Wo beginnt gesundes Misstrauen krankhaft zu werden?
Man redet ja immer von "gesundem" Misstrauen, welches man wohl anderen gegenüber haben soll. Aber wo hört gesundes Misstrauen auf und wo beginnt dann das krankhafte Misstrauen? Denkt ihr, dass ihr zu vertrauensselig seid oder ist euer Misstrauen oft schon krankhaft und ihr misstraut schon eher den Menschen, auch wenn sie es nicht verdient haben?
Könnt ihr von euch sagen, dass ihr ein gesundes Misstrauen habt oder ist es schon krankhaft und wie macht sich das bemerkbar, dass es nun doch eher krankhaft ist?
Krankhaft finde ich es, wenn man hinter allem etwas Böses vermutet. Da ist zum Beispiel jemand nett zu einem und man vermutet, dass da was anderes als nur Nettigkeit dahinter steckt. Und wenn ich wirklich immer misstrauisch bin, dann ist das sicherlich nicht normal.
Ich bin definitiv auch ein eher misstrauischer Mensch. Von Grund auf war ich vielleicht naiv und wenn man dadurch einmal zu oft schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann ändert man das eben irgendwann. Da hat man eben irgendwann keine Lust mehr, ständig für Leute einzuspringen, denen zu helfen oder aus der Klemme zu helfen.
Und wenn man dann selber mal Hilfe braucht, dann sind diese Menschen plötzlich nicht erreichbar. Aus diesem Grund wäge ich schon ab, ob ich nun manchen Menschen helfe, ob sie es verdient haben oder ob es besser ist, wenn man sich raus hält. Das ist für mich dann aber gesundes Misstrauen.
Ich bin eigentlich nicht schnell misstrauisch, was mir leider auch schon mal geschadet hat. Seitdem bin ich doch etwas vorsichtiger geworden. Ein gewisses Maß an Misstrauen ist sicherlich auch gesund und normal.
Krankhaft wird es mit Sicherheit, wenn alles in Frage gestellt wird und gar nichts mehr einfach hingenommen wird, ohne eben sein Misstrauen darüber zu äußern. Manche Menschen sehen ja hinter den einfachsten Dinge etwas schlimmes. Das würde mich dann schon nerven und ich würde es als nicht mehr normal bezeichnen.
Misstrauen gegenüber Fremden ist möglicherweise bis zu einer bestimmten Grenze noch normal. Ich bin beispielsweise misstrauisch, wenn mir wildfremde Menschen durch selbstlose Taten helfen wollen. Das liegt aber eher daran, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass nur die Menschen, die dich wirklich kennen und lieben, dir gegenüber selbstlos sein können. Bei Fremden ist das meiner Meinung nach absolut selten oder zumindest habe ich das noch nie erlebt.
Krankhaft wird Misstrauen meiner Meinung nach, wenn man sogar seinem Partner oder den allerbesten und engsten Freunden bei jedem Schritt und jedem Satz misstraut. Ein gewisses Grundvertrauen sollte bei derartig engen Verhältnissen oder Beziehungskonstellationen meiner Meinung nach schon vorhanden sein.
Gesundes Misstrauen ist für mich beispielsweise, wenn jemand etwas erzählt, dass ganze aber so utopisch ist, dass man es einfach nicht glauben kann und will. Dann ist es ganz normal das man der Person gegenüber ein Misstrauen entwickelt und ihr nicht glaubt.
Misstrauen finde ich auch dann immer noch gesund, wenn man Personen, die einen schon mal enttäuscht haben, nicht alles sofort glaubt und das ganze ab und an hinterfragt. Man wird sich dann immer noch vom Gegenteil überzeugen lassen können, aber im Vorfeld malt man sich eben nicht das allergrößte aus und erinnert sich daran, dass man von derjenigen Person auch schon mal bitter enttäuscht worden ist. Wenn das beispielsweise bei einer sehr guten Freundin passiert, hat man das manchmal noch einige Tage und Wochen im Hinterkopf und entwickelt dann einfach ein gesundes Misstrauen, um nicht nochmals so enttäuscht zu werden. Auch das ist meiner Meinung nach ganz normal und hat nichts mit einem krankhaften Missvertrauen zu tun.
Ein krankhaftes Missvertrauen ist für mich beispielsweise, wenn man seinen Freund in einer Beziehung nicht einen Abend alleine rausgehen lässt, da man immer Angst hat, dass dein Freund etwas "schlimmes" machen könnte, sprich du hättest immer das Gefühl, dass er bspw. etwas mit einer anderen hat, wenn du gerade nicht dabei bist. Das ist dann definitiv ein krankhaftes Missvertrauen, da es einfach nicht mehr im Bereicht des Normalen liegt. Krankhaftes Missvertrauen gehen aber meistens auch große Ängste hervor, die man einfach zu keinem Zeitpunkt des Lebens unterdrücken kann. Das sieht man auch ganz gut am oben genannten Beispiel: das krankhafte Missvertrauen ist ja eben nicht nur das krankhafte Missvertrauen, sondern auch einfach die Angst, dass zu sehen, was man nie sehen möchte.
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