Röntgen bei Schwangerschaft - Wie konnte das passieren?
Eine Freundin von mir wurde vor drei Wochen geröntgt. Sie hatte große Probleme mit ihrem Knöchel und blöderweise kam sogar noch beim Zahnarzt eine Behandlung dazu. Im Krankenhaus haben die Ärzte sie vor dem Röntgen gefragt, ob sie schwanger sei. Ihr Mann und sie verhüten und nicht und versuchen es schon lange und daher bat sie darum, dass man einen Test mache. Die Ärzte meinten dann, sie hätten sogar doppelt getestet und die Tests seien negativ. Daher machte sie sich wegen ihrer Zähnen dann eine Woche später auch keine Gedanken.
Doch es stellte sich jetzt heraus, dass sie doch schwanger ist und zwar schon in der 9. Woche! Das heißt, sie war beim Röntgen schon in der 6. Woche und das gilt ja vor allem am Anfang der Schwangerschaft als höchst riskant. Sie kann das natürlich nicht fassen, dass die Tests negativ waren und macht sich natürlich riesige Sorgen. Wie konnte so etwas nur passieren? Sie hat absolute Panik, dass ihr Kind großen Schaden genommen hat und fürchtet sich vor allem vor einer Fehlgeburt.
Es kann ohne Probleme sein das in der sechsten Schwangerschaftswoche noch kein Test positiv angezeigt hat. Bei mir war es noch später. Je nachdem welcher Test verwendet wird zeigt er früher oder später positiv an. Bei mir war es überhaupt erst in der achten Woche und vorher hat er beim Arzt auch negativ angezeigt. Ich denke nicht dass es beim Röntgen zu einem Problem gekommen ist. Es muss ja hin und wieder trotz dem Wissen von einer Schwangerschaft geröntgt werden. Ansonsten soll sie zu ihrem Frauenarzt gehen und sich aufklären lassen was passiert sein kann und sich auch gleich die Gewissheit holen das nichts passiert ist.
Es ist zwar richtig, dass die Tests mitunter natürlich nicht sofort anschlagen, weil der HCG Wert ja erst steigt, aber eigentlich kann man in der 6. Woche schon davon ausgehen, dass gerade ein Test beim Arzt eine Schwangerschaft auch positiv anzeigt. In der 2. Woche hätte ich gesagt, dass es natürlich sein kann, dass der Wert einfach noch nicht hoch genug ist, aber in der 6. Woche? Selbst handelsübliche Schwangerschaftstest zeigen eine Schwangerschaft meist ein paar Tage nach dem eigentlichen Einsetzen der Menstruation an.
Aber mehr als testen und fragen können die beim Arzt nun auch nicht. Viele verlassen sich natürlich auch darauf, dass die Frauen aussagekräftig auf die Frage antworten können und ich kenne es vom röntgen auch so, dass Frauen alle einen Zettel unterschreiben, dass sie versichern, nicht schwanger zu sein. Wenn sie einen solchen Zettel unterschrieben haben sollte, dann sieht es schlecht aus.
Ich würde auch noch einmal beim Frauenarzt alles abchecken lassen. Natürlich besteht ein Risiko wenn man in der Schwangerschaft röntgt, aber das muss noch lange nicht heißen, dass etwas passiert ist. Einfach mal zum Arzt gehen und sich keinen Stress machen.
Selbst ich in meinem Alter über 50 muss bei meinem Zahnarzt unterschreiben, dass keine Schwangerschaft besteht und als ich vor einigen Monaten mal am Fuß geröntgt wurde musste ich das auch unterschreiben. Auch als meine Schilddrüse untersucht wurde sicherten sich die Ärzte mit einer Unterschrift ab. Und so ist es auch normalerweise. Wenn sie das also unterschrieben hat, ist sie selber Schuld, dass sie sich hat röntgen lassen.
