Haben Ärzte generell unzureichende Pharmaziekenntnisse?

vom 04.02.2014, 17:08 Uhr

Ich habe vor kurzem erst in meinem letzten Thread davon berichtet, dass ich mit der Beratung in der Apotheke bisher leider eher schlechte Erfahrungen gemacht habe: Vertraut ihr den Ratschlägen in eurer Apotheke?. In diesem Thread soll es primär darum gehen, ob die Ärzte generell ausreichende oder vielleicht eher lückenhaften Kenntnisse haben, was die Pharmazie angeht. Ich selbst habe bisher auch schon einige Sachen von meinem Arzt verschrieben bekommen, wo ich erstmal überlegen musste, ob das jetzt so gut ist oder nicht. Das letzte Mal, dass mir das passiert ist, war erst einige Monate her, als ich eine Entzündung im Knie hatte. Damals meinte mein Orthopäde mir ein Schmerzmittel verschreiben zu müssen, dass auch leicht entzündungshemmend wirkt.

Im Grunde neigt man ja dann doch dazu, seinem Arzt zu vertrauen und denkt sich, der weiß schon, was er tut. Ich habe das Mittel dann auch genommen, bis eine gute Bekannte von mir, bei mir zu Besuch war und sich gewundert hat, was ich denn mit dem Mittel will. Meine Bekannte promoviert gerade im Bereich der Pharmazie und kennt sich daher sehr gut in diesem Bereich aus. Das Ende des Liedes war aber nun, dass das Medikament für meine Zwecke absolut unzureichend war. Davon abgesehen hatte ich auch gar keine großen Schmerzen in meinem Knie, die hohe Dosis an Schmerzmittel, die in dem Präparat enthalten war, hat nur meinen Nieren geschadet,meinem Knie aber nicht geholfen. Ich habe dann einen anderen Orthopäden aufzusuchen müssen, der mir dann auch ein besseres Mittel verschrieben hat, mit dem ich relativ schnell gesund geworden bin.

Auch bei einer anderen Krankheit habe ich mal von meinem Arzt ein ziemlich starkes Schmerzmittel verschrieben bekommen, welches sehr ernst zunehmende Nebenwirkungen hatte. Stattdessen hätte es auch Ibuprofen getan, das Mittel selbst aber, war in diesem Fall einfach übertrieben und hat zudem auch starke Übelkeit verursacht. Am schlimmsten fand ich noch die Tatsache, dass meine Bekannte bei ihrem eigenen Onkel einmal Medikamente gefunden hat, dessen Wirkungen sich nicht nur gegensätzlich aufgehoben hat, sondern die in der Kombination auch noch auf Dauer sehr schädlich bis geradezu tödlich war. Interessanterweise hatte ihr Onkel beide Mittel vom gleichen Arzt verschrieben bekommen.

Ich selbst studiere Chemie und weiß, dass es ein sehr langes und anstrengendes Studium ist und man nicht einmal halb so viel Freizeit hat, wie etwa Studierende der Geisteswissenschaften oder Lehrämtler haben. Und trotz dieses ambitionierten Studiums, kann man am Ende immer noch nicht alles wissen und manchmal kann man womöglich an einer Fragestellung scheitern, weil einem etwa Kenntnisse der Physik oder aus anderen Fachbereichen fehlen. Das ist natürlich nicht ausgeschlossen und ich werfe den Medizinern daher auch nichts vor. Trotzdem finde ich es teilweise etwas lächerlich, wie man als Mediziner ein oder zwei Module Pharmazie während seines Studiums haben kann und danach dazu berechtigt ist, Menschen Medikamente zu verschreiben. Solche Fehler bei Ärzten treten ja nicht gerade selten auf.

Besser wäre es möglicherweise, den Schwerpunkt vielleicht doch etwas mehr auf die Pharmazie zu legen oder bei bestimmten Medikamenten vielleicht doch auch einen Pharmazeuten hinzuzuziehen der dann am Ende entscheidet, ob es ratsam ist oder nicht, dass Präparat zu nehmen. Wenn man mit seinem Rezept zur Apotheke geht, wird das in der Regel ja leider nicht hinterfragt und man bekommt es einfach in die Hand gedrückt. Wie seht ihr das, habt ihr auch schon mal Erfahrungen damit gemacht, dass ihr von Ärzten etwas verschrieben bekommen habt, was in dem Zusammenhang nicht angebracht war? Leider merkt man sowas als Laie meistens ja nicht, ich würde ja auch nichts davon wissen, wenn man mich nicht aufgeklärt hätte.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich kenne auch einen Pharmazeuten und weiß daher, dass das ein sehr hartes Studium ist. Daher glaube ich auch, dass Ärzte gar nicht das umfassende Wissen haben können. Und ich glaube nicht, dass es etwas bringen würde, wenn man versucht, in das Medizinstudium noch mehr Pharmazie zu packen. Dafür ist die Thematik einfach zu komplex; das kann eigentlich kein einzelner Mensch mehr wirklich überblicken.

Daher wäre ich eher für deinen zweiten Vorschlag. Man sollte einfach die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pharmazeuten stärker fördern. Ich habe das Gefühlt, dass es so läuft, dass die Ärzte irgend etwas verschreiben und die Apotheken sind nur die Verkaufsstellen. Echte Beratung findet offensichtlich nicht mehr statt und die Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker beschränkt sich offensichtlich auf das Rezept. In größeren Kliniken läuft das etwas anders. Dort gibt es ja eigene Apotheken und die Pharmazeuten werden wohl auch stärker in die Auswahl der Medikamente eingebunden. Wieso sollte das nicht auch bei Hausärzten funktionieren?

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ich arbeite ja in einer Apotheke und erlebe es leider auch immer wieder mal, dass Patienten von einem Arzt Dinge verordnet bekommen, die nicht zueinander passen. Oft kommen die Patienten schon an und fragen, ob sie ein bestimmtes Medikament bei der sonstigen Medikation überhaupt nehmen dürfen, der Arzt sei sich da nicht so sicher. Das finde ich aber auf jeden Fall besser, wenn ein Arzt dies zugibt, als wenn er etwas einfach verordnet und der Patient es nimmt, weil er dem Arzt vertraut. Wenn mir eine Wechselwirkung auffällt, finde ich es immer schwierig zu reagieren.

Zu oft habe ich von Ärzten selbst bei gefährlichen Wechselwirkungen schon gehört, dass es extra so verordnet wurde. Irgendwie scheint es leider einige Ärzte zu geben, die sich in ihrer Ehre gekränkt fühlen, wenn man bemerkt, dass auch Ärzte nur Menschen sind und Fehler machen können. Mit einer Kundenkarte, wo die Medikation gespeichert wird, wird in der Apotheke schon hinterfragt, was zusammen passt. Ich würde mir hier auch wünschen, dass Ärzte und Apotheken besser zusammen arbeiten würden.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



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