Welches Gefühl vermittelt dir als Sklave deine Zigarette?

vom 31.05.2014, 14:14 Uhr

Seid ihr ein Teil einer ungeliebten Minderheit? Ihr müsst in die Kälte, wenn es regnet oder schneit mit eurer Zigarette; Mit eurer Zigarette dürft ihr nicht auf Bahnsteigen bei allen Reisenden stehen; Ihr verplempert viel Zeit zum Rauchen täglich; Ihr könnt nicht mehr richtig riechen und der Geschmack lässt nach; Ihr bekommt schwerer Luft und das Schlimmste ist die Aussage eures Kindes: „Du stinkst!“

Warum lügt ihr, wenn ihr sagt: „Ich rauche gern!“? Das ist es nicht, aber ihr gebt es nicht zu, dass ihr nicht aufhören könnt. Oder raucht ihr wirklich gerne? Dann sagt mir bitte, warum ihr das tut? Aber ehrlich bleiben, weil andere es auch wissen wollen. Auch Barack Obama hat es geschafft, das Rauchen aufzugeben, warum du nicht?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich rauche nicht so viel, dass ich in den Regen oder die Kälte müsste. Ich stehe gerne abseits und nicht in der drängenden Masse auf Bahnsteigen. Ich verplemper ein bisschen Zeit, aber das ist auch Zeit, in der ich mir Zeit nehme und mal ausruhe. Geschmacksminderung oder Verlust des Riechvermögens konnte ich noch nicht feststellen. Dass ich keine Marathons laufen kann, schiebe ich eher auf meine totale Unsportlichkeit und ich habe keine Kinder, die mir sagen, dass ich stinke.

Ich rauche wirklich gerne. Ich kann dir aber leider nicht sagen, warum. Ich habe gerade drei Jahre hinter mir, in denen ich nur im Beisein von Freunden, in geselligen Runden geraucht habe. Niemals im Alltag. Seit knapp zwei Monaten rauche ich wieder täglich. Und obwohl ich weiß, dass ich aufhören könnte. Dass ich nach drei Tagen keinen Gedanken mehr an Zigaretten verwenden würde. Dass es teuer ist und gesundheitsschädlich. Ich will im Moment nicht aufhören. Vielleicht morgen, vielleicht nächste Woche. Aber im Moment rauche ich gerne.

Es tut mir leid, dass ich es nicht erklären kann. Es ist einfach entspannend, sich die paar Minuten Zeit zu nehmen und nichts anderes zu tun. Es ist eine Belohnung, nachdem man zwei Stunden lang das Haus geputzt hat. (So vor etwa einer Stunde geschehen.) Natürlich gibt es diese leise Stimme über die Kosten und die Gesundheit. Aber alles hat zwei Seiten. Wenn man Schokolade nascht, gibt es die Stimme über die Kalorien. Wenn man im Regen spazieren geht, gibt es die Stimme über die mögliche Erkältung. Aber es hat eben auch gute Seiten, die man genießt.

Ein Nichtraucher wird das wohl nie verstehen. Muss er auch nicht. Ich verstehe auch so einiges nicht, was andere Leute tun. Fußball gucken, schnell Auto fahren, Muscheln essen, Fallschirm springen. Sachen, die ich als Zeitverschwendung ansehe, unnötig, eklig oder beängstigend finde.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ein Sklave ist ein Mensch, der das Eigentum eines anderen Menschen ist. Einen Raucher als Sklaven zu bezeichnen ist selbst für einen radikalen Nichtraucher daneben.

Ja, Rauchen macht süchtig, das wissen wir alle. Bedeutet das, dass man deshalb nicht gerne rauchen kann? Natürlich nicht. Verschwendet man Zeit beim Rauchen? Ja, und es gibt viele andere Dinge, mit denen man ebenfalls Zeit verschwendet und die du wahrscheinlich nur deshalb nicht als Zeitverschwendung empfindest, weil du sie gerne machst.

Es wird dich vielleicht erstaunen, aber ich habe nicht mehr Zeit seit, ich nicht mehr rauche. Früher habe ich mir zehn Minuten Zeit genommen um in Ruhe eine zu rauchen, heute trinke ich vielleicht einen Kaffee oder halte ein Schwätzchen mit den Kollegen, die ebenfalls nicht zum Rauchen raus gegangen sind. Und mehr Geld habe ich übrigens auch nicht, wenn man weiß, dass man an der Kasse nicht noch zwei Schachteln Zigaretten mitnehmen wird, kauft man im Geschäft gerne mal mehr.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Man kann, meiner Meinung nach, nicht von Sklaverei sprechen, wenn man vom Rauchen redet. natürlich ist es eine schädliche und unnötige Angewohnheit zu rauchen. Auch geht sie ins Geld. Aber vielleicht gibt man dann, wenn man nicht raucht, für andere Dinge z.B. Süßigkeiten, mehr Geld aus.

