Ärzte an Wohl der Patienten nicht interessiert
Ich weiß nicht genau, wie es in Deutschland geregelt ist, aber hier im Vereinigten Königreich ist es so, dass man generell nur über das Telefon behandelt wird. Nur wenn der Arzt es für unabdingbar ansieht, bekommt man einen Termin, auf welchen man in der Regel Wochen wartet, in der Arztpraxis. Die gilt insbesondere für Hausärzte, bei speziellen Ärzten hat man nur mit monatelangen Wartelisten zu kämpfen. Nun war es so, dass ich am letzten Wochenende von schlimmer Übelkeit befallen wurde. Da ich im zweiten Monat schwanger bin hab ich mir nicht viel dabei gedacht und wie gehabt viel getrunken und versucht kleine Portionen zu essen. Am nächsten Morgen hat sich dann allerdings auch unser Kleiner erbrochen so das ich davon ausging, dass uns ein Virus erwischt hat. Mein Partner folgte dann am Montag.
Am Montagmorgen habe ich also gleich in unserer lokalen Klinik angerufen und um einen möglichst schnellen Rückruf gebeten. Die Empfangsdame war gewohnt unhöflich und blökte mich an, die Klinik sei überfüllt und vor dem Nachmittag kann sich kein Arzt in Verbindung setzen. Komischerweise bin ich alle zwei Wochen in der Klinik um die Medizin für unseren Kleinen nachzubestellen und sehe nie mehr als 2 Leute sitzen und warten. Gut, was soll man machen. Wir warteten also. Gegen 14 Uhr rief dann endlich eine Ärztin an. Nachdem ich ihr alle Symptome beschrieben hatte und sie auch informierte, dass ich schwanger bin, teile sie mir mit, dass sie überhaupt nichts machen könne. Wir sollen ein paar Tage warten. Wenn es nicht besser wird, noch einmal anrufen und sie würde uns an ein Krankenhaus überweisen, um sicherzustellen das wir nicht dehydrieren.
Meinem Partner und mir ging es nach ein paar Tagen wieder besser und wir wussten natürlich, dass es notwendig ist, zu essen und zu trinken, selbst wenn man es nicht innen behalten kann. Aber wie erklärt man dies einem 9-monatigen Baby?? Er hatte sich nur am Wochenende erbrochen, aber schlimmen Durchfall hatte er bis Donnerstag. Und auch heute, fast eine Woche später hat er Probleme seine Milch zu trinken. Er verweigert täglich eine Milchmahlzeit. Selbst wenn ich versuche es ihn in kleinen Portionen zu geben nimmt er es nicht an. Glücklicherweise isst er zumindest seine feste Nahrung beziehungsweise Fruchtbreie und trinkt Flüssigkeit.
Da fragt man sich doch, was der Sinn und Zweck von Ärzten ist. Sie wollen einem einfach nicht helfen. Sie warten lieber, bis man so krank wird, dass man ins Krankenhaus muss. Wir haben auf der offiziellen Seite des Krankenhauses uns informiert. Es gibt sehr wohl Medikamente, welche bei Übelkeit verabreicht werden können, selbst für schwangere Frauen gibt es Tabletten. Wieso wird einen Dies also verweigert?
Kennt ihr solche Probleme? Habt ihr das Gefühl, dass sich eure Ärzte mehr für ihren Gehaltsscheck als für eure Gesundheit interessieren, oder seid ihr zufrieden mit deren Behandlungen? Liegt es gar am schottischen Gesundheitssystem, welches ja für jeden zur freien Verfügung steht? Selbst wenn man nicht aus dem Vereinigten Königreich kommt oder lebt. Was haltet ihr davon?
Also ich rufe beim Hausarzt höchstens an, wenn wissen will, ob überhaupt Sprechstunde ist oder für eine einfache Kontrolle einen Termin benötige. Bei allen anderen Problemen gehe ich direkt in die Praxis und warte halt bis ich dran bin. Da wir hier im Stadtteil nur zwei Allgemeinmediziner haben, ist es halt entsprechend voll, aber das weiß ich eben vorher, dass ich locker zwei Stunden Wartezeit einplanen muss.
Sollten wir einen Termin beim Facharzt benötigen, so mache ich den in aller Regel telefonisch aus. Wobei sich die Terminvergabe danach richtet, wie dringend das Problem ist. Ist es nichts, was in die Rubrik akut oder Notfall passt, dann habe ich bei den meisten Fachärzten hier etwa vier Wochen zwischen Anruf und dem Termin. Bei akuten Problemen haben hier die Fachärzte bestimmte Zeiten in ihren Sprechstunden, wo sie gar nicht erst Termine vergeben und damit eben unbestellte Patienten dran nehmen können.
Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Ärzte, bei denen ich bin. Wenn ich etwas habe rufe ich vorher noch mal kurz an oder gehe direkt hin und muss dann auch nicht lange warten, wenn ich etwas akutes habe. Gerade bei so Durchfallsachen bietet mein Arzt auch an, dass er zu einem kommt, weil man dann ja auch nicht unbedingt gerne in die Praxis geht.
Bei dir liest es sich, als würdest du einen sehr hohen Verdienst bei Ärzten erwarten und das sie nichts dafür tun müssen. Ich kann nur von deutschen Ärzten sprechen, aber diese schieben Überstunden, die sich teilweise nicht mal aufschreiben dürfen, wenn sie eine Praxis haben müssen sie sich genau überlegen wie viele Patienten sie behandeln können ohne im Minus zu laufen, ein leichter und angenehmer Beruf ist das nicht. Notfälle müssen zumindest in Deutschland auch immer behandelt werden.
xZombieKitten hat geschrieben:Kennt ihr solche Probleme? Habt ihr das Gefühl, dass sich eure Ärzte mehr für ihren Gehaltsscheck als für eure Gesundheit interessieren, oder seid ihr zufrieden mit deren Behandlungen??
