Erfahrungen - Wenn Männer Kinder erziehen

vom 25.07.2008, 21:21 Uhr

Heutzutage ist es ja kein Tabu-Thema mehr darüber zu sprechen, wenn ein Mann die Kinder erzieht. Bis vor ein paar Jahren war dieses Thema jedoch nicht aktuell und wenn man als Mann dann bei den Kinder zu Hause geblieben ist wurde man oft belächelt oder sogar ausgelacht.

Ein ehemaliger Arbeitskollege ist damals für 3 Monate zu Hause geblieben und hat sich eine Babypause genommen, was er wichtig fand, denn somit bekam er von seiner Tochter auch als Säugling etwas mit. Aber man sieht auch ganz viele andere Väter und das nicht nur im Fernseher, die eben ständig mit ihren Kindern unterwegs sind, wo man eben davon ausgehen kann, das sie für die Erziehung (in erster Linie) verantwortlich sind.

Kennt ihr einen Mann der zu Hause ist oder seid ihr vielleicht selbst bei euren Kindern zu Hause? Warum habt ihr euch dafür entschieden?

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» Laufmasche » Beiträge: 7657 » Talkpoints: -21,15 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



In meinem Bekanntenkreis gibt es einen Mann, der bei beiden Kindern einen Teil des Erziehungsurlaubs übernommen hat. Der Grund für diese Entscheidung war, dass seine Frau die höhere berufliche Position und das bessere Einkommen hatte. Es wäre für seine Frau zu dem unmöglich gewesen, die vollen drei Jahre Auszeit zu nehmen, dann hätte sie den Anschluss in ihrem Beruf nicht mehr bekommen.

Beim ersten Kind wurde er von vielen belächelt, am schlimmsten von seiner eigenen Mutter, so traurig das auch ist. Aber er hat allen bewiesen, dass er das prima hinbekommt, auch wenn er sicherlich vieles anders gemacht hat, als wir Frauen. Aber anders heißt ja nicht, dass etwas schlechter ist, er war eben nur etwas unkonventioneller organisiert. Beim zweiten Kind war es dann schon normal, dass er Haushalt und Kindererziehung auch weiterhin übernimmt.

Er war es, der mit seinen Kindern in die Krabbelgruppe ging, auf den Spielplatz und sich mit Müttern und deren Kindern zum Kaffee verabredet hat. Er hat es sicher mit vielem schwerer gehabt, als wir Frauen, schon allein, weil er nicht der von der Umwelt erwarteten, klassischen Rollenverteilung entsprochen hat.

Inzwischen gehen die Kinder längst zur Schule und er selbst steht wieder im Berufsleben. Er hat keine Karriereleiter erklommen und arbeitet auch nur Teilzeit. Die hauptsächliche Kindererziehung, wie auch die Haushaltsführung liegt zum grössten Teil immer noch auf seinen Schultern, daran hat sich nichts geändert.

Das Schöne daran ist, sowohl er, als auch seine Frau sind zufrieden mit ihrer beruflichen und auch der familiären Situation, und glückliche, zufriedene Eltern können doch nur positiv für ihre Kinder sein.

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» Zwieback » Beiträge: 722 » Talkpoints: 20,00 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Auch wenn der neue Vater jetzt sehr propagiert wird, kenne ich in meinem persönlichen Umfeld doch in erster Linie Frauen, die ihre Kinder erziehen, leider auch einige alleinerziehende Mütter, die ganz ohne Partner ihre Kinder großziehen.

In der Kinderkrippe hingegen gibt es 2 Väter, die regelmäßig ihre Söhne abholen, da deren Partnerin in größerem Umfange berufstätig ist. Ich glaube schon, dass die normale Rollenverteilung noch sehr präsent ist, aber langsam beginnt dieses Bild nach und nach zu bröckeln.

Wenngleich ich nicht glaube, dass die Kindererziehung von Männern und Frauen einmal komplett im Verhältnis 50:50 sein wird, so denke ich doch, dass die Anzahl der Väter, die hauptsächlich die Kinder erziehen, in den nächsten Jahren noch stark ansteigen wird.

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» netti78 » Beiträge: 3218 » Talkpoints: 12,58 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Mein Mann und ich haben uns die Erziehung aufgeteilt. Wir haben 5 Kinder und waren damals in unterschiedlichen Lebenssituationen. Mein Mann machte eine Umschulung. Da ist klar, dass ich mich um meine Kinder gekümmert habe. Nach der Umschulung hat mein Mann keinen Job bekommen und ich bin wieder arbeiten gegangen. Ich habe mehr Geld verdient, und somit ist mein Mann zu Hause bei den Kindern geblieben.

