Wann und warum Medikamente präventiv einnehmen?
Ich habe vor kurzem gelesen, dass man in den USA vor einigen Tagen ein Medikament zugelassen hat, dessen Einnahme Migräne-Patienten präventiv helfen soll, gegen den Schmerz anzukämpfen.
Ich frage mich jedoch, wie sinnvoll es überhaupt ist, so ein Medikament präventiv einzunehmen. Steigt da nicht die Toleranz des Körpers? Wie seht ihr das? In welchen Fällen und bei welchen Medikamenten ist eine präventive Einnahme durchaus sinnvoll und wann sollte man das auf jeden Fall unterlassen?
Eine medikamentöse Migräne-Prävention ist auch hierzulande bei entsprechend stark ausgeprägter Symptomatik schon lange State of the Art. Mein Freund leidet ebenfalls unter dieser Kopfschmerzerkrankung und nimmt präventiv eine Dauermedikation zusätzlich zu seiner schnellwirksamen Schmerzmedikation für den Akutanfall ein.
Ohne diese hatte er zuvor fast an der Hälfte aller Tage im Monat schlimme Kopfschmerzen, die ihn zum Teil arbeitsunfähig gemacht haben. Seit er die Prävention ergänzt hat, sind die Attacken kürzer und weniger geworden, sodass seine Lebensqualität auf jeden Fall zugenommen hat und auch die wirtschaftlichen Folgen der Erkrankung zurückgegangen sind. Insofern halte ich es schon für sinnvoll, dass man in dieser Sparte Präventivmedikation verordnet.
Ein weiteres Krankheitsbild, bei dem medkamentöse Prävention zum Einsatz kommt, sind thromboembolische Ereignisse. Der Klassiker ist die Reinfarktprophylaxe nach Myokardischämie, aber auch bei Schlaganfallrisiko oder Immobilisation nach Operationen wird auf solch eine Medikation zurückgegriffen. An der Rechtsgrundlage dafür finde ich auch nichts zu rütteln, denn wir sprechen hier von potentiell lebensbedrohlichen Ereignissen, bei denen man sich ein stillschweigendes Abwarten und Hinnehmen nun mal einfach nicht erlauben darf. Ohne die Prophylaxe hätten wir wahrscheinlich heute noch Sterbens- und Überlebensraten wie vor 100 Jahren.
Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Toleranzentwicklung und der langfristigen schädlichen Arzneimittelwirkungen aber letzten Endes ist alles eine Frage des Kosten-Nutzen-Prinzips. In der Medizin gilt nun mal der Vorsatz "Treat first what kills first". Muss ich für die Senkung meines Herzinfarktrisikos gelegentliche Schwindelanfälle durch Blutdruckabsenkung in Kauf nehmen, dann ist es natürlich meine Entscheidung, ob ich dazu bereit bin, oder nicht. Aber richtet man den Blick in die Zukunft und auf die generelle Lebensqualität und Sicherheit, dann stellt sich diese Frage oftmals gar nicht mehr.
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