Ich habe ehrlich gesagt schon beides erlebt. Ich hatte mal einen Sportunfall in der Schule und hatte mir beim Volleyball eine Vene gerissen, weil ich zu hart gebaggert hatte und die Bälle nicht gerade weich sind. Das Handgelenk ist blau angelaufen und ziemlich dick angeschwollen, sodass ich es kaum bewegen konnte. Zu dem damaligen Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht was los war und bin dann eben zum Arzt gefahren, damit das mal durchgecheckt wird.
Der diensthabende Arzt in der Notaufnahme war aber alles andere als begeistert und hat mich sehr grob angeschnauzt, warum ich ihn mit so einer "Bagatelle" es wage zu "belästigen". Er hat sich das ganze nicht mal genau angesehen und seinen Sklaven geschickt, der das ganze verbinden sollte und fertig. Ich kam mir vor wie abgestempelt und weitergeschickt. Ich weiß gar nicht, warum der sich so aufgeregt hat. Schließlich wird er doch dafür bezahlt, Menschen zu helfen.
Leider war das an einem Mittwoch Nachmittag und da hatte meine damalige Hausärztin grundsätzlich keine Öffnungszeiten. Ich bin am nächsten Tag nochmal zu ihr hin und sie hat dann nochmal überprüft, ob auch nichts gebrochen, verstaucht oder sonst irgendwie beschädigt ist. Sie hat mir dann auch eine Salbe verschrieben und mir gesagt, wann ich zum Verbandswechsel wieder kommen soll.
Ich kann mir nur vorstellen, dass die beschriebene Situation am schottischen Gesundheitssystem liegt, denn aus Deutschland bin ich in dieser Hinsicht doch ganz anderes gewöhnt. Hier ist es eigentlich immer so, dass ich in dringenden Fällen bei meinem Hausarzt noch für den gleichen Tag einen Termin bekomme und als ich mit Magen-Darm-Problemen kämpfte, hat er mich sehr schnell dran genommen, damit ich auch schnell Hilfe in Form von Medikamenten bekommen konnte. Ich muss auch sagen, dass ich es allgemein bedenklich finde, wenn eine Beratung und Behandlung nur über das Telefon erfolgt.
Ich finde es wichtig, dass man bei Beschwerden auch mal bei dem Arzt vorstellig werden kann, damit dieser die Sache beurteilen kann. Über das Telefon ist das doch gar nicht richtig möglich. Vor allem dann, wenn ein kleines Kind krank ist, dann finde ich es wichtig, schnell Hilfe zu bekommen. Es gibt Medikamente gegen Übelkeit, sind die denn bei euch verschreibungspflichtig? Wenn das so ist, wie bekommt ihr eigentlich Rezepte, wenn die Diagnosestellung und Beratung hauptsächlich am Telefon abläuft? Werden diese euch zugeschickt? Dann dauert es ja noch mal eine Zeit, bis man die Rezepte einlösen kann.
Wenn die Medikamente nicht verschreibungspflichtig sind, hat der Arzt denn am Telefon nicht wenigstens darauf hingewiesen, dass ihr euch bestimmte Medikamente in der Apotheke kaufen könnt? Natürlich kann es auch sein, dass man die Krankheit auch ohne Medikamente meistert, aber mit ihnen ist es doch einfacher. Darum sehe ich diese Einstellung eurer Ärzte als ziemlich bedenklich an, wenn es wirklich in ganz Schottland so ist.
Leider kenne ich mich mit dem britischem/ schottischem Gesundheitssystem nicht aus. Aber laut Deiner eigenen Aussage, dass man eher telefonisch und nicht persönlich behandelt wird, finde ich es schwierig, Deinen persönlichen Fall zu beurteilen. Und genauso wenig kann ich beurteilen, ob alle schottischen/ britischen Ärzte wirklich ein Desinteresse am Wohl der Patienten haben.
Ich habe aber hier in Deutschland so einen Fall noch nicht bei mir erlebt. Zwar habe ich schon andere Erlebnisse in Bezug auf Ärzte gehabt, aber es ging dann eher um andere Dinge. So war es mal der Fall, dass ich aufgrund einer Abrechnung erst später einen Termin kriegen konnte, obwohl es schon akut war. Man hatte mir dann frei gestellt, mich anderweitig zu bemühen, aber nun ja, diese Praxis sieht nun einmal lieber eigenen Bedürfnissen nach, als sich der Gesundheit des Patienten zu widmen.
Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, wie ich in Deinem Fall gehandelt hätte. Es war ja nicht nur ein Familienmitglied betroffen, sondern bei Euch eben alle Familienmitglieder, die mit Übelkeit und Erbrechen zu tun hatten, unter anderem Du als Schwangere und dazu noch ein Kleinkind. Ich denke, da hätte das lokale Krankenhaus wirklich anders handeln müssen. Zudem ist es über das Telefon ja doch noch unpersönlich und eher anonym, als es eben wäre, wenn man in der Klinik beziehungsweise bei den medizinischen Personal bekannt wäre.
Könnte es nicht sein, dass die Ärztin über die Zulassung nicht Bescheid wusste? Es ist doch besser so, das hätte sie Dir etwas anderes gegeben, was für Dich gesundheitsgefährend gewesen wäre. Sicherlich wäre es die Aufgabe der Ärztin gewesen, sich zu informieren. Vielleicht hatte sie einfach nur einen schlechten Tag gehabt oder so, ich würde versuchen, nicht da allzu viel hinein zu interpretieren, auch, wenn Du Dich berechtigterweise vollkommen nicht richtig behandelt fühlst.
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