Aber wenn man sich verletzt und das Sprunggelenk geröntgt werden muss, welche Alternative bleibt denn dann noch? Ein Röntgen ist dann oft unumgänglich, weil ja auch eine Splitterung sein kann, die operiert werden müsste und ein steifes Fußgelenk wäre dann die Alternative? Ich denke, dass man den Bauch ja auch ziemlich gut mit der Bleischürze schützt. Und ich glaube nicht, dass dann mit dem Baby was passiert ist. Sie soll sich nicht verrückt machen. Sicher ist es jetzt vielleicht kein gutes Beispiel. Aber Hunde werden oft direkt am Bauch geröntgt um genau zu sehen wie viele Welpen im Bauch sind und da passiert auch nichts. Vielleicht beruhigt das aber die Frau ein wenig.
Diamante hat geschrieben:Aber wenn man sich verletzt und das Sprunggelenk geröntgt werden muss, welche Alternative bleibt denn dann noch?
Im Grunde halt einfach gar nicht röntgen. Man sollte ja immer erstmal selber untersuchen und dann muss man eben schauen, ob man tatsächlich einen dringenden Verdacht hat und wenn dieser immer noch da ist, kann man auch versuchen zunächst ein MRT zu machen. Das ist zwar unter Umständen nicht sofort verfügbar bzw. ohne Röntgen nicht so aussagekräftig, aber es ist halt keine Strahlenbelastung.
Man muss sich ja auch überlegen, dass der Großteil der Röntgenaufnahmen ja nicht dem Nachweis eines Bruches dient, sondern dem Nachweis, dass wirklich kein Bruch da ist. Die Wahrscheinlichkeit ohne Röntgen einen Bruch zu übersehen dürfte rein statistisch höher liegen als durch das Röntgen einen Bruch zu finden, wie gesagt rein statistisch. Nun muss man dann eben zusammen mit der Schwangeren überlegen, ob es tatsächlich so schlimm ist, dass man sofort röntgen sollte und Risiken für die Schwangerschaft in Kauf nimmt oder einfach mit normalen physikalischen Maßnahmen (hochlegen, kühlen) und Schmerzmitteln, die Verletzung nicht so in den Griff bekommt und das Röntgen erst dann durchführt, wenn es zum Beispiel nach einer Woche nicht besser wird.
Das muss man dann immer im Einzelfall abwägen, aber wenn man nun schon schwanger geröntgt wurde, kann man das nun ja auch nicht mehr ändern. Es heißt ja nun auch nicht, dass nun gleich jedes Röntgen bei einer Schwangeren im 1 Trimenon zu Schäden oder einem Schwangerschaftsabbruch führt. Es ist halt nur ein Risiko, dass man wissentlich nicht einfach so eingehen sollte, wenn keine zwingende Notwendigkeit für eine Röntgenuntersuchung besteht.
Ich würde mich später noch einmal zu diesem Thema melden weil ich jetzt keine Unterlagen zur Hand habe die meine Aussagen untermauern, aber Röntgenuntersuchungen während der Schwangerschaft sind nicht so problematisch wie es oft dargestellt wird. Zahnröntgen schon gar nicht, die Dosen die man dort abbekommt sind viel zu gering. Auch wurde nicht der Uterus geröntgt sondern der Knöchel. Das ist schon ein himmelweiter Unterschied in der Bewertung. Röntgenstrahlen werden sehr sparsam eingesetzt, da gilt das Minimierungsgebot. Auch nimmt die Strahlenbelastung quadratisch zur Entfernung (also hier zum Uterus) ab.
Notfalls kann jeder Röntgenarzt die ab bekommende Dosis zumindest Überschlagmäßig berechnen. Bei Dosen im Grenzbereich ist er verpflichtet einen Medizinphysikexperten hinzuzuziehen der dann eine Empfehlung abgibt. Aber das ist wirklich extrem selten, darauf kannst du dich verlassen.
