Heilungschancen und Lebenserwartung bei Lungenkrebs
Ich habe eben erfahren, dass der Onkel meiner besten Freundin Lungenkrebs hat. Soweit ich weiß ist es gerade festgestellt worden und ist wohl auch noch nicht sehr fortgeschritten. Nun habe ich mal gehört, dass Lungenkrebs der schlimmste Krebs ist, den man bekommen kann und dass da kaum Heilungschancen bestehen. Ist das richtig oder sind die Heilungschancen und die Lebenserwartung heutzutage doch höher?
Ist Lungenkrebs wirklich so aggressiv? Oder kann man den heutzutage doch gut heilen und wie wird in der Regel Lungenkrebs behandelt? So wie es ausschaut, wird der Onkel erst mal nicht operiert, sondern er bekommt erst eine Chemotherapie und Bestrahlung. Denkt ihr, dass im Anfangsstadium so ein Lungenkrebs besiegt werden kann?
Irgendeine Krebsart als die schlimmste zu bezeichnen, halte ich für falsch. Es hängt viel zu sehr vom Stadium ab, in dem der Krebs entdeckt wird. Das Problem bei Lungenkrebs ist, dass es meist erst spät entdeckt wird. Die ersten Symptome wie Bluthusten treten sehr spät auf und dann sind die Heilungschancen sehr gering. Wenn der Krebs aber eher zufällig entdeckt wird bevor der Patient Symptome zeigt, liegen die Chancen etwas bei 50:50. Aber es gibt auch noch Unterschiede zwischen dem sogenannten "kleinzelligen" und dem "nicht kleinzelligen" Bronchialkarzinom. Ersteres ist schwerwiegender und der Patient hat eine recht geringe Überlebenschance.
Aber so wie der Krebs immer unterschiedlich ist, ist es auch der Patient. Selbst eine "genaue" Angabe eines Arztes für genau den einen Patienten, wie hoch seine Überlebenschance ist, kann total daneben liegen. Es spielt einfach viel zu viel mit rein.
Ich finde es auch falsch, sich als Nicht-Betroffener dazu Gedanken zu machen. Ich habe es bei einer Freundin erlebt, dass viele sie nach der Diagnose gleich abgeschrieben haben. Sie sind einfach sofort von ihrem Tod ausgegangen. Das fand ich unglaublich grausam. Man darf eine einzelne Person nicht in eine Statistik packen. Man weiß einfach nicht, ob diese Person zu den 99% gehört oder doch zu dem einen Prozent. Wenn man die Person beim Kämpfen unterstützen will, muss man davon ausgehen, dass sie es schaffen kann.
Das kann man so pauschal nicht sagen. Es kommt auf die Art des Lungenkrebses an. Es stimmt, dass es eine der Krebsarten mit schlechter Prognose ist, weil er spät entdeckt wird und er meist nicht abgekapselt ist und wohl gut streut. Ist der Lungenkrebs denn zufällig entdeckt worden?
Eine Prognose kann nur der Arzt individuell ganz grob stellen, und auch die muss nicht stimmen. Über die neuesten Behandlungsmethoden bin ich leider nicht informiert. Man kann die Lunge ja leider nicht, wie etwa den Magen, herausoperieren, daher ist wohl eine Chemo- oder Strahlentherapie wahrscheinlich das Mittel der Wahl. Was anderes gibt es ja noch nicht.
@anlupa, ich hatte gelesen, dass Roland Kaiser eine neue Lunge transplantiert wurde, weil durch sein Rauchen die COPD Erkrankung so schlimm geworden war, dass die Bronchien so verengt waren, dass er keine Luft mehr bekam. Er wurde erfolgreich in der Uniklinik Hannover operiert und singt wieder. Bei Roland Kaiser, der täglich etwa 30 Zigaretten rauchte, war es kein Lungenkrebs. Aber ich glaube nicht, dass es ein Unterschied ist, ob man eine Lunge wegen COPD oder Lungenkrebs austauscht. Die Arbeit am Körper dürfte die gleiche sein. Vielleicht ist das erst der Anfang, eine Lunge zu transplantieren. Dann müsste es in absehbarer Zeit auch bei Lungenkrebs möglich sein. Nun ist Roland Kaiser ja kein armer Mann. Inwieweit Geld da eine Rolle spielt, weiß ich nicht. Aber mit Geld kann man eben viel mehr machen. Hat man keines, bleibt das Sterben.
