Warum wollen junge Leute nicht mehr ins Handwerk?

vom 06.08.2023, 23:39 Uhr

Bei den deutschen Handwerksbetrieben herrscht kein Auftragsmangel und man hat auch eine relativ gesicherte Zukunft. Aber dennoch haben es die Unternehmen schwer, junge Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Selbst mit einer möglichen Betriebsnachfolge lassen sich nur schwer geeignete Leute finden und selbst dafür herrscht auch nur ein geringes Interesse vor. Woran kann das denn eurer Meinung nach liegen, dass junge Leute so vom Handwerk abgeschreckt sind? So unattraktiv sind die handwerklichen Berufe doch gar nicht.

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» Lupenleser » Beiträge: 1119 » Talkpoints: 849,04 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Das große Problem ist meiner Meinung nach, dass man mit einer Ausbildung immer 3 Jahre wenig Geld bekommt und man das irgendwie auf die Reihe bekommen muss. Das ist dann mit entsprechend harter Arbeit wahrscheinlich auch weniger angenehm und damit wenig attraktiv. Zudem finde ich aber auch, dass man von vielen Berufen als junger Mensch gar keine gute Vorstellung mehr hat. Die Berufsgruppen sollten daher vielleicht auch eher für sich werben, aufklären und den Beruf an sich damit auch spannender machen. Wobei das auch auf TikTok oder solchen Seiten stattfinden muss, um die jungen Leute zu erreichen.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich habe schon öfter gehört, dass Handwerksbetriebe Schwierigkeiten haben, junge Leute für Ausbildungen und Arbeitsplätze zu finden, und das finde ich irgendwie schade. Ich meine, handwerkliche Berufe können wirklich ziemlich spannend und vielseitig sein. Aber vielleicht gibt es doch einige Gründe, warum junge Leute sich nicht so für diese Berufe interessieren.

Zum einen denke ich, dass viele junge Menschen heute vielleicht denken, dass sie einen akademischen Abschluss brauchen, um erfolgreich zu sein. Vielleicht wird auch oft der Eindruck vermittelt, dass Bürojobs oder Jobs in der Technologiebranche mehr Prestige und finanzielle Sicherheit bieten. Das kann dazu führen, dass handwerkliche Berufe nicht so attraktiv erscheinen.

Dann gibt es sicherlich auch Vorurteile über die körperliche Arbeit im Handwerk. Manche denken vielleicht, dass es anstrengend und unangenehm ist, den ganzen Tag zu schuften. Aber das ist ja oft gar nicht der Fall. Viele handwerkliche Berufe erfordern auch Köpfchen und Kreativität.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Image. Ich glaube, dass das Handwerk manchmal nicht genug Anerkennung bekommt. Es ist ja so, als ob manche Leute denken, dass nur diejenigen erfolgreich sind, die einen Hochschulabschluss haben. Dabei sind gut ausgebildete Handwerker genauso wichtig für unsere Gesellschaft.

Vielleicht könnte es helfen, wenn es mehr Aufklärung über die Vielfalt und Möglichkeiten im Handwerk gibt. Schulen könnten zum Beispiel Berufsmessen oder Praktika bei Handwerksbetrieben anbieten, um den jungen Leuten einen realistischen Einblick zu geben. Und auch die Betriebe selbst könnten sich mehr darum bemühen, sich als moderne und attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.

» Aguti » Beiträge: 3109 » Talkpoints: 27,91 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Dass man in der Ausbildung nicht viel verdient, ist kein schlüssiges Argument. Schließlich verdient man auch kein Geld, wenn man nach dem mittleren Schulabschluss weiter die Schule besucht wird. Und wenn man dann an die Universität geht, gibt es schon gar kein Geld und für genug Studiengänge muss man zwangsweise weit von den Eltern wegziehen und beispielsweise die Lebenshaltungskosten von Berlin oder München stemmen.

Schwieriger finde ich, dass es in vielen handwerklichen Berufen an Aufstiegschancen fehlt. Kfz-Mechatroniker können beispielsweise über den Service-Techniker zum Meister kommen. Aber was ist mit den Fachverkäufern im Lebensmittelhandel? Da gibt es nach der Ausbildung kaum mehr als für ungelernte Aushilfen und Karriere ist auch nicht drin. Das ist in nicht wenigen Bereichen so.

Und dann fehlt bei vielen Berufen schlichtweg die Bekanntheit. Wer denkt schon an so etwas wie Segelmacher oder Böttcher? Und der nächste Punkt ist die Ausbildungsqualität. Überfüllte Berufsschulklassen mit schlechter Ausstattung sind das eine. Das andere sind schlechte Betriebe. Ja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Aber nichts vermittelt bekommen und immer nur einfache Hilfsarbeitern machen, das ist nicht Ordnung. Übernahmeperspektiven wären auch nett.

» cooper75 » Beiträge: 13313 » Talkpoints: 495,28 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Schaut euch einfach in den Schulen die Berufsberatung an. Diese lotst in diverse Branchen. Aber eben nur in diese Branchen, die die Beratung auch mitfinanzieren. Den Schülern werden da kaum Alternativen geboten, die sie kennenlernen können. Es gibt es tollen Fragebogen über mehrere Seiten, der eigentlich nach der Auswertung eine Orientierung bieten soll, wo man beruflich wohlfühlen könnte. Das Ergebnis des Fragebogens ergibt aber immer nur die Branchen, die den Spaß eben finanzieren.

Und wenn es dann Messetage gibt, hat wohl gerade der kleine Handwerksbetrieb keine Kapazitäten, um dafür Leute abzustellen. Also haben sie auch kaum Chancen um junge Leute zu werben. Wobei die Vergütungen bei den Azubis auch nicht mehr so schlecht sind, wie vor 30 Jahren. Da wurde schon enorm nachgebessert.

» Punktedieb » Beiträge: 17963 » Talkpoints: 14,71 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Warum sollte der kleine Handwerker auf Berufsmessen stehen? Dafür gibt es doch Handwerkskammern und Innungen. Nur mit schlechtem Image, ohne Aufstiegschancen und mit wenig Unterstützung in Betrieb und Schule holt man keine Bewerber in den Betrieb. Es gibt ja durchaus gute Ausbildungsbetriebe, wo die Auszubildenden zufrieden sind. Und das obwohl beispielsweise die Berufsschule weit entfernt im Blockunterricht mit Wohnheim stattfindet.

» cooper75 » Beiträge: 13313 » Talkpoints: 495,28 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Wenn ich mich nur über einen Beruf informieren will, dann reicht die Innung. Soweit gebe ich dir Recht. Wenn es aber um einen Ausbildungsbetrieb geht, dann will ich mit den Leuten direkt reden und sie kennenlernen. Wobei da eben auch in Sachsen mittlerweile neue Wege begangen werden. So dass da Betriebe an Aktionstagen mitmachen, wo die interessierten Schüler sich auch ausprobieren können.

Ob das in anderen Bundesländern auch solche Aktionstage gibt, weiß ich nicht. Aber da sind die Jugendlichen dann direkt im Betrieb, können mit den Chefs und auch Angestellten reden. Beide Seiten merken dadurch besser, ob es passen kann oder eben nicht.

» Punktedieb » Beiträge: 17963 » Talkpoints: 14,71 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



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