Vorsätzlich armrechnen um Unterhalt zu umgehen

vom 09.11.2018, 09:17 Uhr

Neulich habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen. Da ging es über Unterhalt und dass wohl immer mehr (besonders Männer) dazu übergehen, sich selbst armzurechnen. Das bedeutet, dass sie angeben nichts zu haben, um dann keinen Unterhalt an die ehemalige Partnerin und der Kinder zu zahlen. Die Familienväter, die sich armrechnen sind meist selbstständig und überschreiben nach der Trennung entweder nach und nach ihre Firma oder Firmenanteile und geben dann an, dass sie nichts mehr haben, weil sie nur rote Zahlen geschrieben haben.

Ich konnte mir das bis zu meiner ersten Scheidung nicht vorstellen, dass es wirklich so einfach ist. Aber mein damaliger mann hat es ähnlich gemacht und wie man so schön sagt, kann man keinem nackten Menschen in die Tasche greifen. Aber warum ist das eigentlich so einfach und warum wird nicht noch viel weiter nachgehakt? Kent ihr Fälle, wie ein ehemaliger Partner sich armgerechnet hat, damit er oder sie keinen Unterhalt mehr zahlen muss?

Benutzeravatar

» Diamante » Beiträge: 40823 » Talkpoints: 86,30 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



Ich kenne tatsächlich einen Fall, wo der Vater sich armgerechnet hat, weil er nach der Volljährigkeit seines Sohnes keinen Unterhalt mehr zahlen wollte. Wie der das durchgesetzt hat weiß ich gar nicht. Ich weiß nur, dass es so ist und da der Sohn ein Studium begonnen hat und zuvor keine Ausbildung hatte, hätte man theoretisch bis zum 25. Lebensjahr Unterhalt bekommen können, was aber ausgehebelt worden ist.

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 26822 » Talkpoints: 0,69 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


Es gibt Gründe, warum mein Gatte meinen Schwiegervater als für ihn gestorben ansieht. Da hat der Papa ganz schnell immer weniger verdient und nicht mehr gezahlt. Es gab halt viel Lohn unter der Hand und schon gab es fast nichts mehr. Und das Wenige kam dazu unregelmäßig und oft erst nach Einschaltung des Gerichts.

» cooper75 » Beiträge: 10426 » Talkpoints: 126,32 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Mein Ex-Mann hat das auch versucht, indem er alle Überstunden auf einem Zeitarbeitskonto gebunkert hat. Da man aber die Lohnabrechnungen für ein Jahr beim Gericht eingefordert hat, fiel das schnell auf. Dann kamen solche Tricks, wie Kosten für den Weg zur Arbeit und wieder schnell kam heraus, dass er einen Firmenwagen dafür hat.

Allerdings kommt es wohl immer auf die Hartnäckigkeit der Gegenseite an, ob man solchen Dingen auf die Schliche kommt. Genauso wie sich Unterhaltspflichtige nicht um einen ordentlichen Job bemühen, weil man den Unterhaltszahlungen aus dem Weg gehen will. Auch da obliegt es am Ende der anderen Seite, dass Druck gemacht wird.

Da aber solche Verfahren sehr langwierig sind, verzichten viele Alleinerziehende darauf. Ich selbst habe auch 7 Jahre kämpfen müssen. Das kostet Nerven und Kraft und vor allem benötigt man einen guten Anwalt, der auch darauf bedacht ist, sämtliche Schlupflöcher auszuschließen.

» Punktedieb » Beiträge: 16328 » Talkpoints: 27,75 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Unterhaltspflichtigen Druck zu machen, dass sie sich um einen Job bemühen, damit sie Geld verdienen, was sie dann gleich wieder abgeben dürfen, finde ich aber auch nicht ok. Was ist denn das für eine Motivation? Verdiene Geld, damit ich es dir wegnehmen kann? Also sorry, dagegen würde ich mich auch wehren.

Denkt doch mal an den armen Mann. Es ist wohl kaum einer wahnsinnig gerne arbeitslos, aber wenn die Aussicht darin besteht, dass einem ein Verdienst gleich wieder abgenommen wird, wer hat denn da noch Lust, sich was zu suchen?

Ich kann das verstehen, dass man daran wenig Interesse hat und wer die Möglichkeiten besitzt, sich da etwas ärmer zu rechnen, warum sollte der das nicht machen? Oft haben die Männer nach einer Trennung auch nicht mehr all zu viel von dem Kind und sehen es, wenn überhaupt, nur am Wochenende. Warum sollten die da der Ex-Partnerin großartig was zahlen? Das ist echt eine blöde Regelung.