Man kann durchaus Lungengewebe entfernen, wenn dieses vom Tumor befallen ist. Man darf sich die Lunge nicht immer als leeren Sack vorstellen. Sie ist ein Zellhaufen wie andere Gewebe auch. Da kann man ruhig ein Stück rausschneiden. Es werden sogar auch ganze Lungenflügel entfernt. Dann muss der Patient mit nur noch einem Lungenflügel auskommen. Die Möglichkeit hängt sehr stark vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Wenn der schon mit zwei Flügeln schlecht war, geht es nicht. Aber da Tumore auch nach dem Entfernen einfach an gleicher Stelle wieder wachsen, ist es eine Möglichkeit, die dies zumindest ausschließt.
Eigentlich ist es im Anfangsstadium die Standardvorgehensweise, den Tumor zu entfernen, wenn es eben der Zustand des Patienten zulässt. In den letzten Jahren wird aber oft versucht, den Tumor zunächst durch Strahlentherapie zu verkleinern und ihn dann erst zu operieren, falls es dann noch nötig ist. Ist der Krebs schon fortgeschritten, kann er oft inoperabel sein.
Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Ganz abgesehen davon, dass es einige Unterschiede in der Prognose beim Lungenkrebs je nach Ursprung des Karzinoms gibt, können auch Metastasen in der Lunge vorliegen, die primär auffallen, ohne, dass der Primarius erstmal auffällig wird. Nichtsdestotrotz sollte man Patienten mit Bronchialkarzinom nicht sofort als Tod abstempeln, weil es heutzutage teilweise sehr gute Therapien gibt, die sogar je nach Vorliegen einer Mutation zielgerichtet ausschließlich das Tumorgewebe bekämpfen, Stichwort Erlotinib und Gefitinib.
Je nachdem, aus welchen Zellen das Karzinom hervorgegangen ist und um welches Karzinom es sich letztlich handelt (es gibt, um mal einige zu nennen, das kleinzellige Bronchialkarzinom, das Plattenepithelkarzinom oder das Adenokarzinom), unterschiedet sich auch die Prognose - an dieser Stelle sei aber dennoch darauf hingewiesen, dass es sich letzten Endes um statistische Werte handelt und keineswegs den Werdegang und möglicherweise Ausgang der Therapie prophezeien. Insofern sollte man nicht unmittelbar nach der Diagnosestellung davon ausgehen, dass man nicht allzu lange zu leben hat. Unter den Bronchialkarzinomen besitzt das kleinzellige Bronchialkarzinom die schlechteste Prognose, da es eine Tumorverdopplungszeit von rund 10-50 Tagen besitzt, die Zellen sind also mitotisch hochgradig aktiv. Die Zellen des Plattenepithelkarzinoms verdoppeln sich - um mal als Vergleich heranzuziehen - in rund 300 Tagen. Die Häufigkeiten verteilen sich so, dass das Plattenepithelkarzinom mit rund 40% der häufigste Lungenkrebs ist: Eher zentral lokalisiert und sehr stark mit Nikotinkonsum assoziiert.
Allgemein ist zu sagen, dass trotz der individuellen Unterschiede unter den Tumoren die Prognose insgesamt schlecht ist. Das liegt daran, dass die Karzinome relativ spät symptomatisch werden und kaum Früherkennungsdiagnostik betrieben wird - wie das übrigens erfolgen soll, weiß kein Mensch, ein etabliertes Stagingprogramm liegt (noch?) nicht vor. Dennoch gibt es aber einige Faktoren, die prognoseentscheidend sind: Der histologische Typ (siehe oben), das Tumorstadium (je fortgeschrittener, umso schlechter), der Allgemeinzustand des Patienten, das Alter und das Geschlecht (Frauen haben eine höhere 5-Jahresüberlebensrate). Wie stark die Prognose vom Stadium abhängt, sei mal am folgenden Beispiel verdeutlicht: Das Nicht-Kleinzellige Bronchialkarzinom hat im Stadium I eine 5-Jahresüberlebensrate von rund 50%, im Stadium II eine 5-JÜR von 25% - man bedenke, dass es auch ein Stadium IV gibt, wo die Rate entsprechend viel niedriger ist.
Bei den Therapieoptionen gibt es einmal die chemotherapeutische und einmal die chirurgische Schiene. Insbesondere bei fortgeschrittenen oder gar metastasierten Karzinomen - die meisten Lungenkarzinome sind bei Erstdiagnose leider schon metastasiert - geht man eher chemotherapeutisch vor, bis zu gewissen Größen steht allerdings die chirurgische Methode im Vordergrund. Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom sagt man, dass man ein Platin-Präparat (Cis-/Carboplatin) und ein weiteres Chemotherapeutikum der neuesten Generation gibt, für die anderen Karzinome gibt es gewisse Schemata, die angewandt werden.
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