Studiengebühren in Österreich
Ich weiß nicht, ob es hier außer mir ein paar Österreicher gibt, also zu den Hintergründen: Vor ein paar Jahren hat die ÖVP-FPÖ-Koalition in Österreich Studiengebühren eingeführt. Die SPÖ hat dann bei den Wahlen 2006 versprochen, die Gebühren wieder abzuschaffen, wenn sie regieren. In der folgenden Koalition mit der ÖVP hat diese jedoch jeden Versuch der SPÖ abgelehnt, die Gebühren fallen zu lassen. Jetzt gibt es allerdings am 28. September Neuwahlen und die SPÖ versucht mit Unterstützung der Grünen und der Freiheitlichen, die Studiengebühren abzuschaffen.
Jetzt ist es so, dass der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Christoph Badelt, das ganze Geschehen kritisiert und sich für Studiengebühren stark macht. Wie seht ihr das? Wie können sich manche Menschen gegen einen freien Hochschulzugang aussprechen, wenn dieser doch bis vor ein paar Jahren problemlos funktioniert hat? Seid ihr für oder gegen Studiengebühren oder gegen und wieso? Und am Schluss noch eine Frage: Werden die Studiengebühren eurer Meinung nach fallen oder nicht?
Ich hoffe, sie werden abgeschafft, nicht weil ich Schwierigkeiten hätte, sie zu zahlen, sondern weil es Leute gibt, die arm sind, aber intelligent. Ich finde eine finanzielle Zugangsbeschränkung ist absolut nicht tragbar und Zulassungsprüfungen auch nur, wenn es anders nicht möglich ist. Wenn ich mich allerdings zwischen Studiengebühren und Zugangstests entscheiden müsste, dann für die Tests, denn Auswahl nach Leistung klingt für mich bei einer Universität allemal vernünftiger als Auswahl nach finanzieller Lage der Familie.
Du hast in deinem Beitrag die politsche Seite geschildert, aber etwas wichtiges Vergessen zu erwähnen; wie hoch sind die Studiengebühren denn in Österreich? Ich denke das wird nciht nur mich, sondern auch viele andere interessieren.
Aber Österreich ist ja nicht das Einzige Land mit Studiengebühren. Für Deutschland weiß ich, dass viele Bundesländer seit einigen Semestern 500Euro Studiengebühren pro Semester verlangen. Auch ich selbst musste zwei Semester Studiengebühren entrichten, dann war ich zum Glück fertig mit meinem Studium. Wenn man diese hohen Kosten jedoch während des ganzen Studiums hat, ist das schon ziemlich heftig und für viele nicht finanzierbar.
Zwar werden seit der Einführung der Studiengebühren, zumindest hier in Deutschland, mehr Stipendien angeboten, aber das ermöglicht auch nur den Besten eine Finanzierung. Wer nicht zu den Besten zählt und kein Geld hat, bleibt auf der Strecke. Dies finde ich besonders in Hinsicht auf den Mangel an qualifizierten Fachkräften bedenklich. Momentan hat man zwar noch die Möglichkeit sich eine Hochschule oder Universität in einem Bundesland ohne Studiengebühren "auszusuchen" aber das wird sicher auch nicht ewig so bleiben.
Ich bin jedenfalls heilfroh, dass ich mit meinem Studium schon fertig bin, denn ich hätte sicher ein größes Problem gehabt, die Studiengebühren über den kompletten Studienzeitraum zu finanzieren.
Also ich bin auch Österreicher
, und da ich nächstes Jahr meine Matura (Abitur) haben werde, bin ich für Studiengebühren. Nicht etwa weil ich viel Geld habe, doch irgendwoher muss das Geld für die Arbeitsgeräte der Universitäten herkommen. Immerhin will jeder Student sein Studium nicht mit Abakus verbringen. Auch die Lehrer müssen bezahlt werden und wie es überall ist wird gutes Personal dementsprechend bezahlt. Durch das Geld haben meiner Meinung nach die Lehrer auch einen Grund mehr sich mehr Mühe bei den Vorlesungen zu geben.
Weiteres kann sich in Österreich jeder 500€ pro Semester leisten und dazu kommt auch noch, dass Österreich unter den 10 reichsten Ländern vertreten ist, daher sollte dies kein Problem sein für uns Österreicher.
