Vorteilhaft, grundsätzlich nichts versprechen zu wollen?
Ich bin sehr vorsichtig, was Versprechen angeht. Dass man etwas verspricht, passiert ja schnell, wobei es aber nicht immer so einfach ist, Versprechen auch zu halten. Genau aus dem Grund verspricht mein Freund nichts mehr, weder mir, noch sonst jemandem. Er meint, dass er sich natürlich immer bemüht, sich an das, was er sagt, zu halten, aber er wolle eben nichts versprechen, damit man ihm nichts vorwerfen könne, wenn er etwas doch nicht schaffen würde.
Natürlich ist es selbsterklärend, dass mein Freund mir nun nicht fremdgeht oder dergleichen, egal ob mit oder ohne Versprechen. Wenn wir aber beispielsweise ein Treffen ausmachen, dann würde er nun nicht versprechen, dass es klappt, damit meine Enttäuschung nicht allzu groß sein würde, wenn es doch nicht klappt. Was haltet ihr davon, grundsätzlich nichts mehr zu versprechen, um selbst weniger Vorwürfe zu bekommen und um andere weniger zu enttäuschen?
Ich finde es ja interessant, dass es überhaupt die Formulierung "ich verspreche" gibt. Man kann ja auch einfach sagen "ja, ich mache das" oder "ja, ich mache das nicht", aber zusätzlich kann man dem mehr Nachdruck verleihen und stattdessen sagen "ich verspreche", was dann meistens als besonders schlimm gewertet wird, wenn man sich nicht daran hält - "aber du hast mir doch versprochen..:".
Generell verspreche ich eigentlich auch nichts und wenn mich Leute drängen wollten, etwas zu versprechen, dann sage ich meistens, dass ich nichts versprechen will oder winde mich irgendwie heraus. Man kann nie irgendwas mit Sicherheit sagen.
Ich kann mir vorstellen, dass man mit Versprechen aller Art vorsichtig wird, wenn das Gegenüber sich derart an dieser Formulierung aufhängt, dass Konflikte vorprogrammiert sind. Ich kenne das von Kindern, dass immer gleich gezetert wird: “Aber du hast doch versprochen, dass wir noch Eis essen gehen!“ oder was auch immer.
Bei Kindern verstehe ich diese Haltung auch, da sie in der Regel noch sehr von Sicherheit und Verlässlichkeit abhängen und noch ein sehr egozentrisches Weltbild haben. Unter Erwachsenen finde ich es,wenn ich recht darüber nachdenke, schon ziemlich komisch, wenn man noch glaubt, ein Versprechen ändere etwas an den Tatsachen, wenn es sich nicht gerade um einen Eid vor Gericht oder (hoffentlich) ein Eheversprechen handelt.
Deswegen würde ich diese Formulierung wohl auch meiden, wenn ich wüsste, dass man mir sonst quasi Versagen vorwirft. Allerdings würde ich auch die gegenteilige Aussage (“Ich versuche, um drei am Bahnhof zu sein, aber ich kann nichts versprechen!“) nicht allzu inflationär zu verwenden, weil es irgendwann kränkend wirkt, wenn man sich immer betont nicht festlegt.
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