Ärzte suchen neben Patienten in Google nach Diagnosebefund!
Eine Bekannte hatte Anfang des Jahres einen echt blöden Unfall. Ihr ist etwas richtig blöd auf den Fuß gefallen. Sie dachte halt eine Prellung und hat gewartet. Nachdem es nicht besser wurde ging sie ins Krankenhaus. Dort wurde ein Röntgen und ein CT gemacht. Sie hat mir dann erzählt dass die Ärzte dort mit dem Röntgenbefund und dem CT Befund nicht wirklich etwas anfangen konnten und neben ihr begonnen haben in Google nach der Lösung zu suchen. So haben sie die Befunde interpretiert. Eigentlich schockierend. Sie haben dann die Empfehlung gegeben das sie den Fuß ruhig halten soll und eine Salbe haben sie verschrieben. Es ist nur eine Prellung. Für den Fall das es nicht besser wird soll sie noch mal kommen. Aber eine Prellung dauert schon seine Zeit.
Nun gut, die Schmerzen wurden nicht besser, aber es dauert ja seine Zeit. Als es nicht besser wurde ging sie dann zu einem Orthopäden und nicht mehr ins Krankenhaus. Dieser veranlasste ein MRT und stellte fest dass das Zehengelenk komplett zertrümmert ist. Dadurch dass es jetzt länger her ist und alles falsch zusammengewachsen ist kann man nur noch das Gelenk versteifen und dadurch die Schmerzen lindern. Operationstermin steht und meine Bekannte ist froh dass jetzt endlich etwas gefunden wurde.
Was mich aber viel mehr stört ist die Suche der Ärzte in Google. Und das noch vor dem Patienten. Ich denke wenn sie sich nicht mit dem Röntgenbefund ausgekannt haben dann werden sie doch einen Kollegen im Haus haben der ihnen weiter hilft. Sicher haben sie nur Begriffe gegoogelt, aber was ist das nächste Mal. Geben sie dann die Symptome bei Netdoktor ein und warten auf eine Antwort? Ich finde das schon sehr schockierend. Ich persönlich hätte hier das Krankenhaus verlassen und wäre in das nächste gefahren. Ich hätte mir das nicht bieten lassen. Wie hättet ihr reagiert wenn die Ärzte bei eurem Befund in Google nachgeschaut hätten?
Das ist nun echt schockierend, wenn es wirklich so war, dass die Ärzte den Befund deiner Bekannten nicht interpretieren konnten und dazu Google befragen mussten. Ist sich deine Bekannte denn sicher, dass es Google war und nicht ein Programm für Ärzte, was vielleicht ähnlich aussah und verwechselt hätte werden können?
Wenn ich das gesehen hätte, dann wäre ich vermutlich gleich woanders zu einem Orthopäden gegangen und hätte vermutlich auch gleich die Aufnahmen mitgenommen, denn wenn die Ärzte im Krankenhaus schon nicht fähig sind, eine Aufnahme zu deuten, dann vielleicht doch ein niedergelassener Kollege. Allerdings sollte man annehmen, dass man gerade im Krankenhaus sehr gut ausgebildete Ärzte sitzen haben sollte, die so etwas banales können, denn Röntgenaufnahmen zu interpretieren sollte ja eigentlich mehrmals zu ihren täglichen Aufgaben gehören.
Ich selber hatte auch einmal ein Schlüsselerlebnis, weshalb ich im Zweifelsfall nun immer eine Zweitmeinung einholen würde. Ich habe mir vor etwa zwanzig Jahren einen Finger geprellt. Der Arzt in einer Privatklinik, wo ich damals hin bin, hat ebenfalls geröntgt und die Aufnahme zur Interpretation über eine braune Schreibunterlage gehalten. Er kam zu dem Ergebnis, dass es sich um einen Kapselanriss handeln sollte und ich den Finger ruhig stellen sollte.
In Wahrheit war es aber ein Bruch und als man das bei einem anderen Arzt gemerkt hat, war es auch schon zu spät, denn das abgebrochene Stück ist nach unten gerutscht und dort fest gewachsen. Ich hatte anfangs große Mühe und Schmerzen, aber zum Glück habe ich es geschafft durch viel Gymnastik den Finger wieder komplett beweglich zu bekommen. Lediglich eine kleine Verdickung ist übrig geblieben an der Stelle, wo das Stück Knochen herunter gerutscht und fest gewachsen ist.
Ich finde die Situation, die deine Bekannte anscheinend erlebt hat, auch ziemlich schockierend. Wenn ich mal so überlege, dass die Ärzte neben mir sitzen und ich alles mitbekommen kann und die Ärzte dann in Google herumsuchen würden, um herauszufinden, was ich haben könnte, weil sie mit den Röntgenbildern nichts anfangen könnten, dann wäre ich persönlich ziemlich verunsichert. Ich gehe in ein Krankenhaus mit der Erwartung, dass die Ärzte mir dort helfen können und mir eine richtige Diagnose stellen können und nicht damit die Ärzte raten können, was ich habe.
In so einem Fall denke ich mir doch auch, dass es sicherlich kein kleines Krankenhaus gewesen sein muss und, dass man hätte, einen Kollegen zurate ziehen können, der vielleicht etwas Ahnung von der Thematik hat. Ansonsten hätte man die Patientin auch weiter überweisen können zu einem anderen Arzt oder zu einem Spezialisten. Zu dem hätte man die Röntgenbilder mit an den anderen Arzt weiterleiten können, damit dieser letztendlich die Diagnose hätte stellen können. Dann hätte sich deine Freundin sicherlich eine Operation nun sparen können.