Selbst bei der Computertomographie, das ist die Untersuchungsmethode wo der ganze Körper einer extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt ist wird nur in Ausnahmefällen ein Interruptus empfohlen. Ich empfehle auch dringend nicht die sogenannten Expertenseiten zum Thema Röntgen zu Rate zu ziehen wo sich jeder zu Wort melden kann sondern offizielle Internetseiten, zum Beispiel von der Bundesanstalt für Strahlenschutz.
So, ich hatte ja bereits angedeutet dass ich noch ein paar Informationen zur Röntgendiagnostik bei Schwangerschaften liefern wollte. Das Thema ist ja immer aktuell und wenn es hilft ein paar Ängste zu nehmen dann würde ich mich freuen.
Das große Problem ist die falsche Risikowahrnehmung der Bevölkerung. Das heißt, die Sorgen vor der nicht sichtbaren Gefahr ist sehr groß und das Wissen darüber bei einem Normalbürger sehr gering. Spektakuläre Fälle in den Medien, auch von unwissenden Journalisten hoch gepuscht, brennen sich auf ewig in unser Gedächtnis ein. Die meisten Diskussionen sind bei diesem Gebiet eher emotional geführt und oft auch sehr unsachlich. Aber diese naturwissenschaftlichen Zusammenhänge sind sehr komplex und für einen Laien nur schwer zu durchschauen. Es ist bedeutend gefährlicher für eine Schwangere über die Straße zu gehen und dann Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden. Es gibt weit größere Schwangerschaftsrisiken, zum Beispiel Stress, Depressionen, Alkohol, Umwelteinflüsse, Koffein, Eisen– oder Folsäuremangel.
Fakt ist aber dass bei 90 Prozent aller Fälle in denen eine Schwangere Röntgenstrahlen ausgesetzt wurde absolut kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bei dem Ungeborenen bestehen. Es gilt hier auch das „alles oder nichts“-Prinzip. Das heißt, wenn ein Fötus extremen Röntgenstrahlen ausgesetzt war dann stirbt er entweder ab oder er entwickelt sich ganz normal weiter.
Es ist aber richtig, Schwangere dürfen in der Regel nicht geröntgt werden wenn man darüber Bescheid weiß. Im Normalfall fragt jeder Arzt vor dem Röntgen einer gebährfähigen Frau ob diese Schwanger ist. In Zweifelsfällen können auch schnelle Bluttests darüber Aufschluss geben, in der Regel wird so etwas im Krankenhaus vor den Computertomografien standardmäßig durchgeführt. Hier sind die zu erwartenden Dosen besonders hoch. Beim Zahnarzt testet man aber nicht, auch nicht bei allen anderen konventionellen Röntgenaufnahmen wie bei einem Knöchelbruch. Wenn eine Schwangerschaft nicht auszuschließen ist oder sie bestätigt wurde dann ist durch den Arzt ganz besonders zu prüfen ob die Röntgenaufnahme wirklich unbedingt medizinisch notwendig ist. Damit ist gemeint welche Risiken für die Schwangere bestehen wenn nicht geröntgt wird.
Zur Beurteilung des Strahlenrisikos ist unter anderem die Organdosis des Uterus entscheidend. Bei den meisten Untersuchungsverfahren ist die effektive Dosis sehr gering. So bekommt man durchschnittlich beim Röntgen der Zähne und der Extremitäten weniger als 0,01 mSV ab und bei einer CT des Abdomens etwas zwischen 8,8 und 16,4 mSV.
Für das weitere Vorgehen bei einer Exposition durch Röntgenstrahlen gibt es Vorgaben die auch dokumentiert werden müssen. Wenn eine grobe Abschätzung durch den Arzt ergibt dass die Uterusdosis unter 20 mSV liegt ist nichts weiteres zu veranlassen, liegt sie bis 100 mSV dann muss eine genaue Abschätzung durch einen fachkundigen Arzt oder einen Medizinphysiker erfolgen und bei über 100 mSV muss durch diese Fachkundigen genau mit Messwerten berechnet werden. Erst ab dieser Grenze würde gegebenenfalls eine Empfehlung zu einer Interruptio erfolgen.
