Verschreibungspflichtige Medikamente ab doppelter Dosierung?
Ich muss schon zugeben, dass ich mich mit Pharmazie jetzt nicht so gut auskenne. Manche Dinge lassen sich aber mit normalem Menschenverstand einfach nicht zu erklären. Ich hatte vor einigen Monaten mal Probleme mit meinem Knie, damals hat sich der Innenmeniskus entzünde und die Ärzte haben lange gebraucht, bis sie das richtige Medikament für mich gefunden haben. Am Ende war ich wieder fit und vor kurzem habe ich nach einer anstrengenden Radtour wieder eine Entzündung in meinem Knie bemerkt.
Ich habe dann überlegt zum Arzt zugehen, allerdings dauert es eine Weile, bis beim Orthopäden ein Termin frei wird und der Orthopäde schickt mich dann sicherlich wieder zum MRT weil er mir nicht glaubt das ich bereits eine Entzündung an dieser Stelle hatte. Bis zum MRT dauert es dann auch nochmal einige Wochen und wieder seine Zeit bis ich um Arzt kommen kann. Auf das ganze Theater habe ich einfach keine Lust gehabt und deswegen habe ich beschlossen das Medikament direkt zu kaufen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass meine Dosierung nur mit Rezept erhältlich ist, wenn ich den Wirkstoff aber in der halben Dosierung haben möchte, kann man ihn frei kaufen. Ich möchte jetzt mal meinen, dass es für mich keinen Unterschied macht, ob ich eine 50mg Tablette direkt nehme oder aufeinmal zwei 25mg Tabletten. Ich frage mich dann aber, warum diese freikäuflich sind und die anderen nicht? Wäre es nicht sinnvoller anhand der Wirkstoffe zu entscheiden, wofür man ein Rezept braucht oder nicht? Wenn es nur nach der Dosierung geht, kann man sich ja dann einfach mehr von den geringer dosierten Tabletten kaufen und hat den gleichen Effekt.
Deswegen ist es meiner Meinung nach eigentlich sinnfrei die Tabletten mit 50mg Wirkstoff nur mit Rezept herauszugeben und die anderen nicht. Ich gehe mal davon aus, dass das bei anderen Medikamenten ähnlich sein wird, auch wenn es daneben auch viele gibt, wo wirklich der Wirkstoff rezeptflichtig ist, egal in welcher Dosierung. Findet ihr dieses Konzept sinnvoll? Ist das nicht eigentlich total unlogisch? War es bei euch auch schon so, dass ihr euch einen Arzttermin sparen konntet, weil ihr das Medikament auch so bekommen konntet, wenn auch in einer geringeren Dosierung?
Die Frage habe ich mir schon oft gestellt. Ich bekomme Ibuprofen 600 verschrieben. Neulich hatte ich das Rezept nicht, weil ich nicht zum Arzt gekommen bin und habe mir in der Apotheke dann Ibuprofen 400 gekauft, die man ohne Rezept bekommt und nehme bei Bedarf dann eben 1 1/2 Tabletten, damit ich auf die 600 komme.
Bei Paracetamol ist es beispielsweise so, dass man die 10er und die 20er Packung ohne Rezept bekommt. Die 30er Packung muss verschrieben werden. Neulich war in der Apotheke jemand, der vier von den 20er Packungen gekauft hat. Das ist auch so was bescheuertes. Normal hätte die Apotheke nicht mehr als 30 herausgeben dürfen, wenn man es genau nimmt, Und er hat gleich 80 Tabletten bekommen. Die Apothekerin hat den Mann aber auf die Gefährlichkeit hingewiesen.
Ich nehme an, du meinst das Präparat Diclofenac. Das bekommst du einerseits als verschreibungspflichtiges Medikament und frei in der Apotheke. Aber trotz den "gleichen" Namens bestehen deutlich Unterschiede zwischen den Produkten.
Frei in der Apotheke bekommst du Diclofenac-Kalium, also beispielsweise Voltaren dolo. Das Mittel wirkt deutlich schwächer gegen den Schmerz und die Entzündung. Es entfaltet schneller als die rezeptpflichtige Variante seine Wirkung und verliert sie auch viel schneller wieder. Die zugelassen Höchstdosis beträgt 75 mg am Tag und das auch nur für maximal vier Tage.
Vom Arzt verschrieben bekommst du dagegen Diclofenac-Natrium. Das wirkt etwas verzögert, dafür aber stärker und länger. Außerdem ist es als retadierte Zubereitung erhältlich, so dass beispielsweise nur zweimal täglich je 100 mg eingenommen werden müssen. Hier ist auch eine Dauereinnahme möglich, die vom Arzt überwacht werden muss.
Niemand kann einen Patienten daran hindern, dass er frei verkäufliche Medikamente missbräuchlich anwendet. Das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Aber was hat man wirklich davon? Es kostet verdammt viel Geld und keiner kann mir erzählen, dass er nicht weiß, dass er seine Gesundheit ruiniert.
Als schnelle Hilfe zur Selbsthilfe bei kleineren Beschwerden sind die frei verkäuflichen Sachen praktisch. Aber bei längerer oder regelmäßiger Anwendung sollte sich ein Arzt darum kümmern. Das schon die eigene Gesundheit und den Geldbeutel.
