Depressionen, nur weil man Kinder hat?

vom 31.01.2014, 10:02 Uhr

Ich habe mich diese Woche mit meiner Chefin unterhalten, weshalb 1/4 unserer Patienten unter Depressionen leiden?! Sie nehmen Antidepressiva, und sind zum Teil ewig krank geschrieben. Wir haben in der Woche circa 15 längere Gespräche, die um die Psyche gehen.

Meine Chefin meinte auf meine Frage, warum die alle Depressionen und psychische Probleme haben, das sie ja zwei Kinder hätten. Es handelte sich bei meiner Frage besonders um einzelne Patienten, bei denen ich es absolut nicht verstehen kann. Sie haben tolle Frauen, eine Arbeitsstelle, gesunde Kinder, und auch keine finanziellen Probleme. Aber sie meinte einfach, sie haben zwei Kinder, und das stresst sie. Aber was ist das Bitte für ein Problem? Wenn die Kinder Stress machen würden, da hätte ich ja Verständnis für, aber kann man einfach wegen Kindern in eine Depression fallen? Kennt ihr auch solche Fälle?

» laraluca » Beiträge: 1068 » Talkpoints: 9,76 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Woher willst du eigentlich wissen, was diese Patienten alles haben? Arbeit und finanzielle Verhältnisse erfährt man in aller Regel nicht. Ob eine Frau toll ist, kannst du auch nicht einschätzen, da du nicht bei diesen Familien lebst. Ich kenne genug Paare, wo nach Außen hin immer alles toll gewirkt hat. Das habe ich selbst eine Zeit lang mit meinem Ex-Mann so gelebt. Aber was hinter der Wohnungstür abgeht, weißt du gar nicht und kannst daher nicht alles als einfach toll hinstellen.

Ich selbst bin zwar wegen meinen Kindern nicht depressiv, auch wenn sie mir manchmal den letzten Nerv zu rauben scheinen. Aber nur weil man es von sich nicht kennt und auch im Umfeld niemanden mit diesen Problemen hat, muss es nicht unmöglich sein. Wobei ich es nicht mal unbedingt auf den Stress schieben würde. Eher die allgemeine Entwicklung der Kinder wird da der wunde Punkt sein. Denn nicht immer geht der Nachwuchs die Wege, die die Eltern für gut befinden.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Es gibt auch Menschen, die wollten keine Kinder und haben dann versehentlich doch welche bekommen. Dass die sich darüber nicht freuen, ist ja auch nachvollziehbar. Vielleicht sind die Kinder zudem ein wenig schwierig oder eben nicht so, wie man es sich wünscht. Du kannst das als Außenstehender gar nicht wissen.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Da sie regelmäßig zum Gespräch kommen, wissen wir schon ganz gut Bescheid über die einzelnen Fälle. Natürlich gibt es auch nicht so glückliche familiäre Situationen, aber ich meine ja nur, das die Menschen heutzutage scheinbar nicht mehr so belastbar sind. Früher hatten die Menschen fünf Kinder und mehr, und das mit der Psyche war nicht so ausgeprägt wie heute. Manchmal wird es einfach schnell als Schutz genommen. Bei manchen finde ich es wirklich einfach schade und ganz schlimm, das Menschen die eigentlich so viel geschafft haben, in so ein Loch fallen. Und das sind Menschen denen es wirklich schlecht geht, und zum Glück auch früh genug versuchen etwas zu ändern.

» laraluca » Beiträge: 1068 » Talkpoints: 9,76 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



laraluca hat geschrieben:aber ich meine ja nur, das die Menschen heutzutage scheinbar nicht mehr so belastbar sind. Früher hatten die Menschen fünf Kinder und mehr, und das mit der Psyche war nicht so ausgeprägt wie heute.

Früher musste man einfach stark bleiben, da die Psychologie nicht so gut erforscht wurde. Meine Großmutter hatte eine Fehlgeburt und dieses Erlebnis war sehr schlimm für sie, da sie sich immer Kinder gewünscht hat. Nun ist es aber auch so, dass man früher ihre Depressionen nicht anerkannt hat und erst jetzt im Alter hat sich das alles herausgestellt. Heute muss kein Mensch "belastbar" sein und sich kaputt machen, da man eben auch Hilfe annehmen kann, was meiner Meinung nach auch richtig ist. Wieso sollte man sich selbst unnötig quälen, nur damit man so zäh, hart und belastbar ist?

