Wie kann ein Arzt Fehldiagnosen ausschließen?
Wenn ein Arzt unsicher ist, ob seine Diagnose richtig ist, schickt er den Patienten grundsätzlich zu einem Kollegen oder macht er sich die Mühe, diesen Kollegen telefonisch um Rat zu fragen? Es ist ja durchaus möglich, dass der Kollege schon lange praktiziert und hier weiter helfen kann.
Oder macht ein Arzt das grundsätzlich nicht und versucht erst einmal in entsprechenden Fachbüchern nachzulesen. Das heißt, dass er den Patienten bis zum nächsten Tag mit einer Ausrede - vielleicht Blutsenkung - vertröstet.
Ist es nicht hundertprozentig ausgeschlossen, dass es sich auch um eine andere Krankheit handeln könnte, wie wird der Arzt dann weiter verfahren? In jedem anderen Beruf fragt man einen Kollegen, wenn man nicht weiter weiß, das ist normal. Verfahren Ärzte ebenso? Ich fände das ganz normal, denn nicht jeder kann alles wissen, vor allem, wenn ein Arzt noch nicht lange praktiziert. Und Nachfragen sind immerhin besser, wenn Zweifel bestehen, als eine Fehldiagnose zu stellen.
Im Krankenhaus ist es grundsätzlich so, dass der alltägliche Kontakt und Austausch unter den Ärzten üblich ist, auch Fragestellungen, was die Krankheiten, Diagnosen, etc. von Patienten angeht. Darüber hinaus hat man noch die Oberärzte, die einem zur Seite stehen, nicht zu vergessen dann noch den Chef, der ebenfalls nahezu alle (neu aufgenommenen) Patienten vorgestellt bekommt.
Bei den Hausärzten bzw. niedergelassenen Fachärzten ist der Wissensaustausch etwas schwierig. Mein Hausarzt beispielsweise stellt nach der üblichen Anamnese und der obligatorischen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose auf, nach der er den Patienten behandelt. Schlägt die Therapie nicht ein, wird entsprechend den Differenziadiagnosen die weiterführende Diagnostik durchgeführt, die Aufschluss darüber geben soll, was es letztlich sein könnte. Meist erfolgt die Diagnostik dann bei einem fachärztlichen Kollegen, beispielsweise in Form von Bildgebung (CT/MRT/Röntgen/etc.), histologischer Untersuchung entnommener Gewebeproben oder spezifischer Laboruntersuchungen. Diese lassen dann die Befunde dem behandelnden Hausarzt zukommen, sodass die weitere Therapie über denselben erfolgt.
Dass während eines Patientengespräches ein Kollege angerufen wird, habe ich bis heute noch nie erlebt. In Krankenhäusern werden diese natürlich mal zu Rate gezogen, aber in Praxen ist es doch eher eine Seltenheit - wenn überhaupt, würden sich beispielsweise die Ärzte einer Gemeinschaftspraxis in Abwesenheit der Patienten unterhalten, das habe ich mehrfach sogar erlebt. Dann wird den Kollegen kurz und knapp die Situation dargestellt und ihre Meinung gehört. Das ist in meinen Augen echt ein großer Vorteil, wenn man sich untereinander austauschen kann, denn ich bin ebenfalls der Meinung, dass ein Arzt nicht alles wissen kann, sodass der rege Tausch untereinander einen immer wieder auf dem aktuellsten Stand hält und man immer wieder was Neues dazulernt.
Verallgemeinern kann man bei Deiner Frage nicht. Alle Ärzte verfahren da individuell, es gibt keine Art "eindeutige Richtlinie", wie ein Arzt sich in so einer Situation verhält. Selber habe ich auch schon verschiedenste Vorgehensweisen erlebt. Ich denke, was passiert, ist von der Einstellung und Persönlichkeit des Arztes abhängig.
