Wann sind Schönheitsoperationen bei Kindern gerechtfertigt?
Gerade haben wir einen Fall in unserem Bekanntenkreis. Die Kleine ist 4 Jahre und hat ein wirklich sehr abstehendes Ohr. Das andere Ohr ist überhaupt nicht abstehend. Schon im Kindergarten wird das Kind von den Kindern gehänselt. "Einseitiger Dumbo" ist noch das Harmloseste, was gesagt wird. Das Kind weint oft und will Kopftücher und Mützen tragen. Und das mit 4 Jahren.
Der Vater ist dafür, dass man dem Kind das Ohr anlegen lässt. Spätestens zum Schulalter möchte er das gemacht haben bei dem Kind. Der Ohrenarzt meinte auch, dass es die richtige Zeit wäre. Dann wäre der Knorpel auch noch weich genug und noch nicht zu hart. Aber die Mutter will, dass das Kind später erst, mit 18, selber entscheidet und Eigenverantwortung übernimmt.
So ein Thema hatten wir vor einigen Jahren hier schon mal. Ein Kind hat an der Hand ein dickes Muttermal gehabt, was aber harmloser Natur war. Kein Kind wollte dem Kind im Kindergarten die Hand geben. Schon so kleine Kinder können grausam sein. Die Erzieherin im Kindergarten hat den Eltern zu dieser Operation geraten und die Eltern haben es auch machen lassen. Das Kind war von dem Zeitpunkt an im Kindergarten angesehener.
Ich frage mich, wann Schönheitsoperationen, die keine körperliche Beeinträchtigung haben, bei Kindern wirklich gerechtfertigt sind. Ich meine jetzt nicht Operationen, wie die Lippen-Kiefern-Gaumenspalte, die einfach sein müssen, damit das Kind sich richtig ernähren kann. Wann würdet ihr ein Kind operieren lassen? Wann denkt ihr, ist es wichtig? Die Mutter in dem ersten Fall meinte dass sie die Operation nicht will, weil sie erst mal Angst hat und zweitens das Kind eben dadurch auch stark werden kann.
Ich denke, das hängt vom Einzelfall ab. Natürlich können Kinder grausam sein, aber ich würde ihnen ja nicht auch noch Munition liefern, damit sie mein Kind so richtig schön durch den Dreck ziehen können. Die Argumentation, dass ein Kind, welches auf Grund einer leicht behebbaren körperlichen Auffälligkeit vielleicht jahrelang böse gehänselt und ausgegrenzt wird, dadurch "stark" wird, halte ich sowieso für absurd. Nicht jeder hat schon in sehr jungen Jahren diese Charakterstärke. In meinen Augen ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass mein Kind mir sein Leben lang nie verzeiht, weil es eine miserable Kindheit voller Hänseleien hatte, nur weil ich als Mutter beschlossen habe, dass ein einzelnes Segelohr den Charakter formt. Mich nennt ja auch niemand "Dumbo" und lässt mich nicht mitspielen.
Deshalb würde ich die Entscheidung für eine Schönheitsoperation davon abhängig machen, wie gut das Kind mit der Situation klar kommt. Wenn es zu seinem Muttermal oder was auch immer stehen kann, Freunde hat und selbstbewusst ist, würde ich es nicht unters Messer zwingen, damit mir selber dabei wohler ist. Aber wenn mein Sprössling erkennbar leidet, sehe ich keinen Sinn darin, ihn oder sie weiter mit asymmetrischen Lauschern herumlaufen zu lassen. Ich gehe dabei natürlich davon aus, dass es sich um wirklich entstellende Normabweichungen handelt, die vergleichsweise problemlos behoben werden können.
Ich hatte auch mit 13 Jahren eine Op an den Ohren, das diese in einen sehr großen Winkel ab standen. Man hat diese wirklich immer gesehen, und ich wollte nie die Haare zusammengebunden haben. Im Kindergarten musste ich mir auch schon sehr grausame Sachen anhören, die bis heute noch im Hinterkopf schallen. Ich habe das in diesem Alter selber entschieden, die Vorbesprechung war damals schon mit sieben Jahren, da wollte ich das aber noch nicht. Ich kann dem Vater in diesem Punkt aus eigener Erfahrung nur recht geben, je länger damit gewartet wird desto mehr leidet die Kleine psychisch. Das kann man den Kind ersparen, die Op tut nicht weh.
Und auch danach wird sie bis auf einen Verband um den Kopf keine Einschränkungen haben. Der Verband komm nach maximal zwei Wochen ab, danach trägt sie noch ein paar tage eine Ohrenbinde mit Watte. Perfekt dafür sind die Sommerferien, da wurde ich damals auch operiert. Dann ist der ganze Spuk schon vergessen, ich bin bis heute froh das meine Eltern mit mir zum Ohrenarzt gegangen sind. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ich spätestens in der Pubertät mehr als verzweifelt gewesen.
In einem solchen Fall sehe ich den gesundheitlichen Aspekt Vordergrund und der ist hier nicht von der Hand zu weisen. Immerhin wird das Kind ja emotional beeinträchtigt, wenn es deswegen so von den anderen Kindern geärgert wird. Hier wäre ich dann auch für eine so frühe Operation. Ich selbst kenne aus meiner Schulzeit jemanden, wo auch ein Ohr absteht. Heute ist die Frau 40 Jahre alt und es ist noch immer so. Sie wurde deswegen aber nie geärgert und hatte auch selbst mit ihrem Aussehen nie ein Problem.
Eine meiner Töchter hat ja am rechten Arm ein sehr großes Muttermal. Das geht vom Unterarm bis über die Schulter, Brust und Schulterblatt. Wenn es nach meiner ehemaligen Schwiegermutter gegangen wäre, hätte ich sie schon als Baby einer Laserbehandlung aussetzen sollen. Ich selbst habe das komplett abgelehnt und bisher wurde meine Tochter deswegen auch noch nie geärgert.
Klar, es kommt mal eine Frage, was sie da hat. Aber das ist ja nicht weiter schlimm. Und es wird auch jedes Jahr blasser, wenn die Sommerbräune verschwindet. Man kann also damit rechnen, dass man es nicht mehr sieht, wenn sie erwachsen ist. Aber ich habe damals immer gesagt, dass sie eine so lange Behandlung erst bekommt, wenn sie es selbst will und auch versteht, was da auf sie zukommt.
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