Es ist merkwürdig, dass der Schwangerschaftstest negativ ausgefallen ist, denn die Tests sind mittlerweile sehr zuverlässig. Daher würde ich zuerst einmal die neunte Schwangerschaftswoche anzweifeln. Denn die Woche wird ja anhand der letzten Periode berechnet. Deine Freundin hat ja anscheinend einen unregelmäßigen Zyklus, sonst hätte sie ja gleich nach Ausbleiben der Periode Verdacht schöpfen müssen. Daher vermute ich, dass sie in Wirklichkeit in einer früheren Schwangerschaftsphase ist.
Aber selbst wenn nicht - es ist extrem unwahrscheinlich, dass das Röntgen am Fußgelenk und am Zahn schädliche Auswirkungen auf das Baby hat. Um ihre Ängste abzumildern, sollte sie auf jeden Fall mit ihrem Frauenarzt darüber sprechen.
hooker hat geschrieben:Fakt ist aber dass bei 90 Prozent aller Fälle in denen eine Schwangere Röntgenstrahlen ausgesetzt wurde absolut kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bei dem Ungeborenen bestehen.
Fakt ist aber auch, dass es den übrigen 10 Prozent überhaupt nichts nutzt und wenn ich mir wir gehen jetzt mal nur von Schwangeren aus und wir machen da eine Untersuchung bei der jede 10. (!) Schäden davon trägt, finde ich ist das ein unverhältnismäßig hohes Risiko.
Was du aber ja auch gut dargestellt hast und was ich genauso teile, man kann das Risiko mit der bewussten und gründlich überlegten Indikationsstellung ja deutlich reduzieren. Ein Großteil der Röntgenaufnahmen wird ja eh bloß zur Beruhigung des Patienten gemacht. Es fühlt sich doch kaum jemand ernst genommen, wenn er zum Arzt geht und der dann sagt, ach da brauchen wir nichts machen, obwohl das ja an sich die beste Antwort für den Patienten wäre.
Wenn es halt sein muss, dann muss man eben auch eine Schwangere röntgen. Aber es sollte halt einen guten Grund dafür geben. Nur um die Sicherheit, dass nichts gebrochen ist von 99% auf 99,9% zu erhöhen, ist es doch ethisch kaum vertretbar. Weniger ist da dann manchmal einfach mehr. Es wird ja kaum jemand auf die Idee kommen, bei einem völlig verdreht liegen Bein, was nicht mehr bewegt werden kann, nicht zu röntgen. Aber wenn sich zum Beispiel das Sprunggelenk noch normal bewegen lässt, dann spricht ja auch nichts dagegen, erstmal eine Woche abzuwarten.
Das mit dem Risiko ist so eine Sache weil da unheimlich viele Faktoren von Bedeutung sind. Unter anderem spielt auch eine erbliche Vorbelastung eine Rolle oder wie oft der Körper schon geröntgt wurde. Deshalb die doch hohe Prozentzahl die ein erhöhtes Risiko aufweisen. Ein erhöhtes Risiko bedeutet aber auch nicht unbedingt dass jemand daran erkranken wird. Es heißt nur dass ein höheres Risiko dafür besteht Schäden zu nehmen. Das kann im Promillebereich sein oder auch höher. Ein Raucher der eine Zigarette mehr raucht als sonst für ihn üblich hat auch sein Risiko erhöht an Lungenkrebs zu erkranken.
Ich weiß nicht ob es bekannt ist dass die Mamma-Untersuchungen für die über Fünfzigjährigen bei den Medizinern und Strahlenschützern sehr umstritten ist. Es ist leider erwiesen dass ein bestimmter Prozentsatz der Patientinnen wegen dieser Vorsorgeuntersuchungen erkranken wird, und zwar nicht wegen Brustkrebs sondern wegen der erforderlichen Röntgendosis bei dieser Untersuchung. Man streitet sich in Fachkreisen darüber was besser oder schlechter für die Patientinnen ist. Auch das gehört zur Risikoabschätzung.
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