Wenn mir mal so etwas passieren sollte, dass die Ärzte nach der Diagnose im Internet suchen, dann würde ich ziemlich unsicher werden, ob die Leute überhaupt Ahnung von der Sache haben. Ich würde mir zwar anhören, was für eine Diagnose ihnen das Internet gestellt hat, aber danach würde ich mich sofort auf den Weg zu einem anderen Arzt machen. In erster Linie natürlich, um zu schauen, ob die Verletzung wirklich nicht gravierend ist und in zweiter Linie, um zu schauen, ob die Diagnose vom Krankenhaus mit der Diagnose eines anderen Arztes übereinstimmt. Ich hätte es nicht so hingenommen und hätte gewartet.
Ich finde es nun nicht schockierend, sondern eher seltsam. Deine Bekannte geht eindeutig zum falschen Arzt. Wenn Ärzte mal was googlen, ist das kein Problem, dann aber bitte nicht so, dass der Patient es mitbekommt. Je nach Röntgenbild ist die Diagnose doch ebenfalls recht klar, so dass man sich maximal vergewissern muss, dass es wirklich diese Verletzung ist. Dieses sichtbare Googlen würde mich schon sehr irritieren.
Auch hätte der Arzt einen Kollegen zur Rate ziehen können, wenn es möglich war. Vielleicht war der Arzt auch nur sehr unerfahren und unsicher. Aber das sind nur Spekulationen. Ich hätte schon gefragt, ob man die Diagnose nun ausreichend ergooglet hätte und ob ich nun auch mit einer zuverlässigen Diagnose rechnen kann. Ich hätte wahrscheinlich auch mein Smartphone ausgepackt und gefragt, nach welchen Begriffen ich googlen soll. Dann wäre ich wahrscheinlich zu einem anderen Arzt gegangen.
Ich war über diesen Bericht auch entsetzt und finde es wahrlich nicht professionell, wie die Ärzte sich bei deiner Bekannten verhalten haben. Dass man auch als Arzt nicht alles wissen kann, ist mir klar und dafür habe ich Verständnis. Aber dass man dann bei Google nach sieht, was ein Röntgenbefund bedeuten könnte, das finde ich schon ziemlich daneben, vor allem dann, wenn die Patientin es mitbekommt. Aber andererseits war es vielleicht sogar gut, dass deine Bekannte es mitbekommen hat, damit sie ihre Schlüsse über die Kompetenz der Ärzte daraus ziehen konnte.
Es ist natürlich schade, dass sie so lange gewartet hat, bis sie eine zweite Meinung eingeholt hat, aber es ist schon klar, dass sie eben dachte, dass die Ärzte die richtige Diagnose gefunden haben. Gerade in einem Krankenhaus sollte man doch meinen, dass viele Experten vor Ort sind und die gestellte Diagnose richtig ist. Ich denke trotzdem, dass ich in einem solchen Fall auf dem Absatz kehrt machen und ein anderes Krankenhaus oder einen anderen Arzt aufsuchen würde.
Leider bin ich im letzten Jahr auch zu solch einem Arzt gekommen, der sogar Stationsarzt ist und sich eigentlich auskennen müsste. Als ich mehrere Medikamente zu meiner Hauterkrankung "Rosazea" durch hatte und nichts wirklich anschlug, wusste er sich nicht mehr anders zu helfen als im Umkreis liegende Hautärzte telefonisch vor meinen Augen zu kontaktieren und zu fragen, was man denn noch hinzu ziehen könnte an Medikamente.
Ich dachte ich seh nicht recht als er zwei Hautärzte anrief, denn zuvor meinte er noch, das wenn nichts anschlägt, er mich mal stationär einbehalten würde, um über mehrere Wochen die Verlauf der Krankheit zu beobachten. Ich hatte mich schon darauf eingestellt und war einfach nur schockiert darüber, denn dieser Stationsarzt zu dem ich ging, arbeitete in einer großen Klinik für Hautkrankheiten und ich bezahlte diese Gespräche, da die Krankenkasse diese nicht übernahm.
Seit ich diesen Vorfall erlebte, habe ich meinen Hautarzt gewechselt und es geht mir mit meinem neuen Hautarzt wesentlich besser und er ist kostengünstiger, da die Krankenkasse diese Kosten übernimmt.
Barbara Ann hat geschrieben:Aber dass man dann bei Google nach sieht, was ein Röntgenbefund bedeuten könnte, das finde ich schon ziemlich daneben,
Genau man malt dann das Röntgenbild im Googlesuchfeld nach und Google sagt dann was es ist. Ich glaube das stellt ihr euch etwas einfach vor. Man muss ja schließlich erstmal wissen wonach man da überhaupt googelt um etwas sinnvolles zu finden. Und auch der Orthopäde hat sich ja entweder die Röntgen- und CT-Aufnahmen gar nicht erst angesehen oder eben auch nichts darauf erkannt und hat eine zusätzliche Untersuchung veranlasst.
Was natürlich wirklich blöd aussieht, ist sowas vor dem Patienten zu machen, da es dann ja genau die Reaktionen auslöst, die man hier sieht. Die Ärzte sind zu blöd Röntgenbilder zu befunden ohne das jemand von uns das wirklich beurteilen kann, ob da jetzt was ganz banales übersehen wurde oder es sich da um eine sehr seltene Verletzung handelte.
Grundsätzlich habe ich da überhaupt nichts dagegen, wenn man sich neben dem eigenen Wissen auch das Wissen anderer bedient. Das ist allemal besser als eine Entscheidung zu treffen, obwohl man weiß, dass man im Grunde gerade keine Ahnung hat. Aber ich würde sowas eben nicht vor Patienten machen, sondern zwischen zwei Patienten.
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