Depressionen sind nicht vom Geld abhängig und selbst Millionäre können depressiv sein, also wieso sollte man auch nicht wegen den Kindern depressiv werden? Wenn die Männer den ganzen Tag hart arbeiten und anschließend gestresst nach Hause kommen, während die Kinder so ein großes Theater machen, dann besteht meiner Meinung nach eben auch eine Möglichkeit, dass es einem eben nicht so gut geht. Wenn man nicht mehr abschalten kann, dann kann es schon zu Depressionen kommen, das finde ich auch gar nicht so ungewöhnlich. Ich verstehe es nicht, wieso unsere jetzige Gesellschaft als so verweichlicht dargestellt wird, diese Generation hat andere Stärken und andere Schwächen.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9239 » Talkpoints: 26,10 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Aber jetzt mal ehrlich. Die Probleme erzählen die Patienten doch deiner Chefin. Warum weißt du dann davon? Bist du mit im Behandlungszimmer oder erzählt euch das die Chefin? Wenn das Zweite der Fall ist, muss ich ganz kritisch hinterfragen, wie weit es bei deiner Chefin mit der ärztlichen Schweigepflicht ist. Denn was ich meinem Arzt im Vertrauen erzähle geht seine Angestellten absolut nichts an.

Aber dein Vergleich mit früher hinkt auch gewaltig. Zum einen waren in den Städten die Frauen da kaum berufstätig, wenn sie mehrere Kinder hatten. Die Mutter meines Mannes hat zum Beispiel täglich nur einen Putzjob erledigt. Das waren vielleicht zwei Stunden pro Tag, so dass sie die restliche Zeit nur für die Familie da sein konnte.

Meine Großeltern hatten Landwirtschaft. Aber da gab es noch die Mutter meiner Oma im Haushalt, die eben die Küche geschmissen hat, Wäsche gewaschen und den Kindern den Hintern abgeputzt. Meine Oma hatte daher als Mutter gar nicht so viele Aufgaben zu stemmen, wie eine heutige Mutter, die auch noch voll berufstätig ist.

Dazu siehst du die Situation aus deiner Sicht. Dich würden eben diese und jene Umstände total glücklich machen. Andere Menschen sind eben damit nicht glücklich und vielleicht haben sie auch zu lange ihre Probleme nur verdrängt, was auch in einer Depression enden kann. Wobei ich auch der Meinung bin, dass man heute diese Diagnosen viel zu schnell stellt. So dass man es teilweise auch schon als Modeerkrankung ansehen kann.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Mich würden ehrlich gesagt auch die Hintergründe zu deiner Funktion / Position interessieren. Von woher kennst du diese ganzen Erzählungen? Bist du bei den Gesprächen dabei und hörst mehr oder weniger einfach zu, da du gerade in Ausbildung oder so bist, oder erzählt dir deine Chefin danach die jeweiligen Gespräche oder vermutest du einfach, dass es so ist?

Aber zu deiner Frage: Natürlich kann man wegen Kindern eine Depression bekommen. Warum auch nicht? Man kann auch nicht immer alles mit den früheren Zeiten vergleichen, da gab es doch ganz andere Rahmenbedingungen und das Familiensystem war oft ganz anders als heutzutage. Und wie bereits gesagt wurde, kann das beste Geld der Welt niemanden vor einer Depression schützen und vielleicht mag es für dich schön klingen, wie andere Frauen leben, aber wenn die damit nicht zufrieden sind, dann kann das doch auch sein. Die eine will lieber bei den Kindern zu Hause bleiben, der nächsten fällt die Decke auf den Kopf und fühlt sich gedemütigt, unterfordert oder was auch immer.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Abgesehen davon, dass ich meinen Vorredner nur Recht geben kann. Früher wurde damit anders umgegangen. Und du hast womöglich nicht genug Einblicke, um es wirklich einschätzen zu können. Aber gehen wir mal davon aus, dass es bei deinen Patienten wirklich drauf hinausläuft, dass die Tatsache, dass sie zwei Kinder haben, zu den Depressionen führt. Wer sagt denn dann, dass das nervige Verhalten der Kinder der Grund ist?

Meiner Meinung nach lastet auf Eltern heutzutage ein ungeheurer Druck. Es geht nicht mehr nur darum, die Kinder groß zu bekommen; die Jungs bekommen nen soliden Job und die Mädchen einen Ehemann mit einem soliden Job. Nein, heute muss man seinen Kindern etwas bieten. Den besten Kindergarten, die beste Schule, musikalische, sprachliche, sportliche Förderung. Am Wochenende muss man dann auch noch für Bespaßung sorgen. Das ist alles schön und gut und ich will das gar nicht verurteilen, aber das kann einen ganz schön unter Druck setzen. Denn je mehr man machen muss, umso mehr kann man falsch machen.

Oder man sieht das Kinderkriegen mal im Hinblick darauf, was für ein Leben die Kinder als Erwachsene führen werden. Ich habe mich gegen Kinder entschieden, weil ich nicht denke, dass die Welt für heute Geborene die nächsten 80 Jahre noch so schön aussehen wird. Entweder die Wirtschaft geht krachen, der Klimawandel oder solche überhaupt nicht überraschenden Unfälle wie in Fukushima geben uns den Rest.

