Ärzte, die dem Verschreibungswunsch der Patienten nachgeben

vom 08.12.2013, 14:06 Uhr

Kennt ihr Ärzte, die den Patienten das verschreiben, was sie gerne haben wollen? Ich kenne einen Arzt, bei dem habe ich das Gefühl, dass man wirklich nur sagen braucht, was man haben will und schon wird ein Rezept ausgeschrieben. So hat ein Bekannter, dessen Hausarzt das ist, einfach nur dort angerufen und gebeten ein Schlafmittel zu bekommen und er bekam dann auch das Schlafmittel verschrieben, welches er haben wollte. Es ist ein verschreibungspflichtiges Mittel. Er konnte es also nicht so ohne weiteres in der Apotheke holen.

Auch hat meine Mutter dort schon, obwohl sie nicht dort in Behandlung ist, als ihr Hausarzt in Urlaub war, dort angerufen und sie bekam sofort eine 50 er Packung Ibuprofen600 verschrieben. Also nicht mal erst eine kleine Packung, weil der Arzt sie ja nicht kennt.

Ist es denn heutzutage schon fast normal, dass es Ärzte gibt, die den Wünschen der Patienten nachgeben und das verschreiben, was die Patienten wollen, damit sie sich Patienten ziehen, die regelmäßig kommen? Was ist wohl der Grund, warum es Ärzte gibt, die einfach Rezepte ausstellen?

Benutzeravatar

» Ampelmännchen » Beiträge: 1310 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kenne auch so einen Arzt, bei dem ich finde, dass er oder besser gesagt seine Sprechstundenhilfen genau das aufschreiben, was die Patienten wollen. Das finde ich auch erstaunlich, dass die Patienten diese Praxis betreten, die Abschnitte der Packungen vorlegen um zu belegen, was sie verordnet bekommen möchten und dann haben sie ganz schnell das Rezept in der Hand und gehen wieder. Es erfolgt keine Untersuchung, ob das Medikament wirklich notwendig ist und der Arzt selber bekommt diese Patienten auch nicht zu sehen. Ob das bei Schlafmitteln auch funktioniert, kann ich nicht sagen, aber auf jeden Fall ist es bei regelmäßig genommenen Mitteln in der Praxis so, dass der Patient quasi die Verordnung bestimmt.

Das finde ich schon irgendwie komisch. Bei meinem Hausarzt wäre dies nicht möglich. Dieser möchte die Patienten immer sehen, bevor er etwas verordnet. Auch wenn es um regelmäßig genommene Medikamente geht, möchte er kontrollieren, ob diese überhaupt noch erforderlich sind oder ob die Dosis vielleicht angepasst werden muss. Wenn ich aber die Kunden in der Apotheke höre, ist es wirklich oft so, dass sie einfach sagen, was sie verordnet bekommen möchten und die Ärzte oder Sprechstundenhilfen dies dann auf das Rezept drucken.

Als Grund würde ich wohl einen Zeitmangel vermuten. Die Ärzte haben nicht mehr so viel Zeit für die Patienten und sind wahrscheinlich dankbar, wenn es Patienten gibt, die nach einer Verordnung sofort die Praxis wieder verlassen und kein Gespräch mit dem Arzt wünschen. Auch die Patienten sind sicher dankbar, dass sie ihre Verordnung schnell bekommen und dann wieder aus der Praxis draußen sind.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Es kommt sicherlich auch auf das Mittel drauf an. Wenn ich beispielsweise mein Schilddrüsenmedikament brauche, muss auch kein Arzt noch mal drüber schauen und ich bekomme das Medikament einfach so aufgeschrieben. Damit kann man aber auch keinen Schindluder treiben und ich denke, dass es bei manchen Medikamenten einfach wichtig ist, dass man sie nicht einfach so bekommt.

Bei meinem Hausarzt bekommt man nur Medikamente, die man vorher auch schon mal bekommen hat, ohne ihn zu sehen. Er unterschreibt das Ganze ja aber auch noch und schaut immer noch mal drüber und schaut auch in die Patientenakten um sicher zu sein, dass er da nichts falsch macht. Das finde ich gut, weil er sich damit absichert und man auch als Patient nicht süchtig werden kann von irgendwelchen Sachen. Es ist schon schade, wenn Ärzte einfach das aufschreiben, was der Patient möchte, ohne sich das Ganze mal anzusehen. Zudem ist es auch gefährlich.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Ich bekomme bei meinem Hausarzt schon immer genau das verschrieben, was ich gerne hätte. Von hochdosierten Schlafmitteln über Schmerzmittel bis zu Psychopharmaka habe ich schon alles bekommen, ohne große Probleme.

Dass mir nur die Sprechstundenhilfen ein Rezept geben, kann ich mir nicht vorstellen. Das habe ich aber auch nie ausprobiert, sondern war bei jedem Rezeptwunsch immer beim Arzt und habe mit ihm darüber gesprochen. Was allerdings von den Sprechstundenhilfen gemacht wird, ist, dass sie die Dosis auf dem Rezept erhöhen, auch wenn die eigentlich verschriebene Dosis geringer war. Das ist bisher aber nur einmal vorgekommen und war auf ein Versehen von mir zurückzuführen, nicht auf Absicht. An dem Tag war der Doktor nicht da und sie mussten halt auf meine Angaben vertrauen. Hätten sie weniger verschrieben als ich tatsächlich nehme, wäre das schlimmer gewesen als andersherum.

