Unnötige Panikmache beim Radiologen?

vom 11.03.2014, 09:14 Uhr

Ich habe bisher erst zweimal zum Radiologen gemusst und ich muss auch sagen, dass ich beide Male eine sehr schlechte Nachricht mit auf den Weg bekommen habe und damals auch sehr geschockt war. Das eine mal hatte ich Probleme mit dem Knie gehabt und der Radiologe meinte darin eine ernsthafte und gefährliche Entzündung zu sehen, die sich nur mit einer Operation bekämpfen ließe, um das Knie überhaupt noch zu retten. Das andere Mal hat meine Hausärztin mit zu einer Überprüfung meiner Schilddrüse geschickt, weil sie eine Überfunktion vermutete und damals hat der Radiologe auch erstmal Alarm geschlagen und meinte, meine Schilddrüse wäre krankhaft verändert und man müsse dringend was unternehmen.

Beide Male hat der Arzt mich dann aber beruhigen können, denn das Problem mit dem Knie ließ sich mit entzündungshemmenden Mitteln innerhalb weniger Tage in den Griff bekommen und gegen die Überfunktion meiner Schilddrüse brauche ich keine Operation oder Medikamente. Mein Freund war damals auch sehr aufgeregt und hat mir beide Male schon im Voraus gesagt, ich solle auf die Diagnose des Radiologen nicht hören. Er selbst hat da sehr schlechte Erfahrungen gemacht, inzwischen schon in drei Fällen. Die schlimmste Nachricht für ihn war die, das nach einer leichteren Verletzung am Bein sein Knochen absterben und sein Bein amputiert werden müsse.

Damit musste er dann einige Tage leben, bis er endlich den Termin beim Arzt bekam, der dann erstmal empört beim Radiologen anrief, um sich dort zu beschweren. Auch meine Mutter hat nach einem CT vom einem Radiologen direkt den Rat bekommen, die Nasennebenhöhlen operieren zu lassen, wie ich in diesem Thread bereits einmal dargelegt habe: Nasenscheidewand OP trotz geringer Beschwerden?. Auch dieser Rat stellte sich im Nachhinein als falsch heraus und der Chefarzt an der Uniklink hat sich vor meiner Mutter und mir auch lang und breit darüber beschwert, dass die meisten Radiologen keine Ahnung hätten und auf jedem schwarzen Fleckchen auf dem Bild gleich den Weltuntergang erkennen würden, obwohl da teilweise wirklich nichts ist oder es sich um ganz normale Sachen handelt.

Demnächst habe ich wieder einen Termin zum MRT und freue mich schon auf die Hiobsbotschaft des Radiologen, die ich diesmal nicht beachten werden. Radiologen sind wohl auch nur Menschen, aber es erscheint mir dann doch ein bisschen auffällig, dass es viele Vorfälle zu geben scheint, in denen die Radiologen immer gleich Panik schlagen und einen mit Angst und Schrecken im Bauch nach Hause schicken. Prinzipiell halte ich es nicht für falsch, einen Verdacht auf eine Erkrankung zu schließen, wenn man etwas merkwürdiges auf dem Bild erkennt, aber die Sicherheit mit der die Radiologen dass immer gerne ausdrücken, ist dann doch irgendwie fehl am Platz und macht dem Patienten nur unnötig Angst. Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Radiologen gemacht? Musstet ihr auch schon mal mit einer unbegründeten Schreckensbotschaft nach Hause gehen?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Crispin hat geschrieben:Beide Male hat der Arzt mich dann aber beruhigen können, denn das Problem mit dem Knie ließ sich mit entzündungshemmenden Mitteln innerhalb weniger Tage in den Griff bekommen und gegen die Überfunktion meiner Schilddrüse brauche ich keine Operation oder Medikamente.

