Aus welchem Grund sind Impfungen im Arm effektiver?

vom 03.11.2013, 22:55 Uhr

Die einzige Impfung, die ich eigentlich noch regelmäßig alle paar Jahre bekomme, ist die Tetanus-Impfung. Die erste Tetanus-Impfung an die ich mich erinnere, bekam ich in mein Gesäß. Was mir eigentlich auch ganz recht war, da ich extrem auf diese Impfung reagiere.

Die letzte Tetanus-Impfung wurde mir allerdings in den Arm gegeben. Das wurde von Seiten der Ärztin damit begründet, dass die Impfung dort einfach effektiver sei. Ganz generell würde man nicht mehr ins Gesäß impfen. Da ich wieder recht heftig auf die Impfung reagiert hatte, war das am Arm natürlich weniger schön.

Warum ist das Impfen in den Oberarm effektiver als das Impfen an einer anderen Körperstelle? Ich konnte den Arm über Tage nicht wirklich bewegen. Da ich eh krank geschrieben war, war das nicht wirklich schlimm. Aber wenn ich hätte arbeiten müssen, hätte das zum Problem werden können.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Impfungen in den Arm sind nicht effektiver, das ist schlichtweg falsch. Grundsätzlich müssen Impfungen in einen Muskel gegeben werden. Bei Erwachsenen gibt es im wesentlichen zwei Muskeln (je Körperseite), die man wegen ihrer Größe und Erreichbarkeit benutzt:

Der Erste ist der große Glutealmuskel (M. gluteus maximus) - einer der größten Muskeln des Körpers. Er ist nicht so gut zu erreichen, weil der Patient meist Gürtel, Hose, Strumpfhose und Unterhose ausziehen muss (und in der Medizin ist Zeit leider knapp). Aufgrund seiner Größe verträgt er aber auch größere Volumen (bis zu 5ml) und unangenehmere Substanzen (bestimmte Schmerzmittel) besser. Bei einer Injektion will man auf keinen Fall den in der Nähe liegenden "Ischias-Nerven" (korrekt: Nervus femoralis) verletzen. Deswegen benutzt man eine bestimmte Injektionstechnik und vermeidet, soweit möglich, die Injektion an dieser Stelle.

Der zweite ist der Deltamuskel (M. deltoideus), am seitlich-oberen Oberarm. Der Muskel ist leicht und schnell aufzufinden (Hemd hochkrempeln) und damit im Alltag praktisch. Der Muskel ist kleiner, nimmt also auch nur kleine Volumen auf; Je nach Mensch 0,5ml (kleine Frauen) bis 1,5ml (große Männer aus der Muckibude). Wenn man nur kleine Kanülen (die Nadel auf der Spritze) verwendet liegen auch keine wesentlichen Nerven in der Nähe.

Impfstoffe sind so hergestellt, dass sie meist 0,5ml Volumen haben und sind damit prima für den Deltamuskel geeignet. Chemisch gesehen sind sie auch nicht unangenehm wie z.B. die o.g. Schmerzmittel, also meidet man den Glutealmuskel für Impfungen. Die Unannehmlichkeiten nach Impfung sind anders zu begründen, mehr im kommenden Absatz.

Nun zu der Impfreaktion: Das eine Impfstelle im Laufe von Stunden bis Tagen anschwillt (und dann schmerzhaft wird), ist normal. Das spricht dafür, dass das eigene Immunsystem sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt (was es ja auch tun soll).

Kommt es sofort nach der Injektion zu einer Impfreaktion (binnen Minuten), muss diese sofort von einem Arzt beurteilt werden. Kommt es allerdings Innerhaltb von Tagen bis Stunden zu dieser Reaktion ist das meist harmlos (trotzdem vom Arzt abklären lassen).

Harmlose Impfreaktionen kann man mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, z.B. Ibuprofen, behandeln. Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab und kann in jeder Apotheke oder beim Arzt erfragt werden. Das nimmt dann einen Großteil der Schmerzen.

PS: Die Tetanusschutzimpfung sollte man alle 10 Jahre auffrischen. Aber das ist nicht die Einzige, auch Keuchhusten (Pertussis) und einen speziellen Durchfall (Diphterie) kann man gleich in einer Impfung miterledigen - es gibt einen Mehrfachimpfstoff. Ein Pieks, dreimal Wirkung.

Am Rande: Gerade Eltern junger Kinder tun etwas Gutes für ihre Kids, wenn sie gegen Keuchhusten geimpft sind. Kinder werden zwar standardmäßig dagegen geimpft aber es dauert bis der Impfschutz anschlägt. Geimpfte Eltern schützen, weil sie selbst die Krankheit nicht übertragen.

» samu.el » Beiträge: 16 » Talkpoints: 12,54 »


Ganz ehrlich? Ich hab schneller die Hose runter und die Unterhose beiseite geschoben, als den Oberarm frei gelegt. Bei der Schweinegrippeimpfung hatte die Ärztin ihre helle Freude, als sie mich bat den Oberarm frei zu machen. Mit Oberteile hoch schieben war das nicht möglich. Grippeimpfungen bekomme ich eigentlich von der Arzthelferin und die wartet auch, bis ich den Oberarm frei gemacht hat.

Da die Tetanus-Impfung sicherlich in absehbarer Zeit fällig wird, sollte ich dann doch mal nachfragen, ob nicht doch eine Impfung in den Gesäßmuskel möglich ist.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich vermute mal, dass man da nicht nur von dir ausgehen kann. Je nach Jahreszeit ist eben nur ein kurzer Ärmel über dem Oberarm. Zumindest beim größten Teil der Patienten. Da ist es wirklich eine Sache der Zeit, wenn man dann die Impfung dort ansetzt. Ich persönlich bin auch bei einem langem Pullover schneller aus dem Ärmel raus, als dass ich die Hose unten habe.

Ich selbst reagiere zwar kaum auf Impfungen. Aber im Gesäß fände ich es mehr als unangenehm, wenn ich beim Sitzen auch noch Schmerzen hätte. Das ist doch im Arm wesentlich besser zu überstehen, da man den bei Bedarf doch anders schonen kann.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^