Wie geht man mit imaginärem Freund des Kindes um?

vom 20.11.2019, 01:38 Uhr

Die Tochter meiner Freundin (3,5 Jahre) hat zur Zeit eine imaginäre Freundin namens "Lotti". Lotti muss überall mit hinkommen, braucht einen Platz am Esstisch aber auch im Auto, beim Hände waschen und Zähne putzen usw. usf.. Einerseits findet meine Freundin die Fantasie ihrer Tochter ganz süß andererseits kann diese imaginäre Freundin auch ganz schön anstrengend sein. Interessanterweise ist es nämlich immer die Lotti, die abends noch nicht ins Bett will, keine Lust auf Gemüse hat oder einfach keine Lust aufs Zimmer aufräumen hat. Und weil die Tochter natürlich alles macht was Lotti möchte, klappen so einige "Erziehungsregeln" momentan kaum bis gar nicht.

So wie meiner Freundin geht es laut meinen Recherchen vermutlich vielen Eltern. Laut Experten hat etwa ein Drittel aller Kinder einen Fantasiefreund, manchmal sehr lange und manchmal nur kurz. Manchmal haben sie mehrere Freunde, manchmal nur einen. Mal sind es Tiere, Menschen oder Fabelwesen. Meist haben die unsichtbaren Begleiter aber das gleiche Geschlecht und das gleiche Alter wie das Kind selbst. Ein imaginärer Freund muss also nichts Schlechtes sein, sondern kann sogar etwas Tolles sein um die Fantasie und Kreativität des Kindes zum Ausdruck zu bringen.

Aber wie geht man damit am besten als Elternteil um? Akzeptiert man den imaginären Freund als neues Familienmitglied oder versucht man dem Kind den Freund auszureden? Was wenn das Kind diesen Freund als "Regelbrecher" nutzt, würdet ihr da gegensteuern?

» EngelmitHerz » Beiträge: 536 » Talkpoints: 0,61 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Imaginäre Freunde sind tatsächlich entwicklungspsychologisch keine seltenen Phänomene und werden im Kleinkindalter oft beobachtet. Meistens „wachsen“ sie sich von alleine wieder aus, aber ich sehe anhand der Beschreibung den Wunsch und auch eine gewisse Notwendigkeit, aktiv zu werden. Wichtig ist dabei, zunächst einmal zu erkennen, welche Funktion die imaginäre Freundin im Alltag erfüllt und welche kindlichen Bedürfnisse dahinter stehen.

Manche Kinder finden in Kindergarten und Schule keinen Anschluss, werden gehänselt und nutzen die imaginären Freunde als Kompensation, weil sie sich bei ihnen geliebt und akzeptiert fühlen. Im dargestellten Fall scheint „Lotti“ ja aber eher ein Mittel zur Opposition gegen ungeliebte Erziehungsregeln und zum Streben nach Autonomie zu sein. Für eine Grundlagendiskussion darüber, warum diese aber ihren Sinn und die Eltern das letzte Wort haben, ist das Mädchen sicher noch zu jung, aber mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und Verstärkereinsatz kann man den Spieß ja vielleicht umdrehen.

Ich denke, es macht weder Sinn, dem Kind mit Nachdruck die Freundin auszureden, noch zu viel Aufmerksamkeit darauf zu lenken und ihre Existenz zu bestätigen. Mein Impuls wäre es, möglichst wenig auf Lotti einzugehen und der Tochter zu signalisieren, dass ich mit ihr und nicht mit einer dritten Person spreche. Für mein Kind gelten meine Regeln, für Lotti gelten die Regeln von Lottis Mutter, so nach diesem Prinzip.

Auch würde ich gewisse Grundregeln wie Bettgehzeiten, Zimmerordnung und Co ganz klar festlegen und auch einen Verhaltensplan einsetzen, bei dem das Kind für die Erfüllung der Anforderungen Punkte sammeln kann. Diese kann man dann mit entsprechenden Belohnern verknüpfen, also mit Spielzeit, längerem Aufbleiben am Wochenende oder anderen attraktiven Dingen.

» MaximumEntropy » Beiträge: 6539 » Talkpoints: 829,73 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Also ich kenne das von meiner eigenen Kindheit. Ich war ein Einzelkind und hatte viele imaginären Freunde. Allerdings schämte ich mich selber dafür und sagte es niemand, aus Angst, für verrückt gehalten zu werden. Vor allem nicht meinen Eltern und schon gar nicht meinen Freunden.

Deshalb würde ich, so denke ich, sehr natürlich damit umgehen, wenn meine Tochter einen imaginären Freund hätte. Ich würde ihn so behandeln, als ob er für mich auch existieren würde. Es würde aber nichts an Regeln ändern, die für meine Tochter aufgestellt werden würden. Wenn ich etwas sage, dann gilt das auch- in dem Fall für beide.

Ich denke, dass jedes Kind im Laufe seiner Kindheit einmal so eine Phase hat. Oft helfen imaginäre Freunde über die Zeit hinweg, in der sich Kinder aus gewissen Gründen einsam oder unverstanden fühlen. Wenn sich die Probleme wieder gelegt haben, dann verschwinden die imaginären Freunde ganz von selber wieder.

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» nordseekrabbe » Beiträge: 8600 » Talkpoints: 79,10 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich kenne so etwas aus meiner Kindheit nicht und meine Kinder sind auch noch nicht so weit imaginäre Freunde zu haben. Ich würde aber meine bestehenden Regeln nicht aussetzen und würde schauen, dass man das auch vermittelt bekommt. Zum Beispiel würde ich es so machen, dass wenn Lotti kein Gemüse mag und mit mir dann darüber diskutiert wird auch kein Gemüse zu wollen, dass es dann eben mehr gibt, weil Lotti ihre Portion ja nicht essen mag und man als gute Freundin dann eben einspringen muss. Ich würde Lotti wie ein Gastkind behandeln, was sich aber auch an Regeln halten muss.

Ausreden würde ich das meinem Kind nicht, weil es einfach auch dazu gehört und normal ist. Ich würde es also schon mitmachen, aber keinen imaginären Freund mein Leben bestimmen lassen. Das scheint mir so zu sein, dass die Kleine einfach auf eine sehr schlaue Art und Weise die Grenzen austesten möchte und vor allem ein paar der Regeln brechen will ohne großartig Ärger zu bekommen. Das gehört zur Entwicklung sicherlich auch dazu und kann manchmal echt anstrengend sein.

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» Ramones » Beiträge: 40600 » Talkpoints: 59,17 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



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