Warum sterben so viele alte Leute an Lungenentzündung?

vom 30.12.2013, 14:11 Uhr

Eine Lungenentzündung ist eine schwere Krankheit, keine Frage, aber gerade alte Leute überleben eine Lungenentzündung sehr selten. Warum eigentlich? Kann der Körper denn die Antibiotika nicht mehr verarbeiten?

Meine Oma liegt gerade im Krankenhaus, weil sie durch eine Magen-Darm-Grippe dehydriert ist. Im Nachbarzimmer sind in den letzten 2 Tagen 2 Frauen gestorben, die eine Lungenentzündung hatten. Alle beide kannte meine Oma sehr gut und sie hat sie auch im Krankenhaus besucht, als sie noch gesund war.

Ist eine Lungenentzündung bei alten Leuten immer schlimmer als bei Kindern oder jüngeren Leuten? Der eine Arzt hat wohl zu den Angehörigen der einen Frau gesagt, dass eine Lungenentzündung bei alten Leuten oft aussichtslos ist.

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Um die Entzündung bekämpfen zu können muss auch das Immunsystem stark genug sein. Bei älteren Menschen kommen oft noch andere Krankheiten dazu die den Körper schwächen oder die Lungenentzündung ist überhaupt Folge so einer Grunderkrankung weil Bakterien sich durch die Schwächung so vermehren können dass sie auch die Lunge angreifen. Bei älteren Menschen kommt erschwerend hinzu dass durch die eingeschränkte Arbeit des Immunsystems die Symptome oft nicht zu heftig ausfallen wie bei jungen und diese milderen Symptome oft mit Altersbeschwerden verwechselt werden. Dadurch wird die Erkrankung oft erst spät diagnostiziert und ist dann um so schwerer zu behandeln.

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» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Es gibt die primäre Lungenentzündung und die sekundäre. Die primäre Lungenentzündung ist dann die einzige Krankheit, die der Patient hat. Sprich ein gesunder Mensch bekommt eine Krankheit und das ist dann eine Lungenentzündung. Das geschieht dann meist durch einen bakteriellen Erreger, wie z.B. Pneumokokken oder Grippe.

Die sekundäre Lungenentzündung bekommen Menschen, die durch einen Risikofaktor dafür prädestiniert sind. Das können andere Lungenkrankheiten sein oder ein schwaches Abwehrsystem, weil es durch andere Krankheiten schon beschäftigt genug ist, z.B. HIV, Alkoholismus, Krebs oder Diabetes. Oder eben Altersschwäche. In einem gesunden Körper wird der Erreger bekämpft und es kommt erst gar nicht zur Lungenentzündung, aber solch geschwächte Körper haben dem nichts entgegenzusetzen.

Was zu der vorhergehenden Krankheit noch hinzukommt, ist oft die Bettlägerigkeit. Wenn man schon länger im Bett liegt, hat man wochenlang nur ziemlich flach und eingeschränkt geatmet. Die richtige Lagerung von Patienten ist hier ganz wichtig.

Die Behandlung der sekundären Lungenentzündung ist extrem schwierig, weil man eigentlich zwei (oder noch mehr) Krankheiten behandeln muss. Die durchschnittliche Todesrate hat sich durch Antibiotika kaum verbessert. Es gibt da vier Fragen, die ein Arzt beim Eintreffen des Patienten stellt. Das System nennt sich CURB-65. Während "C" für Confusion, also Verwirrung steht und das "B" für Blutdruck, steht das "65" für das Alter. Je nachdem, wie bei diesen vier Fragen die Werte sind, sind die Erfolgsaussichten. Aber älter zu sein als 65 Jahre ist schon mal nicht gut.

Die sekundäre Lungenentzündung bringt mehr Menschen in Krankenhäuser als Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dafür wird aber ganz schön wenig darüber diskutiert.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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