Leider ist man aber gesellschaftlich irgendwie noch dazu "verpflichtet" Kinder zu bekommen. Es wird als vollkommen normal angesehen. Gerade als Mann kann man doch seiner Frau, die sich immer Kinder gewünscht hat, nicht sagen, dass man nicht will. Ich denke, viele Menschen bekommen Kinder, weil es einfach erwartet wird und weil sie auch gar nicht über die Möglichkeit nachdenken, es nicht zu tun. Weil es eben fast alle tun. Unsere Gesellschaft steht da eben gerade am Scheideweg. Früher war es vollkommen normal und stand außer Frage, heute ist es noch nicht normal, es in Frage zu stellen. Irgendwo dazwischen.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich glaube nicht, dass man eine Depression pauschal auf die eigenen Kinder abschieben kann. Ich denke, dass in vielen Fällen eine genetische Disposition vorliegt, sodass man eben anfälliger dafür ist, eine Depression zu entwickeln. Da ist es egal, wie gut der Job ist und wie gesund die eigenen Kinder sind. Wenn man die Gene dafür hat, reicht nur eine Kleinigkeit und die Krankheit bricht aus.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Es kann sein, dass man dir da vielleicht nicht die ganze Wahrheit erzählt hat und dir nicht alle Details brühwarm aufgetischt hat, dass ist schließlich auch nicht Sinn der Sache, man möchte die Probleme anderer Menschen, die einem anvertraut wurden ja auch nicht überall herumerzählen. Ich selbst kann aber durchaus nachvollziehen, dass jemand Depressionen haben kann, weil er Kinder hat. Kinder zu bekommen, klingt ja zunächst so leicht und Frauen machen das ja auch schon seit Ewigkeiten, was ist schon dabei. Denkt man so. Aber es ist nun mal nicht jede Frau gleich zur Mutter geboren.

Ich selbst beispielsweise habe mich schon häufiger mit dem Gedanken beschäftigt, dass ich womöglich nach einer Geburt eine postnatale Depression bekommen könnte. An sich genommen hat man diese Depression ja dann auch aufgrund des Kindes. Was mich dabei besonders beschäftigt ist einfach die Tatsache, dass mein Körper nach der Geburt nicht mehr der gleiche sein wird, wie vorher. Viele Frauen bekommen mit der Schwangerschaft alle möglichen Probleme, beispielsweise Dehnungsstreifen, der Bauch wird schlaffer und kehr in sehr vielen Fällen auch nicht mehr in den Ausgangszustand zurück, man kann eine weitere Vagina als vorher haben, andere Frauen bekommen Gebärmuttervorfälle nach der Geburt, haben schlechte Zähne deswegen und so weiter.

Und ich selbst bin mit meiner Figur momentan sehr zufrieden und finde den Gedanken ehrlich gesagt nicht so erfrischend, dass ich nach der Geburt erstmal aussehen werde, wie eine Mülltonne und mich danach möglicherweise nie mehr so wohl in meinem Körper fühlen werde, wie dies jetzt der Fall ist. Wenn Frau sich in ihrem ganzen Lebens nichts schöneres vorstellen konnte, als Kinder zu bekommen, dann ist ihr das sicherlich egal und es ist kein Thema, aber es gibt Frauen die beschäftigt dieses Thema vor und auch nach der Geburt und möglicherweise kommt man dann auch nicht damit klar, dass man so ein großes Opfer für das Kind gebracht hat.

Eine andere Sache ist natürlich der Beruf. Die Mutter einer guten Freundin von mir konnte ihr Abitur nicht beenden, weil sie meine Freundin bekommen hat. Jetzt hängt ihr das nach und wenn man sie auf das Thema anspricht, dann ist sie auch alles andere als glücklich. Dann gibt es viele Frauen, die wegen ihrer Kinder auf ihre Karriere verzichten müssen und dann vielleicht in einem Beruf arbeiten, der ihnen nicht gefällt und in dem sie sich nicht wohl fühlen. Ich selbst habe das Glück, dass mein Freund bereit ist, Vaterschaftsurlaub zu nehmen, deswegen wird meine Karriere wahrscheinlich nicht so sehr unter einem Kind leiden. Bei anderen Frauen ist das aber sicherlich so und gerade wenn man lange studiert hat, fühlt man sich irgendwie übers Ohr gehauen, wenn man dann nur Teilzeit arbeitet und keine Karriere machen kann.

Daneben ist es für viele Frauen auch nicht gerade der Höhepunkt des Alltags, wenn man nach einem Arbeitstag nach Hause kommt und sich erstmal um die Kinder kümmern darf, weil diese vielleicht auch nicht im Haushalt helfen und man ihnen noch was zum Essen kochen muss. Man kommt nach Hause, ist erledigt, darf sich aber nicht ausruhen, sondern muss wieder ran. Ich glaube es gibt mehr als genug Gründe, wegen Kindern depressiv zu sein, wenn ich es mir genau überlege, es ist ja schon eher eine Kunst, es nicht zu sein. Bei anderen Menschen ist das Elternglück einfach so groß, dass sie es schaffen, bei anderen nicht. Vielleicht ist es in diesem Fall so, dass die Frau auch nicht von ihrem Mann unterstützt wird und darunter leidet.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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