» Zitronengras » Beiträge: 8554 » Talkpoints: 33,00 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Wer Kinder in die Welt setzt, sollte auch dafür Verantwortung übernehmen. Und sei es nur durch die Zahlung von Unterhalt. Dabei ist es egal, ob es hier den Vater oder die Mutter betrifft. Immerhin gibt es einen Selbstbehalt und damit muss man unter Umständen nicht mal den vollen Unterhalt bezahlen.

Übrigens zahlst du mit deinen Steuern für genauso solche Eltern mit. Denn was meinst du vorher die Unterhaltsvorschüsse kommen, die man dann beim Jugendamt beantragen kann? Das zahlen alle Menschen die in Deutschland leben, damit sich ein Elternteil aus der Verantwortung stehlen kann.

» Punktedieb » Beiträge: 16328 » Talkpoints: 27,75 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


Übrigens zahlst du mit deinen Steuern für genauso solche Eltern mit. Denn was meinst du vorher die Unterhaltsvorschüsse kommen, die man dann beim Jugendamt beantragen kann? Das zahlen alle Menschen die in Deutschland leben, damit sich ein Elternteil aus der Verantwortung stehlen kann.

Was wir an Steuern zahlen ist ohnehin alles pfutsch. Oder denkst du, dass wir eines Tages weniger Steuern zahlen müssen, wenn alle Väter brav ihren Unterhalt entrichten? Das ist genauso eine unsinnige Argumentation, wie wenn gesagt wird, dass wir alle mit unseren Steuern für die ALG-II-Empfänger zahlen. Ja und? Wenn die weg wären, würden die Politiker die Steuergelder für was anderes rausschmeißen. So oder so sind die Steuergelder pfutsch und ob damit Unterhaltsvorschuss gezahlt wird, ALG II oder ob sich jemand damit ne Zigarette anzündet ist mir egal, ich bekomme das Geld ohnehin nicht wieder.

» Zitronengras » Beiträge: 8554 » Talkpoints: 33,00 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Es geht ja auch nicht darum, dass die Steuerlast für alle sinken würde, wenn alle Unterhaltspflichtigen auch ihrer Zahlungspflicht nachkommen. Es geht darum, dass hier Eltern ihre eigenen Kinder betrügen. Denn sie rechnen sich vorsätzlich arm oder versuchen andere Tricks um den Unterhalt zu drücken. Und das ist einfach nur Betrug.

» Punktedieb » Beiträge: 16328 » Talkpoints: 27,75 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


Ja, aber sieh es mal aus der Perspektive des Mannes. Ich habe inzwischen schon einige Väter kennengelernt, die Unterhalt zahlen müssten und von dem Kind wenig haben, weil sie das kaum sehen (dürfen). Der Unterhalt geht auch an die Mutter und nicht direkt an die Kinder. Es kann also auch gut sein, dass die Mutter davon gar nichts kauft, was für die Kinder ist. Und wenn ich jetzt wüsste, dass ich das Kind kaum sehen dürfte, dass man mit der Ex nur Ärger hat und dass die das Geld gar nicht für die Kinder investiert, sondern sich selbst damit irgendwas gönnt, dann wöllte ich auch nichts zahlen.

» Zitronengras » Beiträge: 8554 » Talkpoints: 33,00 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Klar geht das Geld an die Mutter bzw. den Vater. Denn dieser Elternteil ist für die Kosten verantwortlich, die dort entstehen wo das Kind wohnt. Aber Rechte, die man nicht wahrnimmt bzw. vorenthalten bekommt, mit Pflichten vergleichen zu wollen, hinkt gewaltig. Wobei man seine Rechte auch einfordern kann und es gibt wenig Möglichkeiten, wo man einen Kontakt wirklich verhindern kann.

Im Gegenteil die deutschen Gerichte urteilen sogar gegen den Kindeswillen. Da muss sich als das zahlende Elternteil weniger Sorgen machen. Und was die Ausgaben angeht. Man sollte nicht nur das Geld sehen, was bar an der Kasse für Kleidung und Lebensmittel ausgegeben wird. Da fallen auch die Wohnkosten, Klassenfahrten etc. mit rein. Das wollen nämlich die wenigsten Unterhaltspflichtigen wahr haben und denken, dass das andere Elternteil sich ein schönes Leben davon macht.

» Punktedieb » Beiträge: 16328 » Talkpoints: 27,75 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


Zurück zu Geld & Finanzen

Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

^
cron