Mein Mann hat sich hervorragend um die Kinder gekümmert, genauso, wie ich es gemacht hätte. Allerdings stand für uns beide fest, dass wir von Anfang an viele Kinder haben wollten. Da mein Mann aus einer Familie kommt, wo 5 Kinder da waren, kannte er sich mit diesem Thema gut aus. Außerdem hat er von Anfang an alles mitgemacht. Er hat die Babys gebadet, gewickelt und gefüttert. Er wollte teilhaben an seinen Kindern. Ich habe mir also keine Sorgen machen müssen, weil ich wusste, er kann gut mit seinen Kindern umgehen.

Heute zahlt sich das aus. Unsere Kinder sind groß und haben zu uns beiden ein hervorragendes Verhältnis. Ich glaube, dass das mit der Kindererziehung zusammenhängt.

» lorelei911 » Beiträge: 237 » Talkpoints: 0,25 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich bin selber Vater im Erziehungsurlaub, mein Sohn wurde noch 2006 geboren. Ganz freiwillig habe ich die Kindererziehung nicht übernommen, wir hatten vorher einen Familienbetrieb in dem meine Frau und Vater eingespannt waren.

Als meine Frau schwanger wurde, war das für alle noch eine tolle Nachricht, wir hätten zwar zwei Kräfte einstellen müssen um sie zu ersetzen (Angestellte wollen mal frei haben) aber daran sollte es nicht scheitern. Leider stellte sich heraus das mein Vater an Lungenkrebs erkrankt ist, wodurch ich dann mehr oder weniger zur Aufgabe des Betriebes gezwungen war. Mein Vater verstarb sechs Monate nach der Geburt unseres Sohnes ...

Da meine Frau relativ stell wieder eine Stelle gefunden hat, blieb mir nur die Kindererziehung. Und ich muss sagen es ist bisher die beste Zeit meines Lebens, auch wenn ich vielerorts noch belächelt werden (komischerweise hauptsächlich von Frauen - Männer sehen das irgendwie ganz anders).

Selbst die Erzieherinnen im Kindergarten stellen da keine Ausnahme dar. Würde dort kein ehemaliger Schulkamerad als Erzieher arbeiten, dürfte ich wohl bis heute nicht die Nachbarskinder abholen wenn deren Eltern mal wieder länger arbeiten. :lol:

In der Krabbelgruppe war ich mit meinem Kurzen genau einmal, denn so eine Arroganz, vor allem der älteren Mütter, gegenüber mir als jungen Vater habe ich noch nicht erlebt. Da verbringen wir lieber unsere Freizeit bei meiner Mutter und deren Nachbarn im gemeinschaftlichem genutztem Garten, denn dort werden wir nicht wie Exoten behandelt, sondern eher mal gefragt wie es denn so ist sein Kind zu erziehen.

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» Julix » Beiträge: 2577 » Talkpoints: -0,54 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich sieben Jahre alt war. Getrennt haben sie sich schon kurz vorher. Ich bin bei meinem Vater geblieben, der mich dann alleinerziehend aufgezogen hat.

Meine Mutter drückte sich oft vor Besuchen, eine lange Zeit sah ich sie kaum, und dann später auch nur einen oder zwei Tage im Monat. Aber irgendwie machte mir das nicht so viel aus, nach der ersten Trauer über die neue Situation, denn ich war wegen bestimmter Dinge damals sehr wütend auf sie und wollte sie daher gar nicht mehr sehen. Heute stehe ich ihr eher gleichgültig gegenüber, weder wütend, noch traurig. Traurig finde ich alleinig, wie man seine Kinder behandeln kann.

Ich bin der Meinung, dass ich bei meinem Vater aufwuchs, hat mir nicht geschadet. Es ist etwas komplizierter in manchen Situationen, wenn man selbst ein Mädchen ist, aber es sind lösbare Probleme. Bei uns hat es sehr gut geklappt.

Manchmal bekomme ich vorgeworfen, ich würde mich sehr unweiblich benehmen und sei zum Jungen erzogen worden, aber das finde ich schwachsinnig. Dass das auf die Erziehung durch meinen Vater bezogen wird, halte ich für eine blöde Ausrede. Erstens, ich war schon immer, schon, bevor meine Eltern sich trennten, "unmädchenhaft", zweitens, ich glaube gar nicht, dass es so unbedingt typisches Frauen- und typisches Männerverhalten gibt. Da ist jeder Mensch einfach anders.

