pauline nur beipflichten. Auch ich tanke auf in erster Linie, da wo die Kampagne im Kopf "nicht funktioniert" nicht funktionieren kann.

» Rehbock » Beiträge: 42 » Talkpoints: 20,02 »


Einerseits habe ich schon auch Respekt vor einer möglichen Corona-Infektion, seitdem ich in voller Länge und Intensität einen sehr schweren Covid-Verlauf mitbegleitet habe (Gesamtdauer etwa acht Monate). Klar, dass ich deswegen nicht allzu leichtfertig mit der Pandemie umgehe und versuche, mich und mein Umfeld zu schützen.

Andererseits stelle ich fest, wie sehr mich inzwischen der ständige Panikmodus mit immer neuen Schreckensmeldungen, Einschränkungen und Beschränkungen psychisch und auch physisch mitnimmt. An vielen Tagen lehne ich es inzwischen tatsächlich ab, mir aktuelle Nachrichten anzusehen oder anzuhören, da ich auch einfach mal ein wenig Abstand zur Thematik brauche.

Ich halte mich ja sowieso an die üblichen Regeln, bin doppelt geimpft, und morgen ist meine Booster-Impfung dran. Mehr kann ich momentan eh nicht tun, denke ich. Ob nun immer weitere Warnungen und Bedrohungsszenarien auf mich einprasseln oder nicht, ändert nichts an meinem ohnehin vorsichtigen Verhalten.

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 3560 » Talkpoints: 655,79 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Wie sehr mich Corona verändert hat? Gar nicht. Da ich schon älter bin und sowieso eher ein Einzelgänger, tangieren mich die Maßnahmen nicht allzu sehr. Aber für die jungen Leute tut es mir Leid. Die Studenten hatten und haben kein richtiges Studentenleben mehr, meinem Nachhilfeschüler fehlt über ein Jahr Unterricht, weil sich sein Lehrer nicht sehr viel Mühe gibt und meine Nichte, die taubstumm ist und sehr gut von den Lippen abliest, fühlt sich im öffentlichen Leben noch unsicherer als sonst.

Ich war bis vor einigen Wochen gegen eine Impfpflicht, habe meine Meinung aber mittlerweile geändert. Wir hatten gestern ein Familientreffen mit Verwandten aus ganz Deutschland. Meine Schwägerin, die Arzt ist, hat uns durchgeboostert ab vier Monaten Zweitimpfung. Auf dem Fest habe ich auch gemerkt, dass die Betroffenheit je nach Familiensituation, Charakter und Bundesland sehr unterschiedlich ist. Eine meiner Nichten ist laut ihren Aussagen gar nicht mehr eingeschränkt, weil die Kitas wieder auf haben. Sie fahren demnächst sogar in den Skiurlaub. Ein Neffe wirkte dagegen etwas depressiv, weil er lange nur zuhause studieren konnte und als extrovertierter Mensch Gesellschaft bräuchte. Also insgesamt sehr unterschiedlich.

» blümchen » Beiträge: 4100 » Talkpoints: 13,95 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich gebe zu, ich habe echt Schwierigkeiten, irgendeinen Panikmodus und irgendwelches Drangsalieren vom Staat oder von den Medien wahrzunehmen. Obwohl ich mein ältestes Kind ewig nicht sehen konnte, fühle ich mich nicht unterdrückt. Mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und kleinen Verhaltensänderungen läuft mein Leben ganz normal weiter.

Ich sehe ein, dass Homeschooling bei Grundschülern eine Katastrophe ist, wenn man selbst entweder arbeiten gehen oder im Homeoffice sein muss. Aber sonst? Es ist halt anders als sonst, aber das große Drama sehe ich echt nicht.

» cooper75 » Beiträge: 12515 » Talkpoints: 331,76 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


cooper75 hat geschrieben:Ich gebe zu, ich habe echt Schwierigkeiten, irgendeinen Panikmodus und irgendwelches Drangsalieren vom Staat oder von den Medien wahrzunehmen.

Und das, obwohl gefühlt über beinahe nichts anderes mehr berichtet wird, als über Corona? Immerhin erlebe ich die beschriebenen Gefühle auch bei fast allen meinen Kollegen und meinem sonstigen sozialen Umfeld, das ansonsten recht unterschiedlich gestrickt ist. Es scheint also nicht ausschließlich eine merkwürdige Skurrilität meinerseits zu sein, sondern auch einigen anderen Menschen so ähnlich wie mir zu ergehen. Und da ich wie gesagt selbst bereits einen langwierigen Coronaverlauf hautnah miterlebt habe, bin ich vielleicht psychisch etwas "empfindlicher" oder labiler geworden als andere.

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 3560 » Talkpoints: 655,79 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


cooper75 hat geschrieben:Es ist halt anders als sonst, aber das große Drama sehe ich echt nicht.

Ich sehe sehr wohl ein großes Drama und es ist ein großes Drama. Die Naturkatastrophe Corona hat MICH nicht sehr verändert, aber ich sehe sehr viele negative Auswirkungen bei anderen. Ich hatte zum Beispiel vor zwei Jahren eine Nachhilfeschülerin, die ich auf ihr externes Abitur vorbereiten sollte. Sie ist Krankenpfleger und hat bei mir seit April letzten Jahres pausiert, weil sie im Krankenhaus gebraucht wurde. Ich hoffe, dass sie ihren Traum, Psychologie zu studieren, noch nicht aufgegeben hat.

In den Medien ist doch Corona mittlerweile das alles vorherrschende Thema und es gibt gar kein Mittelding mehr zwischen Panikmache und Verharmlosung. Auch wenn es für einen persönlich kein Drama ist, ist es das doch für viele Menschen in ärmeren Ländern, die zum Beispiel ihre Tagelöhnerjobs verloren haben. Auch wenn man Angehörige in Pflegeheimen nicht besuchen konnte und die dann unbegleitet sterben mussten, quälen einen die Schuldgefühle wahrscheinlich noch bis ans Lebensende.

Ja, ich sehe Corona als große weltweite Naturkatastrophe, die halt manche weniger, aber viele sehr stark betrifft. Ich kritisiere auch manche Maßnahmen, bin trotzdem kein sogenannter Querdenker. Auf beiden Seiten gibt es Extreme und die Gesellschaft ist stark gespalten, was nicht harmlos ist. Und auch die finanziellen Folgen sind nicht so ohne, irgendwer muss auch in Deutschland später für die Kosten aufkommen und das sind leider die jungen Leute.

» blümchen » Beiträge: 4100 » Talkpoints: 13,95 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^