Gibt es bei Pilzvergiftungen Gegengifte?
Mein Sohn ist gerade in Brasilien auf einer Rundreise. Ich würde nie in solche Gegenden fahren, weil ich viel zu viel Angst vor Schlangen und ähnlichem Getier habe. Mein Sohn erzählte mir aber, dass er ein Gegengift bekomme, wenn er von einer Schlange gebissen würde. Also sei das gar nicht so schlimm.
Es ist ja gerade Pilzzeit bei uns und unsere Nachbarn sammeln fleißig. Ich kenne mich da gar nicht aus und mache immer so meine Witzchen über Knollenblätterpilze, wenn ich sie mit ihrer Ausbeute treffe. Nun ist es ja so, dass wirklich Leute an Knollenblätterpilzen sterben. Gibt es da eigentlich kein Gegengift? Man weiß doch meistens, welcher Art die Pilzvergiftung ist, und da müsste man doch eigentlich ein Gegengift geben können. Bei Schlangen geht das doch auch. Kennt sich da jemand von euch aus? Gibt es Gegengifte für Pilzgifte?
Bei Vergiftungen mit Pilzen wird eher versucht, das Gift aus dem Körper zu bekommen. Ist die Aufnahme der Pilze noch nicht so lange her, ist also noch Unverdautes im Magen, wird ein Erbrechen erzwungen. Auch den Darmtrakt kann man leeren, damit dort nicht weiter Gift in den Körper aufgenommen wird. Ein weiterer Schritt wäre die Reinigung des Blutes durch eine Dialyse.
Es gibt aber auch Gegengifte. Je nach Art des Giftstoffes, also der Art des Pilzes, gibt es Gegengifte, die verabreicht werden können. In Russland wird z.B. gerne die Frühjahrslorchel gegessen, obwohl man sie zwei Mal abkochen soll. Das Gift dieser Lorchel - Gyromitrin - hemmt einen Stoff im Zentralnervensystem, das Pyridoxin. Dem Patienten wird also zusätzliches Pyridoxin gespritzt, damit letztlich die Menge, die das Pilzgift hemmt, überschritten wird. Zusätzlich müssen aber dennoch alle anderen Maßnahmen durchgeführt werden.
Das Gift des Fliegenpilzes ist in diesen nur in sehr geringen Mengen vorhanden. Dennoch ist es nach ihm benannt - Muskarin - und kommt in anderen Pilzen in größeren Mengen vor. Da es einem körpereigenen Stoff - dem Acetylcholin - sehr ähnlich ist, besetzt es die gleichen Rezeptoren im Nervensystem wie dieser und ruft so die Symptome wie Sehstörungen hervor. Wenn Atropin gespritzt wird, verdrängt dieses das Muskarin von den Rezeptoren und die Symptome klingen ab.
Ich denke, das größte Problem bei einer Pilzvergiftung ist es, den verursachenden Pilz zu bestimmen. Es gibt definitiv kein Gegengift, das man einfach allen Patienten spritzen kann, denen nach einem Pilzgericht schlecht wird. Daher liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf den anderen Maßnahmen, um das Gift aus dem Körper zu bekommen. Oder auch, um einfach nur die Symptome zu lindern und die Vergiftung so zu überstehen.
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