Gentests bei Ungeborenen verändert die Gesellschaft negativ?

vom 21.10.2013, 18:15 Uhr

Seit einiger Zeit ist es ja möglich bei Ungeborenen schon einen Gentest zu machen. Dies wird durch die Bauchdecke gemacht. Man nimmt Fruchtwasser oder gar schon das Blut aus der Nabelschnur. Dies wird nicht nur bei älteren Frauen gemacht, sondern auch schon bei jungen werdenden Mütter, wenn irgendwelche Auffälligkeiten während der Untersuchung sind.

Ich frage mich immer, was das soll. Verändern kann man nichts, wenn das Kind behindert sein sollte und eine Abtreibung in dem Stadium, wo man was feststellen kann ist schon sehr hart. Auf die Idee wäre man früher einfach nicht gekommen und ich denke, dass das eine negative Veränderung unserer Gesellschaft ist. Ein Kind, welches nicht so wird, wie wir es uns vorstellen wird aussortiert. Es wird getötet, auch wenn es schon "fast fertig" ist.

Denkt ihr, dass der Gentest bei ungeborenen Babys nicht gemacht werden sollte oder findet ihr, dass es ein guter Fortschritt ist, wenn man schon in der Schwangerschaft weiß, dass das Baby nicht so ist, wie man es sich erträumt hat? Bekommt das Baby von diesen Gefühlen nicht viel zu viel mit? Ich habe immer nur die Ultraschalluntersuchungen machen lassen, die der Arzt angeordnet hat und habe da schon Bedenken, weil man nicht weiß, was das Baby von den Ultraschallwellen mit bekommt. Denn schließlich werden auch Ultraschalllaute durch Wasser übertragen.

Was allerdings die Gentests angeht, würde ich niemals so einen Test machen lassen, weil ich ein Kind so annehme, wie es ist und würde ein Arzt meinen, dass beim Ultraschall was nicht stimmt, dann würde ich das Kind so annehmen wie es ist und nicht zweifeln wollen. Wie seht ihr den Fortschritt bei den Gentests im Mutterleib?

Benutzeravatar

» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ein Fruchtwassertest kann eine Fehlgeburt auslösen und das würde ich nicht ohne Grund machen. Ich hätte das als ältere Gebärende schon vor über 20 Jahren machen können, habe aber abgelehnt, da ich auch ein behindertes Kind zur Welt gebracht hätte. Die Gefahr der Gefährdung eines nicht behinderten Kindes war mir zu groß.

Aber ich sehe nicht, dass das die Welt negativ verändern sollte. Man darf ja das Kind nicht abtreiben, nur weil es voraussichtlich blaue statt grüne Augen bekommen wird. Und bei schweren Krankheiten ist das eine Gewissensentscheidung der Mutter, die eine individuelle, sehr schwere Entscheidung ist und keinen irgendwie gearteten negativen Einfluss auf die Gesellschaft hat.

Man bekommt nie das Baby, was man sich erträumt hat. Das ist eigentlich jeder Mutter bewusst. Sehr schwere genetische Behinderungen, die bei Vorbelastung auftreten können, und bei denen die Kinder nur wenige Tage Lebenserwartung haben, würde ich bei genetischer Belastung auch ausschließen wollen. Darin sehe ich auch nichts Negatives für die Gesellschaft. In diesem Fall würde ich nach reiflicher Abwägung auch einen solchen Test machen.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ich würde in einer Schwangerschaft eine Fruchtwasseruntersuchung ebenfalls ablehnen. Die Gefahr ist einfach zu groß und der Nutzen dafür zu gering. Und ja, ich gebe dir schon Recht. Wenn man es dann weiß, spürt das Kind die vielen negativen Gefühle. Aber je nach Charakter der Frau können die Zweifel und die Ängste ohne eine Fruchtwasseruntersuchung noch schlimmer sein.

Zur Zeit finde ich die Möglichkeit einer Fruchtwasseruntersuchung und frühzeitigen Feststellung einer Behinderung noch einigermaßen in Ordnung. Ich kann es gut verstehen, wenn man so einen erheblichen "Makel" am Kind frühzeitig erkennen will. Aber dies wird zu einem immer früheren Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich sein. Und dann kann man wirklich im großen Stil aussortieren.

Im Endeffekt könnte es so möglich sein, dass gar keine behinderten Babys mehr auf die Welt kommen müssen. Bekommt man sein Kind dennoch, wird man sich viel Kritik gefallen lassen müssen. Aber eigentlich wäre es auch schön, wenn es keine behinderten Babys mehr gäbe. Im Grunde ist das ja etwas Gutes. Aber das würde unsere Gesellschaft wirklich sehr verändern.

Durch die Erforschung dieser Möglichkeit und die fortschreitende Akzeptanz der Methode werden auch weitere Untersuchungen ermöglicht. Und bald kann man dann auch andere Makel erkennen. Aber ich denke, von dem Zeitpunkt, an dem ein Kind abgetrieben wird, weil es keine braune Augen hat, sind wir noch weit entfernt. Ich fürchte mich eher davor, dass man das Kind schon vor der Befruchtung richtig hinmodeliert. Wahrscheinlich können sich das zunächst nur reiche Leute leisten. Ach, ich will das gar nicht weiter ausführen. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich sehe es nicht so dass so eine Möglichkeit die Gesellschaft negativ verändert. Jeder muss selber entscheiden ob er so eine Möglichkeit nutzt oder nicht. Ich persönlich würde es nutzen wenn zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung herauskommen würde das etwas nicht passt. Ich kann es mir nämlich nicht vorstellen zu meinen beiden Kindern jetzt ein Behindertes Kind zu bekommen. Also wirklich schwer behindert so dass das Kind kein Leben hat. Wir haben derzeit so einen Fall in der Verwandtschaft wo das Kind jetzt zwar mit einigen Monaten über den Berg ist aber ein 24 Stunden Pflegefall und das für sein ganzes Leben lang.

Es mögen manche verwerflich finden, aber ich könnte das nicht. Ich sehe dort wie das ältere Kind jetzt schon leidet wo das Geschwisterchen noch im Krankenhaus ist, wie wird es werden wenn es zu Hause ist. Das Baby wird nie ein normales Leben führen können, es wird nie sitzen können, nie sprechen und so weiter. In einem Gentest hätte das festgestellt werden können und in dem Fall hätte ich mich, so schwer es auch gefallen wäre, ich für einen Abbruch entschieden.

Benutzeravatar

» torka » Beiträge: 4376 » Talkpoints: 7,91 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^