Ist künstliches Koma unbedenklicher als 'echtes' Koma?

vom 30.12.2013, 12:40 Uhr

Im Moment sind ja die Pressemitteilungen voll von Berichten von Michael Schuhmacher, der nach einem schweren Skiunfall im künstlichen Koma liegt. Wenn ich manche Leute so reden höre, dann denkt man, dass so ein künstliches Koma nicht so schlimm ist, wie ein Koma, welches nicht durch die Ärzte hervorgerufen wurde. Denn viele meinen, dass man einen Patienten aus einem künstlichen Koma irgendwann holen kann. Bei einem echten Koma ist es fraglich, ob derjenige überhaupt noch einmal aufwacht.

Ist ein künstliches Koma wirklich nicht ganz so schlimm wie ein echtes Koma? Gibt es einen Unterschied bei der Verfassung eines Patienten, wenn er in unfreiwillig in ein Koma fällt als wenn er in ein Koma gelegt wird? Wie kann man sich so ein künstliches Koma oder ein anderes Koma vorstellen?

Benutzeravatar

» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Der Begriff "Koma" ist in diesem Zusammenhang falsch, wird aber von den Medien oft genutzt. Der Patient wird beim künstlichen Koma längere Zeit in Narkose gehalten um ihm Schmerzen zu ersparen und dem Körper die ungestörte Heilung zu ermöglichen, "künstlicher Tiefschlaf" trifft es besser. Mit Verminderung der Narkose ist dieser Zustand sofort aufgehoben. Eine Beeinträchtigung der Großhirnrindenfunktion wie beim Koma gibt es aber nicht.

Koma an sich ist keine Krankheit, es ist ein Symptom das bei vielen Gehirnkrankheiten, bei Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen auftreten kann und dessen Schwere sich nach der Grunderkrankung richtet. Die Schwere eines Komas wird in vier Grade eingeteilt, je nach Tiefe des Komas. Als Faustregel gilt: je höher der Grad um so unwahrscheinlicher ein Aufwachen.

Benutzeravatar

» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Karteileiche hat geschrieben:Der Patient wird beim künstlichen Koma längere Zeit in Narkose gehalten um ihm Schmerzen zu ersparen und dem Körper die ungestörte Heilung zu ermöglichen, "künstlicher Tiefschlaf" trifft es besser. Mit Verminderung der Narkose ist dieser Zustand sofort aufgehoben.

Also hier muss ich doch mal entschieden wiedersprechen. Wenn dem so wäre, würde es ja nie Narkosezwischenfälle geben. In der Realität kommt es aber eben auch bei ganz normalen Narkosen zu Beeinträchtigungen der Hirnfunktion, die in seltenen Fällen auch zu Problem führen können, jemanden wieder aus der Narkose zu holen. Einfach Medikamentenzufuhr aus und alles ist wieder gut, gibt es da eben nicht immer.

In dem hier geschilderten Fall geht es aber noch einmal um etwas ganz anderes. Ein Patient wie Michael Schumacher mit schweren Kopf- und Hirnverletzungen wird in aller Regel ja nicht einfach aus Lust und Laune in ein künstliches Koma versetzt. Vielmehr werden solche Patienten narkotisiert und intubiert, weil sie sonst oftmals nicht mehr ausreichend ihre Vitalfunktionen erhalten könnten, also ohne solche Narkose an ihrer Grundkrankheit früher oder später sterben würden. Schon daran sieht man, dass das Grundproblem ja nicht die Narkose selber ist, sondern die Erkrankung, die erst dazu führt, dass man jemanden in dieses künstliche Koma versetzt. Somit kann es damit natürlich auch, wenn die Grunderkrankung nicht ausreichend erfolgreich behandelt werden konnte oder im Laufe der Behandlung zu schwere Folgeverletzungen mit sich brachte, dazu führen, dass man auch Patienten, die erst durch Ärzte in solch ein künstliches Koma versetzt wurden, nicht wieder aus dem Koma erwecken kann.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^