So habe ich Ärzte gehabt, die ganz fair waren und sagten, dass sie nicht sicher seien. Ich hatte auch mal einen Arzt, der rief tatsächlich gleich bei seinem Kollegen an und fragte den um Rat. Einige Ärzte hingegen hätten vielleicht Angst, sich diese Unwissenheit einzugestehen, und hätten sonst welche "Tarnmanöver" durchgeführt, um ja nicht inkompetent zu wirken. Das finde ich aber ehrlich gesagt schlimmer, als wenn ein Arzt menschlich und ehrlich ist und einfach sagt, wenn er etwas nicht sicher weiß, und dann eben weiter recherchiert oder aber eben einen Kollegen um Rat fragt. Ich finde Ehrlichkeit nämlich sehr wichtig im Vertrauensverhältnis und in der Beziehung zwischen Arzt und Patient.
Aber, so individuell wie das eben ist, gibt es dann eben auch schwarze Schafe. So einen Arzt hatte ich auch einmal, das war dann aber auch meine erste und letzte Behandlung bei ihm. Er stellte nämlich eine Fehldiagnose, und was für eine bescheuerte.
Es war nämlich so, dass ich einmal mit Schmerzen im Rachen und weißen "Plättchen" auf den Mandeln zu diesem neuen Arzt gegangen bin. Zu meinem üblichen Arzt konnte ich leider nicht, denn der war mehrere Wochen im Urlaub und hatte auch keine Vertretung für seine Praxis. An sich waren die Schmerzen nicht unerträglich, aber diese Plättchen auf den Mandeln sahen schon komisch aus und ich wollte sicherstellen, dass es nichts Ansteckendes ist. Und nachdem ich von einigen Laien, denen ich diese Plättchen beschrieben hatte, gehört hatte, dass das gut eine Mandelentzündung sein könne, dass aber beispielsweise auch Pfeiffersches Drüsenfieber oder aber eine andere Infektionskrankheit sein könne, wollte ich das natürlich absolut und möglichst schnell geklärt haben.
Als ich dann beim Arzt war, starrte der erst irritiert in meinen Rachen. Dann piekste er mit einem Stäbchen auf den Mandeln herum. Wirklich überzeugt wirkte er nicht. Dennoch sagte er gleich aus, dass sei entweder Pfeiffersches Drüsenfieber oder aber eine andere Infektion, an deren Namen ich mich jetzt aber nicht mehr erinnern kann. Ich fragte daraufhin, ob man, um zu erkennen, was von beidem es ist, nicht vielleicht eine Überweisung zum HNO-Arzt ausstellen könnte. Der Arzt verneinte und meinte nur, beide Erkrankungen ließen sich durch Antibiotika bekämpfen. Und so verschrieb er mir eine Packung. Und nachdem ich nach einer Woche, nachdem die Tabletten aufgebraucht worden sind, wiedergekommen bin, weil sich nichts getan habe, wurde mir bloß die nächste Packung verschrieben.
Als sich dann nach einer weiteren Woche nichts getan hatte, habe ich mir bei einem anderen Arzt einfach eine Überweisung geholt und bin dann zum HNO-Arzt gegangen. Der war völlig entsetzt, dass ich Antibiotika bekommen hatte und diese dann auch noch zwei Wochen lang einnehmen sollte, denn er erkannte wirklich auf den allerersten Blick, dass ich lediglich an Austrocknungen an den Mandeln litt. In Kürze stellte sich heraus, dass die Ursache wohl war, dass ich eh etwas erkältet war, zu dem Zeitpunkt ein die Schleimhäute austrocknendes Antiallergikum einnahm (was ich übrigens auch dem anderen Arzt gesagt hatte), und dass ich kurz vorher renoviert hatte, und die Wandfarbe wohl auch etwas belastend für die Atemwege und Mandeln war, trotz guten Lüftens. Also hatte ich leichte Austrocknungen an den Mandeln, die auch weißlich und punktuell aussehen, und ich bekam als Maßnahmen Inhalationen und eine Feuchtigkeit spendende Schleimhaut-Salbe verordnet. Tatsächlich waren die Beschwerden in nicht einmal einer Woche weg.
Da denke ich mir nur, dass der vorherige Arzt doch bitteschön einmal hätte eine Überweisung ausstellen können, statt mir einfach bei unklarer Diagnose Antibiotika-Bomben zu verpassen. Aber anscheinend war er zu stolz, seine Zweifel zuzugeben. Das hat mir ausgereicht, diesen Arzt danach nie wieder aufzusuchen. Hätte er mich hingegen kompetent und gut behandelt, dann wäre ich vielleicht in Zukunft häufiger zu ihm gegangen, denn mein normaler Arzt war schon alt und wäre in einigen Jahren sicher in Rente gegangen, da hätte ich also ohnehin einen neuen Arzt gebraucht.
