Inhalt und Vorteile bei der Pflegestufe 0

vom 02.10.2014, 13:13 Uhr

Familie A hat ein behindertes Kind. Die Kleine ist geistig behindert. Eine Bekannte, die aus dem Pflegebereich kommt, meinte zu Familie A, dass sie aber für das Kind eventuell die Pflegestufe 0 bekommen könnte. Was diese beinhaltet und welche Vorteile man davon hat, konnte sie aber nicht genau sagen. Sie hat es wohl selber nur mal am Rande mitbekommen, dass pflegebedürftige Menschen, die nicht ständig Mehrbetreuung brauchen eine Pflegestufe 0 bekommen können.

Auch im Zusammenhang mit einer älteren Frau aus der Nachbarschaft fiel diese Pflegestufe 0. Ich dachte immer, dass 0 auch gleich nichts ist. Wozu also eine Pflegestufe 0? Was beinhaltet sie und welche Vorteile hat man, wenn man diese genehmigt bekommt?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Die Pflegestufe 0 ist eine ganz normale Pflegestufe. Das heißt man bekommt genauso Geld, wie bei den anderen Pflegestufen, nur eben weniger und der Pflegeaufwand ist nicht so hoch. Die Pflegestufen werden bei Mehraufwand mehr, das heißt, wenn man viel machen muss mit der Person bekommt man einen höhere Pflegestufe. Dies sollte man aber vorher schriftlich festhalten. Die Pflegestufe wird nach Bedarf festgelegt. Nachteile hat es keine, immerhin ist mit einer Behinderung ja auch Arbeit verbunden und man muss auch Geld ausgeben, was so eben ein bisschen ausgeglichen wird.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Mein Freund sitzt im Rollstuhl und hatte Pflegestufe 0, solange er allein wohnte. Da seine Wohnung nämlich nicht behindertengerecht ist, konnte er vieles einfach nicht. Das hieß dann im Beamtendeutsch "mangelnde Alltagstauglichkeit". Dort wurde ihm dann zweimal die Woche eine Haushaltshilfe genehmigt, insgesamt 3,5 Stunden in der Woche. In dieser Zeit sollte sie dann unter anderem Einkäufe erledigen, die Wohnung total sauber machen etc. 15 Minuten waren dabei alleine wegen der Allergien für den Einkauf genehmigt worden.

Seit ich aber zu meinem Freund gezogen bin, ist dies alles gestrichen worden, weil ich es mit zu machen habe. Deshalb vermute ich mal, bei dem Kind von Familie A wird auch nichts genehmigt werden, denn man bekommt dort auch nicht als Pflegeperson irgendwelche Zeiten angerechnet etc. Allerdings würde ich je nachdem, wie schwer die Kleine behindert ist, mich nochmal um eine höhere Pflegestufe kümmern, damit z.B. die Mutter (oder wer es gerade pflegt) mehr Zeiten für die Rente angerechnet bekommt, und evtl. auch Geld fließt für Umbaumaßnahmen etc.

Die Pflegeversicherungen speisen einen gerade bei behinderten Kindern nämlich gerne damit ab, dass man ja auch ein "normales" Kind wickeln, pflegen etc. müsste und beachten einfach nicht, dass es bei einem behinderten Kind manchmal ein erheblicher Mehraufwand ist. Außerdem werden die Anträge erst einmal pauschal alle abgelehnt, weil das den Pflegeversicherungen viel Geld erspart, weil nur ein kleiner Prozentsatz der Antragsteller Widerspruch einlegt und den schweren Weg durch die Instanzen geht. Eventuell sollte man dort auch einen Fachanwalt für Sozialrecht einschalten.

» SonjaB » Beiträge: 2710 » Talkpoints: 6,28 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ramones hat geschrieben:Die Pflegestufe 0 ist eine ganz normale Pflegestufe. Das heißt man bekommt genauso Geld, wie bei den anderen Pflegestufen, nur eben weniger und der Pflegeaufwand ist nicht so hoch.

Dies stimmt nicht. Man bekommt kein Geld, es werden nur einzelne Tätigkeiten übernommen. Dann wird eine Hilfsperson bezahlt, die diese Tätigkeiten übernimmt. Eine Barauszahlung ist nicht möglich.

» SonjaB » Beiträge: 2710 » Talkpoints: 6,28 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Es gibt doch aber bei jeder Pflegestufe die Möglichkeit es selber zu machen, dann die Sache auch von zu Hause aus zu machen oder eben professionelles Personal zu bezahlen beziehungsweise es in einem Pflegeheim machen zu lassen. Man bekommt also schon als Betreuer auch Geld für die Pflege. Zumindest bei den höheren Pflegestufen ist das ja so.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ramones hat geschrieben:Es gibt doch aber bei jeder Pflegestufe die Möglichkeit es selber zu machen, dann die Sache auch von zu Hause aus zu machen oder eben professionelles Personal zu bezahlen beziehungsweise es in einem Pflegeheim machen zu lassen. Man bekommt also schon als Betreuer auch Geld für die Pflege. Zumindest bei den höheren Pflegestufen ist das ja so.

Das ist nur bei den höheren Pflegestufen so. Bei Pflegestufe 0 gibt es diese Möglichkeit nicht. Denn hätte man die Möglichkeit, es auch zu Hause zu machen, dann bräuchte man ja die Pflegestufe 0 nicht. Dort wird auch nur ein bestimmter Satz für die Pflegekraft bezahlt. Man kann also nicht einmal frei wählen, welches Unternehmen man beauftragt.

Mein Freund hätte gerne das Geld bekommen und jemanden selbst beauftragt für den Haushalt. Da hätte es ja kein Pflegedienst sein müssen. Vor allem war der Pflegedienst mit den Haushaltsdiensten völlig überfordert. Zum einen hat die Pflegedienstleiterin die Termine nie auf die Reihe bekommen. Er bekam am Abend vorher oft noch mal die Nachricht, dass die Person zu einer völlig anderen Zeit kommt. Und des Öfteren kam sie auch einfach mal gar nicht.

Und dann waren die Personen oft genug nicht mal in der Lage, Teller abzuwaschen. Eine habe ich dann tatsächlich aus der Wohnung geschmissen, weil die nicht zum ersten Mal absolut unfreundlich war, meinen Freund in dessen Abwesenheit beleidigte und dann auch mich. Hätte es die Möglichkeit mit der Barauszahlung gegeben, hätte er es also wirklich gerne genutzt. Und sobald eben jemand aus dem privaten Umfeld die Arbeiten übernehmen kann, fällt die Leistung ganz weg. Er behält die Pflegestufe 0 also auch nicht.

» SonjaB » Beiträge: 2710 » Talkpoints: 6,28 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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