Ein anderes Beispiel sind Triptane gegen Migräne. Viele der verschreibungspflichtigen Wirkstoffe erhält man in halber Dosierung frei in der Apotheke. Jeder mit echter Migräne, der unterwegs und Zugriff auf seine Medikamente von einer Attacke überrascht wird, wird von der Möglichkeit begeistert sein. Aber bei gewissen Risiken sind die Dinger brandgefährlich. Daher sollte man die Einnahme vorher mit dem Arzt abklären. Außerdem sind die Sachen so teuer, das es mehr als angenehm ist, wenn die Kasse zahlt.
Dazu kommt, dass auch diese Mittel nicht unbegrenzt genommen werden dürfen. Es gibt durchaus andere Möglichkeiten, die Migräne zu bekämpfen. Das reicht von dem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel über Botox bis Beta-Blocker. Aber dafür benötigt man dann eben doch einen Arzt.
cooper75 hat geschrieben:Frei in der Apotheke bekommst du Diclofenac-Kalium, also beispielsweise Voltaren dolo. Das Mittel wirkt deutlich schwächer gegen den Schmerz und die Entzündung. Es entfaltet schneller als die rezeptpflichtige Variante seine Wirkung und verliert sie auch viel schneller wieder. Die zugelassen Höchstdosis beträgt 75 mg am Tag und das auch nur für maximal vier Tage.
Vom Arzt verschrieben bekommst du dagegen Diclofenac-Natrium. Das wirkt etwas verzögert, dafür aber stärker und länger. Außerdem ist es als retadierte Zubereitung erhältlich, so dass beispielsweise nur zweimal täglich je 100 mg eingenommen werden müssen. Hier ist auch eine Dauereinnahme möglich, die vom Arzt überwacht werden muss.
Wenn du mal auf Seiten wie ''Apo-Discounter'' oder anderen schaust und Diclofenac eingibst, dann wirst du die 25mg Variante schnell finden. Eines dieser Medikamente heißt beispielsweise Diclofenac dura, das ist eine 30 Tabletten Packung mit 25mg Diclofenac-Natrium.
cooper75 hat geschrieben:Niemand kann einen Patienten daran hindern, dass er frei verkäufliche Medikamente missbräuchlich anwendet. Das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Aber was hat man wirklich davon? Es kostet verdammt viel Geld und keiner kann mir erzählen, dass er nicht weiß, dass er seine Gesundheit ruiniert.
Ich denke nicht, dass man in meiner Situation von ''Missbrauch'' reden kann. Ich hätte Diclofenac so oder so wieder verschrieben bekommen und so habe ich wenigstens viel Zeit gespart! Abgesehen davon kostet eine Packung Diclofenac mit 20 Tabletten im Angebot online unter 5 Euro. In meiner Apotheke zahle ich auch für die meisten zuzahlungsfreien Medikamente 5 Euro, weil sie diese nicht von der entsprechenden Marke da haben. Daher habe ich eigentlich nur Geld und Zeit gespart.
Leider habe ich mit Ärzten eher schlechte Erfahrungen gemacht und muss sagen, dass ich oftmals das Gefühl hatte mich mit Medikamenten und Pharmazie besser auszukennen, als so mancher Arzt. Oft habe ich eine Bekannte zu Rate gezogen, die Pharmazie studiert hat und diese berichtet auch immer wieder davon, wie gut Ärzte im Verschreiben von gefährlichen bis komplett sinnfreien Medikamenten sind.
Nicht umsonst wird jetzt in Deutschland in den ersten Krankenhäusern eingeführt, das Chef- und Assistenzärzte immer von einem Pharmazeuten begleitet werden müssen, da die Ärzte von Pharmazie nicht den geringsten Schimmer haben. Wenn ich Medikamente brauche, dann bin ich meist eher die, die dem Arzt schon sagt was und wie viel sie haben will, als umgekehrt. Und die Ärzte wissen auch, dass sie auf diesem Gebiet keine Ahnung haben.
Ich habe nicht behauptet, dass du ein Medikament missbräuchlich einnimmst, sondern dass es möglich ist, aber eben nicht zu vermeiden.
Wobei du doch deutlich Geld sparst, wenn du ein Rezept einreichst. Du hast keine Versandkosten und bei vielen Mitteln keine Zuzahlung. Wenn das Medikament nicht vorrätig ist, dann ist in der Apotheke schneller bestellt als online versendet. Und zweimal muss man nun auch nicht in die Apotheke, schließlich liefern die das dann auch noch brav ins Haus.
Außerdem sind die Packungen im freien Verkauf ziemlich klein. Das wird dann bei einer längeren Behandlung doch recht teuer. Wenn ich mir meinetwegen die 100 mg aufschreiben lasse, dann bekomme ich eine N3 Packung mit hundert Stück. Selbst wenn ich die Zuzahlung leiste, sind das nur 5 Euro und ich bin für 50 Tage versorgt. Und auf Privatrezept kostet der "Spaß" für 50 Tage unter 20 Euro. Von den anderen würde ich 8 Stück am Tag benötigen. 
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