Mit dem Arzt selbst hatte ich auch noch nie Probleme bezüglich der gewünschten Medikamente. Ich hatte für jeden Wunsch meine Gründe und konnte die auch logisch darlegen. Sein es nun die Schlafmittel oder die bestimmten Schmerzmittel, die ich im Ausland ohne Rezept erhalten und als sehr hilfreich befunden habe. Er hat mir auch ein Medikament verschrieben, das ich ursprünglich von einem anderen Arzt verschrieben bekommen hatte, ohne dass mein Hausarzt davon unterrichtet worden war. Als dieser Arzt dann im Urlaub war, bin ich zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm die Situation erklärt. Er hat mir einfach geglaubt und den Wahrheitsgehalt nicht überprüft.

Ich habe in der Praxis aber auch schon oft erlebt, dass irgendwelche Leute ihre Rezepte nicht einfach bekommen haben, sondern ein großer Aufriss darum gemacht wurde. Insofern gehe ich mal davon aus, dass ich meine Medikamente wunschgemäß bekomme, weil ich sie einfach sinnvoll begründen kann und wohl auch nicht den Eindruck mache, als würde ich irgendeinen Blödsinn mit seinen Rezepten anstellen.

Benutzeravatar

» CCB86 » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 2,88 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Solche Ärzte gibt es schon. Ich finde diese aber viel besser, die mir das geben, was ich will, als andere, die nur etwas verschreiben, um ein gewisses Kontingent an Medikamenten weiterzuvermitteln. Viele Medikamente passen oft nicht und landen dann leider im Müll. Daher kann man als Patient, bei guten Erfahrungen mit seinen Medikamenten, schon gerne Wünsche beim Arzt deponieren dürfen.

» celles » Beiträge: 8677 » Talkpoints: 4,08 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Als "normal" würde ich es nicht unbedingt bezeichnen, dass Ärzte einfach verschreiben, was ein Patient sich wünscht, ohne vorher eine genaue Diagnose zu stellen und über die tatsächlich angebrachte Medikation nachzudenken. Allerdings gibt es solche Ärzte tatsächlich.

So weiß ich, dass beispielsweise einer meiner ehemaligen Ärzte gerne direkt verschrieben hat, was die Patienten sich von ihm wünschten. Dafür wirkte er überfordert, wenn er mal selber eine Diagnose stellen musste. Das war dann letztendlich auch einer der Gründe, wieso ich diesen Arzt nach sage und schreibe zwei Besuchen wieder abgeschrieben habe. Schließlich gehe ich zum Arzt, wenn ich wissen möchte, welche Erkrankung sich hinter meinen Beschwerden verbirgt, und nicht, weil ich irgendwelche verschreibungspflichtigen Mittelchen bestellen möchte und dafür ein ärztliches Rezept brauche. Und für meinen Zweck war dieser Arzt offenbar erschreckenderweise gänzlich ungeeignet.

Außerdem weiß ich noch von einer entfernten Bekannten, die immer prahlte, sie brauche ihrem Arzt nur sagen, was sie wolle, dann bekäme sie das Medikament auch, egal, wie stark es sei. Diese Frau wünschte sich dann nur dummerweise einmal ein gänzlich ungeeignetes, heftiges Präparat und landete dann mit den Nebenwirkungen, die sie bekam, im Krankenhaus. Abgesehen davon war dieses Medikament für ihre Erkrankung auch gar nicht geeignet gewesen. An sich eine Ungeheuerlichkeit. Ich kann mich aber leider nicht daran erinnern, dass der Arzt für dieses Verhalten bestraft oder auch nur auf irgendeine Art und Weise abgemahnt worden wäre.

Das größte Problem, das bei so einem Verhalten vorliegt, ist wohl tatsächlich, dass damit Medikamentenmissbrauch Tür und Tor geöffnet sind. Bei solchen Ärzten kann man sich vermutlich auch süchtig machende Mittel problemlos in größeren Mengen und über längere Zeiträume hinweg "bestellen", also beispielsweise auch starke, chemische Schlafmittel. Bei manchen Ärzten habe ich sogar die Befürchtung, dass sie so skrupellos sind, dass sie sogar Opiate einfach so verschreiben würden. Wobei ich vom indikationslosen Verschreiben von Opiaten zugegebenermaßen noch nichts mitbekommen habe, aber beispielsweise, dass eine gesunde Person sich aus Doping-Gründen bei so einem Arzt nicht gerade ungefährliche Herzmedikamente, die angeblich leistungssteigernd wirken sollten, ordern konnte. So etwas darf einfach nicht sein. Aber real gibt es solche Fälle leider tatsächlich.

Benutzeravatar

» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^