Abnehmen weil man kein Geld für neue Kleidung hat?
Ich habe ja schon viele Argumente für eine Diät gehört. Das häufigste war bisher immer, die Figur und an zweiter Stelle stand die Gesundheit. Von einer Kommilitonin musste ich mir letztens aber tatsächlich anhören, dass diese sich für eine Diät entschieden hat, weil sie ansonsten nicht mehr in ihre Winterbekleidung passen würde und eine neue könnte sie sich nicht leisten. Während der letzten Klausurenphase hat sie stressbedingt ganze 10 Kilogramm zugelegt, über das Jahr gerechnet. Das ist schon eine Menge und da muss man schon damit rechnen, dass man ein oder zwei Nummern größer tragen muss.
Sie hatte jetzt über den Sommer und Herbst das Glück, dass sie noch einige Kleidungsstücke ihrer Mutter hatte, die eine Nummer größer trägt. Jetzt für den Winter aber muss sie langsam die Sachen tragen, die sie auch letzten Winter hatte und die werden ihr dann sicherlich nicht mehr passen. Deswegen hat sie sich kurzum zu einer Diät entschieden. Mit Bafög kommt sie gerade so über die Runden und für eine komplett neue Garnitur reicht das Geld da nicht. Neben ein oder zwei Mänteln müsste sie sich dann auch neue Schuhe kaufen, weil sie ausschließlich Stiefel besitzt, die ihr um die Waden aktuell zu eng sind.
Ich habe bisher noch nie so ein albernes Argument für das Abnehmen gehört, aber verwerflich finde ich es nicht unbedingt. Wäre ich sie, würde ich an erster Stelle wohl eher das Thema Gesundheit und Wohlbefinden stellen und mich als Nebeneffekt darüber freuen, dass ich wieder in meine Kleidung passe. Es an erster Stelle zu sehen zeigt ja doch ein wenig, dass einem die anderen Aspekte nicht so wichtig sind. Aber Hauptsache der Speck kommt jetzt auch wieder runter. Da kenne ich auch ganz andere Menschen, die trotz Gewichtszunahme nichts machen und sich teilweise auch noch in ihre alten Sachen quetschen. Wäre dies für euch ein berechtiger Grund für eine Gewichtsabnahme? Wäre es für euch Motivation genug?
Warum sollte es kein berechtigter Grund für eine Diät sein, wenn jemand wieder in ihre alten Sachen passen will? Sie passt nicht mehr in ihre Sachen, sie hat kein Geld für neue Sachen und sie weiß, wie sie das Problem lösen kann.
Für mich ist das ein völlig nachvollziehbarer Grund, oder wie würdest du an ihrer Stelle handeln? Lieber Sachen tragen, die nicht mehr richtig passen und entsprechend dumm an dir aussehen oder total unbequem sind? Die Motivation ist doch wahrscheinlich auch größer als wenn man irgendein abstraktes Ziel hat.
Ich frage mich auch gerade welcher Grund für sie an erster Stelle stehen sollte. Oder was würdest du denn in ihrer Situation machen? Die alten Sachen verkaufen und dann versuchen so billig wie möglich neue Kleidung und Schuhe bekommen? Diese Rechnung wird nicht aufgehen, da dann das Geld wieder nicht reichen würde. In dem Moment geht es einfach nur darum, dass sie in die vorhandenen Sachen wieder rein passen will und das ohne, dass es nach Presswurst aussieht.
Das sich das auch positiv auf die Gesundheit auswirken kann, ist dabei eben der nette Nebeneffekt. Aber am Ende ist es doch ziemlich egal, welcher Grund nun wirklich der wichtigste ist. Sie hat ein Ziel und es ist löblich, dass sie überhaupt gegen diese Gewichtszunahme ankämpfen will.
Wintersachen sind meistens sehr teuer und gerade dann, wenn man eine neue Jacke und neue Stiefel braucht, kommt man ganz schnell auf einen dreistelligen Betrag. Und wenn dann auch noch Hosen dazu kommen, dann kostet das auf jeden Fall einiges. In Oberteile, die einem zu eng sind, kann man meistens noch irgendwie rein kommen und viele Oberteile sind ja allgemein schon etwas weiter geschnitten, so dass es nicht schlimm ist, wenn man zunimmt. Bei Hosen bekommt man jedoch irgendwann einfach nicht mehr den Knopf zu und da braucht man dann eine neue Hose, da man einfach nicht in die alten Hosen reinkommt.
Bevor ich mir für hunderte von Euro an der Stelle deiner Freundin neue Sachen kaufen würde, würde ich auch erst daran denken, abzunehmen. Gerade dann, wenn die Wintersachen vom Vorjahr noch relativ neu sind und gut aussehen, lohnt es sich sehr, für das Ziel zu kämpfen. Und man kann wirklich jede Menge Geld damit sparen. Immerhin spart man sich damit nicht nur die Kosten für neue Kleidung, sondern wahrscheinlich auch noch die Kosten für Süßigkeiten und Snacks für zwischendurch.
Ich finde, dass das sogar eine richtig gute Motivation ist, um abzunehmen und ich kann mir gut vorstellen, dass das klappen wird. Nimmt man sich nämlich nur als Ziel vor, eine bessere Figur zu haben, dann ist das Ziel meistens so schwammig, dass man doch wieder vom Weg abkommt. So hat deine Freundin jedoch ein ganz klares Ziel vor Augen und kann auch immer wieder selbst überprüfen, wie weit ihr Fortschritt ist. Von daher ist das sehr sinnvoll und es gibt eben auch viele Vorteile dadurch.
Warum soll denn überhaupt verwerflich sein abzunehmen? Welcher Grund ist denn nach deiner Argumentation nicht verwerflich, wenn es nicht um die Gesundheit geht, Crispin?
Du akzeptiert, dass viele Menschen wegen der Figur abnehmen. Aber die Figur ist bei keinem sonderlich großen Übergewicht doch ein vergleichsweise lächerlicher Grund, der sich rein auf die Außenwirkung und das subjektive Wohlbefinden bezieht. Warum soll das Deiner Meinung nach legitimer sein als eine Gewichtsabnahme wegen der Kleidung?
Wenn jemand abnimmt, um wieder in seiner Kleider zu passen, dann spielen dort doch deutlich mehr Faktoren eine Rolle als nur optische und subjektive. Da zählen dann auch rein praktische Dinge, wie nicht frieren zu müssen oder Krank zu werden, weil die Jacke nicht zu geht. Auch verhindert deine Freundin so, dass sie Geld ausgibt, dass sie eigentlich nicht hat.
Ich finde es etwas befremdlich, die Gründe einer Diät in verwerflich und weniger verwerflich zu sortieren. Aber wenn es um Verwerflichkeit geht, dann steht eine Gewichtsabnahme wegen der Kleider doch ungefähr auf einer Stufe mit dem Thema Gesundheit. Die Figur als Grund wäre dann im Vergleich oberflächlich und eitel und damit schon eher "verwerflich". Diesen Grund erkennst du aber als selbstverständlich an.
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