Ich genieße am Morgen, meine Zigarette zum Kaffee. Ich empfinde das als entspannend, so wie andere Menschen vielleicht Zeitung lesen dabei. Ich denke, jeder hat eine Angewohnheit, die vielleicht nicht unbedingt sein muss. Natürlich riecht es auch nicht gut, aber im Grunde genommen wird seit Jahrzehnten geraucht und kaum jemand störte sich daran.

Ich frage mich warum auf einmal so ein Theater darum gemacht wird. Schließlich ist Kaffee auch ungesund und macht gelbe Zähne.

» scorpion24 » Beiträge: 207 » Talkpoints: 4,32 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Genau das ist es, was ich meine: „Ich rauche wirklich gern.“ Du sagst es, weißt aber nicht, warum du es sagst. In geselliger Runde wird man dazu animiert, ebenfalls zu rauchen und im Grunde ist man dankbar dafür, weil es eine Alibifunktion hat. Du glaubst aufhören zu können, willst aber nicht. Belügst du dich da nicht selbst?

Wenn du fleißig warst, das Haus geputzt und aufgeräumt hast, kommt niemand, der dir sagt, wie toll du das gemacht hast. Also belohnst du dich selbst, indem du dich beim Rauchen einer Zigarette entspannst. Doch, ich als Nichtraucher, verstehe das sehr gut, weil es mir nicht anders geht. Statt der Zigarette ist es bei mir das Süße, die Schokolade. Nur werde ich gleich maßlos, weil ich nicht nur ein Stückchen Schokolade esse, sondern gleich die ganze Tafel. Natürlich kann ich es auch lassen. Nur darf dann nichts im Hause sein, das an Schokolade oder Ähnliches erinnert. Deshalb kaufe ich keine mehr.

Für mich ist jeder ein Sklave seiner Neigungen und Gelüste. Oder sollte ich besser Abhängiger sagen? Es geht keinesfalls darum, eine Zigarette am Morgen zum Kaffee zu genießen. Davon wird man nicht krank (hoffentlich nicht) und nicht süchtig, wenn es denn dabei bleibt. Auch einen starken Raucher bezeichne ich als Sklave, als Sklave seines nicht ausgeprägten Willens, der ihm nicht die Freiheit lässt zu wählen, was er eigentlich möchte. Es kann mir niemand erzählen, dass ein starker Raucher das gerne macht. Denn da geht der „Genuss“ des Rauchens unter in einem unfreiwilligem Tun, hinter dem das „Muss“ steht. Dieser Mensch hat nicht mehr die Freiheit zu wählen, genau wie ein Sklave!

Lässt man von einer Sache ab – wie jetzt zum Beispiel von den Zigaretten, rettet man weder Zeit noch Geld. Beides geht einfach unter in anderen Dingen, das ist richtig. Die Frage, warum so viel Theater um das Rauchen gemacht wird, scorpion24, ist die, dass versucht wir, Menschen zu retten, die abhängig sind und sich aus eigener Kraft nicht helfen können. Ist das nicht Grund genug? Ich habe nun verstärkt über Rauchen geschrieben, weil ich die Folgen des starken Rauchens vor Augen habe. Meine Nachbarin, eine liebenswerte Frau und noch gar nicht so alt, ist nicht mehr zu retten. Diverse Maßnahmen zögern nur ihren Tod hinaus. Trotzdem ist sie noch ein fröhlicher Mensch und - „raucht weiter“ - !

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Cid hat geschrieben:Doch, ich als Nichtraucher, verstehe das sehr gut, weil es mir nicht anders geht. Statt der Zigarette ist es bei mir das Süße, die Schokolade. Nur werde ich gleich maßlos, weil ich nicht nur ein Stückchen Schokolade esse, sondern gleich die ganze Tafel. Natürlich kann ich es auch lassen. Nur darf dann nichts im Hause sein, das an Schokolade oder Ähnliches erinnert. Deshalb kaufe ich keine mehr.

Genau das ist das Problem. Mein Mann raucht auch. Daher ist das Zeug hier stets verfügbar. Wäre das nicht der Fall, gäbe es überhaupt kein Problem. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich hasse es nur, mir eine Zigarette zu verweigern, obwohl sie griffbereit liegt und ich die einzige bin, die dazwischensteht. Wer bin ich denn, mir den eigenen Spaß zu versauen? :lol:

Cid hat geschrieben:Du glaubst aufhören zu können, willst aber nicht. Belügst du dich da nicht selbst?

Diese Frage wurde wohl schon Millionen von Rauchern gestellt. Aber mal ganz ehrlich. Der Umkehrschluss ist also, dass ich auf keinen Fall aufhören kann? Dass ich mir nur einrede, es zu können, es aber absolut nicht machbar ist? Millionen Ex-Raucher sind der Gegenbeweis. Wenn die Motivation stimmt, schaffen es viele. Und ich weiß, dass ich es auch schaffen könnte. Ich könnte in fünf Tagen wieder Nichtraucher sein. Es wäre schwerer, als auf einem Bein zu stehen, aber selbstverständlich könnte ich es. Meine Sucht hat definitiv nicht das Kaliber von deiner Nachbarin. Das ist kein Selbstbetrug.

