Wie Kindern Angst vor Demos nehmen?

vom 13.04.2021, 10:03 Uhr

Ich war mit meinen Kindern neulich in der Stadt. Wir hatten einen Termin beim Arzt und da mussten wir eben in die Stadt. Dort fand eine sehr kleine Demonstration mit Masken und Musik aus dem Lautsprecher statt. Forderung der Demonstranten war, dass die Impfstoffe für alle zugänglich gemacht werden sollen und man die Bürokratie und die Gewinnsucht diesbezüglich aufgeben muss. Sie waren letztendlich super laut und für mich war das normal, ich kannte schon immer Demos, da die dort in der Stadt auch jede Woche stattfinden.

An der Hand hatte ich dann aber schon ein kleines verschüchtertes Kind, an der Hand meines Mannes sah es nicht besser aus. Die beiden kannten das einfach nicht. Obwohl wir uns eigentlich hätten beeilen müssen, wollte ich das so nicht stehen lassen, bin in die Knie und habe die Plakate vorgelesen, erklärt, was die wollen und warum sie dafür auf die Straße gehen. Sicherlich muss man das nicht jedem Stadtkind erklären, aber bei uns gibt es das ja nicht jede Woche. Wie habt ihr euern Kindern Demos erklärt? Hatten eure Kinder auch Angst davor?

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 45042 » Talkpoints: 18,84 » Auszeichnung für 45000 Beiträge



Wir sind, soweit ich mich erinnere, mit den Kindern nie in eine Demo geraten. Wenn doch, dann hätte ich das zum Anlass genommen, ihnen altersgerecht unsere Grundrechte zu erklären, aber ansonsten geschaut, schnell von der Demo weg zu kommen. Ich weiß nicht, ob meine Kinder Angst bekommen hätten. Sie waren von früh auf Karnevalsumzüge gewohnt und hätten wahrscheinlich eher interessiert geschaut und die Polizistenausrüstung bewundert.

» blümchen » Beiträge: 2771 » Talkpoints: 14,08 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich habe von Kindern nicht viel Ahnung, würde mich aber wohl schwertun, einige der manchmal sehr komplexen Forderungen, deren Differenziertheit ja schon manchen Erwachsenen überfordert, kindgerecht erklären zu können. Wie erklärt man eine Forderung nach der Aufhebung behördlicher Einschränkungen Kindergartenkindern? Mir würde das sehr schwerfallen, aber ich habe auch keine Kinder, vielleicht ist das der Grund. Und ein Satz wie "die wollen, dass alle Menschen gute Medizin bekommen" hört sich an, als müsste man sich in diesem Land Sorgen machen, nicht adäquat medizinisch behandelt zu werden. Es ist kompliziert.

Von daher finde ich es verdammt schwierig, die Inhalte einer Demonstration kindgerecht an kleinere Kinder zu vermitteln. Ich bin übrigens ein waschechtes Stadtkind, unser Haus lag inmitten der Zone, durch welche sich in meiner Prä-Kindergartenära in den Siebziger Jahren die Demonstrationszüge vorbeischoben. Damals gab es gefühlt noch wesentlich mehr und größere Demonstrationen als heute. Meine Familie nahm das manchmal zum Anlass von oben aus dem Fenster die Demonstranten anzusehen, natürlich mit mir im Schlepptau.

Und ganz ehrlich, ich war drei oder vier und trotzdem ich in der Stadt geboren war, kann ich mich heute noch an das Gefühl von latenter Bedrohung und Unwohlsein erinnern, als die Massen sich laut Parolen skandierend an unserem Fenster vorbeigeschoben haben. Ich glaube, es liegt in der Natur vieler Kinder, dass sie solche manchmal ja auch fast schon wütend wirkenden Mengen von Erwachsenen als gefährlich wahrnehmen. Ich war jedenfalls froh, wenn die vorbeigezogen waren.

» Verbena » Beiträge: 4314 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^