Das Einzige, was wirklich nervte, waren all die blöden Vorurteile, die man so zu hören bekommt, wenn man bei dem Vater aufwächst und ohne Mutter. Da gibt es immer sofort Anschuldigungen, dass man sich gar nicht "normal" entwickeln könnte, dass man ja quasi männlich und lesbisch werden müsse (als sei beides zwingend miteinander verknüpft, was auch schon nicht stimmt), und so weiter. Das war ätzend und ich kann mir vorstellen, dass darunter einige Kinder, die bei ihrem Vater aufwachsen, auch leiden. Wenn die dummen Vorurteile nicht wären, könnte man es ihnen viel leichter machen!

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man hier so eine seltsame Kausalkette konstruieren kann. Nur, weil ein Vater keinen Erziehungsurlaub nimmt oder keine Elternzeit, wenn das Kind da ist, ist die Erziehungssache Aufgabe der Frau? Ich kenne einige Väter, die zwar keinen Erziehungsurlaub genommen haben oder keine Elternzeit, weil das damals nicht üblich war, und die dennoch den größten Teil der Erziehung der Kinder übernommen und dort das letzte Wort hatten. Mir erschließt sich nicht, wie man auf so eine merkwürdige Kausalkette kommen kann und halte das für ziemlich kurzsichtig gedacht.

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» Täubchen » Beiträge: 33057 » Talkpoints: -0,08 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Mein Mann war beim ersten Kind ein Jahr zu Hause und hat auch von zu Hause aus gearbeitet. Beim zweiten Kind war er in einem Schichtbetrieb tätig und da ging das natürlich nicht so. Er hatte dementsprechend nur ein paar Wochen frei. Natürlich fand ich es schöner, als mein Mann ganz zu Hause war, aber das ist nun mal nicht immer möglich und beim zweiten Kind wollte ich das auch nicht, da wir ja nicht beide auf unser Gehalt verzichten konnten und wollten. Ich finde aber auch nicht, dass das wirklich etwas über die Qualität eines Vaters aussagt.

Mein Mann arbeitet in Schichten und könnte sich sicherlich auch einfach nach der Arbeit hinsetzen und seinen Feierabend genießen, aber tatsächlich genießt er die Zeit mit den Kindern sehr und spielt dann mit ihnen, geht auch mal alleine mit beiden auf den Spielplatz, damit ich etwas im Haushalt machen kann oder auch mal ein bisschen meine Ruhe habe. Er ist ein toller Vater und das trotz harter Arbeit. Ob ein Mann ein guter Vater ist oder nicht hat nichts mit der Arbeit, sondern nur mit der eigenen Einstellung zu tun. Man macht die Kinder ja auch nicht umsonst und wenn das beide wirklich wollen, dann sollten auch beide in der Lage sein die Kinder zu erziehen.

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» Ramones » Beiträge: 39985 » Talkpoints: 0,05 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


Vorab sollte einmal gesagt werden das es nicht gesagt sein muss das die Männer die du siehst die „ständig“ mit ihren Kindern unterwegs sind zwangsläufig diejenige sind die in erster Linie für die Erziehung zuständig sind. Es gibt viele Männer die oft mit ihren Kindern unterwegs sind, zum Beispiel wenn die Frauen in der Arbeit sind, aber trotzdem nicht der Elternteil sind der die meiste Zeit zu Hause ist und somit den größten Teil der Erziehungsarbeit übernimmt.

Ich habe zwei Männer in meinem Freundeskreis die bei den Kindern zu Hause sind weil die Frauen Vollzeit arbeiten gehen. Ich begrüße das sehr, heißt es doch das es auch Familien gibt in denen die Frau ausnahmsweise mehr verdient als der Mann. Ich persönlich habe mit zwei Jahre Elternzeit genommen und bin dann wieder Teilzeit arbeiten gegangen. Mein Mann hat sich die obligatorischen zwei Monate Elternzeit genommen und war damit sehr zufrieden. Ich finde es wichtig, gerade am Anfang, das auch die Männer lernen mit dieser neuen Situation bzw. dem neuen Familienleben zurecht zu kommen.

» Anijenije » Beiträge: 2637 » Talkpoints: 28,57 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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