Projekt Under The Red Dress - Nacktfotos einer Krebskranken
Ich bin in den Nachrichten neulich auf das Fotoprojekt "Under the red dress" gestoßen. Unter diesem Projektnamen veröffentlicht die an Krebs erkrankte 33-jährige Beth Whaanga Fotos von ihrem nackten Körper.
Auf diesen Fotos kann man beispielsweise die Narben sehen, die entstanden sind, nachdem Frau Whaanga beide Brüste amputiert worden sind. Ebenfalls wurden im Rahmen der Therapie die Lymphknoten an den Achseln entnommen. Auf den Fotos befindet sich jeweils eine kleine Beschriftung an bestimmten Narben oder Körperpartien, aus der hervorgeht, welcher Eingriff an jener Stelle durchgeführt worden ist. Wer sich die Bilder ansehen möchte, kann das beispielsweise
hier tun. Und
das hier ist die offizielle Facebook-Seite des Projekts.
Ziel des Projekts soll es sein, über Krebs zu informieren, insbesondere auch über die Folgen der Krankheit und der Krankheitsbehandlung. Ebenso sollen Frauen und Mädchen dazu motiviert werden, sich regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Übrigens wird auf der Website des Projektes auch dazu aufgerufen, dass andere von Krebs betroffene Personen Fotos ihrer Narben einsenden sollen.
Empfindet Ihr dieses Projekt als sinnvoll? Braucht man zur Aufklärung über Krebs Fotos von vernarbten Körpern? Wäre so ein Vorgehen auch denkbar, wenn es um die Aufklärung über andere Krankheiten geht? Wenn ja, um welche? Und sicherlich gäbe es auch einen Unterschied, wenn es darum geht, ob die Krankheit selbstverschuldet ist, oder nicht? Schockfotos von Drogenkonsumenten gibt es ja beispielsweise schon, ebenso Warnbilder von Raucherlungen oder Raucherbeinen. Aber Krebs provoziert man ja nicht selber, sodass das schon eine ganz andere Sache ist, finde ich. Was denkt Ihr über das Fotoprojekt "Under the red dress"?
Das Projekt wird da sinnvoll, wenn es dieser Frau hilft, mit ihrer Krankheit zu leben und noch etwas Gutes rauszuholen. Das sei ihr von Herzen gegönnt. Und ich glaube schon, dass es andere dazu anregen kann, mehr über Vorsorgeuntersuchungen nachzudenken. Oder Mitmenschen anders gegenüberzutreten. Wenn man beispielsweise bemerkt, dass jemand eine Perücke trägt. Gerade ihr geringes Alter rüttelt doch wach. Für viele ist Brustkrebs immer noch eine Erkrankung für Frauen ab 50.
Also je mehr darüber geredet wird, desto besser. Jeder kann es bekommen und es ist wirklich eine ganz schreckliche Sache. Warum also nicht davor warnen? Vielleicht bewirkt es, dass bei einigen der Krebs früh genug erkannt wird, um noch effektiv dagegen anzugehen. Wie man das macht, ist doch eigentlich egal. Die Nacktfotos sind halt ihr Weg. Ihr Körper erzählt die Geschichte ihrer Krankheit. Und es bringt ihrem Anliegen Aufmerksamkeit. Und es hat ja wirklich nichts Sexuelles. Es ist nur ein Körper. Wir haben alle einen. Das braucht man nicht künstlich hochschaukeln, finde ich. Die ständige Sexualisierung finde ich auch nicht gut. Aber da würde ich diese Kampagne nicht dazuzählen.
Ob die Krankheit selbst verschuldet ist oder nicht, finde ich unerheblich. Auch Raucher wünschen sich kein Lungenkrebs, sie rauchen nicht, um ihn zu bekommen. Sie haben den Gedanken daran einfach verdrängt, geglaubt, es würde sie nicht treffen. Aber dennoch kann man dann nach der Erkrankung andere davor warnen. Damit die nicht genauso blöd sind wie man selber.
Vielleicht würden die Schockfotos von Raucherbeinen besser funktionieren, wenn der Mensch mit abgebildet wäre. Wenn man sieht, dass dahinter eine Geschichte steckt, die die eigene sein könnte, oder von jemanden, den man kennt. Ansonsten denkt man doch bei den Fotos, dass es sich bei dem Besitzer von dem Bein um irgendeinen alten Typen handelt, dessen ganzer Lebensinhalt es war, zu rauchen. Wenn man sein Gesicht tatsächlich sieht, hat er vielleicht nette Augen oder er erinnert einen an einen Bekannten. Und schon wird er zu einem echten Menschen und ist nicht mehr länger nur ein Bein. Das bewegt auf jeden Fall mehr.
Also selbstverschuldet oder nicht, ist egal. Letztlich spielt das eigene Verhalten in jedem Fall eine Rolle. Ob man nun die Finger von irgendwelchen Drogen lässt oder regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht. Man kann selber etwas ausrichten und daher ist eine Kampagne sinnvoll.
Ich finde das Fotoprojekt dieser Frau sehr beeindruckend. Es ist sehr mutig von ihr, ihren Körper zu zeigen. Und ich glaube, genau das hilft ihr auch. Dass sie diesen Mut hat. Den konnte ihr der Krebs nicht nehmen. Wenn andere Frauen auch diesen Mut finden und Fotos einschicken, könnte es auch denen helfen. Und es könnte Frauen helfen, die diesen Weg noch vor sich haben, die sich gerade entscheiden müssen, ob sie eine Mastektomie machen lassen.
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-234785.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4058mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2170mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern? 1391mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: Ampelmännchen · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Familie & Kinder
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern?
- Angst haben, bei Texten für Uni versehentlich zu plagiieren? 4181mal aufgerufen · 11 Antworten · Autor: Prinzessin_90 · Letzter Beitrag von pattyblack
Forum: Schule, Ausbildung & Studium
- Angst haben, bei Texten für Uni versehentlich zu plagiieren?
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2705mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