Durch die Abschaffung der Studiengebühren werden auch sicherlich die Dauer-Studenten mehr, die 10 Jahre lang am Campus gammeln und den Platz den echten Studenten weg nehmen. Die die sich so etwas nicht leisten können können in den Ferien oder Teilzeit jobben um sich so das Geld zu verdienen. Ausgerechnet wären 500 Euro im Semester ca 84 Euro. Man gibt durchschnittlich meist mehr Geld für Kleidung im Monat aus.
Weiteres kann man sich, wie angesprochen, auch ein Stipendium erarbeiten indem man gute Leistungen erbringt. Ein Stipendium sollte ja auch ein Anreiz dazu sein, sich richtig zu bemühen um sich später weniger um das Geld machen zu müssen.
Ja, Lehrer müssen bezahlt werden. Und wie funktioniert es bei Schulen? Die meisten Schulen sind öffentlich, da musst du auch nicht 500 Euro im Semester zahlen. Und dass sich jeder Österreicher 500 Euro pro Semester leisten kann, ist Blödsinn. Die 500 Euro kommen zu den anderen Ausgaben dazu! Wohnen, Essen, Freizeit kosten viel, Skripten kosten beispielsweise bei Wirtschaft im Semester sicher auch noch 300 Euro.
Wenn du Österreicher bist, solltest du auch wissen, dass es nicht um eine Abschaffung der Gebühren im Allgemeinen geht, sondern mit Ausnahmen: Studenten, die pro Abschnitt länger studieren als Mindestzeit + 2 Toleranzsemester, ZAHLEN auch nach dem neuen Gesetzesentwurf Studiengebühren, also das Argument mit Langzeitstudenten hinkt.
Du sagst selbst 84 Euro im Monat, man gibt mehr für Essen usw. aus...Eben, das sind fast 100 Euro, die zu wirklich notwendigen Ausgaben dazukommen, vielleicht hast du reiche Eltern, ich weiß es nicht, aber es gibt Studenten, die MÜSSEN 40 Stunden in der Woche arbeiten, um sich Leben + studieren zu finanzieren.
Und ein Leistungsstipendium sollte eine Belohnung für die erbrachten Leistungen sein, es sollte einen Anreiz darstellen. Ich finde, das Leistungsstipendium ist dafür da, sich selbst zu belohnen für etwas, das ich geleistet habe. Wenn ich mir mit dem Leistungsstipendium nur die Studiengebühren bezahlen kann, ist das auch nützlich, aber kein Motivator im eigentlichen Sinn!
instigator hat geschrieben:Durch die Abschaffung der Studiengebühren werden auch sicherlich die Dauer-Studenten mehr, die 10 Jahre lang am Campus gammeln und den Platz den echten Studenten weg nehmen. Die die sich soetwas nicht leisten können können in den Ferien oder Teilzeit jobben um sich so das Geld zu verdienen.
Das kann man meiner Meinung nach so oder so sehen. Ich habe in den Semesterferien immer gearbeitet um über die Runden zu kommen. Dabei hab ich aber auch "nur" für zwei meiner absolvierten acht Semester Studiengebühren zahlen müssen. Hätte ich dass Geld jedes Semester aufbringen müssen, so hätte ich mein Studium auf jeden Fall nicht in acht Semestern geschafft, weil ich noch nebenher hätte arbeiten müssen, wodurch ich weniger Kurse pro Semester geschafft hätte. Somit verlängert sich meiner Meinung nach das Studium auch bei einigen Studenten.
Sicher werden die "Alibistudenten" durch so etwas abgeschreckt. Aber das funktioniert auch nur bei denen, die weniger Geld haben. Wer reiche Eltern in der Hinterhand hat, den wird die anfallende Studiengebühr nicht wirklich abschrecken.
Ja, das stimmt leider auch wieder. Naja, ich bin trotzdem für eine Abschaffung, da die Gebühren nicht davon abhängen, wie viele Fachkräfte ein Land hat. Jemand der wirklich studieren will wird auch dafür arbeiten. Weiteres ist Volksschule und Gymnasium bzw. Hauptschule die Grundausbildung die jeder haben sollte und diese sollte auch nichts kosten, da sonst sich wirklich fast niemand eine Ausbildung leisten könnte und außerdem, wohin gehen all die Steuern? Sie werden in die Bawag investiert, Eurofighter werden gekauft und Politiker werden bestochen.