Ich würde sagen dass es auf den Arzt drauf ankommt. Wir haben jetzt schon zwei Fälle in der Familie und Bekanntschaft wo die Ärzte ziemlich versagt haben. Einmal wurde ein gebrochener Wirbel übersehen, einmal ein zertrümmertes Gelenk. Keine Ahnung, diese Ärzte haben sich wohl nicht wirklich für den Patienten interessiert. Normalerweise würde ich sagen sollte ein Arzt wenn er sich nicht ganz sicher ist bei einem Kollegen nachfragen oder in Bücher nachsehen. Oder im Internet. Aber einfach sich auf sich selbst verlassen und wird schon richtig sein kann es doch auch nicht sein. Aber leider ist das immer wieder der Fall.
Aber ich kenne auch einen Arzt der zuerst sagt alles ist so und so und auch auf Rückfragen dann keine andere Antwort gibt, aber es kann dann sein das er sich am nächsten Tag meldet und einen noch mal in die Praxis bestellt und alles Mögliche andere sagt. Entweder er sagt das er mit Kollegen telefoniert hat und so weiter. Das finde ich auch nicht schlecht.
Es kommt sicherlich auch darauf an, wo der Arzt arbeitet und man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Bei einem Hausarzt finde ich das immer ein bisschen schwierig. Wen soll er denn fragen und so kann man da auch sicherlich eher bei einem Facharzt landen, um auf Nummer sicher zu gehen.
Im Krankenhaus läuft das alles ein bisschen einfacherer ab. Dort muss man sich zwangsläufig auch mit den Meinungen anderer Ärzte auseinander setzen, weil dort alles besprochen wird. Zudem hat man da auch einen Chefarzt, den man fragen kann und auch fragen wird. Die Probleme der Patienten werden da regelmäßig besprochen.
Es gibt aber immer fähige und interessierte Ärzte und Ärzte, die einfach ihr Glück versuchen und sich nicht so richtig weiterbilden. Manche Ärzte machen eben seit Jahren dasselbe und die Patienten kommen trotzdem. Man kann Fehldiagnosen aber nur durch viel Erfahrung und Wissen ausschließen. Bei anderen Kollegen nachzufragen sollte da nur als positiv angesehen werden.
Wie ich an euren Berichten feststellen kann, findet ihr es auch gar nicht schlimm und sogar richtig, dass ein Arzt, wenn er sich nicht sicher ist, um welche Krankheit es sich handeln könnte, einen Kollegen um Rat fragt. Das ist ja auch meine Meinung. Ich glaube, dass so auch die meisten Patienten denken werden. Nur, das wissen wahrscheinlich die Ärzte nicht und meinen, dass die Patienten denken könnten, er wäre nicht kompetent genug.
Alle in einer Praxis praktizierenden Ärzte haben einmal eine zeitlang in Krankenhäusern gearbeitet und sollten sich deshalb daran erinnern, dass eben auch Gespräche mit Kollegen sie oft in der Behandlung eines Patienten weitergebracht haben. Warum das dann später, wenn sie eigene Praxen haben, nicht mehr gemacht wird, ist sehr schade und zum Nachteil manchen Patienten.
Wenn ich das lese, was Wawa666 passiert ist, frage ich mich, ob es hätte verhindert werden können, dass sie so viel Antibiotika einnehmen musste. Denn gerade die unnötige Einnahme von Antibiotika sorgt für resistente Bakterien und somit dafür, dass diese Mittel nicht mehr helfen.
Was ich gut finde, dass bei Gemeinschaftspraxen einer den anderen fragen kann und es immer einen Ansprechpartner gibt. Es wird nicht nur Geld für Praxis und Personal gespart, sondern es hat auch den Effekt, den ich schon erwähnt habe.
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-228027.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4053mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2167mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern? 1388mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: Ampelmännchen · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Familie & Kinder
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern?
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2701mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien 3425mal aufgerufen · 16 Antworten · Autor: Federmäppchen · Letzter Beitrag von mittenimleben7
Forum: Film & Fernsehen
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien
