Motorradfahrer - Werden Unfälle weniger bemitleidet?
Bei meiner Freundin im Familienkreis hatte letztens ein Cousin einen Unfall auf dem Motorrad. Er hat sich das Bein verletzt und liegt noch im Krankenhaus. Ob er jemals wieder normal laufen können wird, weiß man nicht. Bei uns an der Universität hat sich auch jemand mal bei einem Motorradunfall verletzt, das Bein musste amputiert werden und die Person läuft nun auf Krücken.
Als wir alle neu auf der Universität waren und man sich natürlich auch kennenlernen wollte, ist das auch zur Sprache gekommen und viele haben den jungen Mann gefragt, wie das denn passiert wäre mit dem Bein. Als er jedoch erzählte, dass es ein Motorradunfall war, ist mir bei vielen Leuten aufgefallen, dass diese es nicht wirklich übers Herz bringen konnten, den Mann zu bemitleiden. Ich meine klar ist es in einer solchen Situation schwer dann etwas zu sagen, der Mensch hat sein Bein verloren und dadurch, dass man ihn bemitleidet oder irgendwelche Kommentare von sich gibt, macht man es nicht besser. Dennoch gehört ein wenig Anteilnahme ja auch dazu.
Als ich mich mit meiner Freundin über den Unfall ihres Cousins unterhalten habe, war die Reaktion die gleiche. Meine Freundin meinte auch, dass es seine eigene Schuld wäre, denn wenn man meint so auf einem Motorrad rasen zu müssen, dann soll man sich nachher nicht wundern, wenn das so endet. Auch meine Mutter konnte kein großes Mitleid aufbringen und sagte dazu nur, dass man selbst wissen müsse, auf welches Risiko man sich einlässt und Unfälle bei Motorradfahrern sind ja nicht gerade selten.
Ich selbst hatte jetzt ehrlich gesagt auch nicht so das Mitleid mit dem Cousin meiner Freundin. Ich weiß nicht, ob sich das ändern würde, wenn es ein Autounfall gewesen wäre. Wäre es im normalen Straßenverkehr passiert, wäre es sicherlich was anderes, als wenn jemand einen Unfall hat, weil er die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreitet oder eben wie in diesem Fall, mit dem Motorrad zum Spaß herumrast.
Wie ist das bei euch, seit ihr generell auch der Meinung, dass Menschen selbst an ihrem Unglück Schuld sind, wenn sie sich auf risikoreiche Sachen einlassen wie etwa in diesem Beispiel das Motorradfahren? Habt ihr dann weniger Mitleid mit den Schicksalen solcher Personen? Ähnliche Kommentare habe ich auch schon zum Skifahren gehört, man würde sich zum Krüppel fahren und dergleichen.
Das finde ich eine sehr interessante Frage. Ich für meinen Teil finde es schon immer tragisch, wenn man von solchen Unfällen hört. Aber ich kann auch bestätigen, dass mein Mitleid in bestimmten Fällen sinkt. Bei Michael Schumachers Unfall hieß es zunächst, er wäre neben der Piste gefahren. Das hörte sich für mich so an, als er wäre er wie viele andere Skifahrer auch in einem Wald oder so rumgefahren. In dem Moment hatte ich Mitleid wegen der schwere der Verletzung, aber wegen dem "Leichtsinn" trotz der ganzen Warnungen hielt es sich in Grenzen.
Ich glaube, dass es für viele Menschen bei Motorradfahrern ähnlich ist. Es ist ja wirklich nicht das sicherste Verkehrsmittel und es gibt viele Raser, daher sehen Menschen es als leichtsinnig an. Ob der Unfall nun geschehen ist, weil ihm ein Autofahrer die Vorfahrt genommen hat, spielt dabei zunächst keine Rolle.
In meinen Augen gibt es aber auch wesentlich leichtsinnigere Freizeitbeschäftigungen als Motorradfahren, z.B. Basejumping, und ich persönlich bin der Meinung, dass Personen, die so leichtsinnig sind, mehr für Versicherungen und ähnliches bezahlen sollten, da sie freiwillig ein wesentlich höheres Risiko als andere Menschen eingehen.
Mit einem Motorrad einen Unfall zu haben, kommt nicht nur häufiger vor, weil Motorradfahrer alle Raser sind. Aber wenn es zu einem Unfall kommt, ist der Unfallgegner eben meistens ein tonnenschweres Auto und die Insassen sitzen einigermaßen geschützt in dem Kasten drin. Der Körper eines Motorradfahrers ist dem Unfall mit voller Wucht ausgeliefert.
Dieses Risiko geht man mit dem Hobby Motorradfahren einfach ein. Das sollte man wissen und es ganz bewusst machen. Und somit plant man solche Unfälle ein, wenn man sich auf das Motorrad setzt. Und diese Planung mindert dann schon mein Mitleid. Er hat das ja ganz bewusst in Kauf genommen. So wie alle Menschen, die ein risikoreiches Hobby wählen.
Wenn ein Autofahrer meint, durch die Gegend rasen zu müssen wie ein Bekloppter, habe ich allerdings noch weniger Mitleid, weil derjenige auch noch andere ganz extrem gefährdet. Das tut ein rücksichtsvoller Motorradfahrer nicht. Worauf soll das Mitleid dann auch beruhen? "Och, der Arme brauchte eben den Adrenalinkick und den Spaß." Nein, da regt sich bei mir nichts.
Ich habe zu Studentenzeiten auf einer Party mal jemanden kennengelernt, dem ein Finger fehlte. Auf Nachfrage erzählte er, dass er betrunken Fahrrad gefahren ist und die Kette sprang raus. Er hat versucht, sie während der Fahrt wieder einzuhängen. Da sind die Mithörenden auch nicht gerade in Beileidsbekunden ausgebrochen. Es war einfach dumm und er muss mit den Konsequenzen leben.
Beim Schumacher, der angeblich abseits der Piste unterwegs war, hatte ich auch kein Mitleid. Ich denke auch nicht, dass diese Leute Mitleid wollen. Wenn sie ehrlich sind, haben sie es halt einfach nicht so richtig verdient. Klar ist die Situation, in der sie nun sind, beschissen. Aber man kann nicht sagen, dass sie es nicht herausgefordert hätten und dass sie davon überrascht wurden.
Aber ganz konkret hängt es schon vom Einzelfall ab. Wie gesagt, gibt es auch rücksichtsvolle und vorsichtige Motorradfahrer. Auch nicht für alle ist es ein Schönwetterhobby, sondern es kann auch einfach ein billigeres Fortbewegungsmittel sein und die einzige Möglichkeit, um z.B. zur Ausbildungsstätte zu gelangen. Vielleicht ist der sehr umsichtige Motorradfahrer auch von einem rücksichtslosen Autofahrer erwischt worden. Dann würde es mir natürlich schon leid tun.
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