Das verstehe ich jetzt nicht ganz, warum brauchst du da keine Medikamente? Soweit ich weiß, muss doch jede Form der Schilddrüsenfehlfunktion behandelt werden, sogar meine latente Schilddrüsenunterfunktion. Aber leider war mein Arzt zu dämlich und uninformiert und wusste nicht mal, dass sich der Normbereich des TSH seit einigen Jahren verändert hat und angepasst wurde. Ich habe daraufhin eine zweite und sogar dritte Meinung eingeholt, die der Meinung des ersten Arztes total widersprochen haben.

Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass viele Ärzte eher inkompetent und ahnungslos sind und eher alles verharmlosen statt irgendwelche Form der Panikmache zu praktizieren. Ich habe nicht mal den Eindruck, dass das auf bestimmte Ärzte zutrifft, wie beispielsweise Radiologen oder Internisten. Ich hab das Gefühl das betrifft mehr oder weniger alle Fachgebiete. Meine Schwester kam mal vor Jahren ins Krankenhaus wegen dem Blinddarm. Sogar da waren sich die Ärzte uneins. Einer wollte sofort operieren, der zweite meinte, meine Schwester würde die Schmerzen nur vortäuschen und man sollte sie unbehandelt wieder entlassen. Sie wurde doch operiert, was ihr Glück war, der Blinddarm wäre kurz danach geplatzt und wie lebensgefährlich ein geplatzter Blinddarm sein kann, brauche ich denke ich mal, nicht näher zu erläutern.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich habe letztens einen Satz bei Dr. House gehört, den ich so nur bestätigen konnte und der auch hier passt: Jeder Arzt stellt nur eine Diagnose aus seinem Fachgebiet. Ein Internist wird damit immer ein internistisches Problem finden und mit Medikamenten behandeln, ein Chirurg wird immer ein chirurgisches Problem finden und schon die Messer wetzen für die Operation.

Der Radiologe ist insofern nicht auf eine Diagnose oder Therapie festgelegt, weil er den Patienten ohnehin nicht weiter behandelt. Er hat aber meines Wissens auch nicht viel Ahnung von den anderen Fachgebieten. Und so kann er gerade mal vielleicht ein Röntgenbild anfertigen und lesen - aber ansonsten hat er ungefähr soviel Ahnung wie ich nach 20 Jahren Medizinstudium durch das Anschauen von Fernsehserien.

Zwar hat er natürlich ein Medizinstudium abgeschlossen, aber die Frage ist, wie lange das schon her ist und wann er sich schon spezialisiert hat. Und als Radiologe hat er eben nichts mehr mit Diagnosen oder Therapien zu tun. Er muss so gerade eben noch wissen, was er im Notfall in seiner Praxis machen muss, aber mehr nicht. Und wie jeder von uns weiß, wie schnell man Wissen vergisst, das man nicht braucht, so passiert es natürlich auch beim Radiologen.

Dieses Verhalten vom Radiologen hört sich für mich danach an, als ob er sich einfach selbst gerne reden hört und sich gerne selbst darstellt. Vielleicht will er seinen Beruf auch einfach etwas aufpeppen, indem er sich einredet, dass er ganz schlimme und gefährliche Krankheiten aufdeckt und es nur ihm zu verdanken ist, dass der Patient überhaupt überlebt. Solche Menschen gibt es eben. Nimm ihn, wie er ist, und lass ihn einfach reden oder gehe vorher weg. Ändern wird er sich nicht mehr.

» SonjaB » Beiträge: 2710 » Talkpoints: 6,28 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



@Olly173: Ich kenne einige junge Frauen und Männer mit einer Schilddrüsenüberfunktion, die auch keine Medikamente dagegen nehmen müssen. Ich weiß nicht, warum das so ist. An sich ist das ja auch nicht unbedingt schlimm, wenn es etwas stärker ausgeprägt ist, hat man Symptome wie Herzrasen oder so, aber ansonsten eigentlich nichts. Und das gute daran ist sogar noch, dass man trotz gutem Appetit nicht zunimmt, weil der Kreislauf einfach die ganze Zeit auf Touren ist. Bei der Unterfunktion bekommt man in der Regel meistens Hormone, die man dann auch über einen längeren Zeitraum einnimmt.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



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