Wenn man von den Steuern weiter auch noch die Studien aller Schüler bezahlen müssten, wäre das ja eine zusätzlicher Kostenpunkt. Wie es aussieht werden die Studiengebühren eher abgeschafft als beibehalten was man in den letzten Tagen mitbekommen hat.
instigator hat geschrieben:Weiters ist Volksschule und Gymnasium bzw. Hauptschule die Grundausbildung die jeder haben sollte und diese sollte auch nichts kosten, da sonst sich wirklich fast niemand eine Ausbildung leisten könnte
Also vor ein paar Minuten hast du noch gesagt 500 Euro pro Semester kann sich doch jeder leisten!?
instigator hat geschrieben:Wie es aussieht werden die Studiengebühren eher abgeschafft als beibehalten was man in den letzten Tagen mitbekommen hat.
Naja, dann kann man euch Österreichern nur die Daumen drücken. Hier sieht es leider nicht so aus.
Ich bin übrigens auch für die Abschaffung von Studiengebühren, da das meiste Geld eh nicht den Studenten zugute kommt. Meine ehemalige Hochschule hat zwar versucht den Studenten ein wenig zurück zu geben, aber das waren von 500Euro gezahlten Studiengebühren gerade einmal 60Euro in Form von 20Euro Druckguthaben und für 40Euro konnte man sich Bücher in der Bibliothek bestellen und ein Semester lang nutzen, danach ging es in den Bestand der Bibliothek. Ach und pro Jahr durfte man einen kostenlosen Sprachkurs besuchen.
Ansonsten wurden ein paar neue Mitarbeiter eingestellt, aber selbst da bleibt von den 500Euro bei ein paar tausend Studenten noch einiges über. Was damit gemacht wurde? Keine Ahnung!
Ich komm auch aus Österreich. Mit den Studiengebühren ist es nicht so einfach:
Einerseits sind sie mit 90€ pro Monat für die meisten leistbar. Alle die sich diesen Betrag nicht leisten können, erhalten in der Regel Studienbeihilfe (kriegt man die, zahlt man gleichzeitig keine Studiengebühren). Damit sollten eigentlich auch keine Studenten aus ärmeren Schichten ausgeschlossen werden. Das größere Problem sind meiner Meinung nach die Lebenserhaltungskosten die während einem Studium anfallen. Dieser Kostenpunkt hält den Großteil der Studierenden aus ärmeren Einkommensschichten vom Studieren ab.
Fazit: die Studiengebühren sind mehr ein politisches Streitthema, als wirklicher Hinderungsgrund für ein Studium.
EDIT: Mir ist noch etwas eingefallen:
Man darf nicht vergessen, dass die Studiengebühren den Universitäten und deren Unabhängigkeit vom Ministerium zugutekommen. Soll heißen, mehr Eigenmittel aus Studiengebühren entspricht auch Unabhängigkeit vom Wohlwollen eines Ministers. Gerade in Zeiten mit sehr sehr vielen Studierenden in manchen Studien und der damit notwendig Ausweitung der universitären Ausbildungsplätze ist viel Geld vonnöten.
So, um diesen und den vorherigen Post zusammenzufassen: Die Studiengebühren sind schon mit vielen Vorurteilen behaftet, sie lassen eine rationale Diskussion nur mehr schwer zu. Auch unter scheinbar politisch Gleichgesinnten sind die Meinung sehr verschieden und ambivalent. Ich halte die Abschaffung eher für ein Wahlgeschenk und nicht sorgsam durchdacht.
Gerade heute ist in Deutschland eine Studie ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, die all diejenigen die schon immer gesagt haben, dass man durch Studiengebühren Studenten aus einkommensschwachen Schichten den Weg zum Studium verbaut.
Sicher betrifft dies niemanden, der seit Jahren ein ganz klares Ziel vor Augen hat und definitiv weiß, dass er dafür studieren muss. Aber gerade Abiturienten, die sich noch nicht sicher sind ob sie studieren sollen, weil sie sich über die Finanzierung Sorgen machen, schrecken die Gebühren total ab. In Deutschland fällt dass vielleicht noch nicht so stark auf, da man immer noch die Möglichkeit hat in ein Bundesland ohne Gebühren abzuwandern und diese Tendenz gibt es ja deutlich. So verzeichnen gerade ostdeutsche Universitäten wieder starke Zuwachsraten, weil fürs Studium weniger junge Leute in den Westen weg gehen und mehr aus benachbarten Bundesländern kommen. Aber zum Beispiel in meinem Studiengang haben die wenigsten davon vor auch nach dem Studium hier zu bleiben.
Sollte diese Möglichkeit genommen werden, würden sicher noch viel weniger Leute studieren gehen, denn 500 Euro müssen erstmal irgendwo herkommen.
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