Es hängt alles von der Motivation ab. Schon dieser Thread hier hat mich ein wenig motiviert. Ich habe immerhin schon auf 5 Zigaretten am Tag reduziert. Nächste Woche dann auf drei. Aber ich werde sicherlich in absehbarer Zeit kein hundertprozentiger Nichtraucher. Dafür rauche ich zu gern.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Drei oder auch fünf Zigaretten täglich sind ja wirklich nicht viel. Wenn man dazu noch gerne raucht, kann man sich zwischen der ganzen Arbeit selbst belohnen. Das verstehe ich schon. Da auch dein Mann raucht und somit immer Tabak im Hause ist wird es sich auch nicht so einfach machen lassen, ganz aufzuhören. Warum auch, wenn es dir schmeckt und du ab und zu zur Entspannung eine Zigarette rauchst. Solange du nicht durch irgendein Ereignis zwanzig oder mehr rauchst, ist doch alles in Ordnung.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Als Sklaven würde ich einen regelmäßigen Raucher nun auch nicht bezeichnen. Ein Sklave ist für mich eine Person, die nicht nur von jemand anderem beherrscht und zu verschiedenen Tätigkeiten gezwungen wird, sondern vor allem jemand, der sich seine Situation nicht freiwillig ausgesucht hat und nicht aus der Zwangssituation entkommen kann. Ein Raucher hingegen wurde von niemandem zum rauchen gezwungen und hat sich vollkommen freiwillig dafür entschieden, sich einer solchen Pseudo-Sucht unterzuordnen. Abgesehen davon kann ein Raucher an seiner Situation jederzeit etwas ändern, was ein Sklave nicht kann. Der kann nämlich nicht so einfach ausbrechen.

Man kann natürlich nun so argumentieren, dass Raucher ab einem gewissen Gewöhnungsgrad nicht mehr so einfach von der Zigarette loskommen. Allerdings sehe ich dieses Problem nicht nur als selbst verschuldet an, sondern denke auch, dass man eine Charakterschwäche unterstellen kann, wenn jemand angeblich nicht von den Zigaretten loskommt, obwohl er das doch angeblich möchte. Wer weiterhin raucht, wird wohl keinen großen Wunsch haben, damit aufzuhören. Als Sklaven seiner Sucht sehe ich keinen Raucher an. Würde man den (abhängigen) Raucher als Sklaven bezeichnen, würde man ihm einen großen Teil der Verantwortung für die bestehende Situation abnehmen, was schlichtweg nicht notwendig ist.

Ich denke, dass manche Raucher wirklich sehr gerne rauchen, ohne dass sie dies begründen können. Ein Teil von ihnen ist auch in der Lage, jederzeit damit aufzuhören. Ich selbst bezeichne mich als Gelegenheitsraucher, wobei die Gelegenheiten, zu denen ich rauche, wirklich selten sind. Manchmal rauche ich ein halbes bis ganzes Jahr keine einzige Zigarette. Wenn ich dann mal rauche, passiert das so gut wie ausschließlich in Gesellschaft. Richtig lecker finde ich Zigaretten nicht, aber ab und zu passt eine Zigarette gerade zu der Situation. Ich denke, dass es manche Leute gibt, die zwar deutlich mehr rauchen als ich (was sehr leicht ist), aber dennoch in der Lage sind, jederzeit aufzuhören.

Ich bin nicht sicher, ob ich das Rauchen komplett verurteilen soll. Die Steuereinnahmen, die auf diese Weise entstehen, sind schließlich nicht zu verachten. Ob die Kosten für die Folgeschäden jahrelangen Rauchens unter oder über den Einnahmen liegen, weiß ich nicht. Aus Sicht der Krankenkassen wird man wohl gegen das Rauchen, aus Sicht des Staates für das weitere Rauchen plädieren. Sollte unter dem Strich ein Plus herauskommen, worüber ich mir nicht sicher bin, kann man doch noch froh sein, dass es immer noch genug „Sklaven“ gibt, die nicht nur freiwillig, sondern eben auch noch gerne Geld aus dem Fenster werfen und ihre Gesundheit schädigen.

scorpion24 hat geschrieben:Ich frage mich warum auf einmal so ein Theater darum gemacht wird. Schließlich ist Kaffee auch ungesund und macht gelbe Zähne.

Diese Argumentation halte ich nicht gerade für gelungen. Du weißt sicher schon, dass der Konsum von Zigaretten auch für andere Leute schädlich und belästigend sein kann, zum Beispiel für Mitbewohner oder Leute, denen du draußen deinen Zigarettenqualm zumutest. Dass der Raucher sich selbst schadet, interessiert und stört wohl kaum jemanden. Relevant ist nur der Schaden, der anderen zugemutet wird, die eben nicht rauchen wollen. Kaffee hingegen belästigt niemanden. Abgesehen davon finde ich das Beispiel an sich abenteuerlich. Die Spätfolgen des Rauchens kann man wohl kaum mit gelben Zähnen vergleichen.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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